Äthiopien Reiseziel mit hohem Risiko

Fünf Touristen, darunter zwei Deutsche, wurden in Äthiopien getötet, mehrere vermutlich entführt. Was ist über die Hintergründe des Überfalls bekannt?

Am Tag nach dem Überfall blieb die Lage diffus – die Gruppe war in einer landschaftlich spektakulären, aber abgelegenen Region im Norden des Landes an der Grenze zu Eritrea unterwegs. Nach Angaben des Vize-Missionsleiters der äthiopischen Botschaft in Berlin, Botschafter Shamebo Fitamo, liegen noch zwei Ungarn verletzt im Krankenhaus.

Dem Rest der 20 Menschen zählenden Gruppe gehe es den Umständen entsprechend gut. Seine Regierung arbeite eng mit den Regierungen der betroffenen Staaten zusammen. Niemand habe mit einer solchen Tat gerechnet. Er machte die eritreische Regierung dafür verantwortlich. Sie trainiere die "Terroristen" und rüste sie aus. Es sei bekannt, dass Eritrea die Region destabilisiere. Demnach stellten die Entführer zunächst keine Forderungen. Das Auswärtige Amt (AA) richtete einen Krisenstab ein. Das Bundeskriminalamt (BKA) entsandte Mitarbeiter nach Äthiopien. BKA-Chef Ziercke wollte sich im ARD-Morgenmagazin nicht festlegen, ob es sich um Rebellen handelt.

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In der kommende Woche ist ein Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geplant. Addis Abeba vermutet einen Zusammenhang. Das Verhältnis zwischen Äthiopien und Eritrea ist sehr gespannt. Äthiopische und eritreische Rebellen hatten jahrelang gegen die faktische Annektierung Eritreas durch das Regime in Addis gekämpft, das 1991 gestürzt wurde. Mit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 verlor Äthiopien seinen Zugang zum Meer. Bald gab es Grenzstreitigkeiten, von 1998 bis 2000 führten beide Länder Krieg.

Der tiefste Punkt der Erde

In der Afar-Region im Norden Äthiopiens ist die Rebellengruppe "Revolutionäre Demokratische Einheitsfront Afar" (Arduf) aktiv, der auch Entführungen 1995 und 2007 zur Last gelegt werden. Sie kämpft für eine Abspaltung der Afar-Region von Äthiopien. Allerdings mögen die dort lebenden Nomaden Ausländer offenbar auch nicht besonders, wer dort reist, muss sich jeweils mit dem Stammesältesten arrangieren. Zudem sind viele Menschen dort bewaffnet.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes (AA) sagte, für die Region gelte seit 2007 eine "erhöhte Risikolage". Auf der Seite des AA steht mit Hinweis auf die Danakil-Senke und Nord-Afar: "Trotz einer Zeit relativer Ruhe können Überfälle durch Banditen und örtliche Untergrundorganisationen sowie Entführungen nicht ausgeschlossen werden."

Offenbar buchten die Deutschen über den Dresdner Veranstalter Diamir Erlebnisreisen. Möglicherweise wurden sie über einen lokalen Agenten mit anderen in eine Gruppe vermittelt. Das st durchaus üblich. Derzeit ist Hauptreisezeit. Die Region wurde in den vergangenen Jahren bei Abenteuerurlaubern immer beliebter. Dort gibt es Vulkane und Salzseen. Reiseveranstalter preisen das enorm heiße Gebiet auch als tiefsten Punkt der Erde an. Diamir lehnte jegliche persönliche Stellungnahme ab und verwies ans AA. Auf der Internetseite, die zwischenzeitlich nicht erreichbar war, teilte der Anbieter von Trekking- und Naturreisen mit, "bis zum gegenwärtigen Zwischenfall" habe man "keinerlei Hinweise darauf, dass die Sicherheit der Gäste in der Region in Frage stehen könnte".

Die Reise sei seit 2006 im Programm. Jetzt seien alle Reisen abgesagt worden. Diamir wirbt damit, "sorgfältig ausgewählte Spezialisten" zu haben, die den „reibungslosen Ablauf“ auch von Individualprogrammen garantierten. Der Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Torsten Schäfer, sagte: "Über Diamir wissen wir wenig, er ist nicht Mitglied im DRV.“ Verbandsmitglieder wie Studiosus oder Ikarus hielten sich "penibel" an die AA-Hinweise.

Thomas Meyer-Ensass, Geschäftsführer von Africon Tours, der die Danakil-Wüste seit acht Jahren anbietet, sagte, "bis vorgestern wäre ich natürlich gefahren". Der AA-Hinweis sei keine ausdrückliche Warnung, obgleich klar sei, dass die Gegend nicht ohne Risiko sei. Er arbeite deshalb eng mit einem lokalen Partner zusammen. Seit einer Entführung vor einigen Jahren sei Polizeischutz dort obligatorisch und müsse vom Veranstalter bezahlt werden. Je zwei Polizisten "mit alten Karabinern" begleiteten eine Gruppe. Obwohl es sich um eine "sehr spezielle" Gegend handele, sei die Nachfrage stark gestiegen. Er gehe davon aus, dass der Überfall bei Dalol erfolgt sei. Der Ort liege wenige Kilometer von der Grenze entfernt und sei einfacher zu erreichen als der Vulkankrater, zu dem man mühsam aufsteigen müsse. In Dalol seien die Menschen allerdings "völlig ablehnend gegenüber Touristen". Warum er trotzdem hinfuhr? "Wenn ich denen nichts tue, passiert nichts." Allerdings hat er den Eindruck, dass es in entlegenen Regionen eine Tendenz gebe, Touristen zu entführen, weil das Geld bringe.

