Israel : Ultraorthodoxe zetteln Krawalle an

In Israel haben sich Ultraorthodoxe Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert – sie fordern Geschlechtertrennung. Tausende wollen gegen die Religiösen protestieren.
Ein ultraorthodoxer Jude schreit während der Proteste in Beit Schemesch eine Reporterin an. © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

Mehrere Hundert ultraorthodoxe Juden sind am Montag in der Stadt Beit Schemesch bei Jerusalem gewaltsam mit der Polizei aneinander geraten. Die Demonstranten forderten lautstark eine strikte Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben. Ein Beamter wurde nach Polizeiangaben leicht verletzt, mehrere Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen. Polizisten und Journalisten wurden Augenzeugen zufolge attackiert, Mülltonnen gingen in Flammen auf.

Den Auseinandersetzungen war der Notruf eines Fernsehteams des Senders Channel 10 vorausgegangen, das in der Stadt gefilmt hatte und sich plötzlich von einer feindlich gesonnenen Menge umzingelt sah, wie ein Polizeisprecher sagte. Auch am Tag zuvor war ein Kamerateam von ultraorthodoxen Juden angegriffen worden als es Schilder filmte, die Frauen aufforderten, nicht vor der Synagoge stehen zu bleiben. Die Polizei verstärkte ihre Patrouillen in Beit Schemesch.

Frances Raday, emeritierte Jura-Professorin der Hebräischen Universität Jerusalem, sagte zu den Vorgängen, der israelische Staat sei zu nachgiebig gegenüber den ultraorthodoxen Juden, wenn es um die Frauenrechte gehe. Die Ultraorthodoxen missachteten das Recht auf Gleichheit von Männern und Frauen und die Frauenrechte, obwohl sie in der israelischen Verfassung festgehalten seien. So hat sich etwa seit Ende der 1980er Jahre in Buslinien, die häufig von Ultraorthodoxen benutzt werden, eine strikte Geschlechtertrennung durchgesetzt, die jedoch in jüngerer Zeit immer wieder von Frauen infrage gestellt wurde. In israelischen Medien häuften sich daher zuletzt Berichte über Aggressionen gegen ultraorthodoxe Frauen, die sich der Rangordnung nicht unterwerfen wollten.

Wie die israelische Tageszeitung Haaretz in ihrer Internetausgabe berichtet, ist für den heutigen Dienstag eine Gegendemonstration angekündigt, zu der mehr als 10.000 Teilnehmer erwartet werden. Die Demonstration richte sich gegen die Ausgrenzung von und Gewalttaten gegen Frauen durch die Ultraorthodoxen.

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Kommentare

135 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Was anderes sind sie....

Gestern gerade war Weihnachten. Wir haben dieses Fest mittlerweile vom Fest der Wintersonnenwende zur Erinnerung an die Geburt von Jesus Christus umfunktioniert. Gedenken also eines Mannes, der gegen solche Pharisäer gekämpft hat. Der den Kern des judäischen Glaubens wieder an die Oberfläche gebracht hat.

Und wie immer sich diese Verteidiger der Form gegen den Inhalt bezeichnen, wie immer sich diese Diktatoren im falschen Namen des Glaubens bezeichnen, weder im Judentum noch im Islam (Islamisten, Taliban usw.) oder im Christentum sind es wirkliche Verteider des Glaubens. [...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/sc

*lol* Na zum Glück...

"weder im Judentum noch im Islam (Islamisten, Taliban usw.) oder im Christentum sind es wirkliche Verteider des Glaubens."

...haben wir Leute wie dich, die als einziges wissen, was die diffusen missinterpretionsanfälligen Religionen wirklich wollen.

Was du machtst ist auch nur Wunschdenken, da es keinen "wirklichen Glauben" gibt, kann es auch keine "wirklichen Verteidiger" davon geben.

Das Problem bekommt man immer, wenn man Menschen ein Set aus fixen Regeln als festgeschriebenes Gesetz präsentiert, anstatt nur Werte zu vermitteln. Das schwierige Herunterbrechen auf veränderte Realitäten wird bei den einen zu Überinterpretationen führen, während andere dazu neigen es vollkommen beiseite zu wischen. Selbst bei weltlichen Gesetzen kann man das feststellen.

