Die afghanischen Taliban haben einen angeblichen Sicherheitsplan der Regierung für die traditionelle Stammesversammlung Loja Dschirga im Internet veröffentlicht. Das Material mit den Informationen wurde laut einer Mitteilung der Taliban von eingeschleustem Personal "in den Reihen der Feinde" der afghanischen Regierung besorgt. Das Dokument enthält eine Satellitenkarte des Geländes, auf dem die Versammlung stattfinden soll, Nummern der Mobiltelefone von hohen Sicherheitsbeamten sowie Informationen über den Einsatz von Sicherheitskräften.

Das afghanische Innenministerium bezeichnete das Dokument als eine "große Lüge" und "Teil einer psychologischen Kriegsführung" der Taliban. Die in Afghanistan stationierte Nato-Truppe Isaf teilte im Internet über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, das Dokument wirke nicht authentisch.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte die Einberufung der Loja Dschirga nach der Ermordung von Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani Ende September angekündigt. Sie soll am Mittwoch beginnen. Die Mitglieder der Loja Dschirga sollen über die Beziehungen des Landes zu den USA und über eine Friedensstrategie beraten. Die Taliban drohten mit Angriffen gegen die Konferenz.

Nach dem tödlichen Anschlag auf Rabbani hatte das US-Verteidigungsministerium vor einem Strategiewechsel der Taliban gewarnt. Verteidigungsminister Leon Panetta befürchtete weitere Anschläge auf ranghohe Persönlichkeiten. Die durch die Erfolge der internationalen Militärkoalition geschwächten Taliban seien zu "spektakulären Angriffen" übergegangen, sagte Panetta.

Bei der Zusammenkunft am Mittwoch werden über 2.000 Politiker, Stammesälteste und Unternehmer erwartet. Laut afghanischer Verfassung ist die Loja Dschirga "die höchste Manifestation des Willens des afghanischen Volkes". Sie wird "zur Beschlussfassung in Fragen der Unabhängigkeit, nationalen Souveränität, territorialen Integrität und der höchsten Interessen des Landes" von Staatspräsident Hamid Karsai einberufen. Ihre Treffen finden in unregelmäßigen Abständen statt. Es gibt keine Zeitbeschränkung und sie tagt solange, bis Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen werden nur als Konsens getroffen.