Landarbeiterinnen in Niger © MUSTAFA OZER/AFP/Getty Images

Der Klimagipfel in Durban endete bekanntlich mit der Verschiebung des eigentlichen Problems. Die fast 200 Verhandlungspartner erzielten keine rechtsverbindliche Vereinbarung über die Reduktion von Treibhausgasemissionen, aber sie beschlossen, dies 2015 nachzuholen. Wir wollen hier nicht sarkastisch klingen – die Europäische Union hat sich mächtig ins Zeug gelegt für dieses Minimalergebnis.

Größere Fortschritte wurden hingegen bei der Anpassung an den Klimawandel gemacht. Gerade der Afrika-Pavillon mit Informations-Ständen aus verschiedenen Regionen zeigte die Verwundbarkeit dieses Kontinentes auf und betonte die Dringlichkeit für Anpassungsmaßnahmen.

Da die globalen CO2-Emissionen weiter steigen, muss aus den vorhandenen Anpassungsmöglichkeiten das Maximum herausgeholt werden. Auf früheren Klimagipfeln wurde man sich bereits einig, dass Anpassung und Minderung gleichrangig zu behandeln seien. Ausschüsse und Expertengruppen befassen sich seitdem mit diesem thematischen Schwerpunkt. Auf dem Klimagipfel 2009 verpflichteten sich die Industrieländer, Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Klimaanpassung zu unterstützen: mit 30 Milliarden Dollar im Zeitraum 2010 bis 2012 und jährlich 100 Milliarden Dollar ab 2020. Auf den letzten beiden Klimagipfeln gelang es nicht, konkrete Vereinbarungen zur Reduktion der weltweiten Treibhausgasemissionen zu erzielen. Die erwähnten Anpassungserfolge bewahrten diese Konferenzen immerhin vor einem kompletten Scheitern.

Anpassung bleibt ineffektiv, wenn USA und China nicht Treibhausgase reduzieren

Die gegenwärtigen Anstrengungen reichen jedoch bei weitem nicht. Ein aktueller Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) offenbart, dass der Klimawandel zu einer wachsenden Zahl extremer Wetter- und Klimaereignisse führen wird und dass arme Länder und Menschen am meisten unter dieser Entwicklung leiden werden. Viele von ihnen bekommen die Auswirkungen des Klimawandels schon heute zu spüren. 2010 veranschlagte die Weltbank die jährlichen Anpassungskosten in Entwicklungsländern auf 70 bis 100 Milliarden Dollar. Allerdings ging sie von niedrigeren CO2-Emissionen aus und berücksichtigte lediglich technische Anpassungsmaßnahmen wie Staudämme, Deiche und dergleichen. Gesellschaftliche und institutionelle Anpassungsaspekte – zum Beispiel capacity building und Ausbildung – müssen allerdings mit derselben Priorität behandelt werden.

In Ruanda und Kenia etwa ist die Bereitstellung von Wetterdaten mit landwirtschaftlichen Informationen verknüpft sowie mit einem verbesserten Zugang der Bauern zu widerstandsfähigerem Saatgut und Wasser. Ebenso wird eine stärker diversifizierte Lebensgrundlage gefördert. Entscheidungsträger sind aktiv an diesen Prozessen beteiligt. Diese Einbeziehung gesellschaftlicher und institutioneller Komponenten erhöht zwar einerseits die Investitionskosten und Komplexität von Maßnahmen, ist aber andererseits ein unabdingbarer Schlüssel für erfolgreiche Anpassung.

Trotz seiner Bedeutung wird das Thema Anpassung an den Klimawandel oft nur zögerlich angesprochen, um die verhandelnden Staaten nicht von der Notwendigkeit zur Emissionsminderung abzulenken. Anpassung bleibt auf lange Sicht weitgehend ineffektiv, wenn große Emittenten wie die USA und China ihren Ausstoß an Treibhausgasen nicht reduzieren. Als die Reduktionsverhandlungen auf dem Klimagipfel 2009 scheiterten, aber den Entwicklungsländern Geld für Anpassungsmaßnahmen angeboten wurde, vermutete Ian Fry, der Chefunterhändler Tuvalus, einen Judaslohn: "In meinen Augen bietet man uns 30 Silberlinge, damit wir unser Volk und unsere Zukunft verraten." Auf der diesjährigen Konferenz jedoch kritisierten einige Delegierte offen, dass das Thema Anpassung im Gegensatz zu Minderung in den Verhandlungen immer noch unterrepräsentiert sei. Dennoch – einige Fortschritte in Sachen Anpassung hat der Durban-Gipfel gebracht.

Von besonderer Bedeutung ist die Konkretisierung des Green Climate Fund, über den ein Großteil der jährlichen 100 Milliarden Dollar zur Finanzierung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen abgewickelt werden sollen. In Durban wurden eine Reihe von Beschlüssen zur Ausgestaltung und Steuerung dieses Fonds gefasst. Leider wurde nicht konkret festgelegt, wie diese Mittel aufgebracht werden sollen. Hinzu kommt, dass die Finanzierungszusagen der Industrieländer ab 2013 steigen müssen, damit der Fonds und die Klimafinanzierung insgesamt ihre Ziele erreichen können. Die Schweiz, Südkorea und Deutschland haben sich um den Sitz des Fonds beworben; überdies kündigte Deutschland an, zusätzliche 40 Millionen Euro für 2012 und 2013 bereitzustellen.