KlimawandelKanada verabschiedet sich vorzeitig von Kyoto-Vereinbarungen

Der Klimagipfel ist mit guten Vorsätzen gerade zu Ende gegangen. Nun steigt Kanada vorzeitig aus dem Kyoto-Protokoll aus. Es entgeht einer Strafzahlung in Milliardenhöhe. von AFP

Der kanadische Umweltminister Peter Kent

Der kanadische Umweltminister Peter Kent  |  © Chris Wattie/Reuters

Einen Tag nach dem Ende der Weltklimakonferenz hat Kanada seinen Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll erklärt. "Wir berufen uns auf das Recht Kanadas, formell aus Kyoto auszusteigen", sagte der kanadische Umweltminister Peter Kent. Das Abkommen sei eher ein "Hindernis" als der "Weg nach vorn" zu einer weltweiten Lösung gegen den Klimawandel, sagte Kent.

Sein Land sei der Auffassung, dass im Kampf gegen die Erderwärmung nur rechtlich bindende Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase für alle Klimasünder sinnvoll seien, sagte Kent. Kanada ist das erste Land, das das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und sich vorzeitig aus dem Abkommen zurückzieht.

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Kanada hatte sich mit dem Kyoto-Protokoll dazu verpflichtet, bis 2012 seinen Ausstoß an klimaschädlichem CO2 um sechs Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. Dieses Ziel hätte das Land weit verfehlt. Im vergangenen Jahr lag der Wert für die Treibhausgas-Emissionen Kanadas um mehr als 35 Prozent über den Daten von 1990. Mit dem Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll umgeht Kanada nun eine Strafzahlung in Milliardenhöhe für die nicht eingehaltenen Klimaziele.

G20

Ein Weltklimavertrag wird die Welt nicht vor den Folgen des Klimawandels retten. Dafür kommt er zu spät. Doch es tut sich einiges beim Klimaschutz.

Mehrfach haben G-20-Gipfel beschlossen, die Subventionen für fossile Energien zu streichen. Die Internationale Energieagentur hat errechnet, dass 2010 rund 490 Milliarden Dollar dafür ausgegeben worden sind. Die Bundesregierung ist der Meinung, es gebe in Deutschland keine Subventionen für fossile Energien. Das Umweltbundesamt hat jedoch in seinem Bericht über umweltschädliche Subventionen 17,7 Milliarden Euro entsprechender Beihilfen ermittelt – von Steinkohlesubventionen bis Agrardiesel.

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EU

Die Europäische Union hat sich 2007 verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken und bis dahin einen Anteil erneuerbarer Energien von 20 Prozent zu erreichen. Das Ziel, die Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen, ist dagegen nicht verpflichtend und wird nach Einschätzung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger auch nur zur Hälfte erreicht werden. Die EU hat angeboten, ihre Treibhausgasemissionen um 30 Prozent zu senken, wenn andere Staaten nachziehen. Dieses Versprechen wird sie nach dem Durban-Gipfel halten müssen.

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Deutschland

Die Energiewende in Deutschland wird weltweit als Experiment gesehen, an dem sich entscheidet, ob ein Industriestaat seinen Energiebedarf mit erneuerbaren Energien decken kann. Gelingt das, wäre das ein starkes Argument.

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China

Im jüngsten Fünfjahresplan hat China eine starke Erhöhung seiner Energieeffizienz beschlossen. Außerdem hat China im vergangenen Jahr 54 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien gesteckt. Allerdings sind auch nirgendwo in den vergangenen zehn Jahren mehr Kohlekraftwerke gebaut worden. In sechs Provinzen soll nun ein Emissionshandel ausprobiert werden. Derzeit entscheidet sich, ob China einen Weg in eine kohlenstoffarme Zukunft findet.

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USA

In den USA ist die Klimadebatte Teil des Streits über die Rolle des Staates. Eine stabile Mehrheit wünscht sich einen schwachen Staat und hält Regulierungen für Teufelszeug. Dennoch gibt es zwei regionale Emissionshandelssysteme in den USA. Wichtige Bundesstaaten wie Kalifornien haben sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das gilt auch für viele Großstädte.

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Umweltminister Kent kritisierte, dass Kanada eine Milliardenstrafe hätte zahlen müssen, das Land aber nur für knapp zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sei. Künftig wolle Kanada einem heimischen Klimaplan folgen. Demnach soll die Emission von Treibhausgasen bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2006 gesenkt werden. Kritikern zufolge wäre das eine Reduzierung von knapp drei Prozent im Vergleich zu 1990.

Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll ist das bislang einzige globale Klimaschutzabkommen, das verbindliche Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen macht. Ratifiziert haben es mehr als 190 Staaten, doch gelten die Emissionsvorgaben nur für insgesamt 37 Industriestaaten, nicht für Schwellen- und Entwicklungsländer wie China oder Indien. Dies hatte Kanada bereits in der Vergangenheit kritisiert. Auch die USA sind nicht an das Abkommen gebunden.

Auf dem Weltklimagipfel im südafrikanischen Durban hatten die Delegierten aus mehr als 190 Staaten nach Marathonsitzungen einen Fahrplan hin zu einem neuen globalen Klimaschutzabkommen beschlossen. Demnach soll bis 2015 ein neuer Vertrag ausgehandelt werden, der nach der Ratifikation ab 2020 wirksam werden soll. Damit keine Lücke entsteht, soll das im nächsten Jahr auslaufende Kyoto-Protokoll fortgeschrieben werden. Kanadas Umweltminister Kent hatte bereits während des Treffens gesagt, dass das Kyoto-Abkommen für sein Land der Vergangenheit angehöre.

