Regierung Netanjahu Clinton sieht Demokratie und Frauenrechte in Israel gefährdet
Minister wollen NGOs einschränken, Ultraorthodoxe fordern Geschlechtertrennung: US-Außenministerin Clinton hat vor "anti-demokratischen" Entwicklungen in Israel gewarnt.
US-Außenministerin Hillary Clinton hat Medienberichten zufolge Kritik an politischen Entwicklungen in Israel geäußert, die sie als Gefahr für Demokratie und Frauenrechte bezeichnete. Wie israelische Medien berichteten, äußerte Clinton auf dem nicht-öffentlichen Saban Forum in Washington Sorge über eine Reihe von "anti-demokratischen" Gesetzesinitiativen der Regierung von Benjamin Netanjahu.
Hierzu gehört ein von rechten Ministern eingebrachtes Gesetz, das es erlauben würde, die Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen aus dem Ausland einzuschränken. Menschenrechtsgruppen sehen darin einen Versuch, kritische Organisationen von ihren Geldquellen abzuschneiden. Das Gesetz ist auch international auf Kritik gestoßen. Der liberalen Zeitung Haaretz zufolge äußerte auch der deutsche Botschafter Bedenken gegen die Initiative.
Wie die Zeitung Jediot Aharonot berichtete, zeigte sich Clinton auf der Veranstaltung zudem schockiert, dass es in einigen Bussen in Jerusalem Geschlechtertrennung gibt und dass sich jüdisch-orthodoxe Soldaten weigerten, an Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen Frauen singen. Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte auf Nachfrage, dass Clinton besorgt über die Gesetze und die "konservativen Kommentare zu Frauen" sei.
Israelische Minister reagierten auf einer Kabinettssitzung empört auf Clintons Kritik. Finanzminister Juval Steinitz nannte die Kommentare "völlig überzogen". "Israel ist eine lebende, atmende liberale Demokratie", sagte er gemäß israelischen Medien. Demnach gab Steinitz zu, dass die zunehmenden Rufe der ultraorthodoxen Juden nach Geschlechtertrennung ein Problem seien. Eine Gefahr für die Demokratie stellten sie aber nicht dar.
Umweltminister Gilad Erdan forderte Clinton auf, sich zunächst mit ihren eigenen Problemen zuhause zu beschäftigen. Innenminister Eli Jischai von der ultraorthodoxen Schas-Partei sagte, Israel bleibe "die einzige Demokratie im Mittleren Osten". "Ich nehme an, was auch immer getan wird, wird im Rahmen des Gesetzes bleiben", sagte er.
- Datum 05.12.2011 - 09:42 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
- Kommentare 43
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Wer die demographische Entwicklung des ultraorthodoxen Bevölkerungsanteils der israelischen Juden kennt, kann die "Restlaufzeit" der Demokratie in Israel relativ genau terminieren. Bei Fortschreibung der gegenwärtigen Lage wird es in zwei Generationen eine Mehrheit von israelischen Juden geben, denen das Wort Gottes ebenso ultimative Lebensanleitung ist wie bei ihren Fundamentalistenkollegen der islamistischen Spielart des Monotheismus.
Mit beiden ist definitv keine Demokratie nach unserem Verständnis möglich, da der vermeintliche Besitz absoluter Wahrheiten den Disput, den Kompromiss und den Machtwechsel - also die Quintessenz der Demokratie - unmöglich machen.
Selbst die Weisheit der Lessingschen Ringparabel dürfte mit diesen Leuten kaum zuleben sein.
Trübe Aussichten, alles in allem.
Wenn ich bei Ihnen lese "Wer die demographische Entwicklung des ultraorthodoxen Bevölkerungsanteils der israelischen Juden kennt[...]", dann bin ich versucht, zu protestieren, weil sich Geisteshaltungen nicht genetisch vererben.
Dennoch fürchte ich, dass Sie Recht behalten könnten, weil wir (gemeint ist die "westliche Welt") im Bereich der Religion eine indoktrinierende Weitergabe der eigenen Überzeugungen an Kinder dulden, wie wir es z.B. bei politischen Ideologien nie tun würden (man betrachte mal die Praxis in Deutschland, dass man Säuglinge schon religiösen Konfessionen beitritt (jemand anderen "beitreten" gibt es in unserer Sprache eigentlich sowenig wie "gestorben werden"), politischen Parteien aber nicht).
Vielleicht sollten wir unseren Umgang mit Religionen, die sich durch Indoktrination von Kindern verbreiten/erhalten vor diesem Hintergrund mal überdenken.
Wenn ich bei Ihnen lese "Wer die demographische Entwicklung des ultraorthodoxen Bevölkerungsanteils der israelischen Juden kennt[...]", dann bin ich versucht, zu protestieren, weil sich Geisteshaltungen nicht genetisch vererben.
Dennoch fürchte ich, dass Sie Recht behalten könnten, weil wir (gemeint ist die "westliche Welt") im Bereich der Religion eine indoktrinierende Weitergabe der eigenen Überzeugungen an Kinder dulden, wie wir es z.B. bei politischen Ideologien nie tun würden (man betrachte mal die Praxis in Deutschland, dass man Säuglinge schon religiösen Konfessionen beitritt (jemand anderen "beitreten" gibt es in unserer Sprache eigentlich sowenig wie "gestorben werden"), politischen Parteien aber nicht).
