Afghanistan-Konferenz : Der schnelle Abschied von Afghanistan

In Bonn wird die Zukunft des Landes verhandelt. Kritiker nennen den Nato-Abzug Verrat. Aber das Bündnis kann gar nicht anders, es ist erschöpft. Ein Kommentar
Die afghanische Delegation auf der Petersberg-Konferenz in Bonn © OLIVER BERG/AFP/Getty Images

Deutschland wird Afghanistan auch nach dem Abzug der Nato-Soldaten im Jahr 2014 nicht im Stich lassen . Das ist das Versprechen der Bonner Afghanistan-Konferenz. Diese ist eine Mammutveranstaltung, 100 Delegationen aus über 80 Ländern, mehr als 1.000 Teilnehmer. So viel Afghanistan war in Deutschland nie. Doch stimmt diese Größe auch skeptisch. Denn wo lautes Getöse sich erhebt, da soll meist etwas verborgen werden.

In der Tat: Der Westen will das Kapitel Afghanistan möglichst schnell hinter sich lassen. Natürlich, man möchte ein einigermaßen stabiles Land zurücklassen, die vielen Milliarden, die man ausgegeben hat, die vielen Tausend Menschen, die den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt haben, sollen nicht umsonst gewesen sein.

Die Konferenz ist gewiss ein Beleg dafür, dass man sich noch einmal darum bemühen will. Doch die Grundmelodie ist die des Abschieds – nicht eines langsamen, sondern eines schnellen Abschieds, der nach 2014 einsetzen wird.

Der dreifache Verrat

Es ist im Moment sehr viel die Rede davon, dass der Westen doch Verantwortung für die Menschen in Afghanistan übernommen habe. Mache er sich nach 2014 davon, dann übe er Verrat. Nun, wenn man schon das Verhältnis zu Afghanistan in moralischen Kategorien fassen möchte, muss man feststellen, dass der Westen die Afghanen in den vergangenen Jahren wiederholt "verraten" hat.

Der erste und schlimmste Verrat geschah, als er nach dem Sturz der Taliban gemeinsame Sache mit den Kriegsherren machte, anstatt diese von der Macht zu verdrängen. Das nämlich hatten die Afghanen von der Nato erwartet. Das Ende der Kriegsherren war auch die Voraussetzung für einen echten Wandel gewesen.

Ein zweiter Verrat geschah, als der Westen ohne ein Wort des Protestes zusah, wie die Präsidentschaftswahlen 2009 massiv gefälscht wurden. Mag schon sein, dass der Westen drauf und dran ist, Afghanistan wieder zu verraten, doch diesmal ist es ein Verrat aus Schwäche.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Natürlich ist es Verrat des Westens, wenn er sich zurückzieht

Sollte der Westen sich tatsächlich auf eine Art und Weise aus Afghanistan zurückziehen, die es den Taliban - natürlich mit gehöriger Unterstützung aus Pakistan und Iran (diesen allseits bekannten Orten von Toleranz vor allem Frauen gegenüber)- gestatten wieder die Macht zu übernehmen, wird er das zweierlei bereuen:
1. direkter Gewalt gegen westliche Interessen , wie schon mehrmals (denke an Somalia), da sich in failed states sofort Terroristen niederlassen mit den bekannten Resultaten.

2. indirekt , wenn man seine Ideale verrät wird und Menschen in anderen Ländern im Kampf um die Freiheit im Stich lässt ist man eigentlich ein Schwein, dessen einziger Dank es sein wird, dass man vom Feind verhöhnt wird, der dann sich prompt ermutigt fühlt seine verbrecherischen Aktivitäten in angrenzende Gebiete auszuweiten (damit siehe 1.)

Terroristen können sich überall niederlassen.

"...da sich in failed states sofort Terroristen niederlassen mit den bekannten Resultaten."
Die mutmaßlichen 9/11-Attentäter haben genau wie die Zwickauer Rechtsterroristen in Deutschland gelebt und zwar unter den Augen der Geheimdienste.

Und bitte hören Sie auf den Krieg in Afghanistan als Kampf für Freiheit und Frauenrechte darzustellen. Damit verhöhnen Sie die Menschen in diesem Land.

Sie verhöhnen die Opfer der Taliban

Der Kampf um Afghanistan geht um gar nicht anderes als die Menschenrechte, vor allem nachdem Al Quaida neutralisiert wurde.

Da gibt es nicht die sprudelnden Ölquellen die von Verschwörungstheoretikern so gerne als Kriegsgründe des Westens herhalten sollen, das Land ist bettelarm!

