RüstungRussland stationiert Flugabwehrraketen an der Ostsee

Die Nato hält an ihrem Raketenschutzschild fest - Russland hält weiterhin dagegen. Nun hat der Kreml angekündigt, Flugabwehrraketen bei Kaliningrad zu stationieren.

Ein russischer Soldat am Rande einer Militärparade nahe Moskau

Ein russischer Soldat am Rande einer Militärparade nahe Moskau

Das geplante US-Raketenabwehrsystem in Europa sorgt für neuen Streit mit Russland. Vor dem Treffen der Nato-Außenminister in Brüssel kündigte Moskau die Stationierung von Flugabwehrraketen an der Ostsee an. Das russische Raketenabwehrsystem C-400 würde unweit der Stadt Kaliningrad, das frühere Königsberg, verlegt. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax. Kremlchef Dmitrij Medwedjew nannte das Vorhaben ein Signal an den Westen. Die Nato reagierte irritiert.

Die angekündigten Raketenstationierungen seien "Geldverschwendung", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Rande von Beratungen der 28 Außenminister des Verteidigungsbündnisses in Brüssel, an denen auch der russische  Außenminister Sergej Lawrow anwesend ist. "Dieses Geld könnte nutzbringender zum Wohle des russischen Volkes für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Modernisierung der russischen Gesellschaft ausgegeben werden", sagte Rasmussen weiter. Die Nato werde weiter an ihren Plänen für eine neue Raketenabwehr in Europa festhalten.

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Medwedjew hoffe, dass Russland und die Nato ihre "allseits bekannten Schwierigkeiten" überwinden könnten. Rasmussen sagte, insgesamt habe es "wesentliche Fortschritte" in den Beziehungen zwischen dem Bündnis und Russland gegeben. "Bei der Raketenabwehr war der Fortschritt aber geringer als ich hoffte und erwartete", sagte der Nato-Generalsekretär. Er hoffe, dass es beim Nato-Gipfel im Mai 2012 in Chicago auch mit Russland noch eine Einigung über die Raketenabwehr gebe.

Moskau sieht den geplanten Raketenschild der USA in Europa als Bedrohung seiner Sicherheit und seines Atomwaffenarsenals und hat wiederholt ein gemeinsames System vorgeschlagen. Die Nato, die in dem System einen Schutz etwa gegen Raketen aus Iran sieht, bietet Moskau lediglich zwei separate, wenn auch eng verbundene Systeme an. "Es ist ein gemeinsames Interesse, unsere Bevölkerung gegen eine echte Bedrohung durch Raketen zu schützen", sagte Rasmussen.

In Kaliningrad blicken die Menschen nach Westen

In Kaliningrad wird der Schritt der Regierung kritisch gesehen, denn die Menschen dieser Stadt sind westlich orientiert. Geschäftskontakte in die EU- und Nato-Nachbarn Polen und Litauen gehören für viele zum Alltag wie Reisen nach Deutschland. Von Kaliningrad nach Berlin sind es nur 550 Kilometer, in die eigene Hauptstadt Moskau ist es mehr als doppelt so weit. Erstmals soll im kommenden Jahr ein visafreier kleiner Grenzverkehr eingeführt werden zwischen dem Gebiet Kaliningrad mit knapp einer Million Einwohnern und einem 50 Kilometer breiten Streifen in Polen.

Das ist der falsche Weg, er führt in die Isolation.

Lokalpolitiker Solomon Ginsburg

Der Lokalpolitiker Solomon Ginsburg warnte deshalb davor, die ehemalige militärstrategische Rolle Kaliningrads wiederaufleben zu lassen. "Das ist der falsche Weg, er führt in die Isolation", sagte er. Das Gebiet könne vielmehr von seiner geopolitischen Lage profitieren. "Aber dazu bräuchte es eine stärkere regionale Einbindung in die Entwicklungskonzepte im Ostseeraum."

Derweil zeigte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder, Verständnis für die Sorgen der Russen. "In Russland nehmen viele Politiker und auch viele Menschen letztendlich den Raketenschirm als etwas wahr, was gegen sie gerichtet ist und trauen deshalb der ganzen Sache nicht", sagte der CDU-Politiker im Südwestrundfunk. Politisch sei die Raketenabwehr eine "sehr waghalsige Sache".