Vielleicht sollten wir unseren Umgang mit Religionen, die sich durch Indoktrination von Kindern verbreiten/erhalten vor diesem Hintergrund mal überdenken.
Mein Zitat des Tages:
"Israel ist eine lebende, atmende liberale Demokratie"
.... oder was?
In einer "lebenden, atmenden, liberalen Demokratie" sollte das Äussern von Kritik eigentlich erlaubt sein, oder???
---
Und - so schwer mir das bei Ms. Cliton fällt - im Prinzip muss ich ihr Recht geben! Es sei dahingestellt, ob dadurch gleich die wie auch immer geartete israelische Demokratie in akuter Gefahr ist, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, daß es in Israel (nicht nur dort...) eine Tendenz weg von rationalität hin zu religiösen Wertevorstellungen als Grundlage für Gesetze gibt.
Daß so etwas auf Dauer nicht gut für die Demokratie ist, hat Kommentar 1 sehr schön auf den Punkt gebracht!
.... oder was?
In einer "lebenden, atmenden, liberalen Demokratie" sollte das Äussern von Kritik eigentlich erlaubt sein, oder???
---
Und - so schwer mir das bei Ms. Cliton fällt - im Prinzip muss ich ihr Recht geben! Es sei dahingestellt, ob dadurch gleich die wie auch immer geartete israelische Demokratie in akuter Gefahr ist, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, daß es in Israel (nicht nur dort...) eine Tendenz weg von rationalität hin zu religiösen Wertevorstellungen als Grundlage für Gesetze gibt.
Daß so etwas auf Dauer nicht gut für die Demokratie ist, hat Kommentar 1 sehr schön auf den Punkt gebracht!
Uns hat man doch immer erzählt, dass Israel die einzige Demokratie im Nahen-Osten wäre.
Also ich bin jetzt etwas verwirrt :S
Zu u.a. den gefährdeten Frauenrechten durch Ultra-Orthodoxe eine arte-Reportage http://www.youtube.com/wa...
Zum (vertagten) Gesetzes-Vorhaben, ausländische Finanzierungen für israelische NGOs einzuschränken - gilt primär für regierungskritische NGOs wie Machsomwatch http://www.machsomwatch.o... Breaking the Silence http://www.breakingthesil... B'Tselem http://www.btselem.org/ etc.etc. http://www.tachles.ch/sch... http://www.diak.org/aktue... hier http://www.hagalil.com/ar... wird das Vorhaben genauer beleuchtet.
Zu u.a. den gefährdeten Frauenrechten durch Ultra-Orthodoxe eine arte-Reportage http://www.youtube.com/wa...
Zum (vertagten) Gesetzes-Vorhaben, ausländische Finanzierungen für israelische NGOs einzuschränken - gilt primär für regierungskritische NGOs wie Machsomwatch http://www.machsomwatch.o... Breaking the Silence http://www.breakingthesil... B'Tselem http://www.btselem.org/ etc.etc. http://www.tachles.ch/sch... http://www.diak.org/aktue... hier http://www.hagalil.com/ar... wird das Vorhaben genauer beleuchtet.
...versucht der Westen das nicht gerade woanders zu verhindern?
Ein Schelm wer böses...
.... oder was?
Ich danke Hillary Clinton, dass sie das geäußert hat.
Als Jude muss ich leider zugeben. Die Rest-Demokratie ist in Israel gefährdet!
Man denke nur an die Militärzensur.. Diese schränkt die Demokratie erheblich ein in Israel. Daran gibt es nichts zu rütteln!
In bestimmten Buslinien in Israel (Jerusalem) wird OFFIZIELL eine Geschlechtertrennung durchgeführt. Bestimmte Bereiche des Buse sind Männern vorbehalten und umgekehrt! Staatliche Erlaubnis zur Diskrimierung! Traurig, aber leider wahr!
Die Ultra-Orthodoxen Juden leben von Sozialhilfe und kaufen immer mehr Häuser und Stadtteile in Jerusalem. Bedenkt man das Wachstum dieser Bevölkerungsschicht, dann kann man ausrechnen wann Teile von Israel völlig in deren Hand sind!
Das schlimme daran, der sekulare Israeli subventioniert diese Diskrimierung durch eigene Steuerzahlung!
Früher oder später explodiert Israel: Sakulare Israelies bezahlen den Ultras ihren Lebensunterhalt. Diese revanchieren sich durch zumindest Diskriminierung.
Was passiert eigentlich wenn es mehr nichts-arbeitende Ultras als steuerzahlende Israelies gibt?
noch vergessen zu erwähnen
Ultraorthodoxe Juden arbeiten in Israel nichts.
Sie werden vom Staat subventioniert. Diese Zahlungen sind weit höher als Hartz IV in Deutschland.
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/vn
Einen Bericht darüber sah ich einmal in einer TV-Reportage.
Die Ultraorthodoxen haben keine Zeit zum Arbeiten, weil sie das Thorastudium bzw. alle religiösen Studien zu sehr in Anspruch nimmt.
Einen Bericht darüber sah ich einmal in einer TV-Reportage.
Die Ultraorthodoxen haben keine Zeit zum Arbeiten, weil sie das Thorastudium bzw. alle religiösen Studien zu sehr in Anspruch nimmt.
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