Von daher war Jesus (so es ihn tatsächlich gegeben hat) schon sehr fortschrittlich, leider hat er es versäumt das alte Testament eindeutig als ungültig zu definieren, so dass das Christentum weiter an ein widersprüchliches Mischmasch glaubt. Zum einen die zehn Gebote beachtet, zum anderen aber die biblischen Nahrungsregeln (kein Schweinefleisch) missachtet.

Aber mal im ernst, brauchen wir Religionen überhaupt? Heutzutage wissen wir, dass Altruismus eine angeborene Eigenschaft ist und soagr bei Tieren vorkommt. Braucht man einen Glauben als Rechtfertigung, um dem zu folgen? Ich denke nicht. Und ich lebe auch ganz gut, ohne den Glauben ans Paradies, der Wahnsinn hat mich bisher noch nicht überwältigt...

Eroberungsgelüste...

..., die über Erez Israel hinausgehen, sind orthodoxer Seite kaum zu erwarten. Viele lehnen sogar den Staat Israel ab, da der Messias noch nicht da war. Ultraorthodoxe sind auch vom Militärdienst befreit. Hier wird viel in einen Topf geworfen, was nicht zusammengehört. Das im Artikel beschriebene Problem besteht natürlich trotzdem. Viele Ultraorthodoxe tragen nicht zum Bruttosozialprodukt bei, da sie sich - statt zu arbeiten - ausschließlich dem Thorastudium zuwenden. Für säkulare Israelis, die jene Familien über die Sozialsysteme mitfinanzieren müssen, ist es dann besonders ärgerlich, wenn ihnen von religiöser Seite dann Einschränkungen ihres (westlichen) Lebensstils drohen. Die Macht der Religösen resultiert daraus, dass diese im zersplitterten Parteiensystem Israels bisher immer das Zünglein an der Waage darstellten und für Konzessionen gegenüber ihrem Klientel durchaus bereit sind, unterschiedliche Politikrichtungen mitzutragen.

@Tyler.Durden ... Mal nicht so hochkochen lassen ...

Das liest sich ja nun auch ein wenig *fundamentalistisch* (deutschultrarechts)

Nein, wende die israelische Administration einfach einmal die üblichen Methoden an, die sie gegen Palästinenser anwendet: einknasten. Diese Knebelbärte auch vielleicht einmal arbeiten lassen, dass Sie in wenigstens irgendeiner Weise der Gesellschaft dienen können, was Sie bisher mit Sicherheit als ganztags beschäftigte Religionswächter nicht getan haben.

Ich bin zuversichtlich, dass eben das in Kürze auch passieren wird.

Stimmungsmache

> @Tyler.Durden ... Mal nicht so hochkochen
> lassen ... Das liest sich ja nun auch ein
> wenig *fundamentalistisch* (deutschultrarechts)

Da haben Sie recht, das könnte eins zu eins in das Forum der NPD übertragen werden. Aber das Judentum ruft immer noch ziemlich kranke Reaktionen hervor, siehe zum Beispiel diese unsägliche Aussage von der Atombombe in den Händen der israelischen Regierung.

Fakt ist, dass die Ultras lästig sind und über kurz oder lang von der erdrückenden Mehrheit der Menschen in Israel zurechtgestutzt werden. Aber solange taugen sie natürlich vorzüglich zur Stimmungsmache gegen Israel.

lieber forist

das ist keine stimmungsmache gegen israel, sondern speziell gegen die, die den echten israelischen gleauben missbrauchen und das sind nun mal die orthdoxe juden.
im gegenteil würde ich wissen wollen was die orthodoxen juden mit den danitischen israelis veranstaltet haben?
denn die echten israelis sind die daniten,und die juden haben sie vernichtet.
die orthodoxen juden bekämfen nicht nur die palästinenser sondern auch ihre eigenen religionsbruder den daniten.

Fakt ist,

dass die Ultras gefaehrlich sind und bisher eben NICHT von der "erdrückenden Mehrheit der Menschen in Israel" zurechtgestutzt werden.

