ZentralasienTadschikistan – vom Dschihad bedroht

Das ärmste und korrupteste Land Zentralasiens ist das islamische Tadschikistan. Es radikalisiert sich, gewaltsame Unruhen drohen. Ein Gastbeitrag von Alain Délétroz

Tadschikische Soldaten

Tadschikische Soldaten kontrollieren Passanten an der Grenze zu Afghanistan, einem der Brennpunkte des Landes.  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Überlebensfähigkeit autoritärer Staaten lässt sich so einfach nicht mehr vorhersagen. Das hat uns dieses Jahr die Arabische Welt gezeigt. Auch in Zentralasien kann es zu vergleichbaren Veränderungen kommen. Der Sturz des Bakijew-Regimes in Kirgistan im April 2010 bestätigt dies. Das ärmste Land der Region jedoch ist Kirgistans Nachbarstaat Tadschikistan, das besonders anfällig für Unruhen und Umstürze ist.

Alain Délétroz

ist Vizepräsident für Europa für die International Crisis Group, www.crisisgroup.org.

Die Infrastruktur hier ist noch heruntergekommener als bei den Nachbarn, die Wirtschaft ist völlig marode, die politische Führungsschicht Tadschikistans gehört zu den korruptesten überhaupt. Doch noch steht Tadschikistan vor einem anderen großen Problem: die wachsende Sicherheitsbedrohung, sowohl durch lokale als auch durch äußere Aufstände.

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Die Streit- und Sicherheitskräfte des Landes sind schwach. Zwischen 2010 und 2011 gelang es den Sicherheitskräften nicht, Kriegsherren und eine kleine Gruppe junger Aufständischer in der östlichen Region Rascht zu unterwerfen. Daraufhin schloss Präsident Emomalii Rahmon ein Abkommen, um die Region vorübergehend zu befrieden. Schon bald könnte er sich aber einer noch schwierigeren Herausforderung in Gestalt der wiederauflebenden Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) gegenübersehen. Ziel dieser Gruppe ist die Schaffung eines islamistischen Kalifats. In Afghanistan kämpfen sie Seite an Seite mit den Taliban.

Durch seine Nähe zu Afghanistan ist die Sicherheit des Landes umso stärker bedroht, der afghanische Konflikt rückt näher an die 1.400 Kilometer lange Grenze mit Tadschikistan. Viele regierungsfeindliche Guerillakämpfer, die im Norden Afghanistans operieren, stammen aus Zentralasien und sind zum größten Teil mit der IBU verbunden. Noch scheint diese sich auf den Kampf gegen die Regierung in Kabul zu konzentrieren. Doch irgendwann wird sie ihr Augenmerk nach Norden richten.

Eine neue Generation Guerillakämpfer entsteht

Wenn das eintritt, sieht es schlecht aus für Tadschikistan. Der Staat wäre kaum in der Lage, mit zielgerichtet kämpfenden Aufständischen fertig zu werden. Es gibt gerade mal eine einzige gut ausgebildete Guerillabekämpfungseinheit – mit etwas über dreißig kampffähigen Soldaten.

Sowohl in Tadschikistan als auch in der IBU entsteht gerade eine neue Generation von Guerillakämpfern: überwiegend Männer in ihren Zwanzigern, denen jegliche Erinnerung an den tadschikischen Bürgerkrieg von 1992 bis 1997 fehlt. Diese Entwicklung hat zwei Hypothesen den Boden entzogen. Die eine lautet, dass die IBU ein Haufen alternder Dschihadisten sei. Die andere lautet, dass die Erinnerung an den brutalen Bürgerkrieg die Tadschiken zu sehr abschrecke, um sich gegen das Regime zu wenden. Letzteres war lange ein Leitgedanke der Analysen der tadschikischen Führung und auch vieler ausländischer Regierungen.