Der einzige Grund sich zu engagieren ist es Berufsverbrechern -also den Taliban- die Herrschaft zu entreissen und abzusichern, dass sie nie wieder mit ihren kranken Ideen ein Volk terrorisieren können. Deswegen ist der Rückzug des Westens Verrat!

Es ist doch naiv zu glauben...

...daß wir a)unser Wertsystem in eine völlig andere Region mit eigener Geschichte und Tradition exportieren, und b)Herrschaft nachhaltig absichern können. Wieviele Soldaten wollen Sie den für wie lange am Hindukusch stationieren? Wer soll denn diese Aufgabe übernehmen?

Im übrigen läßt gerade Inr Kommentar vewrmuten, daß Sie nicht wirklich Verständnis für die Traditionen des mittleren Asiens aufbringen. Afghanistan hat eine über 3000 Jahre alte Geschichte - wir sollten die Menschen dort ihre Konflikte selbst lösen lassen. Alles andere ist nicht nachhaltig.

Afghanistan

Also, wenn wir Afghanistan den Afghanen überlassen, wäre im Prinzip ja OK, nur erzählen sie dies mal den Persern und Pakis.
Die haben ja so ihre ganz eigenen Interessen und so mancher Taliban kommt ja aus Pakistan zu einem kleinen Kampfausflug nach Afghanistan mal schnell rüber.
Da das land offiziel dann befriedet ist, können dann die Asylanten zurück ?
Wir sollten es auch so halten wie die Taliban : raus aus Afghanistan und ab und zu unangekündigt mal wieder besuchen.
oder , es wäre doch schön , wenn dann die UNO zur Friedensmission gerufen wird, das wäre dann das garantierte Ende des Staates.

Keinerlei Inernationales Interesse!

Welches Interesse sollte unsere Nation an einem solch entfernten Staat wie Afghanistan langfristig haben? Der Bündnisstreue zur USA ist genüge getan! Ein weiterer Beweis zur Mittellosigkeit unserer Bundeswehr ist vollbracht (ein Beweis unserer demokratischen Wehrlosigkeit, von wegen Menschenrechte, zivilen Opfern und Empörung über jede Leiche[was glauben sie lieber Leser was Krieg denn bedeutet]).
Eine möglichen Racheaktion (Terroranschlag in Deutschland) der "Islamistischen" Gruppierungen verschiedener Länder scheint mir nicht unrealistisch, sollte es nicht gelingen, die in Afghanistan kämpfenden Mächte durch innere Konflikte abzulenken. Oder die befreundeter Staaten und deren Bevölkerung.
Als Konsequenz des "Friedenstruppen-Abzuges" kann also nur eine Aufrüstung verschiedener innerländischer afghanischer Mächte erfolgen, sowie aufrüstung aller Oppositionen befreundeter Staaten Afghanistans.

Und am Ende der unausweichlichen Politik westlicher Prägung steht ein globaler Aufstand, nichtmehr zu kontrollieren, kaum noch zu bekämpfen!

Hoffen wir nur, dass dieser Konflikt ausbricht, bevor die aktuelle Finanzkriese unsere europäische Union zerfleischt, bevor wir durch diese Entwicklungen eine Chance zur Ablenkung und somit folgenden Überwindung unsere jetzigen Kriese verpassen!

{Afghanistan bedeutet für mich nicht Karzai!}

Jedwege Anfeindung für mein Kommentar nehme ich eine Antwort vorneweg: be easy und bleiben sie pragmatisch!

Sierra Golf

1. nach einem bericht die zeit ist de drogenanbau 2009
gegenüber dem vorjahr um über 20% gestiegen
2. lt. Focus sind schon von den russen, bodenschätze
(z.b. lithium) in höhe von über 1. Billion $ entdeckt
worden

...nix menschenrechte, der drogenanbau blüht weiter, mädchen die sich nicht fügen, werden immer noch mit säure verunstaltet, und wir finanzieren die korrupte regierung karsai, bis er 2024 in die rente geht, und das geld mit nato flugzeugen in der schweiz deponiert ist...

"das Land ist bettelarm!"

"Nach der Niederlage der Taliban werden Pläne für den Bau einer Erdgas-Pipeline durch Afghanistan wieder aktuell. In Boom-Märkten wie Pakistan und Indien wartet eine gigantische Nachfrage auf den Rohstoff. Experten glauben, dass US-Konzerne schon an neuen Bauprojekten feilen."

http://www.spiegel.de/wir...

"Riesige Rohstoffvorkommen liegen in Afghanistan: Die USA melden den Fund neuer Vorräte, die angeblich eine Billion Dollar wert sind."

http://www.spiegel.de/pol...

