Nordkorea Eine Bombe als Sicherheit
Nordkoreas verstorbener Diktator Kim Jong Il hinterlässt ein bitterarmes Land. Das einzige Kapital ist das Atomprogramm, der Nachfolger wird davon nicht abrücken.
© JUNG YEON-JE/AFP/Getty Images

Republikgründer Kim Il Sung (l.) und Kim Jong Il; die Bilder sind Teil einer südkoreanischen Informationsstelle zum kommunistischen Norden.
Es ist die denkbar gefährlichste Sicherheitslage, die eintreten konnte: der plötzliche Tod eines Diktators, der den Finger am Atombombenzünder hatte. Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il starb am Samstag während einer Zugfahrt an einem Herzinfarkt. Kim war nur in Zügen unterwegs, vor Flugzeugen soll er Angst gehabt haben.
Wie in allen Diktaturen birgt der Tod des ersten Mannes im Staate erhebliche Gefahren, denn im Gegensatz zur Demokratie sind hier keine gesicherten und friedlichen politischen Übergänge vorgesehen. Auch in Nordkorea wird es einen Machtkampf geben, das ist unausweichlich. Die Frage ist nur, ob dieser zur Gefahr für die Region werden wird.
Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA hat Kim Jong Ils Sohn Jong Un bereits als Nachfolger bestätigt. Der allerdings hatte gerade mal ein gutes Jahr Zeit, auf diese Rolle vorbereitet zu werden. Im September vergangenen Jahres war Kim Jong Un, der die lange Liste der Offiziellen beim Beerdigungskomitee anführen wird, zum Vier-Sterne General ernannt worden, eine Art Inthronisation durch seinen Vater, um ihn im mächtigen Militär zu installieren. Ohne dessen Wohlwollen hätten der knapp Dreißigjährige – sein genaues Alter ist geheim – ein Problem.
Kim Jong Ils unrühmliche Bilanz
Ganz anders lief es damals bei Kim Jong Il. Er hatte zwanzig Jahre Zeit, sich auf die Nachfolge seines Vaters vorzubereiten und seine Macht im militärisch dominierten Führungszirkel zu konsolidieren. 1974 benannte sein Vater Kim Il Sung, Nordkoreas Republikgründer, seinen 1942 geborenen Sohn Jong Il zum Nachfolger. Sechs Jahre später wurde ein Parteikongress abgehalten, auf dem sein Aufstieg an die Partei- und Staatsspitze offiziell eingeleitet wurde. Erst 1994 wurde das durch Kim Il Sungs plötzlichem Tod Realität.
Die Bilanz von Kim Jong Ils 17-jähriger Amtszeit fällt unrühmlich aus. Er richtete die Wirtschaft zugrunde, Armut und Hungersnöte beherrschen das Land. Damit in direktem Zusammenhang steht die zweite große Hinterlassenschaft des Diktators. Anstatt nämlich in die Versorgung der Bevölkerung zu investieren, hat Kim das wenige zur Verfügung stehende Geld in große Atom- und Raketenrüstungsprogramme gesteckt, nebenbei die einzige Exportindustrie des Landes, wenn auch klandestin.
Das Militär ist am mächtigsten
2006 ließ Kim erstmals nukleares Material zünden, 2009 erneut, in diesem Fall wohl eine richtige Bombe. Die Atombombe als Verhandlungsmasse und Drohkulisse wusste Kim seitdem stets zu nutzen, um Hilfslieferungen aus dem Westen zu ergattern. Noch kurz vor seinem Tod soll es in Verhandlungen mit den USA um die Aussetzung eines Programms zur Urananreicherung gegangen sein, um im Gegenzug von den USA 240.000 Tonnen Lebensmittel zu erhalten. Die Einstellung der Urananreicherung gehört zu den von den USA gestellten Bedingungen zur Wiederaufnahme der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Wegen der Atomwaffen ist Pjöngjang international weitgehend isoliert.
Besonders Nordkoreas direkte Nachbarn Südkorea und China leben in ständiger Furcht vor einem Armutskollaps des Nordens, mit unkontrollierbaren Flüchtlingsströmen und ungesichert lagernden Atomwaffen. Kim Jong Il wusste dies zu verhindern – durch massive Kontrolle und Unterdrückung. Allein das Militär ist personell gigantisch, mehr als eine Million Soldaten stehen im Sold, viel zu viele für das völlig verarmte Land mit seinen 24 Millionen Einwohnern.
