Afghanistan-Konferenz: Über die Taliban wurde nicht geredet
Keine Kritik an Karsai, kaum Gespräche über Gewalt und Korruption: Auf der Afghanistan-Konferenz in Bonn wurden vor allem die Fortschritte erwähnt.
© Sean Gallup/Getty Images

Afghanistans Präsident Hamid Karsai bei einem Treffen in Berlin
Über mangelnde Unterstützung kann sich Hamid Karsai wahrlich nicht beklagen. Nicht weniger als 83 Staaten waren am Montag in Bonn vertreten, als es um die künftige Hilfe für den Wiederaufbau seines Landes ging. Von Albanien bis Vietnam reichte die Teilnehmerliste. Und jede Regierung hatte etwas zur Zukunft Afghanistans zu sagen. Die meisten konzentrierten sich auf die erreichten Fortschritte und versprachen, auch nach dem für Ende 2014 geplanten Abzug der Nato vom Hindukusch engagiert zu bleiben. Und Hamid Karsai, der afghanische Präsident, nahm die Solidaritätsbezeugungen freundlich lächelnd entgegen.
Gemeinsam mit seinem Außenminister und dem deutschen Gastgeber Guido Westerwelle (FDP) führte er den Vorsitz der Konferenz, die auf den Tag genau zehn Jahre nach der afghanischen Friedenskonferenz auf dem Bonner Petersberg stattfand. Damals, nach dem Sturz des Talibanregimes, ging es darum, die politische Macht so zu verteilen, dass nach mehr als 30 Jahren Bürgerkrieg endlich Stabilität einkehrt in Afghanistan. Diesmal, wie der Frieden bewahrt werden kann, wenn die Afghanen wieder selbst für die Sicherheit verantwortlich sind.
Konstruktiver Iran
Von "gegenseitiger Verantwortung" war da die Rede, von Herausforderungen und gutem Willen. Sogar Irans Außenminister, Ali Akbar Salehi, blieb diplomatisch, obwohl Teheran gerade erst eine amerikanische Drohne über seinem Territorium abgeschossen hat, die aus Afghanistan kam. Salehi kritisierte zwar die Absicht "mancher" Nato-Staaten, auch nach 2014 Militärbasen in Afghanistan zu behalten. Er verzichtete aber darauf, die USA, die gemeint waren, direkt anzugreifen. Damit unterschied sich sein Beitrag auffallend von der aggressiven anti-amerikanischen Rhetorik von Präsident Mahmud Ahmadineschad.
"Die Sicherheitslage in Afghanistan ist für Iran von entscheidender Bedeutung, deshalb werden wir auch in Zukunft eine aktive Rolle im internationalen Prozess zur Stabilisierung Afghanistans spielen", sagte der Minister. Und viel spricht dafür, dass er es ehrlich meint. Ein neuer Bürgerkrieg im Nachbarland könnte neue Flüchtlingsströme nach Iran zur Folge haben, und schon jetzt leidet das Land unter dem nach wie vor blühenden afghanischen Drogenhandel. Ein großer Teil des in Afghanistan produzierten Opiums landet bei Konsumenten im Iran. Deren Zahl wird immer größer.
Ebenso wichtig wie die konstruktive Haltung Irans ist jedoch die Mitarbeit Pakistans. Der Stuhl des östlichen Nachbarn Afghanistans blieb in Bonn allerdings leer. Nachdem US-Truppen einen pakistanischen Grenzposten angegriffen hatten, sagte Islamabad seine Teilnahme ab. Auch eine Entschuldigung der USA änderte daran nichts. Ohne Pakistan und ohne die zum Teil von dort aus operierenden Taliban wird es aber keinen dauerhaften Frieden in Afghanistan geben. Darüber sind sich alle Beteiligten einig. In Bonn wurden die Taliban so gut wie gar nicht erwähnt – und auch viele der anderen Probleme, die den Wiederaufbau behindern. Die Korruption etwa oder die mafiösen Machtstrukturen.