Das russische Raketenabwehrsystem C-400 kann sowohl gegen Kampfflugzeuge und Marschflugkörper als auch gegen Kurz- und Mittelstreckenraketen eingesetzt werden. Ebenfalls geplant ist die Stationierung von Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander in Kaliningrad, das zwischen den Nato-Staaten Polen und Litauen liegt. Zuvor hatte Russland bereits ein modernes Radarsystem in seinem westlichsten Vorposten in Betrieb genommen, das Tausende Kilometer weit in den Nato-Luftraum hineinhorchen kann.

 
Leserkommentare
    • MeIkor
    • 07.12.2011 um 18:55 Uhr

    'Die angekündigten Raketenstationierungen seien "Geldverschwendung", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen'
    Welch Glück, dass die Nato Staaten keine Geldsorgen haben.

    8 Leserempfehlungen
  1. Ich verstehe die Aufregung nicht.

    Warum dürfen die Russen auf Ihrem eigenen Grund und Boden keine Luftabwehrraketen stationieren ?

    Kaum einer regt sich auf, wenn die US Amerikaner in andere Länder Ihre Raketenschutzschilde (Słupsk (Polen)/ Brdy (Tschechische Republik)/ Türkei etc) stationiert bzw sogar Flugdrohnen reinschickt und damit gegen Lufthoheitsrecht verstößt.
    Aber sobald die Russen sich in Ihrem eigenen Land bewegen, herrscht Irritation seitens der westlichen Welt.

    10 Leserempfehlungen
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    während das Nato-System sowohl offiziell als auch inoffiziell auf denAbschuss einzelner Raketen abzielt und nicht auf Russlands Riesenarsenal - Russlands System jedoch, sei es um von der Iinnenpolitik abzulenken oder aus Tradition/ daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexen heutzutage, richtet sich ganz offiziell gegen die Nato - das ist nunmal unnötig und weist event. wieder auf einen rückwärtsgewandten Weg...

    während das Nato-System sowohl offiziell als auch inoffiziell auf denAbschuss einzelner Raketen abzielt und nicht auf Russlands Riesenarsenal - Russlands System jedoch, sei es um von der Iinnenpolitik abzulenken oder aus Tradition/ daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexen heutzutage, richtet sich ganz offiziell gegen die Nato - das ist nunmal unnötig und weist event. wieder auf einen rückwärtsgewandten Weg...

  2. während das Nato-System sowohl offiziell als auch inoffiziell auf denAbschuss einzelner Raketen abzielt und nicht auf Russlands Riesenarsenal - Russlands System jedoch, sei es um von der Iinnenpolitik abzulenken oder aus Tradition/ daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexen heutzutage, richtet sich ganz offiziell gegen die Nato - das ist nunmal unnötig und weist event. wieder auf einen rückwärtsgewandten Weg...

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    ...aber auch so kriegt jeder aufgeklärte Bürger mit, dass die NATO keine Friedensstifter sind.

    Und auch die westlichen Mächte sind den Russen (und umgekehrt) höchstens im wirtschaftlichen Bereich freundlich gesonnen, ansonsten misstraut man sich doch wie eh und je.

    Wenn die Russen also Ihr Raketenschirm entlang Ihrer Grenzen abziehen sollten, wären diese sehr naiv.
    Prinzipiell ist es nie schlecht, defensive Waffen zu besitzen.

    • Daishi
    • 07.12.2011 um 19:23 Uhr

    Offiziell nicht, inoffiziell schon, dies kann man an der Lage des Raketenabwehrsystem erkennen (wäre dieses Raketenabwehrsystem tatsächlich gegen Iran gerichtet müsste diese sehr viel weiter Südlich platziert sein) und dass sagen selbst Westliche Militärexperten. Die jegliche Kompromiss Ablehnung seitens der NATO sagt ihr Übriges.

    ...aber auch so kriegt jeder aufgeklärte Bürger mit, dass die NATO keine Friedensstifter sind.

    Und auch die westlichen Mächte sind den Russen (und umgekehrt) höchstens im wirtschaftlichen Bereich freundlich gesonnen, ansonsten misstraut man sich doch wie eh und je.

    Wenn die Russen also Ihr Raketenschirm entlang Ihrer Grenzen abziehen sollten, wären diese sehr naiv.
    Prinzipiell ist es nie schlecht, defensive Waffen zu besitzen.

