Das ungarische Parlament hat die bisherige Präsidentin des Budapester Arbeitsgerichts, Tünde Hando, in das mächtigste Richteramt des Landes gewählt. 258 Abgeordnete wählten sie in geheimer Abstimmung zur Leiterin des neuen Landesgerichtsamtes (OBH). Damit erhielt sie die nötige Zweidrittelmehrheit.

Hando ist die Ehefrau des Mitbegründers des rechts-konservativen Fidesz (Bund Junger Demokraten), Jozsef Szajer. Dieser ist auch Europa-Abgeordneter und hat maßgeblich an der neuen Verfassung Ungarns mitgeschrieben. Die neue Verfassung stattet das Landesgerichtsamt mit ungewöhnlich viel Macht aus. Hando gilt zudem als enge Vertraute der Ehefrau von Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Die auf neun Jahre berufene Leiterin des OBH entscheidet allein über jede Richter-Ernennung in Ungarn, aber auch über die Zuweisung von Fällen an die jeweiligen Gerichte.

Kritiker sehen durch die Wahl von Hando die Unabhängigkeit der ungarischen Justiz gefährdet, da das Gerichtswesen zunehmend der politischen Kontrolle der Regierungspartei unterworfen wird.

Am selben Tag wählte das Parlament auch Peter Darak zum Präsidenten des Obersten Gerichts. Darak war bislang Richter an einem Verwaltungssenat des Obersten Gerichts. Auch er gilt als Fidesz nahestehend.