Stattdessen laesst man sie gewahren..

Ueber kurz oder lang wird das Tolerieren von religioesem und natioanlistischem Fundamentalismus in Israel zu einer schweren Krise fuehren.

Wer als Sieger aus dieser herauskommt vermag man nicht zu sagen.

Das, was man als Demokratie noch bezeichnen kann in Israel ist in Gefahr.

Nicht umsonst wird die derzeitige Lage mit der in der Weimarer Republik verglichen. http://www.uri-avnery.de/...

Hoffentlich wachen die Israelis auf und lasses es nicht zu, dass sich eine Diktatur bildet.

Instrumentalisierung

> das ist keine stimmungsmache gegen israel,
> sondern speziell gegen die, die den echten
> israelischen gleauben missbrauchen...

Also nochmal: Die orthodoxen Juden (=Artikelthema) werden wie bei allem, was in Israel falsch läuft, von der Propaganda hocherfreut zur Kenntnis genommen und instrumentalisiert, um gegen den Judenstaat Stimmung zu machen. Beleg unter anderem: Die Aussage in einem der hiesigen Kommentare (=Bezug zum Artikel bzw. den ihn kommentierenden Aussagen - oder wurde diese Aussage schon gelöscht?), die israelische Atombombe müsse man als Gefahr betrachten. Die antisemitischen Absichten einer Gleichsetzung der jüdischen Selbstverteidigungsbombe mit der iranischen, von der Welt als durchaus aggressiv und antisemitisch empfundenen, geplanten Bombe ist offensichtlich und zynisch.

Es gibt Stimmungsmache gegen Israel und der Zusammenhang mit den Orthodoxen ist nicht nur offensichtlich, sondern viel schlimmer: Seit Jahr und Tag weiß eigentlich jeder, der sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt, wie sehr die durch Krieg und Terror hervorgerufene Radikalisierung der Bevölkerung Israels von der Rechten und der Linken instrumentalisiert wird.

@Plantronics: Ultras und Knebelbärte

Ich bin nicht nur zuversichtlich, dass die Israelische Administration hier durchgreifen wird, sondern dieses Durchgreifen auch eine nachhaltige Wirkung auf alle "Ultras" und "Knebelbärte" dieser Welt hinterlassen wird ... die werden ihre "Argumente" neu sammeln und sortieren müssen, von Deutschultrarechten über Ultraislamisten bis zu Fundamentalchristen, die heute noch die "Achse des Bösen" heraufbeschwören.

[...]

Im übrigen bin ich ja der Meinung, dass es geeignet wäre, Israel als Mittelmeeranreiner und moderne Gesellschaft in die EU aufzunehmen, wenn denn beide Parteien nur wollten ... das würde unserere Europäischen Ultras wie auch Israel mit seinem Verhalten gegenüber Nachbarn ein wenig disziplinieren ...

*gemeinsam gegen Ultras*****

Gekürzt.
Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Argumenten. Danke, die Redaktion/mk

Die Henne, oder das Ei?

"Die antisemitischen Absichten einer Gleichsetzung der jüdischen Selbstverteidigungsbombe mit der iranischen, von der Welt als durchaus aggressiv und antisemitisch empfundenen, geplanten Bombe ist offensichtlich und zynisch."
Was war zuerst, die Hennen oder das Ei? Rein zeitlich gesehen wäre in diesem Fall die Frage bereits beantwortet. Mir persönlich machen jedenfalls beide Bomben Sorgen, auch wenn unsere Presse uns ständig einhämmert, dass die eine gut und die andere böse sein soll.

Angst vor einer Atombombe in den Händen von

religiösen Extremisten hat nichts mit einer "Stimmungsmache" oder "Antisemitismus" zu tun.

Bereits heute ist eine ultra-orthodoxe Partei in der israelischen Regierung vertreten, dessen spirituelles Oberhaupt Rabbi Ovadia Yosef vor kurzem sagte:

"Mögen all die Bösen, die Israel hassen, wie "Abu Masen"(Mahmoud Abbas) und alle Palästinenser, von unserer Welt verschwinden. Möge die Pest sie befallen" http://de.wikipedia.org/w...

