RusslandDer Blogger, der Putin stürzen will

Die Verhaftung des populären Bloggers Alexej Nawalny kann für den Kreml herbe Konsequenzen haben. Die Opposition in Russland hat nun ein neues Idol.

Der russische Blogger Alexej Nawalnij

Der russische Blogger Alexej Nawalnij

Eine kleine Menschentraube rückt zusammen auf einer Straße im Zentrum von Moskau. Es dauerte nicht lange, dann wurden sie von einer viel größeren Gruppe Polizisten in Schutzausrüstung eingekesselt. Ein stämmiger blonder Mann aus der Gruppe ruft: "Einer für alle". "Und alle für einen", antworten die anderen. Die Polizisten drängen auf sie zu. Der stämmige Blonde wird hervorgezogen und in einen Polizeiwagen geschoben .

Nur wenige Stunden vergehen und schon versammeln sich vor dem Polizeipräsidium in Kitai-Gorod einige Dutzende Jugendliche. Sie verlangen die Befreiung des Mannes.

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In Russland ist er ein Star. Im Ausland kennt ihn fast keiner. Bis jetzt. Denn seine Verhaftung könnte der erste Akt einer neuen turbulenten Phase der russischen Geschichte werden.

Sein Name ist Alexej Nawalny, er ist 35, Anwalt und Vater zweier Kinder. Ende der neunziger Jahre fing er an, sich mit Politik zu beschäftigen, zuerst in der Russischen Demokratischen Partei Jabloko. Aber auch mit der nationalistischen Bewegung sympathisierte er, weshalb er 2007 von Jabloko rausgeschmissen wurde. Seine Ex-Partei, sagte Nawalny hinterher, habe es nicht verstanden, die neue Welle des Nationalismus für sich zu nutzen und zu integrieren.

Nawalny ist ein Pragmatiker. "Die Trennung zwischen Demokraten und Nationalisten ist künstlich", sagte er im Interview mit Global Voices . Deshalb sei die Opposition im Parlament so schwach, weil sie sich in pseudo-ideologischen Konflikten aufreibe. Die Opposition "außerhalb des Parlamentes" sei tatsächlich "zehn Mal größer". Früh war er davon überzeugt, dass diese außerparlamentarische Opposition lediglich eine Anlaufstelle brauche.

Die fand sie – wie auch in den arabischen Ländern – im Internet. Im Netz fand auch Nawalny Werkzeuge, um die Macht von Putins Super-Partei, Einigem Russland, zu untergraben.

Eine Art Wikileaks für Staatskorruption in Russland

2007 fing er an, kleine Aktienpakete von den staatlichen Öl- und Gasriesen Rosneft, Transneft und Gazprom zu kaufen. Dabei fiel ihm auf, wie gering die Dividenden ausfielen - trotz der enormen Umsätze. Er versuchte vergeblich, die Aufsichtsräte darauf anzusprechen. Danach forderte er öffentlich eine Ermittlung des Innenministeriums. Bis heute gibt es kein Ergebnis.

Seinen Kampf gegen die Industrieriesen dokumentierte er akribisch in seinem Blog. In kürzester Zeit sammelte sich um ihn eine wachsende Gruppe von Empörten. Daraus entstand die Idee, eine Art Wikileaks für Staatskorruption in Russland zu errichten. Dank der neuen Transparenz-Gesetze der Medvedjev-Regierung, gelang es Nawalny und seiner Community, durch Netz-Recherchen Dutzende Korruptionsfälle aufdecken, die dann auf RosPil.ru veröffentlicht wurden.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Nawalny den Kampf gegen den Hauptfeind, den Kreml, aufnahm. Im Februar 2011 rief er dazu auf, die besten Slogans gegen die Regierungspartei Einiges Russland (oder, wie Nawalny sie nennt, "Die Partei der Schurken und der Dieben") einzusenden. Er prognostizierte schon vor einem Jahr, dass sich "der Einfluss der Internet-Bewegung auf die Politik schon bei den Parlamentswahlen 2011 und den Präsidentschaftswahlen 2012 zeigen" werde. Schließlich informieren sich bald "über 50 Millionen Russen primär im Netz". 

