Iran Kräftemessen am Persischen Golf

Der Konflikt zwischen dem Westen und Iran verschärft sich. Teheran testet Langstreckenraketen und droht mit einer Ölblockade. Zieht am Golf eine internationale Krise auf?

Ein iranischer Soldat bei einer Militärübung in der Straße von Hormus

Ein iranischer Soldat bei einer Militärübung in der Straße von Hormus

Der Iran provoziert. Die Einsatzfähigkeit verschiedener Kurz- und Langstreckenraketen werde in den kommenden Tagen getestet, sagte Admiral Mahmud Mussawi am Samstag im iranischen Staatsfernsehen. Dem Sender Press TV sagte er zudem, noch am Samstag sollten Zielattrappen im Meer postiert werden, um die jeweiligen Tests vorzubereiten. Zuvor hatte der Iran mit der Schließung der weltweit wichtigsten Ölhandelsroute gedroht, falls der Westen im Streit um das Atomprogramm wie angekündigt die iranischen Ölexporte mit Sanktionen belegt. Durch die Straße von Hormus flossen 2009 etwa ein Drittel des weltweit über das Meer transportierten Öls.

Welche Folgen hätte eine Transportblockade für Öl durch den Iran?

Falls es zu einer Blockade dieses wichtigen Schifffahrtswegs für Öltanker käme, hätte das spürbare Folgen für die Energieversorgung der Weltwirtschaft und für den Ölpreis. Bis zu 40 Prozent des Erdöls, das weltweit mit Tankern transportiert wird, passiert diese Meerenge am Südende des Persischen Golfs. Bezogen auf den globalen Ölverbrauch entspricht diese Menge etwa 17 Prozent, da ein wachsender Anteil des Erdöls inzwischen durch Pipelines von den Förderstätten zu den Verbrauchermärkten gelangt.

Anzeige

Bereits die Furcht vor einer Verknappung könnte den Ölpreis steigen lassen – und das wäre wiederum eine Gefahr für das Wachstum in vielen Volkswirtschaften, die sich noch immer nicht von der globalen Finanzkrise erholt haben.

Nach Ansicht vieler Experten ist dies auch das eigentliche Ziel des Iran: Nicht den Konflikt auf die Spitze zu treiben und die Straße von Hormus wirklich zu blockieren, sondern den Westen durch die ökonomischen Risiken, die mit der Drohung verbunden sind, unter Druck zu setzen. Außerdem würde der Iran ganz direkt von einem steigenden Ölpreis beim Erlös für seine eigenen Exporte profitieren, und das wäre eine willkommene Hilfe für die Versorgung der Mullahs mit harten Devisen. Sie spüren die Folgen der Sanktionen, die die Vereinten Nationen wegen des Streits um das Atomprogramm verhängt haben.

Was ist die Besonderheit der Straße von Hormus?

Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fahren im Durchschnitt dreizehn Tanker pro Tag mit insgesamt 15,5 Millionen Barrel Erdöl an Bord. Es ist die Hauptexportroute für Öl aus Kuwait, den Arabischen Emiraten und dem Iran. An der schmalsten Stelle zwischen einer Landzunge des Sultanats Oman und dem Iran ist sie 35 Kilometer breit. Der Schifffahrtskanal für Ozeanriesen ist zehn Kilometer breit und aufgeteilt in eine Einfahrts- und Ausfahrtsroute, um Kollisionen zu vermeiden. Die Arabischen Emirate haben den Bau einer Pipeline nahezu vollendet, die die Straße von Hormus auf dem Landweg umgeht. Sie wird etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag transportieren können.

Droht ein militärischer Konflikt?

Einen offenen Krieg wird der Iran wohl nicht riskieren. Militärtechnisch ist das Land den USA unterlegen. Die 5. US- Flotte ist in Bahrain stationiert, einem kleinen Königreich an der Westküste des Persischen Golfs, etwa 500 Kilometer westlich der Straße von Hormus. In Bahrain war es im arabischen Frühling zu Unruhen gekommen. Die schiitische Mehrheit verlangte demokratische Öffnung von der sunnitischen Herrscherfamilie.

Verdeckte Operationen, mit denen der Iran die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten schüren könnte, sind jedoch nicht auszuschließen. Wenn zum Beispiel ein Tanker auf eine Mine läuft oder wenn zivil gekleidete "Piraten“ Handelsschiffe angreifen, ist nicht unmittelbar nachzuweisen, wer dahinter steckt.