- Datum 19.12.2011 - 14:59 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 21
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Vielleicht ist Kim Jong Un ein einigermaßen intakter Mensch, verwunderlich wäre es aber nicht, wenn er hochgradig gestört wäre. Und eine Atombombe in seinen Händen? *grusel*
Wie schätzen Sie die Zukunft Nordkoreas ein? Dazu habe ich auf pollphin.de eine Umfrage eingestellt:
http://www.pollphin.de/po...
Khan beurteilt die nuklearen Interessen Pakistans besser als Zardari.
Khan berichtete mir auch zu Nordkorea :
Er hat Erfahrungen.
... bringe man Respekt entgegen ..."
„Wir haben mit denen geredet, wir haben denen Nuklearwaffen ausgeredet, und dann haben wir sie gekillt“, sagte Paul mit Blick auf das Schicksal von Diktator Muamar al-Gaddafi." ...
(Ron Paul, republikanischer Präsidentschaftsbewerber)
http://www.welt.de/politi...
Das ist das Ergebnis der UN-Reslution 1973.
Das ist das Ergebnis der UN-Reslution 1973.
Angela Merkel oder Christian Wulff sterben während einer Dienstreise an einem Herzinfarkt und es würden sich solche Szenen vor dem Kanzleramt abspielen wie in dem Video auf dem Kim-Il-sung-Platz... skurril. Ich könnte mir das viel eher noch mit Dieter Bohlen vorstellen. Das sollte zu denken geben.
Entfernt. Diskutieren Sie den Inhalt des Artikels sachlich und verzichten sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und diskutieren Sie ausschließlich das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn
Entfernt. Diskutieren Sie den Inhalt des Artikels sachlich und verzichten sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und diskutieren Sie ausschließlich das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn
Die Atombombe freiwillig hergeben?
Spätestens nach Lybien weiss ein jeder Staatsmann, dass er damit zur Verfügungsmasse der NATO-Marodeure und Kolonialistenwird.
So doof, wie wir den alten Kim dargestellt haben, war er nicht.
Auch das in Bezug auf Lybien und Co.
Unsere Worte und Versprechungen sind im Blick auf die neuere Geschichte nichts mehr wert als heisse Luft.
Die Fakten und unsere Handlungen strafen unsere Worte Lügen!
Entfernt. Diskutieren Sie den Inhalt des Artikels sachlich und verzichten sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen, die nach derzeitigem Wissensstand nicht nachvollziehbar sind. Danke. Die Redaktion/vn
dass diejenigen, die Nord-Korea den Geldhahn zudrehen könnten - und damit den ganzen Spuk beenden könnten - das nicht tun, da sie - vermutlich nicht zu Unrecht - den Kollaps fürchten.
Da stellt sich doch die Frage: Was tun?
und dem zudrehen?
China?
Mal auf die Landkarte geschaut?
Da liegt Nordkorea wie ein Stück Schaumstoff zwischen dem Reich der Mitte und der Republik Südkorea.
Einem Staat, in dem zur Zeit der Herr Lee Myung Bak den Boss gibt, was sich vor allem durch recht martialische Aussagen zur politischen Lage in der Region manifestiert.
Einem Staat, wo Schulkinder in Drillcamps paramilitärisch auf das harte Leben eingestellt werden.
Einem Staat, der regelmäßig möglichst nahe an der etwas sensiblen Grenze mit lauten Sachen rummacht, und dabei genauso regelmäßig vom Waffenbruder aus dem Norden Amerikas unterstützt wird.
Geldhan zudrehen? Die Chinesen wären ganz schön Mediamarkt!
und dem zudrehen?
China?
Mal auf die Landkarte geschaut?
Da liegt Nordkorea wie ein Stück Schaumstoff zwischen dem Reich der Mitte und der Republik Südkorea.
Einem Staat, in dem zur Zeit der Herr Lee Myung Bak den Boss gibt, was sich vor allem durch recht martialische Aussagen zur politischen Lage in der Region manifestiert.
Einem Staat, wo Schulkinder in Drillcamps paramilitärisch auf das harte Leben eingestellt werden.
Einem Staat, der regelmäßig möglichst nahe an der etwas sensiblen Grenze mit lauten Sachen rummacht, und dabei genauso regelmäßig vom Waffenbruder aus dem Norden Amerikas unterstützt wird.
Geldhan zudrehen? Die Chinesen wären ganz schön Mediamarkt!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren