ReligionskonfliktIsraels Präsident ruft zu Protest gegen Ultraorthodoxe auf

Der Konflikt zwischen ultraorthodoxen Juden und der Mehrheitsgesellschaft in Israel nimmt schärfere Formen an: Präsident Peres stellt sich gegen die religiösen Fanatiker. von dpa und Reuters

Säkulare Israelis im Streit mit orthodoxen Juden in der Stadt Beit Schemesch

Säkulare Israelis im Streit mit orthodoxen Juden in der Stadt Beit Schemesch  |  © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

IsraelsPräsident Schimon Peres hat seine Landsleute eindringlich zur Teilnahme an einer Demonstration gegen eine Gruppe ultraorthodoxer Juden aufgerufen. Diese Gruppe versucht in der Stadt Beit Schemesch nahe Jerusalem, ihre religiösen Regeln auch im öffentlichen Raum durchzusetzen und damit die Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit zu verstärken.

In Beit Schemesch war es am Montag zu gewalttätigen Protesten der Ultraorthodoxen gekommen. Zuvor hatte die Stadtverwaltung zum dritten Mal in dieser Woche ein von religiösen Fanatikern angebrachtes Schild abgenommen. Darauf wurden Männer und Frauen aufgefordert, auf den nach Geschlechtern getrennten Bürgersteigen zu gehen. Die Fanatiker bewarfen die Polizisten mit Steinen und verletzten einen Beamten am Kopf.

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"Wir kämpfen für das Herz der Nation und um den Kern des Staates", sagte Peres in einer Ansprache. Bei der für den Abend von Bürgerrechts-Gruppen angekündigten Kundgebung in Beit Schemesch gehe es darum, deutlich zu machen, dass sich die Mehrheit der israelischen Gesellschaft nicht ihre "heiligsten Werte" von einer kleinen Minderheit rauben lasse, sagte Peres.

"Sie sind nicht die Herren des Landes"

Niemand habe das Recht, einen anderen Menschen zu bedrohen. "Sie sind nicht die Herren des Landes", sagte Peres mit Blick auf die von einem Fernsehteam aufgedeckte Geschichte eines achtjährigen Mädchens, die in der vergangenen Woche im gesamten Land für Empörung gesorgt hatte.

Das Mädchen hatte im Fernsehen berichtet, dass sie auf dem Weg zur Schule von Ultraorthodoxen beleidigt und bespuckt wurde, weil sie "unangemessen" gekleidet sei. Ein Fernsehteam, das über die Ereignisse in Beit Schemesch berichtete, wurde ebenfalls bedroht.

Die Spannungen zwischen Ultraorthodoxen und der jüdischen Mehrheitsgesellschaft in Israel nehmen seit Wochen zu. So gibt es in einigen Buslinien in Jerusalem auf Druck der Ultraorthodoxen getrennte Sitzplätze für Männer und Frauen. Rund zehn Prozent der knapp acht Millionen Israelis sind ultraorthodoxe Juden.

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Leserkommentare
    • lomo
    • 27. Dezember 2011 16:40 Uhr

    Der - allerdings nicht ultraorthodoxe, sondern liberale - Jude "Jesus" hat zu diesem Problem
    den ultimativen Kommentar abgegeben,
    als er feststellte:
    "Das Gesetz ist für den Menschen da
    und nicht der Mensch für das Gesetz!"
    Mit dieser Aussage nahm er den Menschen gegen fundamentalistische Anmaßungen in Schutz
    bzw. prangerte alle Verletzungen der Menschenwürde an!

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    den Ultra-Orthodoxen nicht hoch im Kurs. Aber Simon
    Perez tut seine Pflicht fuer die Verfassung einzutreten.

    • xpeten
    • 27. Dezember 2011 19:02 Uhr

    wie Sie es hier gerne unterschieben möchten:

    Ultraorthodoxe Juden = religiöser Fanatismus ist wohl offensichtlich, aber Jesus als Aufklärer gegen den Fundamentalismus hinzustellen, ist -nach allem Leid, welches die Kath. Kirche über die Menschheit gebracht hat- mindestens genauso fanatisch.

