TerrorismusExtremisten aus Pakistan bekennen sich zu Anschlag in Kabul

Bisher agierte die sunnitische Terrorgruppe Lashkar e-Jhangvi al-Alami in Pakistan. Erstmals hat sie nun auch in Afghanistan getötet. Fast 60 Menschen kamen ums Leben.

Eine Terrororganisation aus Pakistan hat sich zu dem Bombenanschlag auf schiitische Gläubige in der afghanischen Hauptstadt Kabul bekannt. Das teilte ein Sprecher der Organisation Lashkar e-Jhangvi al-Alami mit. Bei dem Anschlag waren während des schiitischen Aschura-Festes fast 60 Menschen getötet worden. Der Selbstmordattentäter hatte sich nahe dem Präsidentenpalast in Kabul in die Luft gesprengt.

Die sunnitische Terrorgruppe Lashkar e-Jhangvi al-Alami wurde in der Vergangenheit für Dutzende Anschläge auf Schiiten in Pakistan verantwortlich gemacht. Übergriffe auf das Nachbarland Afghanistan waren bislang nicht bekannt. Die im Jahr 2009 gegründete Gruppierung gilt als Splittergruppe der Terrorgruppe Lashkar e-Jhangvi und ist in Pakistan verboten. Bei Anschlägen der Gruppe sollen seit 2010 mindestens 200 Menschen in Pakistan ums Leben gekommen sein.

Anzeige

Übersetzt bedeutet der Name in etwa die Weltweite Armee von Jhang, einer Stadt in Zentralpakistan. Die US-Nachrichtenseite The Long War Journal beschreibt die Organisation als eine "anti-schiitische Terrorgruppe mit einem weit ausgedehnten Netzwerk in Pakistan, die sich mit der al-Qaida und den Taliban in Pakistans Stammesgebieten verbündet hat."

Enge Kontakte zu al-Qaida

Die Splittergruppe al-Alami soll besonders enge Kontakte zu Al-Qaida unterhalten. Als Anführer der Gruppe galten der angeblich in diesem Jahr von einer US-Drohne getötete Terrorist Ilyas Kashmir und Abu Zaid Al-Misri, ein örtlicher Kommandant der Al-Qaida. Unter den Mitgliedern der Gruppe sollen sich Pakistaner, Kämpfer aus arabischen Staaten sowie Usbeken befinden.

Bei einem zweiten Bombenanschlag im nordafghanischen Masar-i-Scharif starben mindestens vier Menschen, weitere wurden verletzt. Der Anschlag wurde durch einen an einem Fahrrad angebrachten Sprengsatz ausgelöst. Bisher ist nicht bekannt, ob sich Lashkar e-Jhangvi al-Alami auch zu diesem Anschlag bekennt.

Die beiden Explosionen ereigneten sich einen Tag nach der Bonner Afghanistan-Konferenz, bei der zehn Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban über die Zukunft des Landes beraten wurde. Während der Herrschaft der sunnitischen Taliban war es den Schiiten verboten, das Aschura-Fest öffentlich zu begehen. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sedik Sedikki, bezichtigte die Taliban der Taten. Diese distanzierten sich von den "unmenschlichen" Anschlägen.

Erstmals Anschlag während religiösen Festes

Ein afghanischer Sicherheitsvertreter erklärte, in Kabul gelte wegen möglicher Folgeanschläge eine erhöhte Alarmbereitschaft. Präsident Karsai sagte, es sei das erste Mal, dass während eines wichtigen religiösen Festes Anschläge verübt wurden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete Karsai bei einem Treffen in Berlin ihr Beileid. Die Ereignisse zeigten, "wir müssen weiter hart arbeiten, um die Sicherheit in Afghanistan gewährleisten zu können", sagte sie.

Beide kündigten an, ihre Zusammenarbeit über den für 2014 vorgesehenen Abzug aller ausländischen Kampftruppen hinaus in einem Partnerschaftsabkommen regeln zu wollen. Merkel nannte die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte und die Erschließung der Rohstoffe des Landes, also den "fairen Zugang Afghanistans zu seinen eigenen Ressourcen".

Auch Bundespräsident Christian Wulff, der Karsai anschließend im Schloss Bellevue mit militärischen Ehren empfing, sprach dem Staatschef sein tiefes Beileid aus. Die Bonner Afghanistan-Konferenz würdigte Wulff als "wichtigen Schritt". "Die internationale Gemeinschaft hat sich dazu bekannt, das Land auch nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen 2014 nicht allein zu lassen", sagte Wulff.

 
Leserkommentare
  1. 'Sie haben heute an den Enkel des Propheten Mohammed gedacht, der auch Juden und Christen unter seinen Anhängern hatte. Sie waren freie Menschen, weil sie sich nicht unterdrücken ließen.'

    Das Problem ist der 'Prophet' selbst und sein Koran: Dort heißt es Juden und Christen seien wie 'Affen und Schweine' und Apostaten 'schlimmer als das Vieh'. Er hatte keine Juden als Anhänger. Denn wenn sie Juden bleiben wollten, schlug er ihnen - auch eigenhändig, wie es heißt - die Köpfe ab und vergewaltigt ihre Frauen , so wie in Medina. Und Schiiten sind in dieser Ideologie Apostaten, die man gemäß Hadith umbringen soll. Das ist der Hintergrund, wenn ich meinte, da hätten welche zu tief in den Koran geschaut.

