Machtkampf im IrakSerie von Bombenanschlägen erschüttert Bagdad

Zehn heftige Explosionen in kurzer Zeit: Inmitten des Machtkampfs zwischen Sunniten und Schiiten sind in Bagdad mehrere Bomben explodiert. Dutzende Menschen starben.

Explosionen wurden aus dem Norden, Osten und Westen der Stadt sowie aus dem Zentrum von Bagdad gemeldet. Die britische BBC berichtete, nach Angaben des Innenministeriums habe es Anschläge an 13 Orten gegeben. Durch die Anschläge wurden mehr als 70 Menschen getötet, weitere 180 Menschen sollen verletzt worden sein.

Augenscheinlich handelt es sich um koordinierte Attacken. So seien unter anderem zwei Sprengsätze am Straßenrand im Halawi-Bezirk und eine Autobombe im östlichen Stadtteil Karrada explodiert. Wer hinter den Anschlägen steckt, ist noch nicht bekannt.

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Die Anschläge treffen den Irak inmitten einer innenpolitischen Krise, die nach dem Abzug der US-Truppen durch den Streit zwischen den Religionsgruppen ausgebrochen ist und die Stabilität der Regierung bedroht. Der schiitische Ministerpräsident Nouri al-Maliki hatte mit der Entlassung aller sunnitischen Minister aus seiner Regierung gedroht, weil diese die Kabinettssitzungen boykottierten. Die Sunniten hatten am Mittwoch zudem den Vorschlag al-Malikis zurückgewiesen, in den kommenden Tagen parteiübergreifende Gespräche abzuhalten. Al-Maliki stehe für den eigentlichen Grund der Krise und leiste keinen Beitrag zur Lösung. 

 Machtbalance ist gefährdet

Der Regierungschef verlangte zudem von den ebenfalls an der Regierung beteiligten Kurden, den mit Haftbefehl gesuchten sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschemi auszuliefern. Al-Haschemi, dem die Zusammenarbeit mit Todesschwadronen vorgeworfen wird, hatte sich in die halb-autonome Region Kurdistan abgesetzt. Die Flucht werde zu Problemen führen, warnte al-Maliki und sicherte seinem Vize einen fairen Prozess zu. Al-Haschemi weist die Vorwürfe zurück und hat sich bereiterklärt, sich in Kurdistan den Richtern zu stellen.

Der innenpolitische Streit gefährdet die fragile Machtaufteilung im Irak, auf die sich die Religionsgruppen unter Führung der USA geeinigt hatten. Die Regelung sieht vor, dass der schiitische Ministerpräsident einen sunnitischen und einen kurdischen Stellvertreter hat. Dem kurdischen Präsidenten des Irak stehen wiederum je ein schiitischer und ein sunnitischer Vize zur Seite. Die Sunniten stellen den Parlamentspräsidenten – mit einem schiitischen und einem kurdischen Stellvertreter.

US-Vizepräsident Joe Biden rief die Beteiligten zu Gesprächen auf. Die EU-Außenbeauftragte Ashton zeigte sich "äußerst besorgt" über den Machtkampf im Irak. Die Regierung in Bagdad und alle politischen Gruppen müssten in einen Dialog eintreten, um ihre Differenzen beizulegen.

 
Leserkommentare
  1. ..ist wohl einer der größten Fehler, die die Menschheit je begangen hat.

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    ... wann ging es schon um Religion? Viel eher wird die Religion missbraucht, um Gewalt zu legitimieren. Glauben Sie ernsthaft, dass es ohne Religionen besser wäre? Dann würden andere Werte den Menschen auferlegt, für die es sich zu töten lohnt.

    Man sieht es ja schon hier bei den Fußballfans. Manche davon nehmen den Fußball so ernst, dass sie gewillt sind sich deswegen den Schädel einzuschlagen. Finden Sie nicht, dass das auch eine Form von Religiösität ist?

    ... wann ging es schon um Religion? Viel eher wird die Religion missbraucht, um Gewalt zu legitimieren. Glauben Sie ernsthaft, dass es ohne Religionen besser wäre? Dann würden andere Werte den Menschen auferlegt, für die es sich zu töten lohnt.

    Man sieht es ja schon hier bei den Fußballfans. Manche davon nehmen den Fußball so ernst, dass sie gewillt sind sich deswegen den Schädel einzuschlagen. Finden Sie nicht, dass das auch eine Form von Religiösität ist?

  2. 2. [...]

    Entfernt. Tragen Sie sachlich zur Diskussion bei. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
    • talwer
    • 22.12.2011 um 9:09 Uhr

    Zitat: "Maliki ... sicherte seinem Vize einen fairen Prozess zu".
    Scheinbar weiß Tarik al-Haschemi was unter dem Begriff "fair" beim schiitischen Ministerpräsidenten zu verstehen ist.
    Dagegen geht es scheinbar im "wilden Kurdistan" (frei nach Karl May) viel zivilisierter zu als bei den von Iran gesteuerten Schiiten.

