Vor dem Parlament in Athen warten Reporter auf Ergebnisse der nächtlichen Sitzung des Kabinetts von Ministerpräsident Papandreou. © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Das griechische Kabinett hat in der Nacht einstimmig für eine Volksabstimmung über das mit der EU ausgehandelte Rettungspaket votiert. In einer Sitzung der Minister bekam Ministerpräsident Giorgos Papandreou außerdem Rückendeckung für seinen Plan, im Parlament die Vertrauensfrage zu stellen. Einige Minister bemängelten, sie seien nicht rechtzeitig über den Vorstoß zu einem Referendum informiert gewesen. Sie versicherten jedoch, den Regierungschef bei der anstehenden Abstimmung zu unterstützen. Die befürchtete Regierungskrise scheint damit vorerst abgewendet.

"Das Referendum wird eine klare Nachricht für den Euro sein", sagte Papandreou nach dem siebenstündigen Treffen seines Kabinetts. Mit der Abstimmung werde "Griechenland eine eindeutige Botschaft nach innen und nach außen senden über unser europäisches Engagement und unsere Zugehörigkeit zum Euro". Niemand werde in der Lage sein, Griechenlands Kurs innerhalb der Euro-Zone anzuzweifeln. Die europäischen Partner seien über die Pläne informiert und würden diese "respektieren und unterstützen". Lediglich einige "Spekulanten" an den Börsen spielten verrückt, weil sie Angst vor den Entscheidungen des Volkes hätten, sagte der Premier.

Die Abstimmung zur Vertrauensfrage soll am späten Freitagabend sein. Für Papandreou könnte es knapp werden: Die regierende Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) hat nur noch eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen im griechischen Parlament. Papandreou warnte vor Stillstand in Griechenland, sollte es eine Neuwahl geben. In diesem Fall steuere das Land auf seinen Zusammenbruch zu, sagte er. Beobachter halten eine Neuwahl für so wahrscheinlich wie lange nicht.

Oettinger: Die Folgen eines Neins sind unabsehbar

In Umfragen sind mehr als die Hälfte der Griechen gegen die harten Sparmaßnahmen, die Voraussetzung dafür sind, dass die Euro-Staaten Griechenland aus der Überschuldung helfen. EU-Kommissar Günther Oettinger sagte der Welt, mit dem Plan für ein Referendum bringe Papandreou den Euro in noch größere Gefahr: "Wenn die Griechen tatsächlich mit Nein stimmen, sind die Folgen unabsehbar." Schwächere Mitglieder der Euro-Zone seien in besonderer Weise auf Klarheit und Vertrauen angewiesen: "Für alle Länder, die nicht die höchste Bonität haben, verschlechtert sich die Lage erheblich." Oettinger empfahl Papandreou, sich eng mit den europäischen Kollegen abzustimmen. Ihm sei vorzuwerfen, die Abstimmung nicht auf dem vergangenen Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel thematisiert zu haben.

Deutschland, Frankreich sowie Spitzenvertreter von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds beraten heute im französischen Cannes über die neue Situation. Dort treffen sich ab Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der G-20-Gruppe. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen auf eine rasche und vollständige Umsetzung der Beschlüsse des vergangenen Euro-Gipfels für Athen dringen. Außerdem soll es Gespräche von Merkel und Sarkozy mit Papandreou geben.

Nachdem die Nachricht von einer Volksabstimmung die Kurse an europäischen Börsen sinken ließ, folgte der US-Handel ebenso ins Minus. Am Mittwoch gab es dann auch an Asiens Aktienbörsen Verluste. Ebenso gaben die Indizes in Taiwan und Südkorea nach.