Großbritanniens Premier David Cameron © Eric Feferberg/AFP/Getty Images

Der Chef der schottischen Regionalregierung hat den britischen Premierminister David Cameron wegen dessen Veto gegen eine Änderung der EU-Verträge scharf kritisiert. Cameron habe einen "groben Fehler begangen, indem er offenbar die gesamte Beziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union verändert" habe, schrieb Schottlands Regierungschef Alex Salmond in einem Offenen Brief.

 Dies sei ohne jegliche Abstimmung mit seinem liberaldemokratischen Koalitionspartner oder den Regionalregierungen in Wales, Schottland und Nordirland geschehen, hieß es weiter in dem Schreiben. Durch Camerons Schritt habe Großbritannien jede Glaubwürdigkeit in EU-Verhandlungen über eine Reihe von Bereichen verspielt, die für Schottland von hoher Bedeutung seien. Der britische Premier habe praktisch im Alleingang Großbritannien von Europa isoliert.

Salmonds Schottische Nationalpartei hatte bei den Regionalwahlen in Schottland im Mai einen überragenden Sieg errungen. Sie plant innerhalb der kommenden vier Jahre ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich.

Wales sieht sich bei Euro-Entscheidungen ausgeschlossen

Auch aus Cardiff kamen kritische Worte. Dort bedauerte Carwyn Jones, Regierungschef von Wales, dass Großbritannien künftig nicht mehr an Gesprächen über die EU-Verträge beteiligt würde, obwohl diese Gespräche die Euro-Zone und "letztlich auch Großbritannien und Wales" betreffen.

Premier Cameron wird nun vor dem Parlament in London zu seinem Nein zur EU-Vertragsreform Stellung nehmen. Für den frühen Nachmittag stand die Erklärung des Regierungschefs zu den Gesprächen in Brüssel auf der Tagesordnung. Cameron hatte bei dem EU-Gipfel am vergangenen Freitag eine EU-Vertragsreform blockiert, mit der mehr Haushaltsdisziplin der Mitglieder geschaffen werden sollte.

Cameron lehnte eine Einigung ab, weil die EU-Staaten nicht den von ihm geforderten Ausnahmeregeln für den Londoner Finanzplatz zustimmen wollten. Die angestrebte Vertragsveränderung mit allen 27 EU-Staaten war damit gescheitert, woraufhin die 17 Euro-Länder allein einen Haushaltspakt schlossen. Mit seinem Handeln zog Cameron auch den Zorn seines liberaldemokratischen Vizes Nick Clegg auf sich.