    2 Leserempfehlungen
  3. Mission accomplished!
    Gerade bereiten die Amis ihren heimgekehrten Truppen einen triumphalen Empfang und der Friedensnobelpreisträger erklärt geistreich die Sinnhaftigkeit des geführten Krieges gegen und in Irak, da brechen nach nur 3 Tagen die von den USA geschaffenen Strukturen in Irak zusammen und alles scheint in einen Bürgerkrieg zu streben wie vorhergesagt.
    Der Spielverderber ist der shiit. PM Maliki.

    Dann war letztenends der Irakkrieg der USA weiter nichts als eine 1 Trillion of USDollars teure Hetzjagd auf Saddam Hussein, seinen Anhang und die Ölquellen des Iraks, um aus der US-Ölabhängigkeit von den Saudis loszukommen.
    Danke, Pres. Bush!
    Das war teurer.
    Schöne Aussichten für Afghanistan.

    10 Leserempfehlungen
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    Syrien, Iran, Pakistan/Afghanistan, Libyen, Sudan, Somalia, Ägypten, Tunesien, Algerien und und und
    Die Kreuzfahrer leisten ganze Arbeit - und haben erst angefangen.

    Syrien, Iran, Pakistan/Afghanistan, Libyen, Sudan, Somalia, Ägypten, Tunesien, Algerien und und und
    Die Kreuzfahrer leisten ganze Arbeit - und haben erst angefangen.

    • Moika
    • 22.12.2011 um 9:42 Uhr

    Das war abzusehen und alle Beteiligten wußten, daß nach dem Abzug der Truppen die verfeindeten Gruppen wieder die Oberhand gewinnen würden - es geht schließlich um zuviel Geld.

    Der Irak wird in drei Teile zerbrechen, die USA werden aus der Ferne zusehen und sich wundern bzw. fragen, was sie wohl falsch gemacht haben.

    Da sollten sie george-dabbelju fragen, der kann es ihnen sagen: Wir haben das Land von seinem Tyrannen befreit - und endlich können sie tun und lassen was sie wollen! Das ist Demokratie!

    3 Leserempfehlungen
  4. Bis 2014 soll der Abzug der ISAF-Kampftruppen aus Afghanistan beendet sein.

    Und dann????

    Nehmen wir in Europa jetzt alle Iraki und später Afghanen auf, die die Länder wegen der dortigen Auseinandersetzungen verlassen werden?

    2 Leserempfehlungen
  5. nach befreiung deutschlands von den nazis und der beendigung des ww2 haben die deutschen das land, mit hilfe der amis, zusammen wieder aufgebaut und eine beispielhafte karriere, hingelegt. vielleicht sind die menschen im irak einfach noch nicht reif für demokratie?

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als Provokation verstanden werden könnten. Danke, die Redaktion/mo.

    3 Leserempfehlungen
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    • colca
    • 22.12.2011 um 10:35 Uhr

    Warum das in Deutschland nicht passiert ist?
    Weil wir bereits ein Jahrtausend Staatstradition hatten, uns seit drei Generationen als eine Nation begriffen, einer der höchstentwickeltsten Industriestaaten waren, ein exzellentes Bildungsniveau hatten, monotheistische Eiferer bereits domestiziert waren, die ethnische Homogenisierung abgeschlossen war, der seit 1918 laufende latente Bürgerkrieg durch den Kalten Krieg schockgefroren wurde, usw.usf.

    Wer ernsthaft den Irak mit Deutschland und Saddam Hussein mit Hitler vergleicht, der hat nicht nur keine Freiheit geschekt bekommen, bei dem hapert es auch bei der historischen Bildung.

    • colca
    • 22.12.2011 um 10:35 Uhr

    Warum das in Deutschland nicht passiert ist?
    Weil wir bereits ein Jahrtausend Staatstradition hatten, uns seit drei Generationen als eine Nation begriffen, einer der höchstentwickeltsten Industriestaaten waren, ein exzellentes Bildungsniveau hatten, monotheistische Eiferer bereits domestiziert waren, die ethnische Homogenisierung abgeschlossen war, der seit 1918 laufende latente Bürgerkrieg durch den Kalten Krieg schockgefroren wurde, usw.usf.

    Wer ernsthaft den Irak mit Deutschland und Saddam Hussein mit Hitler vergleicht, der hat nicht nur keine Freiheit geschekt bekommen, bei dem hapert es auch bei der historischen Bildung.

  6. ... wann ging es schon um Religion? Viel eher wird die Religion missbraucht, um Gewalt zu legitimieren. Glauben Sie ernsthaft, dass es ohne Religionen besser wäre? Dann würden andere Werte den Menschen auferlegt, für die es sich zu töten lohnt.

    Man sieht es ja schon hier bei den Fußballfans. Manche davon nehmen den Fußball so ernst, dass sie gewillt sind sich deswegen den Schädel einzuschlagen. Finden Sie nicht, dass das auch eine Form von Religiösität ist?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
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  • Schlagworte Irak | Bagdad | BBC | Anschlag | Attacke | Entlassung
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