Noch sind diese Parteien "nur" in der Minderheit in der israelischen Regierung. Bald könnten sie aber in der Mehrheit sein.

Und was sie dann mit den hunderten Atombomben machen, die Israel besitzt, mag ich mir gar nicht vorstellen..

Machen Sie doch schon

Die Ultraorthodoxen breiten sich doch schon völlig unkontrolliert aus. Die meisten der illegalen Siedlungen in Jerusalem und im West-Jordanland sind doch für die ultraorhodoxen Siedler.

Und diese extremistischen Nationalisten werden rund um die Uhr gebuttert, um der Regierung Mehrheiten zu erhalten.

Die Israelis sollten ihre Regierung schnellstmöglich stürzen, bevor auch der Rest des verbleibenden Ansehens Israels in der Welt zunichte gemacht worden ist.

Ein durchaus sinnvoller Vorschlag,

einmal abgesehen davon, dass es dafür keinen Platz gäbe,

das kann man den anderen religiösen Wirrköpfen auch gleich schmackhaft machen, also den Katholizisten, Islamisten, Evangelikalen, Kreationisten etc.

Nur, die wollen nirgendwo hin, die wollen in Ruhe weiterstänkern, da wo sie gerade sind, weiter Hass und Zwietracht sähen und Ausgrenzung und Intoleranz predigen, aus welchem Grund auch immer.

Erst schreiben, dann denken...

Ist es jetzt mittlerweile Usus auf ZEIT-Online erst Kommentare zu verfassen und dann zu denken?

1. Israel gewährt schon seit über 50 Jahren den Palästinensern keinen eigenen Staat. Warum also sollte es jetzt eine Ausnahme geben für die Ultraorthodoxen, die sich genauso wenig nach der israelischen Verfassung richten, wie beispielsweise die Palästinenser im Gaza-Streifen?

2. Die Gruppe der Ultraorthodoxen Juden ist keinesfalls homogen. Die einen lehnen den Staat Israel ab, da sie nur dem kommenden Messias die Gründung eines Staates überlassen; wieder andere haben längst eine Art Staat im Staat gegründet etc.

Abhilfe?

...statt sich hier über eventuell fehlendes Denkvermögen Ihrer Mitforisten zu mokieren und nach meinem Empfinden selber auch nicht gerade umwerfend durchdachte Beiträge zu verfassen, empfehle ich Ihnen zur Rettung des heutigen Tages, die interessante Lektüre des heutigen ZEIT-Interviews mit Simon Montefiore, mir hats jedenfall gut getan...
P.S.:
ad1): der Begriff "Palästinenser" wurde von Yasir Arafat mit der Gründung seiner "PLO" kreiert und war als Volksname bis dahin nicht üblich.
ad2): "inhomogen" ist doch das Volk der Juden insgesamt, wenn man sich nur an die Diskussionen erinnert, als sudanesische Juden in die Hafenstadt Eilat einwanderten und sich die Debatte erhob:
"können Juden schwarz sein?", heute längst kein Thema mehr in Israel.

Luckners und säkulare Juden in Israel!

...ich denke ja dauernd mit, Denkmalmit!
Und da denke ich mir das, was Sie pessimistisch als Problem für die Menschheit sehen, optimistisch als Chance der Selbstreinigung im Sinne meines persönlich großen Vorbildes Felix Graf von Luckner aus Halle, aus meiner Halbstarken-Ära nach 1945.
Von ihm sagte sein Vater als er wegen immer schlechter werdender Schulnoten einst aus der Tertia zur See weglief und sich vom Schippsjung im Mast zum Steuermann hinterm Mast aus eigener Kraft hocharbeitete und erst von der Seefahrt zurückkehrte, als er sein Steuermannspatent in Oll Pedders Seekiste hatte:
"Er ist eben doch ein Luckner! Wäre er kein Luckner, dann hätte er es nicht geschafft und es wäre um ihn auch nicht schade gewesen!"
Wenn die Dummheit der Ultraorthodoxen in Israel obsiegt, was ich sehr stark bezweifele, gegenüber der Mehrheit der Säkularen, dann sollte es eben so sein und - siehe oben: die Luckners!