Drohungen, die Straße von Hormus zu blockieren, gab es schon während des acht Jahre dauernden ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran von 1980 bis 1988. Auch damals kündigten die USA an, sie würden eine Blockade der internationalen Schifffahrt nicht tolerieren. Am 18. April 1988 versenkten US-Kriegsschiffe eine iranische Fregatte, ein Kanonenboot und sechs Schnellboote, nachdem vier Tage zuvor ein US-Kriegsschiff auf eine Mine gelaufen und gesunken war. Im Juli 1988 schoss die US-Navy ein iranisches Flugzeug über dem Golf ab, das sie nach dem Radarbild irrtümlich für ein angreifendes Kampfflugzeug gehalten hatte. 290 Passagiere starben.

Leser-Kommentare
  1. Sollte Obama die USA in einen Krieg gegen den Iran führen, wäre ihm die Wiederwahl sicher - besonders, wenn der Konflikt von Seiten des Iran provoziert ist und das heilige Oel in Gefahr ist.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wir sollten uns um den Öl-Bedarf der Amis nicht so lustig machen. Ich sehe schon im TV die eingespielten Personenbefrgaungen aus Deutschland, wenn draussen die Autofahrer inteviewt werden und sich über das fehlende benzin meckern, die Firmen die meckern, wie alle grummen, meckern usw weil sie auf ihren Wohlstand plötzlich verzichten müssen.
    Und wie sich dann heimlich die Deutschen wünschen dass die Amis wieder die Drecksarbeit machen - natürlich ohne eigene Beteiligung der Dt - damit in Freiburg wieder das benzin aus der Zapfsäule fließt.

    Wir sollten uns um den Öl-Bedarf der Amis nicht so lustig machen. Ich sehe schon im TV die eingespielten Personenbefrgaungen aus Deutschland, wenn draussen die Autofahrer inteviewt werden und sich über das fehlende benzin meckern, die Firmen die meckern, wie alle grummen, meckern usw weil sie auf ihren Wohlstand plötzlich verzichten müssen.
    Und wie sich dann heimlich die Deutschen wünschen dass die Amis wieder die Drecksarbeit machen - natürlich ohne eigene Beteiligung der Dt - damit in Freiburg wieder das benzin aus der Zapfsäule fließt.

  2. Mit einem erneuten Kriegsschauplatz verschärfen die sich in einer großen Rezession befindlichen USA ihre bestehenden wirtschaftlichen Probleme unkalkulierbar weiter. Irgendwann wird auch den USA die Luft ausgehen und man wird stärker darüber nachdenken müssen, schwierige Probleme nicht nur mit Überheblichkeit und Kanonenbootpolitik lösen zu wollen.
    Mit dem Nachrüstungsbeschluß der NATO-Staaten am Anfang der 80-ger Jahre hat man den Warschauer-Pakt "totrüsten" lassen - das kriegerische Abenteuer der Sowjetunion in Afghanistan und die Unfähigkeit sowie fehlende moralische Legitimation der diese Staaten regierenden Größen haben dann den Rest gegeben.

  3. Mich wundert immer wieder, wie unverdrossen hier zu Lande die US-Propaganda dann weiterverbreitet wird, wenn es um den Nahen Osten geht. Natürlich ist das Regime im Iran alles andere als rechtsstaatlich oder demokratisch. Was Demokratie betrifft, ist es allerdings einiges besser legitimiert als die Prinzengarde in Saudi-Arabien oder die Bahrein-Staatsführung.
    Störend ist, dass im Atomstreit mit dem Iran ständig unterlassen wird, auf den Atomstaat Israel hinzuweisen. Störend ist, dass nie darauf hingewiesen wird, wie Israel, von den USA unterstützt, seit Jahrzehnten einen Staat der Palästinenser nicht nur nicht anerkennt, sondern verunmöglicht. Wenn man von Drittstaaten im Nahen Osten die Anerkennung des Existenzrechts von Israel fordert, ohne von Israel das Existenzrecht eines palästinensischen Staates zu fordern, misst man diesbezüglich mit zweierlei Mass. Genau dies schadet der "wesltichen" Glaubwürdigkeit enorm.
    Schliesslich:
    Was hat denn die USA bezüglich ihrer kriegerischen Handlungen im Nahen Osten und im Nachbargebiet, in Afghanistan, erreicht ? Ist es nicht so, dass rund 10 Jahre Krieg gar nichts ausser Destabilisierung, Millionen Getötete, Verletzte, Flüchtlinge und, schaut man nach Pakistan, eine Bedrohungssituation geschaffen haben, welche das Scheitern der Kriegstreiber - und die sitzen eindeutig in den USA - aufzeigen.
    Was macht "der Westen" ?
    Er überlässt den Zauberlehrlingen ihre "Spielwiesen". Das ist, nebst dem es peinlich ist, hoch gefährlich.