Es war der Tag der Diplomatie. Und so war im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags auch keine Kritik an Karsai zu hören, obwohl der Mann, der sich nur dank gefälschter Wahlen und zweifelhafter Bündnisse mit ehemaligen Kriegsherren an der Macht behaupten konnte, längst als diskreditiert gilt. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte zu seiner Zukunft lediglich: "Präsident Karsai hat für 2014 faire Wahlen versprochen." Mit anderen Worten: Auch Afghanistans Führungsproblem wird erst einmal verschoben.





'Die meisten... versprachen, auch nach dem für Ende 2014 geplanten Abzug der Nato vom Hindukusch engagiert zu bleiben.'
'Nicht weniger als 83 Staaten waren am Montag in Bonn vertreten, als es um die künftige Hilfe für den Wiederaufbau seines Landes ging. Von Albanien bis Vietnam reichte die Teilnehmerliste.'
'In Bonn wurden die Taliban so gut wie gar nicht erwähnt – und auch viele der anderen Probleme, die den Wiederaufbau behindern. Die Korruption etwa oder die mafiösen Machtstrukturen.'
wichtige Ergebnisse:
1. Das Geld wird weiter fließen für Karsai, seinen Clan und dessen Gefolgsleute.
2. Unheimlich viele Leute aus unheimlich vielen (armen) Ländern konnten mal wieder in einem richtig guten Hotel absteigen und sich richtig gut die Bäuche vollschlagen. Auf Kosten der Allgemeinheit, natürlich.
3. An den korrupten, mafiösen Strukturen, die notwendig sind, damit Karsai und seine Leute durch die Hilfsgelder reich werden, wird sich nichts ändern.
'Und Hamid Karsai, der afghanische Präsident, nahm die Solidaritätsbezeugungen freundlich lächelnd entgegen.'
Er hat gut lachen!
nicht besser als Mubarak, Ben Ali etc, die von Westen eigesetzt und hochgelobt wurden. Er ist korrupt verhandelt mit den Taliban uvm. In Afghanistan hat sich garnichts geändert und auch die
http://www.sueddeutsche.d...
Frienden für Afghanistan:
1. Karsai absetzen
2. Die Waffenlierfung an Taliban stoppen.
3. Paskistan dazu zwingen die Talibans zu bekämpfen und ihnen kein Unterschlupf gewähren.
4. Iran soll sich aus Afghanistans-Innenpolitik raushalten.
MfG,
Hafez
ist es geld, dann braucht man nicht viel zu verändern. ist es der wunsch nach frieden? ja dann ärmel hochkrempeln.
ist es geld, dann braucht man nicht viel zu verändern. ist es der wunsch nach frieden? ja dann ärmel hochkrempeln.
wenn man doch längst mit ihnen redet und verhandelt?
Es gibt Gesprächsangebote der Taliban-Führung um Mullah Omar. Diese hat den wichtigsten Stammesführer Afghanistans, Naqibullah Shorish, als neutralen Vermittler anerkannt und auch seinen Friedensplan im Grundsatz, nicht in allen Details, akzeptiert.
http://www.aixpaix.de/afg...
Jetzt wird es Zeit, endlich dieses Gesprächsangebot aufzugreifen, einen Waffenstillstand zu vereinbaren und ernsthaft über eine Übergangsregierung an Stelle der Karsai-Regierung nachzudenken.
nichts ansprechen, sich selbst loben, Steuergelder verprassen und dem einen oder anderen lukrative Aufträge zukommen lassen.
Was soll dabei langfristig herauskommen?
ist es geld, dann braucht man nicht viel zu verändern. ist es der wunsch nach frieden? ja dann ärmel hochkrempeln.
Entweder es gibt nach dem Abzug einen afghanischen Bürgerkrieg, oder die pro westlichen Teile der Regierung werden ohne größeren Widerstand beseitigt.
Es ist schon verständlich, dass man darüber lieber kein Wort verlieren möchte.
So kann man hinterher wenigstens noch behaupten, es sei nicht absehbar gewesen.
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