Jahrestag der RevolutionTausende Ägypter versammeln sich auf Tahrir-Platz

Ein Jahr nach Beginn des Aufstands gegen Präsident Mubarak wollen viele Ägypter der Opfer des Protestes gedenken. Zugleich endet im Land der 30-jährige Ausnahmezustand. von afp und dpa

Ägyptische Demonstranten auf dem Tahrir-Platz am Tag vor dem ersten Jahrestag des Beginns der Proteste

Ägyptische Demonstranten auf dem Tahrir-Platz am Tag vor dem ersten Jahrestag des Beginns der Proteste  |  © Jeff J Mitchell/Getty Images

Tausende Ägypter haben sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelt, um die geplante Massenkundgebung zum 1. Jahrestag der "Revolution des 25. Januar" vorzubereiten. Sie errichteten Tribünen und bauten Zelte auf dem Platz auf, wo vor einem Jahr die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak begonnen hatten. Dort soll auch an die 846 Menschen erinnert werden, die damals von den Sicherheitskräften und von bezahlten Schlägern getötet wurden.

Der regierende Militärrat hatte den 25. Januar zum Feiertag erklärt. Es soll Militärparaden und Feuerwerke geben. Zudem soll der 1981 verhängte Ausnahmezustand außer Kraft treten .

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Am Nachmittag wollen viele Tausend Ägypter mit einer Demonstration an den Beginn der Proteste erinnern. Allerdings haben nicht alle Gruppen dabei das gleiche Ziel. Einige kündigten an, sie wollten die Märtyrer der Revolution ehren, andere stellten Transparente mit der Aufschrift "Nieder mit der Militärherrschaft" auf. Die pro-demokratische Bewegung des 6. April hat die Ägypter sogar aufgefordert, aus Protest gegen den Militärrat nicht auf die Straße zu gehen.

Sorge vor neuer Gewalt

In Kairo kursieren zudem seit Tagen Gerüchte über angebliche Pläne von Schlägertrupps und Anarchisten, die den Jahrestag für Sabotageakte und Gewalt nutzen wollten. Die Übergangsregierung hatte angekündigt, Polizei und Armee wollten sich von der zentralen Kundgebung auf dem Tahrir-Platz fernhalten.

Der Oberste Militärrat hatte nach Mubaraks Rücktritt im vergangenen Februar die Macht übernommen und eine Übergangsregierung eingesetzt. Am vergangenen Montag trat erstmals das neu gewählte Parlament zusammen. Ende Januar beginnen die Wahlen zur Schura, dem ägyptischen Oberhaus. Beide Parlamentskammern sollen dann gemeinsam eine verfassunggebende Versammlung bilden. Bis Ende Juni soll eine Präsidentenwahl abgehalten werden. Dann will der Militärrat seine Macht an eine Zivilregierung abgeben.

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Leserkommentare
  1. Das Kräfteverhältnis in Ägypten ist seit der 1.demokratischen Wahl 2011/12 eindeutig:
    75% Islamisten und 1,4% der Sitze sind mit Vertreter der Revolution konstituierend besetzt worden sowie der Macht des Militärs .
    Die neue Ägypt. Verfassung wird vermutlich eine sunnitisch-gottesstaatliche werden.
    Was sind da ein paar tausend rebellische Jugendliche und Frauen auf dem Tahrir?
    Gottesfeinde?

  2. Es ist erschreckend was aus dem hochgejubelten "arabischen Frühling" wurde - erstmals hatten diese Länder die Möglichkeit, sich nicht nur ihres Despoten zu entledigen, sondern sie hätten auch die Chance gehabt, sich von dem Unterdrückungsapparat Religion zu befreien - genau dies ist nicht geschehen - im Gegenteil. Die Hinwendung zu einem islamischen Gottesstaat wird den arabischen Frühling in einen wahren "Ausnahmezustand" transferieren. Aber wie ich die Dinge kenne, finden sich für diese heillose Entwicklung mit Sicherheit wieder Schuldige im Westen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Ausnahmezustand | Demonstration | Feiertag | Feuerwerk | Gewalt | Jahrestag
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