WestafrikaElfenbeinküste wählt ein neues Parlament

Die ersten Wahlen seit den blutigen Unruhen vor einem Jahr: In der Elfenbeinküste stimmen die Menschen über ein neues Parlament ab. UN-Soldaten sichern die Straßen.

Soldaten der Vereinten Nationen sichern vor den Wahlen in der Elfenbeinküste eine Straße.

Soldaten der Vereinten Nationen sichern vor den Wahlen in der Elfenbeinküste eine Straße.  |  © ISSOUF SANOGO/getty images

Im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste haben die Bürger erstmals nach dem blutigen Machtkampf zwischen Präsident Alassane Ouattara und seinem Vorgänger Laurent Gbagbo ein neues Parlament gewählt. Beobachter sprachen von einer niedrigen Teilnahme in den ersten Stunden. Wegen eines Wahlboykotts von Gbagbos oppositioneller Ivorischer Volksfront (FPI) rechnen Beobachter mit einem deutlichen Sieg von Ouattaras Demokratischer Partei (PDCI).

"Ich bin gekommen, damit in der Elfenbeinküste wieder Frieden einkehrt", sagte ein Wähler am Regierungssitz Abidjan. Ein anderer erklärte, er gehe wählen, um ein dunkles Kapitel der Vergangenheit zu beenden. Rund 5,7 Millionen Menschen waren zur ersten Parlamentswahl in dem westafrikanischen Land seit dem Jahr 2000 aufgerufen, rund 2,5 davon haben sich auch registriert.

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Über 30.000 Sicherheitskräfte sorgen für Ruhe

Präsident Ouattara, der das Amt nach Gbagbos Festnahme im April übernommen hatte, rief vor Öffnung der Wahllokale zur Ruhe auf. Für Sicherheit sollen etwa 25.000 Sicherheitsleute und 7.000 UN-Soldaten sorgen. Doch schon während des Wahlkampfs war es erneut zu einigen Gewaltausbrüchen gekommen, mindestens fünf Menschen wurden getötet.

Der Sprecher der Gbagbo-treuen FPI, Laurent Akoun, kritisierte die amtierende Regierung kurz vor der Wahl erneut. Die schwache Wahlbeteiligung sei ein Beweis für die Unrechtmäßigkeit der amtierenden Regierung, sagte er. Deshalb sollten die Anhänger seiner Partei die Wahl weiter boykottieren. Seiner Meinung nach waren die Voraussetzungen für eine faire Wahl nicht gegeben. Die FPI fordere vor allem die Freilassung Gbagbos, ohne den eine Versöhnung schwierig werde. Dennoch gab sich die FPI friedlich. "Wir haben keine Anweisungen gegeben, zu Gewalt aufzurufen oder Wähler an der Stimmabgabe zu hindern", sagte Akoun.

Gbagbo selbst muss sich zurzeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Der Ex-Präsident hatte sich nach der verlorenen Präsidentenwahl im vergangenen Jahr geweigert, die Macht an seinen gewählten Nachfolger abzugeben. Damit hatte er Anlass zu monatelangen Unruhen mit 3.000 Toten gegeben.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
    • Schlagworte Laurent Gbagbo | Alassane Ouattara | Parlamentswahl | Präsidentenwahl | Verbrechen | Wahl
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