"Geologen haben in Afghanistan ein Erdölfeld gefunden. Nach einer ersten Schätzung soll es 1,8 Milliarden Barrel groß sein."

http://www.spiegel.de/wis...

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

so kann man das auch sehen:

afghanistan lebt schon seit jahrhunderten bettelarm. die rechte der frauen dort und in vielen ähnlichen staaten werden untergraben. in solch einem staat gilt das recht des stärkeren. jarhunderte elend, not, krieg, unterdrückung. und in usa bzw europa sitzen einpaar heinzelmännchen, die moral als eine auslegungs sache definieren wollen (siehe gutenberg, sarrazin...), und entscheiden wem geholfen werden darf, wem ein handelsembargo aufgedrückt werden soll, usw. politiker sind leider auch nur menschen, die kaum ahnung von dehm haben, dass sie zu tun gedenken.
mich fragt ja keiner, ist vieleicht auch gut so.

Der Autor nennt es Erschöpfung,

ich nenne es mit Feigheit gepaarte Kurzatmigkeit. Wieder einmal beweist der freie Westen den Menschen einer Region, dass es sich nur für wenige und nur kurzfristig lohnt, sich mit ihm zu verbünden und sich mit ihm für grundlegende menschenrechte einzusetzen. Wieder einmal werden Liberale, Frauen, Schwule den Preis dafür zahlen, sobald die Beulenpest namens "Taliban" ihre kleinkarierte, geistlose, rückständige Barbarei in Afghanistan rückimportiert, mit Hilfe von Terror gegen die Zivilbevölkerung, wie sonst.
Ich hoffe, der freie Westen findet keine Verbündeten mehr. Und Deutschland keine Soldaten. Der Westen wie Deutschland haben nichts verdient als Verachtung.
Ich trauere jetzt schon um die Menschen, die sich nach dem Abzug der steinzeitlichen Hexenjagd stellen müssen, die die Gegner der NATO in Afghanistan entfesseln werden. Gegen bildungswillige Frauen, nichtfundamentalistische Gläubige, nüchterne Politiker, gesetzestreue Beamte. Sie alle haben dem Westen einmal geglaubt ... Der aber ist inzwischen, wie seine Bewohner: Er wird nur noch initiativ, solange etwas kostenlos ist. Leicht. Kurzfristig erreichbar. Bequem. Anstrengungsfrei. Kurz - Twitter kompatibel.

@ #8 ThorHa

Ein ausgezeichnete Zusammenfassung, danke...
... die noch ein paar Zusatze erfordert, die man an Zitaten aus dem Artikel verdeutlichen kann.

„..das Bündnis … ist erschöpft.“

Das ist natürlich pure Heuchelei, wie man bald in Syrien und im Iran sehen werden kann. USA und NATO haben das Problem, dass zu viele Menschen sehen was in Afghanistan tatsächlich abgelaufen ist, und noch abläuft. Und sie weigern sich die Verlogenheit noch länger zu schlucken. Und dass ein „Sieg“ dort nur mit grösserem Aufwand zu erreichen wäre, als ihn sich die begrenzte Intelligenz des Pentagons vorstellen kann. Letzteres kennen wir ja bei den USA seit Vietnam und anderenorts zur Genüge.

„…die vielen Milliarden, die man ausgegeben hat, die vielen Tausend Menschen, die den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt haben, sollen nicht umsonst gewesen sein.“

und

„…dass der Westen doch Verantwortung für die Menschen in Afghanistan übernommen habe.“

Man möchte kotzen, wenn so viel Verlogenheit lesen muss.

Der Krieg wurde von Georg W Bush aus rein innenpolitischen Gründen begonnen, hat nicht nur viele Soldaten, sondern auch unzähligen Unschuldigen das Leben gekostet, und lässt ein Land zurück, das wesentlich schlimmer dasteht als vor 10 Jahren, und jetzt auch noch dazu, dank unserer "Hilfe" die Rache der neuen/alten Machthaber zu erdulden haben wird.

Nun, dann werden Sie ja, genau wie SierraGolf,...

...hinfort ihren Ölverbrauch um den prozentualen Anteil Saudi Arabiens an der Ölproduktion verringern ?

Denn die Saudies leben GENAU DIE GLEICHEN kulturellen Normen, die Ihnen bei den Taliban so aufstoßen.

Ich schätze die einen wie die andern keineswegs, aber Heuchler noch weniger.

Die Amerikaner haben naiven Menschen wie Ihnen solche Gründe präsentiert, gekämpft haben sie aber nie dafür, nichtmal in Afghanistan...
...und die Saudies werden sie noch unterstützen, wenn denen das eigene Volk schon mit Fackeln und Heugabeln an die Türe klopft.