Proteste in Russland Vorrevolutionäre Stimmung in Moskau
Mehr als 30.000 Menschen wollen am Samstag in Moskau gegen Putin und Medwedjew protestieren. Entsteht in Russland eine neue Oppositionsbewegung?
Die Menschenmenge, die durch die Moskauer Straßen zog und "Ehrliche Wahlen!" oder "Russland ohne Putin!" rief, ist ein Hit im Internet. Rasend schnell verbreiten sich Videos der Demonstranten auf YouTube. Andere Filmchen zeigen, wie die Demonstrationen da, wo sie nicht erlaubt waren, endeten: Spezialpolizisten greifen nach Protestierern, ringen sie zu Boden und werfen sie in Polizeibusse. Gegendemonstranten der Kreml-Jugendgruppen, die sich ebenso ohne Genehmigung zusammenfanden, schauen feixend zu. Kein Polizist rührt sie an.
Etwa 1.000 Menschen wurden während der Protestaktionen gegen die Parlamentswahl seit Wochenbeginn in Russland festgenommen. Die Richter kamen kaum hinterher mit den Standard-Urteilen über 15 Tage Haft wegen "Widerstandes gegen die Staatsgewalt". Auch prominente Oppositionelle wie der Blogger und Antikorruptionskämpfer Alexej Nawalny landeten in der Haftzelle. Sie alle protestierten gegen Wahlfälschungen und den Sieg der Machtpartei Einiges Russland.
Im Gegensatz zu den oppositionellen Demonstrationen in den Jahren zuvor waren die Polizisten diesmal deutlich in der Unterzahl. Bis zu 10.000 Menschen versammelten sich am Montag in Moskau und erschreckten Russlands Machthaber. Die staatlich kontrollierten Fernsehsender verschwiegen die Proteste vorsorglich weitgehend und berichteten lieber über Demonstrationen der Parteijugend von Einiges Russland unter dem Motto "Ein klarer Sieg!". Der Fernsehkorrespondent kommentierte salbungsvoll, die jungen Leute hätten alle eines gemein: Glauben in die Zukunft Russlands.
Ägyptisches Szenario?
Die Print-Medien dagegen berichteten ausführlich über die Proteste gegen die Machthaber. Die liberale Zeitung Njesawissimaja Gaseta schrieb sogar über ein "ägyptisches Szenario". Wächst da, von den Staatsmedien noch ignoriert, eine Volksbewegung gegen Wladimir Putin und Dmitrij Medwedjew heran?
Zwar konstatieren Moskauer Politologen mit Blick auf die arabischen Revolutionen, dass das Volk letztlich undurchschaubar und seine Handlungen unvorhersagbar seien. Aber in Russland fehlt es derzeit an vielen Voraussetzungen für Massenaufstände.
Dennoch: Der Unmut über die ewig gleichen Herrscher und ihre wohlklingenden Versprechen, die kaum eingehalten werden, dringt weit in die Bevölkerung hinein. Vor allem in der entstehenden Mittelschicht, unter den Städtern, den jungen und dynamischen Russen verbreitet er sich und wurde durch die Dreistigkeit vieler Wahlfälschungen zusätzlich angeheizt.
Doch zur Mobilisierung einer kritischen Masse Demonstranten, vor der die Staatsmacht kapitulieren müsste, reicht es in den zwei größten Städten des Landes nicht. Dort aber, in Moskau und in Sankt Petersburg, würde eine Konfrontation zwischen Straße und Macht entschieden.
- Datum 09.12.2011 - 13:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Rianovosti titelt heute: "Blamage für Foxnews"
http://de.rian.ru/politic...
Ist zur Zeit nicht fast überall ein bisschen Ägypten?
Danke für diesen Beitrag. Ich habe es im Fernsehen gesehen und mich gewundert, daß die Leute bei Minusgraden in Sommerkleider herumlaufen. Die hätten die Bilder von Central Park nehmen können, würden in jeder Hinsicht zum Thema besser passen.
Danke für diesen Beitrag. Ich habe es im Fernsehen gesehen und mich gewundert, daß die Leute bei Minusgraden in Sommerkleider herumlaufen. Die hätten die Bilder von Central Park nehmen können, würden in jeder Hinsicht zum Thema besser passen.
vollends zur Kolonie des Westen degradieren.
30.000 von 142 Mio. ist aber ganz schön wenig. In Libyen waren immerhin 2% der Bevölkerung an den Protesten beteiligt und dann kam die NATO und hat einen völkerrechtswidrigen Angriff durchgeführt. Das wird hier wohl eher nicht passieren (auch wenn ich das nur allzu gern sehen würde *hihi*)
Nja wenn man weiß wie rießig Russland ist, ist das verständlich. Wenn da einer von auserhalb bei den Protesten mitmachen will muss er erstmal ne woche in die Stadt fahren. Da kommt er dann aber irgendwie für die Proteste zu spät...
Nja wenn man weiß wie rießig Russland ist, ist das verständlich. Wenn da einer von auserhalb bei den Protesten mitmachen will muss er erstmal ne woche in die Stadt fahren. Da kommt er dann aber irgendwie für die Proteste zu spät...
Danke für diesen Beitrag. Ich habe es im Fernsehen gesehen und mich gewundert, daß die Leute bei Minusgraden in Sommerkleider herumlaufen. Die hätten die Bilder von Central Park nehmen können, würden in jeder Hinsicht zum Thema besser passen.
Der Verfasser des Beitrags scheint von Wunschdenken geprägt zu sein.Er hätte auch schreieben können:"Die Russen wünschen sich den Euro,die Riester-Rente und den amerikanischen Pass noch dazu"...schön wär's oder?
Wie war das nochmal bei der Pro Guttenberg Demo? Mehrere Hunderttausend haben sich angemeldet, gekommen waren keine 100.
In Moskau leben 11,5Mio Einwohner, diese 30000 sind ein Witz.
Über den kann ich aber nicht lachen. Ich bewundere den Mut, den immerhin 30.000 beweisen.
Über den kann ich aber nicht lachen. Ich bewundere den Mut, den immerhin 30.000 beweisen.
Die Zeit hat im Mai nicht eine Sekunde darüber berichtet...
Susanne, Sie wollen doch wohl nicht die Systemfrage stellen, wollen Sie? ;)
Sehr geehrte Frau Pipi,
wissen Sie denn nicht, dass im Westen harsche Kritik an den Machthabern die Regel ist.
Auch Demos finden irgendwo in den westlichen Ländern fast täglich statt.
Beides ist in autoritär oder diktatorisch regierten Ländern eine Ausnahme. Deshalb wird darüber geschrieben.
Es gilt der Grundsatz: Hund beisst Mann ist keine Nachricht, Mann beisst Hund IST eine Nachricht.
In London haben 100,000 in Mai nicht nur demonstriert,sondern auch in die Zentrale der Labour Partei eingedrungen und alles kurz und klein geschlagen um gegen die Universitätsreform zu protestieren.Meinungsfreiheit in den westlichen Medien bedeutet meistens das zu sagen und das zu schreiben was dem politisch-korrekten Konsens nicht widerspricht.Sonst wird man schnellstens in eine radikale Ecke gedrängt welcher Farbe auch immer.
Susanne, Sie wollen doch wohl nicht die Systemfrage stellen, wollen Sie? ;)
Sehr geehrte Frau Pipi,
wissen Sie denn nicht, dass im Westen harsche Kritik an den Machthabern die Regel ist.
Auch Demos finden irgendwo in den westlichen Ländern fast täglich statt.
Beides ist in autoritär oder diktatorisch regierten Ländern eine Ausnahme. Deshalb wird darüber geschrieben.
Es gilt der Grundsatz: Hund beisst Mann ist keine Nachricht, Mann beisst Hund IST eine Nachricht.
In London haben 100,000 in Mai nicht nur demonstriert,sondern auch in die Zentrale der Labour Partei eingedrungen und alles kurz und klein geschlagen um gegen die Universitätsreform zu protestieren.Meinungsfreiheit in den westlichen Medien bedeutet meistens das zu sagen und das zu schreiben was dem politisch-korrekten Konsens nicht widerspricht.Sonst wird man schnellstens in eine radikale Ecke gedrängt welcher Farbe auch immer.
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