    • Daishi
    • 07.12.2011 um 19:23 Uhr

    Offiziell nicht, inoffiziell schon, dies kann man an der Lage des Raketenabwehrsystem erkennen (wäre dieses Raketenabwehrsystem tatsächlich gegen Iran gerichtet müsste diese sehr viel weiter Südlich platziert sein) und dass sagen selbst Westliche Militärexperten. Die jegliche Kompromiss Ablehnung seitens der NATO sagt ihr Übriges.

  3. S-400 Triumf, nicht C-400. ;-)

    http://de.wikipedia.org/w...

    3 Leserempfehlungen
    • Harzer
    • 07.12.2011 um 19:08 Uhr

    Wären die Luftabwehrraketen geeignet, die Raketen des Nato-Abwehrschirmes ihrerseits abzufangen ?

    Wenn ja, wären sie keine Verschwendung für den Fall, daß der Schirm auch gegen Russland eigesetzt würde ... ... ?!

    3 Leserempfehlungen
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    Also die Abwehrstellungen würden im Ernstfall wohl eher mit nuklearen Ladungen zerstört werden. Daher stellt sich die Frage, warum Polen und Rumänien so scharf darauf sind, die ersten zu sein die selbst bei einem Missverständnis nuklear getroffen werden. Was mich noch mehr wundert: Warum regt sich niemand über die Verlautbarungen dieser ungewählten Fratze Rasmussen auf? Wäre das nicht die Aufgabe von Barack Obama? Die Nato hat zudem mit einer demokratischen Verteidigungsarmee nichts mehr zu tun, sondern ist ein global agierendes Söldnersyndikat. Schliesslich ist es nicht Aufgabe einer Armee Politik zu machen. Verkehrte Welt.

    Also die Abwehrstellungen würden im Ernstfall wohl eher mit nuklearen Ladungen zerstört werden. Daher stellt sich die Frage, warum Polen und Rumänien so scharf darauf sind, die ersten zu sein die selbst bei einem Missverständnis nuklear getroffen werden. Was mich noch mehr wundert: Warum regt sich niemand über die Verlautbarungen dieser ungewählten Fratze Rasmussen auf? Wäre das nicht die Aufgabe von Barack Obama? Die Nato hat zudem mit einer demokratischen Verteidigungsarmee nichts mehr zu tun, sondern ist ein global agierendes Söldnersyndikat. Schliesslich ist es nicht Aufgabe einer Armee Politik zu machen. Verkehrte Welt.

  4. ...aber auch so kriegt jeder aufgeklärte Bürger mit, dass die NATO keine Friedensstifter sind.

    Und auch die westlichen Mächte sind den Russen (und umgekehrt) höchstens im wirtschaftlichen Bereich freundlich gesonnen, ansonsten misstraut man sich doch wie eh und je.

    Wenn die Russen also Ihr Raketenschirm entlang Ihrer Grenzen abziehen sollten, wären diese sehr naiv.
    Prinzipiell ist es nie schlecht, defensive Waffen zu besitzen.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ 2 lesen bildet"
    • CM
    • 07.12.2011 um 19:14 Uhr

    ...muß man mit den Waffen klimpern und von Bedrohungen faseln. Damit haben sich die Sowjetfürsten auch recht lange über Wasser gehalten - und König Putins Hofstaat macht das Spiel gerne mit.

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    • Daishi
    • 07.12.2011 um 19:30 Uhr

    Der Unterschied diesmal, der Westen ist pleite und Russland nicht.

    • Daishi
    • 07.12.2011 um 19:30 Uhr

    Der Unterschied diesmal, der Westen ist pleite und Russland nicht.

  5. Also die Abwehrstellungen würden im Ernstfall wohl eher mit nuklearen Ladungen zerstört werden. Daher stellt sich die Frage, warum Polen und Rumänien so scharf darauf sind, die ersten zu sein die selbst bei einem Missverständnis nuklear getroffen werden. Was mich noch mehr wundert: Warum regt sich niemand über die Verlautbarungen dieser ungewählten Fratze Rasmussen auf? Wäre das nicht die Aufgabe von Barack Obama? Die Nato hat zudem mit einer demokratischen Verteidigungsarmee nichts mehr zu tun, sondern ist ein global agierendes Söldnersyndikat. Schliesslich ist es nicht Aufgabe einer Armee Politik zu machen. Verkehrte Welt.

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