Doch in Wahrheit hat es die säkulare, sowjetisch ausgebildete Führung, die aus dem Bürgerkrieg hervorging, jetzt mit einer Gesellschaft zu tun, die sich immer mehr zum praktizierenden Islam hingezogen fühlt. Die Antwort des Regimes darauf ist ebenso untauglich wie seine Bemühungen, die Region Rascht unter Kontrolle zu bringen.

Leserkommentare
  1. Der Autor sscheint so frei zu sein, die Auswirkungen von religös geprägten Terror und dem arabischen Frühling gleichzusetzen.
    Wenn es in Tadschikistan tatsächlich zu einer vermehrten Aktivität von Jihaddisten kommen sollte, glaube ich kaum, dass daraus eine Massenprotestbewegung entstehen wird, welche die Regierung stürzt. Es wäre viel eher von einem Wiederaufleben von Clanfehden und Bürgerkriegszuständen auszugehen, da es Tadschikistan eindeutig an einer organisierten Opposition (sei es auch an einer islamistischen), die bereit wäre, Macht zu übernehmen schlichtweg fehlt.

  2. Ich darf Wikipedia zitieren "1991 erklärte sich Tadschikistan für unabhängig und versank sofort im Bürgerkrieg zwischen islamischen Fundamentalisten und der Regierung von Emomalii Rahmon." Deshalb sollte es auch in unserem "westeuropäischen" Interesse liegen, dass Russland stabil und stark bleibt.

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    • LaoLu
    • 14. Dezember 2011 0:36 Uhr

    Und nicht nur Russland!

    Es gibt da in der Gegend noch einen Staat (mit 55 Minoritäten!), den interessierte Gruppen auch am liebsten sofort demokratisch zerlegen würden...

    • mkrm
    • 13. Dezember 2011 22:37 Uhr

    Soll die Nato dort auch einmarschieren und das Land demokratisieren?

    Wenn es doch passieren sollte, wird das Land wie alle anderen einfach im stich gelassen.

    Das hat dort mit Religion GAR NICHTS ZU TUN!

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    Gibt es da Rohstoffe und Bodenschätze?

    • LaoLu
    • 14. Dezember 2011 0:36 Uhr

    Und nicht nur Russland!

    Es gibt da in der Gegend noch einen Staat (mit 55 Minoritäten!), den interessierte Gruppen auch am liebsten sofort demokratisch zerlegen würden...

  3. Da können sie schreiben was sie wollen, beim Umgang mit solchen Ländern ist stets politische Korrektheit angesagt, Wahrheit und Realität müssen da zurückstehen.
    Das verlangt schon die kompromisslose Unterstützung unserer amerikanischen Freunde, die ihre dortigen Militärbasen ja noch für den wohl bald anstehenden Krieg gegen den Iran, und falls nötig, möglicherweise auch für einen gegen China benötigen.

    Nichts ändert eine Wirtschaftskrise wie ein Krieg, so er denn gross genug ist.

  4. Seit dem arabischen Herbst reden wir nicht mehr von Muslimen und Islamisten (die nicht das gleiche sind), sondern von Muslimen, gemäßigten Islamisten und Islamisten, wobei die letzteren beiden eine lockere Verbindung zueinander haben, die darin besteht das sie den Islam falsch auslegen.

  5. Gibt es da Rohstoffe und Bodenschätze?

    Antwort auf "GO GO GO "
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    Das Land verfügt über Reserven an Erdöl, Erdgas und Braunkohle.
    Zusätzlich kommen in Tadschikistan weitere Erze einschließlich Zinn, Blei, Antimon, Seltene Erden, Quecksilber, Silber, Gold und Uran vor.

    Für Nachschub an Uranmunition ist also dann auch gesorgt...
    Die Engländer werden sich freuen (Einziges Land das bisjetzt offiziel zugab, Uranmunition zu besitzen)

  6. Die Gefahr des gewalttätigen Islams oder Islamismus ist in Zentralasien ein aufkommendes Problem. In den letzten Jahren hat sich der Islam leider sehr radikalisiert, zu Ungunsten der Bevölkerung und vor allem religiösen Minderheiten, die immer mehr diskriminiert und verfolgt werden.

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