    Woher das Geld kommt, das ist schon klar. Das Wirken dieser Pest kann man in ganz Zentalasien sehen, in fast jedem Dorf in Usbekistan, Kirgistan... Und sie ist wiederum eindeutig religiös motiviert. Gerade auch diese Financiers haben zu tief in den Koran geschaut.

    Warum der Zynismus, weil ich oft auch pakistanische Nachrichten und arabisches Fernsehen verfolge.

    Mein Beileid gilt den Opfern, das ist keine Frage.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mangel an Pietät?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie bringen diese Diskussion in eine völlig andere Richtung. Ich halte Ihnen abermals vor, nur auf eine Gelegenheit zu warten, Muslime und den Islam zu verunglimpfen. Ich möchte gar nicht erst auf die abstrusen Behauptungen (eigenwillige Interpretationen von Koran und Überlieferungen) eingehen. Das ist nicht Gegenstand der Diskussion.

    Ich persönlich bin ebenfalls schiitischer Muslim. Meine Rechtsschule lehrt, dass der Tag von Ashura, der Tag des Widerstandes gegen jede Unterdrückung ist. Und da macht es keinen Unterschied, wer welcher Religion angehört. Hussain selbst sagte, wenn man nicht Muslim ist, heißt es nicht, dass man nicht ein freier Mensch sein kann. Er hat darauf hingewiesen, dass sich niemand unterdrücken sollte, egal welcher Religion er angehört. Und Sunniten begehen diese Trauerveranstaltung mit den Schiiten zusammen. Hier herrscht 100-prozentiger Konsens. Und das ist den wahabbitischen/salafistischen Fanatikern zuwider. Diese Menschen werden aktiv aus Saudi-Arabien unterstützt und in Pakistan ausgebildet. Dies seit den 70ern. Die schauen nicht zu tief in den Koran, sie lesen den Koran verkehrtherum. Den wer tief in den Koran schaut, der findet das, was Hussain lebte: Unterdrücke nicht und lass dich nicht unterdrücken.

    Ach, die im Saus und Braus lebenden saudischen Monarchen haben ganz bestimmt nicht tief in den Koran geschaut. Die haben eher während des Kalten Krieges die Möglichkeit gewittert, sich den Fanatikern zu entledigen, sie allesamt nach Afghanistan und andernorts zu schicken. So hat z.B. Prinz Turki während Saddams Einmarsch in Kuwait abgelehnt, Osama bin Ladens in Stellung zu bringen. Stattdessen kamen die Amerikaner.
    Warum die Amerikaner vor allem auf die fanatische Karte der hanbalitischen Sekte (Wahabbismus) gesetzt hat? Weil diese ein Gegenpol zu den Schiiten, welche auch die Regierung im Iran stellen. Die Fanatiker wollen seit eh und je nicht, dass die Lehre von Karbala die Runde macht. Sie sagen sogar, dass Hussain Unrecht getan hat!

    Sie bringen diese Diskussion in eine völlig andere Richtung. Ich halte Ihnen abermals vor, nur auf eine Gelegenheit zu warten, Muslime und den Islam zu verunglimpfen. Ich möchte gar nicht erst auf die abstrusen Behauptungen (eigenwillige Interpretationen von Koran und Überlieferungen) eingehen. Das ist nicht Gegenstand der Diskussion.

    Ich persönlich bin ebenfalls schiitischer Muslim. Meine Rechtsschule lehrt, dass der Tag von Ashura, der Tag des Widerstandes gegen jede Unterdrückung ist. Und da macht es keinen Unterschied, wer welcher Religion angehört. Hussain selbst sagte, wenn man nicht Muslim ist, heißt es nicht, dass man nicht ein freier Mensch sein kann. Er hat darauf hingewiesen, dass sich niemand unterdrücken sollte, egal welcher Religion er angehört. Und Sunniten begehen diese Trauerveranstaltung mit den Schiiten zusammen. Hier herrscht 100-prozentiger Konsens. Und das ist den wahabbitischen/salafistischen Fanatikern zuwider. Diese Menschen werden aktiv aus Saudi-Arabien unterstützt und in Pakistan ausgebildet. Dies seit den 70ern. Die schauen nicht zu tief in den Koran, sie lesen den Koran verkehrtherum. Den wer tief in den Koran schaut, der findet das, was Hussain lebte: Unterdrücke nicht und lass dich nicht unterdrücken.