Erschienen im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
  1. ... der kommt darin um. Möchte man meinen.
    Immer wieder Meldungen von Entführungen, Überfällen und ähnlichem: Sudan, Jemen, Äthiopien - niemand kann behaupten, die Risiken einer Reise in diese Gebiete wäre nicht bekannt. Ein Überraschungsfaktor hatte die Meldung für mich nicht wirklich.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. "Offenbar buchten die Deutschen über den Dresdner Veranstalter Diamir Erlebnisreisen."

    Na bestens. Jetzt haben die ihr Erlebnis, das sie den Rest ihres Lebens nicht vergessen werden. Und der Steuerzahler darf ein paar Millionen dafür abdrücken, diese Abenteurer zurückzukaufen.

    Wie ist da die aktuelle Gesetzeslage? Ich hoffe doch sehr, daß Rettungsaktionen aus Ländern und Gebieten, die vom auswärtigen Amt offiziell als gefährlich eingestuft werden, anschliessend auch in Rechnung gestellt werden.

  3. hält sich ebenfalls in Grenzen.
    Diese Regionen, mögen sie landschaftlich noch so unberührt
    und reizvoll sein, sind bekanntermaßen gefährlich.
    Entwicklungshelfer und Menschen in ähnlichen Funktionen
    setzen sich diesen Risiken zwar auch aus, aber als
    Tourist habe ich Alternativen und es ist völlig
    verantwortungslos, dann auch noch möglicherweise Retter
    in Gefahr zu bringen.

    • Arrian
    • 18.01.2012 um 21:55 Uhr

    Abfällige Bemerkungen sind bei solchen Anlässen unpassend und kommen leider zumeist von Menschen, die nicht willens sind, über den eigenen Horizont hinauszuschauen. Wenn - wie vor einigen Jahren - dann auch noch die Bildzeitung bei einer Entführung in einem seinerzeit noch nicht von einer Reisewarnung betroffenen Gebiet von Mali ein Opfer aufgrund seines Alters als "Wüstenoma" beschimpft, paart sich Neid in geschmackloser Weise mit Schadenfreude.

    Wirklich leidtragend ist bei derartigen Anschlägen die lokale Bevölkerung, denen mit dem Tourismus die einzige wirtschaftliche Perspektive wegbricht. Was denn vermutlich auch in diesem Fall das eigentliche Ziel der Extremisten ist, denen die zunehmende Not weitere Anhänger in die Arme treiben dürfte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    eher mit Unverständnis darüber, dass solche Menschen sich selbst und andere in lebensgefährliche Situationen bringen.
    Die politische Situation in Äthiopien/Eritrea ist derart,
    dass es unverzeihlicher Leichtsinn ist,als normaler Tourist dorthin zu reisen.

    also eher "das Opfer" sein?
    Da werden die Angehörigen der Getöteten und Entführten sicher anderer Meinung sein.
    Außerdem: wie wollen Sie da die Trennlinie ziehen zwischen den Äthiopiern, die geschossen haben, und den "anderen" Äthiopiern? Solche Kategorisierungen können Sie vielleicht im Nachhinein machen; bei der Reiseplanung sind die genausowenig von Nutzen wie bei der Beältigung des Geschehenen.

    eher mit Unverständnis darüber, dass solche Menschen sich selbst und andere in lebensgefährliche Situationen bringen.
    Die politische Situation in Äthiopien/Eritrea ist derart,
    dass es unverzeihlicher Leichtsinn ist,als normaler Tourist dorthin zu reisen.

    also eher "das Opfer" sein?
    Da werden die Angehörigen der Getöteten und Entführten sicher anderer Meinung sein.
    Außerdem: wie wollen Sie da die Trennlinie ziehen zwischen den Äthiopiern, die geschossen haben, und den "anderen" Äthiopiern? Solche Kategorisierungen können Sie vielleicht im Nachhinein machen; bei der Reiseplanung sind die genausowenig von Nutzen wie bei der Beältigung des Geschehenen.

  4. eher mit Unverständnis darüber, dass solche Menschen sich selbst und andere in lebensgefährliche Situationen bringen.
    Die politische Situation in Äthiopien/Eritrea ist derart,
    dass es unverzeihlicher Leichtsinn ist,als normaler Tourist dorthin zu reisen.

    • asx
    • 18.01.2012 um 22:24 Uhr

    kann man nur in Andorra, San Marino und auf Alcatraz gefahrlos Urlaub machen. Ob man jetzt zwingend in äthiopisch-eritreäische Grenzgebiet reisen muss, ist eine andere Sache. Aber solange keine Reisewarnung oder Teilreisewarnung besteht, ist es prinzipiell nicht verwerflich.

    "Die Situation an der Grenze zu Eritrea bleibt angespannt."

    Das klingt jetzt nicht gerade schlimm für AA Verhältnisse
    Man lese sich zum Vergleich Thailand durch, dass klingt nach Kriegsgebiet. Ich will hier nix rechtfertigen, aber das AA ist da nicht allzu belastbar...

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    • asx
    • 18.01.2012 um 22:26 Uhr

    weiter unter wird doch noch etwas direkter gewarnt. Das ist dann schon fahrlässig...

    • asx
    • 18.01.2012 um 22:26 Uhr

    weiter unter wird doch noch etwas direkter gewarnt. Das ist dann schon fahrlässig...

    • asx
    • 18.01.2012 um 22:26 Uhr
    7. okay,

    weiter unter wird doch noch etwas direkter gewarnt. Das ist dann schon fahrlässig...

    • keox
    • 18.01.2012 um 22:43 Uhr

    Na gut, dann weiß ich ja Bescheid.

    Fahr ich halt nicht hin.

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