    13 Leser-Empfehlungen
  4. Little Big A dürfte beim Gedanken an das Schicksal von Saddam Hussein und Ghaddafi schlecht schlafen, vor allem, da kleine Leute am Galgen besonders qualvoll sterben (siehe Admiral Canaris); und wie Nordkorea exemplifiziert, ist Tollwutverdacht immer noch die beste Abwehrstrategie von Operettendiktatoren gegen das Imperium.

    Andererseits sollte Mr. President auch einmal daran denken, dass hinter Tollwutverdacht auch wirkliche Tollwut stecken kann.

    60 Millimeter Kevlar: Das ist die Panzerung eines Flugzeugträgers der Nimitz-Klasse. Als Grundlage für eine stabile Machtposition etwas wenig. Weiß jemand etwas über geschätzt Geschwindigkeit und Masse der iranischen Raketen?

  5. dann bomben wir (der Westen) die platt - jedenfalls brauchen wir noch nen drifitgeren Grund den wir der Bevölkerung verkaufen...
    Ich an deren (Teherans) Stelle würde aufhörn mit Waffen rum zu experimentieren. Sonst findet der Westen, also unsere "Elite" noch so einen Grund uns einen Angriff schmackhaft zu machen.
    Denn zum Krieg gehören immer zwei: Eine Führung und einen "Dummen", einen Ausführenden, der die Kriegslust braucht.
    Öl ist da ein bisschen zu platt. "Was wir führen Wirtschaftskriege? Nicht mit mir!"
    Aber wenns um Langstreckenraketen mit Atomaren Sprengköpfen geht.. wir hams ja in Irak gesehen...
    Also Teheraner: Macht keinen Mist!

  6. Ich habe Angst, dass die USA einen weiteren Krieg vom Zaun brechen. Gründe für die Öffentlichkeit sind vorhanden (Atomwaffen ?, Blockadedrohung), obwohl die USA diese gar nicht braucht.

    Schließlich hat man sich 2003 auch etwas schlaues überlegt, die Massenvernichtungswaffen Saddams, von denen heute jeder weiß, dass sie nicht existierten, und dass zu diesem Zeitpunkt der Irak keine Bedrohung für die USA war.

    Trotzdem hat die Bush-Administration die Bevölkerung für einen Krieg mobilisieren können. Das muss einem doch zu denken geben, besonders vor dem Hintergrund das die USA nach dem Abzug aus dem Irak wieder Kapazitäten frei haben.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Der Iran provoziert??? Wie bitte??? Schon vergessen welches Land rund um den Iran Militärbasen errichtet hat und den Luftraum regelmäßig mit Spionageflügen verletzt.

  8. Wir sollten uns um den Öl-Bedarf der Amis nicht so lustig machen. Ich sehe schon im TV die eingespielten Personenbefrgaungen aus Deutschland, wenn draussen die Autofahrer inteviewt werden und sich über das fehlende benzin meckern, die Firmen die meckern, wie alle grummen, meckern usw weil sie auf ihren Wohlstand plötzlich verzichten müssen.
    Und wie sich dann heimlich die Deutschen wünschen dass die Amis wieder die Drecksarbeit machen - natürlich ohne eigene Beteiligung der Dt - damit in Freiburg wieder das benzin aus der Zapfsäule fließt.

    Antwort auf "Wahljahr"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    aber das darf man doch nicht so deutlich sagen. Es muß etwa so gehen:

    Die USA sind ein zutiefst imperialistisches Regime das nur darauf aus ist, aus innenpolitischen Gründen und Öldurst (ganz besonders verwerflich) andere Staaten mit Krieg zu überziehen. Deutschland muß sich auf Grund hochstehender Moral heraushalten und Lichterketten bilden, d.h., einen "Westerwelle" machen.

    Das Öl ist später auf friedlichem Wege (freie Marktwirtschaft) einzukaufen.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    aber das darf man doch nicht so deutlich sagen. Es muß etwa so gehen:

    Die USA sind ein zutiefst imperialistisches Regime das nur darauf aus ist, aus innenpolitischen Gründen und Öldurst (ganz besonders verwerflich) andere Staaten mit Krieg zu überziehen. Deutschland muß sich auf Grund hochstehender Moral heraushalten und Lichterketten bilden, d.h., einen "Westerwelle" machen.

    Das Öl ist später auf friedlichem Wege (freie Marktwirtschaft) einzukaufen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service