Israel : Ultraorthodoxe randalieren in Beit Schemesch

Hunderte strenggläubige Israelis wollten in Beit Schemesch demonstrieren, durften jedoch nicht. Daraufhin warfen sie mit Steinen und zündeten Mülleimer an.
Ultraorthodoxe in der israelischen Stadt Beit Schemesch (Archiv) © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

Hunderte ultraorthodoxe Israelis haben am Donnerstagabend in der Stadt Beit Schemesch randaliert, nachdem ihre geplante Kundgebung nicht zustande kommen durfte. Polizisten hielten die Ultraorthodoxen zurück. Diese warfen daraufhin mit Steinen, zündeten Mülleimer an und blockierten den Verkehr, berichteten Augenzeugen. Drei Menschen wurden laut israelischen Medienberichten festgenommen.

Beit Schemesch war in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten, nachdem das Fernsehen über ein Schulmädchen berichtet hatte, das von einem ultraorthodoxen Mann bespuckt worden war. Das Mädchen soll nach Meinung religiöser Eiferer in der Stadt nicht sittsam gekleidet gewesen sein.

Der Vorfall stieß auch in gemäßigteren religiösen Kreisen auf scharfe Kritik. Am Dienstag hatten mehrere tausend Israelis nach einem Aufruf von Menschenrechtsgruppen in Beit Schemesch gegen die Benachteiligung von Frauen im öffentlichen Leben demonstriert.

Hintergrund ist der Streit über die von ultraorthodoxen Juden geforderte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit. Frauen werden unter anderem auf Schildern aufgefordert, vor den Synagogen auf die andere Straßenseite zu wechseln, in Bussen und Straßenbahnen hinten zu sitzen, sich im Supermarkt in getrennte Schlangen an der Kasse zu stellen sowie bei Wahlen verschiedene Wahlurnen zu benutzen.

Orthodoxer wegen sexueller Belästigung angeklagt

Unterdessen wurde in Jerusalem ein orthodoxer Jude angeklagt, der eine junge Frau in einem Bus beschimpft hatte. Ein Gericht habe am Donnerstag Anklage gegen den 44-jährigen Familienvater wegen sexueller Belästigung erhoben, teilte die Justiz mit. Dem strenggläubigen Juden wird vorgeworfen, eine junge Frau unter anderem als "Hure" beschimpft zu haben, da sie sich in einem Bus weigerte, seiner Aufforderung zu folgen, sich hinten hinzusetzen.

"Das wachsende Phänomen der Diskriminierung von Frauen gefährdet die demokratische Gesellschaft", sagte die zuständige Richterin. Im Fall einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren. Da er die geforderte Kaution nicht zahlte, blieb er in Polizeigewahrsam.

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Kommentare

66 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Glück gehabt

Da haben diese religiösen Fundamentalisten ja Glück gehabt, dass sie Juden sind. Wenn Palästinenser bei Auseinandersetzungen mit der israelischen Polizei Steine werfen und Feuer legen, werden in der Regel ein paar von ihnen erschossen und etliche zu langen Freiheitsstrafen verurteilt.
Wenn zwei das Gleiche tun ist es eben noch lange nicht dasselbe.

Religion = Heroin fürs Volk

Ist doch kein Wunder, wenn eine Gesellschaft die Jahrelang in einem Kriegsähnlichen Zustand lebt, langsam selbst radikalisiert. Religion gegen Religion. Wie es im tiefsten Mittelalter schon recht beliebt war. Klar, dass die vor ihren eigenen Leuten nicht halt macht.

Im Prinzip sind die Ausschreitungen und Forderungen nichts anderes als die noch relativ friedliche Vorstufe der Inquisition. Hätten diese Leute die Macht, wäre das gewaltsame Durchsetzen ihrer Forderungen der nächste Schritt.

Schuld ist nicht die Religion sondern was daraus gemacht wird

Die Religion hat leider Excesse hervorgebracht, genau wie
andere Ideologien seien es die Jakobiner oder die Kommunisten oder die Nazis. Auch in Israel besteht die
ueberwiegende Mehrzahl der glaeubigen Juden aus toleranten
Buergern, aber die Radikalen bekommen die Aufmerksamkeit.
Wenn die Aufmerksamkeit dazu dient, sie in die Schranken
zu weisen, war es gut.

Bespucke nicht die Hand, die dich füttert

Das Interessante ist, dass die Frauen, die sich im Bus und auf der Straße von ultra-orthodoxen Männern - den Haredi - beschimpfen und bespucken lassen müssen, ausgerechnet diejenigen sind, die eben diese Haredi finanzieren: Der Großteil der männlichen Haredi weigert sich zu arbeiten und lebt mit seinen Familien vom Staat und damit von den Steuerzahler(inne)n. Kein Wehrdienst, keine Arbeit und somit keine Steuern, kein Respekt vor der demokratischen Rechtsordnung. Alles auf Kosten des säkularen Staates, den sie immer fanatischer bekämpfen.

Dabei handelt es sich bei den Haredi schon lange nicht mehr um eine kleine Minderheit. Mit durchschnittlich gut 8 Kindern pro Haredi, ist der Moment, an dem säkulare Juden in Israel die Minderheit bilden werden, nur noch eine Frage der Mathematik. (Zum Vergleich, die Geburtenrate In Israel liegt bei säkularen Juden um mehr als das Vierfache und bei Muslimen um knapp die Hälfte niedriger.)

Der "Made by god" -Effekt

Wieder einmal mehr zeigt sich bei religiösen Fundamentalisten, dass sie das demokratisch von Menschen erstellte Recht mit Füßen treten und das von Menschen gemachte Recht mit der Aufschrift "made by god" in den Himmel heben.

Sie haben sich als Kind betrügen lassen und betrügen sich jetzt als Erwachsene selbst und wollen, dass andere sich ebenfalls diesem Betrug beugen. Ganz "schön" gestört!