    Ach, die im Saus und Braus lebenden saudischen Monarchen haben ganz bestimmt nicht tief in den Koran geschaut. Die haben eher während des Kalten Krieges die Möglichkeit gewittert, sich den Fanatikern zu entledigen, sie allesamt nach Afghanistan und andernorts zu schicken. So hat z.B. Prinz Turki während Saddams Einmarsch in Kuwait abgelehnt, Osama bin Ladens in Stellung zu bringen. Stattdessen kamen die Amerikaner.
    Warum die Amerikaner vor allem auf die fanatische Karte der hanbalitischen Sekte (Wahabbismus) gesetzt hat? Weil diese ein Gegenpol zu den Schiiten, welche auch die Regierung im Iran stellen. Die Fanatiker wollen seit eh und je nicht, dass die Lehre von Karbala die Runde macht. Sie sagen sogar, dass Hussain Unrecht getan hat!

  2. Am besten die Grenze dicht machen und nach 20 Jahren schauen ob noch jemand lebt.

    2 Leserempfehlungen
    • A.H
    • 07.12.2011 um 0:34 Uhr

    Wohlwollende Worte!
    Jeder Tag ist Aschura und jeder Ort ist Kerbele.

    Friede sei mit den unschuldigen Opfern des grauenvollen Anschlags.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Mangel an Pietät?"
  3. Kennen Sie Andy Warhol. Ein Künstler. Wenn ja, dann wissen Sie ja auch WARUM der Islam global verachtet wird. Genau mit direkter Realität hat das oft ganz wenig zu tun. Oder doch, oder nicht? Wer in der heutigen Welt die Hintergründe (vor allem die medialen) nicht kennt ist weg.

    Islamische Terroristen sind da übrigens spitze drin, weit besser als die usa.....

    ...allse gar nicht gut.

    • Soruz
    • 07.12.2011 um 8:33 Uhr

    Wie auch sie heißen mögen ob Taliban ob "Laschkar e Jangi" diese Verbrecher werden von gleichen Quellen finanziert.

    Taliban haben sich deswegen von der Tat scheinheilig distanziert, weil sie nun als politische Arm der Terroristen fungieren will und weil die USA und sein Zögling Karzai mit ihnen insgeheimen verhandeln und sie an der Macht beteiligen wollen.

    Dass paschtunische Herrscher seit der Namensgebung Afghanistans (Afghan =Paschtun) offiziell seit 1919, inoffiziell seit 1850 - (die Machtübernahme der Paschtunen bzw. Afghanen war 1747) gegen Nichtpaschtunen, insbesondere gegen Hazara brutal vorgingen und vorgehen, ist ein Fakt. (siehe Conrad Schetter, Ethizität.., Berlin 2003).

    1996-2001 haben paschtunische Taliban Genozide an Hazara begangen und jetzt übefallen als Nomaden gekleideten Banden die Hazara-Gebiete und töten sie und das unter Karzai.

    Was Aschura betrifft, das Fest ist eigentlich ein vorislamisches Fest, genauso wie die meisten Feste des Christentums und des Islams. Z.B. feieren indoiranischen Völker die Sommer- und Wintersonnenwende, u.a. am 22.Dezember als Geburt des Lichts bzw. Mithra. Weihnachten wurde bis zum 4. Jahrhundert n.C. auch am 22.Dezember, also 22.10. des Sonnenjahres (Sternzeichen) gefeiert. (Siehe 10.Tevet bei Juden).

    10. Moharam des Mondjahres war für Mohammad und Moslems ein Fastentag. Mondjahr ist eine abrahamistische Zeit-Rechnung und damit auch eine islamische Zeitrechnung.

    Zufällig war der Schlacht am Kerbala an diesem Tag.

    • xy1
    • 07.12.2011 um 8:42 Uhr

    Wann kommt die Fatwa gegen solche Verbrechen?

    Antwort auf "@M.Ammar"
  4. [...]

    Mein aufrichtiges Mitgefühl für die Opfer und die Hinterbliebenen aller Gewaltakte.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Sarkasmus und Diffamierungen. Die Redaktion/sc

    • Soruz
    • 07.12.2011 um 10:02 Uhr

    als in sein Land zu sein in diesen schweren Stunden.

    Schließlich haben seine paschtunische Brüder aus Pakistan dort ein Blutbad errichtet.

    Ein anderer Präsident aus einem Land, in dem die Menschenwürde und Menschenrechte Werte sind, hätte sofort nach der Ermordung von über 60 Toten und 200 Verwundeten (BBC) in Kabul, Kandahar und Mazar e Scharif ohne seine Koffer zu paken nach Afghanistan abgereist und sich bei Christian Wulff, ihn im Schloss Bellevue mit militärischen Ehren zu empfangen, diplomatisch verzichtet.

    Damit hätte er ein Zeichen gesetzt. Gut, daß er dieses Blutbad wenigsten verurteilt hat; normalerweise verurteilt er die terrorisistischen Anschläge der Taliban kaum und sein Ministerium verhindert die Journalisten, über die Verbrechen der Taliban Fotos oder Filme zu machen.

    Warum haben Bundespräsident Wulf und Bundeskanzerlin ihm nicht einen diplomatischen Wink gegeben? Sind Menschenleben weniger wert in Afghanistan?
    Schämen Sie sich Herr Karzai, Sie zufriedener "Bruder" von paschtunischen Taliban!

    Zitat von Karzai: "Taliban sind unzufriedene Brüder und Söhne" von Afghanistan!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service