StaatschefMarzouki wird erster demokratisch gewählter Präsident Tunesiens

Tunesien hat ein neues Staatsoberhaupt. Der ehemalige Menschenrechtler Moncef Marzouki ist langjähriger Feind des früheren Machthabers Ben Ali. von AFP und dpa

Einen Tag nach Verabschiedung eines vorläufigen Grundgesetzes hat die verfassunggebende Versammlung in Tunesien einen neuen Staatschef gewählt. Das Gremium bestimmte Moncef Marzouki vom linksgerichteten Kongress für die Republik (CPR) zum Präsidenten. Erst einen Tag zuvor war ein vorläufiges Grundgesetz verabschiedet worden. 

Für den 66-jährigen Marzouki stimmten 153 der 202 an der Abstimmung teilnehmenden Abgeordneten. Drei Abgeordnete stimmten gegen ihn, zwei enthielten sich, 44 gaben ungültige Stimmzettel ab. Der Dissident und Menschenrechtler Marzouki war ein Gegner des langjährigen tunesischen Machthabers Zine al-Abidin Ben Ali.

Anzeige

Es wird erwartet, dass er Hamadi Jebali von der Islamistenpartei Ennahda zum Regierungschef ernennt. Die Ennahda, die über 98 der 217 Abgeordneten verfügt, hatte sich darauf mit der CPR und der ebenfalls linksgerichteten Ettakatol-Partei geeinigt. Die beiden Parteien stellen zusammen weitere 49 Abgeordnete.

Die Tunesier hatten Mitte Januar ihren Präsidenten Ben Ali nach wochenlangen Protesten gestürzt. Während den Unruhen kamen nach UN-Angaben rund 300 Menschen ums Leben.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • fauler
    • 12. Dezember 2011 23:03 Uhr

    Kann jemand mich aufklären warum 44 ungültige stimmen abgegeben worden sind? Waren die wirklich zu blöd um ein kreuzchen zu machen oder war das absichtlich?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • snah
    • 12. Dezember 2011 23:23 Uhr

    Die viertstärkste Partei hat aus Protest leere Stimmzettel abgegeben. Laut gängiger Meinung stellt sie eine populistische Partei dar, die aufgrund unklarer Parteifinanzierung zunächst von der Wahl der verfassungsgebenden Versammlung ausgeschlossen wurde bzw. die Stimmen für ungültig erklärt wurden.
    Nach öffentlichem Druck wurde diese Entscheidung wieder zurückgenommen.
    Es ist erfreulich zu sehen, dass sich die Befürchtungen der "islamistischen Bedrohung" nicht bewahrheiten und hier eine Konsenslösung mit breiter politischer Unterstützung durchsetzt.

    • snah
    • 12. Dezember 2011 23:23 Uhr

    Die viertstärkste Partei hat aus Protest leere Stimmzettel abgegeben. Laut gängiger Meinung stellt sie eine populistische Partei dar, die aufgrund unklarer Parteifinanzierung zunächst von der Wahl der verfassungsgebenden Versammlung ausgeschlossen wurde bzw. die Stimmen für ungültig erklärt wurden.
    Nach öffentlichem Druck wurde diese Entscheidung wieder zurückgenommen.
    Es ist erfreulich zu sehen, dass sich die Befürchtungen der "islamistischen Bedrohung" nicht bewahrheiten und hier eine Konsenslösung mit breiter politischer Unterstützung durchsetzt.

    Antwort auf "Mehr Information bitte"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • go_east
    • 13. Dezember 2011 6:37 Uhr

    Es handelt sich bei der Volkspetition nicht um irgendeine populistische Partei. Die Volkspetition entstand aus der Konstitutionellen Demokratischen Sammlung und ist somit eine "Ben Ali" Partei.
    (Diese ist aber übrigens die drittstärkste Kraft)

    Ansonsten stimme ich Ihnen voll zu. Die Panikmache um die "islamistischen" Parteien scheint sich zumindest bei Tunesien wohl nicht zu bewahrheiten.

  1. Ich freue mich für die Tunesier! Sie haben gekämpft und viele Opfer für ihre Freiheit erbracht. Sie haben meinen Respekt und den Respekt der Welt verdient.

    • go_east
    • 13. Dezember 2011 6:37 Uhr

    Es handelt sich bei der Volkspetition nicht um irgendeine populistische Partei. Die Volkspetition entstand aus der Konstitutionellen Demokratischen Sammlung und ist somit eine "Ben Ali" Partei.
    (Diese ist aber übrigens die drittstärkste Kraft)

    Ansonsten stimme ich Ihnen voll zu. Die Panikmache um die "islamistischen" Parteien scheint sich zumindest bei Tunesien wohl nicht zu bewahrheiten.

    • almo
    • 13. Dezember 2011 11:01 Uhr

    Bei den "ungültigen" Stimmen handelt es sich um leere Blätter, die aus Protest abgegeben wurden. Es würde helfen, wenn Zeit-Online die Nachricht ein wenig ausführlicher beschrieben hätte. Gottseidank gibt es Aljazeera.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Zine el Abidine Ben Ali | Moncef Marzouki | Dissident | Grundgesetz | Protest | Präsident
Service