Einen Tag nach Verabschiedung eines vorläufigen Grundgesetzes hat die verfassunggebende Versammlung in Tunesien einen neuen Staatschef gewählt. Das Gremium bestimmte Moncef Marzouki vom linksgerichteten Kongress für die Republik (CPR) zum Präsidenten. Erst einen Tag zuvor war ein vorläufiges Grundgesetz verabschiedet worden. 

Für den 66-jährigen Marzouki stimmten 153 der 202 an der Abstimmung teilnehmenden Abgeordneten. Drei Abgeordnete stimmten gegen ihn, zwei enthielten sich, 44 gaben ungültige Stimmzettel ab. Der Dissident und Menschenrechtler Marzouki war ein Gegner des langjährigen tunesischen Machthabers Zine al-Abidin Ben Ali.

Es wird erwartet, dass er Hamadi Jebali von der Islamistenpartei Ennahda zum Regierungschef ernennt. Die Ennahda, die über 98 der 217 Abgeordneten verfügt, hatte sich darauf mit der CPR und der ebenfalls linksgerichteten Ettakatol-Partei geeinigt. Die beiden Parteien stellen zusammen weitere 49 Abgeordnete.

Die Tunesier hatten Mitte Januar ihren Präsidenten Ben Ali nach wochenlangen Protesten gestürzt. Während den Unruhen kamen nach UN-Angaben rund 300 Menschen ums Leben.