Proteste Ägypten ist bereit für den nächsten Aufstand
Vor einem Jahr begann in Ägypten die Revolte, die das Mubarak-Regime zu Fall brachte. Verändert hat sich seither wenig. Jetzt richtet sich die Wut der Menschen gegen den Militärrat.
© Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo
Seine Stimme hat Omar Sabry schon lange verloren. Auch frischer Pfefferminztee hilft nicht gegen seine Heiserkeit. Seit drei Wochen zieht er mehrmals in der Woche mit anderen Aktivisten durch Heliopolis, einen Stadtteil im Nordosten von Kairo und leitet die Sprechchöre an. Er schreit sich seine Wut aus dem Leib, gegen die Lügen des Militärrats, gegen die Gewalt.
Omar Sabry ist Mitte zwanzig, arbeitet als Berater, doch sein Herz gehört der Revolution. Er und seine Mitstreiter wollen die Bevölkerung wachrütteln. Sie zeigen auf öffentlichen Plätzen Videos über das brutale Vorgehen der Polizei und des Militärs gegenüber Demonstranten, bilden Menschenketten, sprayen Graffitis. Sie haben Großes vor, sie wollen die Massen zurück auf die Straße bringen. Am 25. Januar, an dem Tag, an dem vor einem Jahr der Aufstand gegen das Regime Mubarak begonnen hat, planen sie erneut zu rebellieren. "Wir müssen unsere Revolution zu Ende führen", sagt Omar.
Denn seit Beginn der Revolution vor einem Jahr hat sich in Ägypten wenig verändert. Zwar ist Mubarak gestürzt, die alte Garde sitzt aber noch immer tief im Sattel, gestützt vom Militärrat. Prozesse gegen den ehemaligen Präsidenten Mubarak und seinen Getreuen werden regelmäßig verschleppt. Bis heute wurde kein einziger Polizist zur Rechenschaft gezogen, der beim Aufstand vor einem Jahr Demonstranten erschoss.
Stattdessen lieferte sich die Polizei weitere Straßenschlachten mit den Demonstranten, bei denen laut Angaben von Revolutionären seit Juli mindestens 120 Menschen getötet, mehr als 6.000 verletzt wurden. Damit es keinen Aufschrei um Menschenrechtsverletzungen mehr gibt, wurden kritische NGOs geschlossen. Und auch Aktivsten und Bloggern wird der Mund verboten. Manche werden von Schergen des Regimes auf der Straße zusammengeschlagen, anderen wird gleich vor dem Militärgericht kurzer Prozess gemacht. Mehr als 12.000 Zivilisten wurden laut Human Rights Watch vor ein Militärtribunal gestellt, so viele waren es selbst in 30 Jahren Mubarak nicht.
Menschen wollen Brot, Freiheit und Gerechtigkeit
Der Militärrat ist taub für den Aufschrei nach Brot, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit, der vor einem Jahr durch Ägypten schwappte. Die Aktivisten wollen den Militärrat nun stürzen, sie fordern eine sofortige Übergabe der Macht an den Parlamentspräsidenten und eine vorgezogene Präsidentenwahl, bereits im April statt im Juni. Sie wollen verhindern, dass der Militärrat an der Verfassung mitschreibt.
54 Parteien und politische Bewegungen haben darum zu Demonstrationen aufgerufen – nicht nur in Kairo, landesweit. Doch damit ein weiteres Aufbegehren erfolgreich sein kann, muss es Omar und den anderen Aktivisten gelingen, die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Viele Ägypter sind revolutionsmüde, wollen Essen, Sicherheit, Stabilität, nur nicht noch mehr Chaos. Deshalb geht Omar von Stadtviertel zu Stadtviertel, klärt auf mit Flyern, Bildern und Videos.
- Datum 23.01.2012 - 12:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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hab mir schon gedacht, dass es nicht sein kann, dass 70% für eine islamistische regierung stimmen. ägypten war doch immer weltoffen, so gar nicht radikal muslimisch und streng gläubig. das passt einfach nicht zu ägypten.
ich hoffe sehr, dass ägypten die wohlverdiente freiheit erlangt mit ECHTER demokratie. hoffentlich geben sie nicht auf.
sollten islamisten tatsächlich an die macht kommen, wird es nix mit freiheit...
«hab mir schon gedacht, dass es nicht sein kann, dass 70% für eine islamistische regierung stimmen. ägypten war doch immer weltoffen, so gar nicht radikal muslimisch und streng gläubig. das passt einfach nicht zu ägypten.»