Leserkommentare
    • tom310
    • 07.12.2011 um 19:55 Uhr

    Nawalnij oder Navalni oder Nawalnijj oder Nawalnyji?

    Die ersten vier Auftreten seines Namens lieferten schon vier verschiedene Versionen.

    Eine Leserempfehlung
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    • hirmer
    • 07.12.2011 um 22:19 Uhr

    meint jedenfalls ru.wikipedia.org. Und seine Webseite heißt
    navalny.ru.

    • hirmer
    • 07.12.2011 um 22:19 Uhr

    meint jedenfalls ru.wikipedia.org. Und seine Webseite heißt
    navalny.ru.

  1. http://www.iri.org/countr...

    Auf "Expand Text" klicken und dann lesen.

    Fand vor allem diesen Abschnitt interessant.
    ->
    "IRI believes that identifying and supporting leaders at the local and regional levels can help lay the groundwork for Russia’s next generation of democratic leadership. IRI has therefore created a new network of politicians, NGO activists and elected officials who are interested in the democratic development of municipal governance."

    • Daishi
    • 07.12.2011 um 20:40 Uhr

    Selbst Gorbatschow fordert jetzt Neuwahlen

    Gorbatschow einer der meist gehassten Menschen in Russland, welcher sich ohne Bodyguard Schutz nicht auf die Straße trauen kann und welcher die meiste Zeit in den USA oder in Deutschland befindet.

    4 Leserempfehlungen
    • hirmer
    • 07.12.2011 um 22:19 Uhr

    meint jedenfalls ru.wikipedia.org. Und seine Webseite heißt
    navalny.ru.

  2. 5. [...]

    Entfernt. Bitte tragen Sie konstruktiv zur Diskussion bei. Die Redaktion/mak

  3. Ich habe sechs gezählt. Wer bietet mehr? :-)

    3 Leserempfehlungen
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    • Badoi
    • 09.12.2011 um 11:31 Uhr

    Manchmal lohnt es sich Artikel korrektur zu lesen, besonders bei einem Medium, das sich dem "Qualitätsjournalismus" verschrieben hat. Die Word Auto-Korrektur findet leider noch nicht alle Fehler...

    • Badoi
    • 09.12.2011 um 11:31 Uhr

    Manchmal lohnt es sich Artikel korrektur zu lesen, besonders bei einem Medium, das sich dem "Qualitätsjournalismus" verschrieben hat. Die Word Auto-Korrektur findet leider noch nicht alle Fehler...

  4. ...mit der Lobhudelei um Alexej Nawalnij !
    Ich weiss nicht ob die ZEIT ihm damit einen Gefallen tut, indem sie ihn zu einem ernsthaften Kontrahenten stilisiert ! Putin ist für seine brachialen Lösungen bekannt und wenn Alexej Nawalnij erst einmal 15-25 Jahre in den Kahn fährt, wars das mit der Oposition !

  5. wurde er 2007 aus der Jabloko-Partei rausgeworfen. Er ist ein Gründer von einigen nationalistischen Bewegungen. Hat in den USA studiert (Yale World Fellows Programm) und im US-Kongress 2010 einen Vortrag gehalten. Die Information kann man bei der russischen Wikipedia nachlesen. Noch Fragen?

    3 Leserempfehlungen
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    Vielleicht soll er zu einem Sakaschwilli oder Juschtschenko in Rußland aufgebaut werden. Mal sehen, welche Farbe er für seine Revolution sich auswählt. 2 Mdr. US - Dollar Unterstützung wie in der Ukraine bei der "Orangenen Revolution" dürften aber nicht reichen.

    Vielleicht soll er zu einem Sakaschwilli oder Juschtschenko in Rußland aufgebaut werden. Mal sehen, welche Farbe er für seine Revolution sich auswählt. 2 Mdr. US - Dollar Unterstützung wie in der Ukraine bei der "Orangenen Revolution" dürften aber nicht reichen.

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