    • Zack34
    • 27. Dezember 2011 16:43 Uhr

    <a>
    des Herrn Peres, Chapeau.
    <a>

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    "Eine respektable Haltung des Herrn Peres - Chapeau"

    Dem kann ich mich nur anschließen.

    Ich will an dieser Stelle den Bogen zur parallel in Deutschland stattfindenen Diskussion um das Bundespräsidentenamt schlagen. In dieser Diskussion wird häufig gefordert, dieses Amt abzuschaffen, weil der Bundespräsident eigentlich nur ein "Grüßaugust" wäre.

    Die konstitutionelle Situation in Israel ist ja vergleichbar: Präsident als Staatsoberhaupt und Premier als Regierungschef.

    Herr Peres zeigt hier sehr anschaulich, welche Autorität ein solches Amt haben kann, wenn der jeweilige Inhaber die entsprechende politische Statur hat.

    In der vorliegenden Situation kann nur der Präsident so handeln, weil er nicht den Zwängen des Regierungsgewschäftes ausgesetzt ist.

    • Biljana
    • 27. Dezember 2011 16:49 Uhr

    langfristig gesehen, denn seine größten Feinde, die ultraorthodoxen Juden und die Araber, haben die höheren Geburtenraten.
    Wie wichtig unterschiedliche Geburtenraten verschiedener Teile der Bevölkerung sind, konnte man im Kosovo beobachten. Der Fakt gilt natürlich auch in Deutschland, ob man ihn nun geflissentlich ignoriert oder nicht.

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    • Zack34
    • 27. Dezember 2011 17:13 Uhr

    ... Zitat: "Wie wichtig unterschiedliche Geburtenraten verschiedener Teile der Bevölkerung sind, konnte man im Kosovo beobachten."
    <a>
    ... könnte sich tatsächlich einiges abspielen; ganz aus der Luft gegriffen ist die These nicht, denn der Kampf um die Ressourcen ist letztendlich auch im Heilligen Land und bei seinen Nachbarn ein großes Thema, siehe auch das Thema Wasservorräte.
    <a>
    ps.
    Damit haben Sie allerdings das(!) Tabu-Thema angesprochen, zumindest wenn´s um Kosovo und die hiesige Wahrnehmung seiner Geschichte vor 1986 geht.
    <a>

    ... anderen Glaubens eine Chance.

    Religiöse Fanatiker haben in der Region seit tausenden Jahren Unruhe gestiftet und ähnlich wie in der Gründungsphase Israels müssen die orthodoxen Juden wieder einmal in die Schranken gewiesen werden.

    Das tut Peres mit seinem Aufruf und ich hoffe, es gibt über Glaubensgrenzen hinweg eine Allianz der Vernünftigen. Sonst könnten sich andere Extremisten dazu aufgerufen fühlen, ihre Variante eines einzig richtigen Weltbildes erzwingen zu wollen. Die grundsätzliche Botschaft von Peres gilt also sehr wahrscheinlich nicht nur für eine der Minderheiten in Israel.

    Kai Hamann

    Die Aussage die "größten Feinde" des säkularen und liberalen Israelis seien "die ultraorthodoxen Juden und die Araber" ist zunächst einmal volksverhetzend und außerdem auch falsch.

    Die arabischen Israelis sind wie auch die meisten jüdischen Israelis Anhänger der Demokratie.

    Die derzeit gefährlichsten Feinde des säkularen UND liberalen Israels sind derzeit an der Macht: Netanjahu und Lieberman.

    Sie sind sind unter dem Einfluss von religiösen Fanatikern (drei religiöse Parteien stützen ihn) und sind selbst Nationalisten, denen liberale Werte nichts bedeuten.

    Das Problem ist weniger die Geburtenrate,sondern das Missbruachen der Ultraorthodoxen bzw. der Rechten durch die isralische Regierung.Nur solche Menschen bauen Siedlungen und harren dort auch aus.
    Kosovo:
    Die Lage in Israel mit der Geburtenrate im Kosovo zu vergleichen ist absurd.Sie verschweigen sehr geflissentlich die Vertreibung der Kosovaren/Albaner aus der Gegend von Nis und bzw. und dem heutigen Südserbien durche serbische Truppen im 1.und 2. Weltkrieg.Verschonen Sie uns mit ihrer serbischen Propaganda.

  1. ...und wird von der israelischen Mehrheit gehört. Wozu die Ultra-Orthodoxen fähig sind, hat ja das Beispiel Jitzchak Rabin gezeigt.

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    auf seine Worte.

    Das Problem ist, dass Peres keine Macht hat und die Regierung die religiösen Extremisten gewähren lässt.

    Netanjahu und Lieberman unterstützen die religiösen Fanatiker direkt und indirekt.

    Warum? Weil sie von ihnen abhängig sind, denn nur die Stimmen der religiösen Fantiker in der Knesset halten sie an der Macht.

    Hoffentlich wachen die Israelis auf und stürzen diese Regierung.

  2. den Ultra-Orthodoxen nicht hoch im Kurs. Aber Simon
    Perez tut seine Pflicht fuer die Verfassung einzutreten.

  3. Also rd 750.000 jüd.Ultras + 650.000 überwiegend rechtsradikale Siedler gibt es folglich in Israel.
    Das ist ja mehr wie al Qaida Anhänger weltweit hat und das alles auf diesem 22.000 Km2 großen Israel?
    Prost Mahlzeit!
    Schöne Aussichten und arme Palestinenser - bei solchen Nachbarn -.

    Bitte unterlegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Die Redaktion/mak

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    • Stuart
    • 27. Dezember 2011 17:57 Uhr

    ...dass die Mehrheit der Israelis aufsteht und gegen die Ultras demonstriert. Das sollte noch zur Vervollständigung erwähnt werden.

    Es ist interessant, dass Sie die Mitgliederzahlen von Al- Qaida haben und auch deren Verteilung nachvollziehen können.
    Oder ist Ihr Kommentar ein weiteres Beispiel für die Unkenntnis und Naivität mit der in Europa über komplexe Themen wie Terrorismus und Fundamentalismus diskutiert wird? Ist Ihnen überhaupt bewusst, dass Al- Qaida nur ein ganz kleiner Teil derer ist, die Ihre Werte verabscheuen und Sie für Ihre Haltung entweder verabscheuen oder als ewig Wegguckender verachten?

    Das Grundproblem bei europäischen Diskussionen ist das Voraussetzen von gleichen Wertvorstellungen aller Menschen und das Unterteilen in Gut und Böse.

    aber ich dachte die Ultra-Orthodoxen würden Israel eher gespalten gegenüberstehen... Weiß jemand etwas genaueres? Hatte nur vor Urzeiten mal eine Dokumentation auf Arte gesehen

    Wie kommen sie denn zu der Erkenntnis, dass die Israeli, die Sie Siedler nennen ueberwiegend rechtsradikal seien???

    Informieren Sie sich doch bitte mal, was Rechtsradikalismus ueberhaupt ist:
    >
    > wird in der politischen Literatur bzw. Diskussion
    > häufig synonym für Rechtsextremismus gebraucht
    >
    Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsextremismus

    Gerade von Menschen in Deutschland sollte man in solchen Angelegenheiten eine gewisse Sensibilitaet bei der Formulierung ihrer Anschuldigungen und der Begriffswahl erwarten.

    Ausserdem scheint mir, dass sie die tatsaechlichen Verhaeltnisse in dieser Region nicht gut kennen.

  4. Die ultraorthodoxen Juden ziehen das Beten einer geregelten Arbeit vor und leben mit ihren Großfamilien auf Kosten der israelische Steuerzahler. Ein Spaziergang durch den Ortsteil Mea She´arim ist deswegen deprimierend. Das Viertel wirkt verwahrlost und verkommen. Die männlichen ultra-orthodoxen Juden in ihrer typischen Kleidung und unterschiedlich gestylten Schläfenlocken wirken häufig gestört oder verstört. Die Kinder, die in diese enge und rückständige religiöse Welt, aus der man wohl schlecht ausbrechen kann, geboren und dann mit stark religiösem Hintergrund „weltfern“ erzogen werden, können einem nur sehr leid. Und der mittelalterliche und "gestörte" Umgang mit Frauen ist in einer aufgeklärten Gesellschaft einfach nur unwürdig und krank. Es wird höchste Zeit, dass alle Privilegien der Ultraorthodoxen abgebaut und diese Fanatiker gebändigt werden. Ein klares Wort des Präsidenten ist überfällig.

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    • Biljana
    • 27. Dezember 2011 17:21 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk

  5. 8. Israel

    hat diese Problematik lange genug verdrängt!Wer sind denn die sogenannten Siedler im Westjordanland?-richtig menschenverachtende ultraorthodoxe Fanatiker!Israel hat diese Menschen jahrzehntelang für seine völkerrechtswidrige Siedlungspolitik benötigt. Solange diese Fanatiker "nur" Araber "schikaniert" haben,(man denke nur an den fanatischen Siedler Baruch Goldstein, der in den 90ern in Hebron Dutzende Palästinenser erschossen hat), hat man sie unbehelligt gelassen. Aber jetzt wenden sie sich wie beim Rabin-Mord gegen die eigenen Leute. Wie wird man jetzt mit ihnen fertig?
    Ich bin der Ansicht, dass ein Staat niemals menschenverachtende Fanatiker dulden darf oder für seine Ziele missbrauchen sollte. Man muss hier immer den Anfängen wehren.Dies hat Israel nicht getan und steht nun vor einem Problem das nicht gerade gering ist. Man stelle sich mal einen aufgeklärten Israeli vor, der sein Leben im Kampf gegen Hamas und Hisbollah riskiert hat um die Werte, für die sein Land offiziell steht, zu schützen und wird nun in eben diesem seinem Land von jüdischen Fanatikern bepöbelt weil er eine kurze Hose trägt.Eine unmögliche Situation! Das israelische Volk badet jetzt eine katastrophale Innenpolitik seiner Regierung aus.Man bekämpft Islamisten und züchtet ihre jüdischen Blutsbrüder heran.Ein aberwitzige und traurige Tragikomik!Nebenbei sieht man mal wieder, dass Fanatiker aller Couleur (ob Christ, Jude oder Moslem) sich sehr ähneln!Toleranz ist überall ein seltenes Gut!

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    • zd
    • 27. Dezember 2011 18:42 Uhr

    es tut mir leid, wenn ich ihnen gleich zu nahe tretten werde, aber ich paar sachen los werden.

    erstens sind sie das beste bsp. fuer die meisten detuschen, die zu nahost "etwas zu sagen haben", ohne genug ahnung davon zu haben.

    die sogenannten siedler in westjordanland sind keine ultraorthodoxe, sondern nationalreligioese. die ultraorthodoxe verhalten sich bei dem nahostkonflikt neutral. tragen keine waffen und gehen nicht zur armee.

    die meisten siedler sind nationalreligioes obwohl es auch eine sehr beachtliche minderheit an sekulaeren und ultraorthodoxen siedler gibt.

    die gruppe der radikalen siedler ist sehr klein. und sie werden von der polizei und armee wie die pest gejagt und von der israelsichen medien verteufelt.

    der vorwurf, dass der staat nicht genug gegen radikale gemacht hat zeugt von unwissen. in der 90er jahren wurden radikale parteien verboten. und nach rabinmord gab es eine regelrechte hexenjagt gegen nationalreligioese.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Schimon Peres | Recht | Israel | Mädchen | Demonstration | Herz
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