In Ägypten gibt es zig neue Parteien und Politiker. Keiner kennt die Parteien. Keiner kennt die Politiker. Kennen tut man die Muslimbruderschaft. Die durfte unter Mubarak kaum politisch aktiv sein und war vor allem karitativ aktiv: Krankenhäuser, Sozialstationen, Essen für Arme, usw. Das waren die Guten. Nun wählt man eben das, was man kennt: Die Muslimbruderschaft.
Viele Ägypter sind schlecht gebildet und können mit wirtschaftspolitischen Programmen wenig anfangen. Im Gegensatz zu vielen neuen Parteien, haben die Muslimbrüder eine etablierte und funktionierende Organisationsstruktur und konnten halbwegs vernünftig Wahlkampf machen. Das Wahlergebnis ist deshalb erklärbar und sehr plausibel.
Im Übrigen ist das einer der wenigen Artikel, der die Prioritäten der Ägypter richtig darstellt «Menschen wollen Brot, Freiheit und Gerechtigkeit». Von westlichen Medien und Politiker wurde die Revolution gern mit dem Streben nach Demokratie verklärt. Tatsächlich wollten die Menschen etwas zu essen, Jobs, eine Perspektive für ein bisschen materiellen Wohlstand. Mubarak abzulösen und eine Demokratie einzuführen war bestenfalls Mittel zum Zweck aber nie das eigentliche Ziel dieser Revolution. Deshalb gehen die Erwartungen des Westens nun auch nicht in Erfüllung.
«hab mir schon gedacht, dass es nicht sein kann, dass 70% für eine islamistische regierung stimmen. ägypten war doch immer weltoffen, so gar nicht radikal muslimisch und streng gläubig. das passt einfach nicht zu ägypten.»
In Ägypten gibt es zig neue Parteien und Politiker. Keiner kennt die Parteien. Keiner kennt die Politiker. Kennen tut man die Muslimbruderschaft. Die durfte unter Mubarak kaum politisch aktiv sein und war vor allem karitativ aktiv: Krankenhäuser, Sozialstationen, Essen für Arme, usw. Das waren die Guten. Nun wählt man eben das, was man kennt: Die Muslimbruderschaft.
Viele Ägypter sind schlecht gebildet und können mit wirtschaftspolitischen Programmen wenig anfangen. Im Gegensatz zu vielen neuen Parteien, haben die Muslimbrüder eine etablierte und funktionierende Organisationsstruktur und konnten halbwegs vernünftig Wahlkampf machen. Das Wahlergebnis ist deshalb erklärbar und sehr plausibel.
Im Übrigen ist das einer der wenigen Artikel, der die Prioritäten der Ägypter richtig darstellt «Menschen wollen Brot, Freiheit und Gerechtigkeit». Von westlichen Medien und Politiker wurde die Revolution gern mit dem Streben nach Demokratie verklärt. Tatsächlich wollten die Menschen etwas zu essen, Jobs, eine Perspektive für ein bisschen materiellen Wohlstand. Mubarak abzulösen und eine Demokratie einzuführen war bestenfalls Mittel zum Zweck aber nie das eigentliche Ziel dieser Revolution. Deshalb gehen die Erwartungen des Westens nun auch nicht in Erfüllung.
anschließend werden die Islamisten ihre Sharia-Republik errichten. Das ist Domokratie - das Volk hat so gewählt.
Haben es die Spontis in Kairo noch nicht mitbekommen?
Die Wahlen sind gelaufen und das Parlament heute neu bestellt worden mit 75% Islamisten und 1,8% Revolution-Spontis !
Der Drops ist auch in Kairo damit gelutscht.
Der Garant für den Westen sind nicht die 1,8% Revoluzzer in Kairo und Alexandria, sondern die von den USA konrollierten Militärs!
- Außerdem ist Mubarak immer noch das Staatsoberhaupt Ägyptens bis eine neuer Präsident in Ägypten ordentlich gewählt ist; s.a. Saleh im Yemen! -
Um zu wählen muss man eine Mündigkeit nachweisen.
So radikal das auch klingt. Jemand der so wählt wie eine "höhere Instanz" es ihm vorschreibt, ist aus meiner Sicht nicht mündig.
So kann es gar nicht zu einer echten Demokratie kommen und so ist diese "Demokratie" auch nicht das beste für die Menschen.
In Deutschland kennen wir das auch gut, zu was der "Wille" des Volkes fähig ist.
Aus solchen Erfahrungen der Geschichte Menschheit muss man lernen.
Wir sehen da in vielen Ländern einen Teufelskreis der schon gestartet ist.
Die Regierung investiert nicht in richtige Bildung, das Volk wird ungebildeter, die Regierung bedient den Willen des Volkes, die Regierung wird schlechter, es ist kein Geld mehr da....... Volk wird noch ungebildeter......
Das sehen wir übrigens auch in den USA sehr stark. In Deutschland mit Abstrichen. Hier gibt man die Schuld auch gerne den Migranten und zieht sich selbst aus der Verantwortung.
Schuld daran ist allerdings nicht das Volk, sondern oftmals die arrogante kurzfristig denkende Elite und Politiker, die einfach nur gewählt werden wollen.
Man vergisst oft, dass jeder Unterdrückte zuerst demokratische Rechte fordert. Selbst wenn er selbst für die Demokratie nichts übrig hat....
Der ganze Arabische Frühling scheint ein großes Märchen gewesen zu sein. Es wird wohl enden wie eines der Gebrüder Grimm. Mit Mord und Totschlag.
Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.
Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.
«hab mir schon gedacht, dass es nicht sein kann, dass 70% für eine islamistische regierung stimmen. ägypten war doch immer weltoffen, so gar nicht radikal muslimisch und streng gläubig. das passt einfach nicht zu ägypten.»
In Ägypten gibt es zig neue Parteien und Politiker. Keiner kennt die Parteien. Keiner kennt die Politiker. Kennen tut man die Muslimbruderschaft. Die durfte unter Mubarak kaum politisch aktiv sein und war vor allem karitativ aktiv: Krankenhäuser, Sozialstationen, Essen für Arme, usw. Das waren die Guten. Nun wählt man eben das, was man kennt: Die Muslimbruderschaft.
Viele Ägypter sind schlecht gebildet und können mit wirtschaftspolitischen Programmen wenig anfangen. Im Gegensatz zu vielen neuen Parteien, haben die Muslimbrüder eine etablierte und funktionierende Organisationsstruktur und konnten halbwegs vernünftig Wahlkampf machen. Das Wahlergebnis ist deshalb erklärbar und sehr plausibel.
Im Übrigen ist das einer der wenigen Artikel, der die Prioritäten der Ägypter richtig darstellt «Menschen wollen Brot, Freiheit und Gerechtigkeit». Von westlichen Medien und Politiker wurde die Revolution gern mit dem Streben nach Demokratie verklärt. Tatsächlich wollten die Menschen etwas zu essen, Jobs, eine Perspektive für ein bisschen materiellen Wohlstand. Mubarak abzulösen und eine Demokratie einzuführen war bestenfalls Mittel zum Zweck aber nie das eigentliche Ziel dieser Revolution. Deshalb gehen die Erwartungen des Westens nun auch nicht in Erfüllung.
Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.
verdeutlichen eigentlich wenig . Wie oben schon erwähnt , ist das Land nicht grad auf dem neusten Bildungsstand. Natürlich gibt es jede Menge an gebildeten Menschen ,doch die Mehrheit ist nicht gebildet . Dem Bevölkerungswachstum in Ägypten konnte man nicht standhalten, alles was den meisten Wählern der "70% Islamisten" größtenteils bewusst waren , war ihre kulturelle Identität , sprich größtenteils der Islam . Und ich beziehe mich auf das Zitat Marxs : " Religion ist Opium für das Volk" , nach diesem Satz haben diese beiden Parteien der Muslimbrüderschaft und der Schariabefürworter des Parteis des Lichts, es gewusst, geschickt die Karte des Islams auszuspielen. Das weiß auch der Westen , dass man daher eine Partei unterstützen muss ,die Werte der breiteren Masse vertritt . Die Muslimbrüderschaft in Ägypten ist ein Sinnbild der AKP Erdogans in der Türkei. "Moderat muslimisch" . Solange der Westen diese Parteien im Griff hat , haben sie auch das Land im Griff. Das ist das neue Konzept der USA . Früher waren es die Diktatoren(Könige usw) ,die man in arabischen Länder unterstützt hat , nun sind es die sogenannten "moderaten islamischen" Parteien.
Nicht zu vergessen, dass es im Menschen tief verankert ist, den einfachsten Weg zu gehen.
Den bieten nun einmal immer religiöse und/oder extremistische Parteien.
Nicht nur in Islamischen Ländern, sondern auch vor und hinter unserer Haustür.
Nicht zu vergessen, dass es im Menschen tief verankert ist, den einfachsten Weg zu gehen.
Den bieten nun einmal immer religiöse und/oder extremistische Parteien.
Nicht nur in Islamischen Ländern, sondern auch vor und hinter unserer Haustür.
Nicht zu vergessen, dass es im Menschen tief verankert ist, den einfachsten Weg zu gehen.
Den bieten nun einmal immer religiöse und/oder extremistische Parteien.
Nicht nur in Islamischen Ländern, sondern auch vor und hinter unserer Haustür.
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