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Leserkommentare
  1. das Hirngespinst der Klimawandel wäre eine Erfindung der NWO Verschwörung. Anders kann man die Irrwitzigen Jubelschreie über einen Internationalen Vertragsbruch nicht erklären.

    Dennoch sollten die Medien, wenn sie über "sterbende Gletscher sprechen" eher mal erklären, dass dann millionen von Menschen verdursten und ein Exodus nach Europa und Kriege/ Konflikte um Wasser die folge sind.
    Meeresspiegel? Gletscher? Eisbären? Herzlichen Glückwunsch an die Medienlandschaft ihr schafft es die Menschen diesen Spinnern direkt in die Arme zu treiben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dieses Buch sollten Sie sich mal zu Gemüte führen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnisse_eines_Economic_Hit_Man

    Dann verwechseln Sie nicht Ursache und Wirkung und erkennen warum bestimmte Entwicklungsländer in ihrere Entwicklung sich so schwer tun , um sich auch vor natürlichen Unbilden wie Dürren zu schützen.

    Gadaffi hat das ja mit seinem Great-Man-Made-River-Projekt getan:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Great-Man-Made-River-Projekt

    War wohl zu viel des Guten. Jetzt lebt er nicht mehr.

    wollte aber "Antworten" clicken.

  2. dass auch ohne diese ganze Klimapropaganda ein sinnvoller Weg gefunden wird, die Umwelt zu schützen.

    Der Anstieg der Energiepreise regelt von ganz allein Aktivitäten, damit Energie eingespart wird. Dass die Umwelt nicht unnötig verschmutzt wird, ist ein anderes Thema und sollte nicht benutzt werden, um substanzlose Spekulationen von Katastrophenszenarien zu verschleiern.

    Alle technologischen Möglichkeiten von erneuerbaren Energien, sollten der breiten Masse zugänglich gemacht werden und nicht in monströsen New-World-Order-Projekten enden, wie "Desertec".
    Energie muß dezentral erzeugt und verbraucht werden und nicht zum globalen Spielball der Mächtigen in dieser Welt werden.

    So wird ein Schuh daraus.

    • Kiira
    • 13. Dezember 2011 11:33 Uhr

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  3. Dieses Buch sollten Sie sich mal zu Gemüte führen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnisse_eines_Economic_Hit_Man

    Dann verwechseln Sie nicht Ursache und Wirkung und erkennen warum bestimmte Entwicklungsländer in ihrere Entwicklung sich so schwer tun , um sich auch vor natürlichen Unbilden wie Dürren zu schützen.

    Gadaffi hat das ja mit seinem Great-Man-Made-River-Projekt getan:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Great-Man-Made-River-Projekt

    War wohl zu viel des Guten. Jetzt lebt er nicht mehr.

    Antwort auf "Im Netz geistert"
  4. wollte aber "Antworten" clicken.

    Antwort auf "Im Netz geistert"
  5. die ach so besorgten klimaschützer hätten als ersten persönlichen beitrag den gipfel erst garnicht stattfinden lassen sollen. dann wäre schon mal aktiv CO2 eingespart worden ,-)))

    dieses magere ergebnis hätte man auch per 1/2-täglicher telefonkonferenz erzielen können ,-)))

    aber hauptsache: palaver, palaver, sich wichtig machen und wichtig fühlen, aber nicht wirkliche ergebnisse erzielen -die aufgrund der hetegorenen ansichten und meinungen auch garnicht erzielbar sind?! ?!

  6. Entfernt. Den Beitrag auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/se

  7. Umweltschutz an sich ist richtig und hat in den letzten Jahren auch erfolg gehabt (Katalysator im Auto, FcKW freie Kühlschränke usw.). Der deutsche Wald steht noch, die Flüsse sind wieder sauber. Und in dieser Richtung sollten wir auch weitermachen.

    Aber das mit dem Klima ist nun doch etwas zuviel. Erst wird uns eine Eiszeit angedroht, dann die Klimaerwärmumg. Dann heist es, die Temperatur der Erde ist in den letzten 10 Jahren nicht gestiegen. Also keine Erwärmung? Doch, heist es, die Erde erwärmt sich. Es gibt nur Phasen des Stillstandes, nennt sich Klimawandel.

    Auf alle Fälle gibt es immer eine Katastrophe (die von der nächste gejagt wird), dass wird uns jedenfalls immer wieder vorgebetet.

    Aber so richtig kann es keiner erklären. Das Klima wandelt sich, das hat es schon immer. Aber läuft das alles jetzt schneller ab und hat der Mensch Schuld daran? Muss der Mensch jetzt eingreifen? Wenn ja, macht er alles noch schlimmer? Alles Fragen die nicht genau beanwortet werden können.

    Wenn ich jetzt aber die Leute von Geo-Engineering höre, die die Erde verdunkeln (Aerosole in der Luft versprühen) wollen, wird doch mulmig zumute.

    Und wenn es dann Leute gibt wie den Geowissenschaftler Richard Odingo, der einen Reiz darin sieht "mit der Atmosphäre zu experimentieren und buchstäblich Gott spielen können" (vor den Folgen warnt er dann auch noch) [Quelle Shortnews], wird mir auch nicht besser.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Kanada | Recht | CO2 | Entwicklungsland | Erderwärmung | Klimawandel
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