AfghanistanKarsai will sich erstmals mit Taliban treffen

Die afghanische Regierung will offenbar zu Friedensgesprächen mit den radikal-islamischen Taliban zusammenkommen. In Saudi Arabien soll ein erstes Treffen stattfinden. von afp und dpa

Laut einem Bericht des Nachrichtensenders BBC will sich der afghanische Präsident Hamid Karzai mit Vertretern der Taliban treffen, um Friedensgespräche einzuleiten. Innerhalb der nächsten Woche soll es westlichen und afghanischen Offiziellen zufolge zu einem Treffen in Saudi Arabien kommen.

Die radikal-islamische Taliban hat die Regierung in Afghanistan bis heute nicht als rechtmäßig anerkannt und die Gesprächsaufnahme bisher verweigert. Verhandlungen gab es ausschließlich mit den USA und anderen westlichen Gesprächspartnern. Auch dem jetzt geplanten Treffen gingen Gespräche zwischen Vertretern der Taliban und Abgesandten der US-Regierung in Katar voraus. Ziel des Treffens seien laut New York Times ( NYT ) vertrauensbildende Maßnahmen gewesen, um ein Ende des Afghanistan-Konflikts herbeizuführen. Die Taliban hatten sich kürzlich bereit erklärt, eine dauerhafte Vertretung in Katar zu eröffnen .

Bis zu acht Taliban-Vertreter reisten demnach von Pakistan nach Katar, um dort ein Büro für die Aufständischen einzurichten. Vom afghanischen Hohen Friedensrat, der eine Aussöhnung mit den Taliban erzielen soll, hieß es, die afghanische Regierung erwarte nun eine Delegation der Regierung von Katar in Kabul , um die Rolle des Golfstaates bei den Gesprächen zu erklären.

Taliban-Kämpfer verschleppen Mitglied des Friedensrates

Die Schwierigkeiten, die Taliban zu Friedensgesprächen zu bewegen, offenbarten sich zuletzt vergangenen Freitag. Nach Angaben der afghanischen Behörden entführten Kämpfer der Taliban ein Mitglied des afghanischen Friedensrates während eines Einsatzes im Osten des Landes. Mawlaui Schafihullah Schafih verschwand in der Region Asmar, wo er sich für die Teilnahme der Taliban an dem Friedensprozess einsetzen wollte. Die Islamisten hätten den Mann direkt nach seinem Ausstieg aus dem Fahrzeug verschleppt, berichtete ein weiteres Mitglied des Friedensrates.

Seit ihrem Sturz Ende 2001 kämpfen die Taliban gegen die afghanische Regierung und die ausländischen Truppen. Präsident Hamid Karsai versucht seit Jahren vergeblich, sie an den Verhandlungstisch zu bekommen. Ende 2010 brachte er die Idee einer Vertretung der Taliban in einem neutralen Land ins Spiel, um Friedensgespräche zu erleichtern.

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Leserkommentare
    • WiKa
    • 29. Januar 2012 16:14 Uhr

    … denn es aus Sicht der Taliban scheint es wohl wenig Sinn zu machen sich mit einer Handpuppe der Besatzer zu unterhalten, der ohne eben diese Rückendeckung vermutlich gar nicht in der Position wäre. Und am Ende wird es noch einige Nummern komplizierter sein, weil nicht nur afghanische Interessen verhandelt werden, sondern auch die der Besatzer, da ist es kein einfaches Spiel mit der Doppelzüngigkeit von mindestens drei unterschiedlichen Interessenlagen zu Ergebnissen zu kommen. Ahh … auch unsere Interessen sollten wir nicht außer Acht lassen, denn wir sind ja nicht zum Spaßvergnügen dort, sondern um unsere Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. Wer die Zeche täglich zu bezahlen hat ist klar, die normalen Menschen.

    Vielleicht sollten einfach die USA ein Joint-Venture mit den Taliban machen, in Ansätzen soll ja eine ähnliche Kooperationen in Libyen schon gut funktioniert haben. Oder gleich ganz zu den Taliban überlaufen? … http://qpress.de/2011/10/... (büssl Sarkasmus)

    Und um gehässig zu bleiben, es wäre sicherlich nicht im Interesse der USA wenn der weltweite Terror vorzeitig und schlagartig abebbte, denn dann wäre ein auf Jahrzehnte ausgelegtes neues Geschäftsmodell der USA wohl hinfällig.

    Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    • camel1
    • 29. Januar 2012 16:16 Uhr

    Das wird sicher genauso erfolgreich wie die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien.

  1. "ie Islamisten hätten den Mann direkt nach seinem Ausstieg aus dem Fahrzeug verschleppt, berichtete ein weiteres Mitglied des Friedensrates."

    Ich finde es etwas komisch, dass so welche Hochrangigen Vertreter ohne Polizeilichen oder Privaten Schutz fahren.

  2. ..vom Westen (USA) einst hofiert um eine Pipeline durch Afghanistan zu bauen, dann zum Abschuss (Krieg) frei gegeben aufgrund eines bis dato ungeklärten Terroranschlags, nun verhandeln die USA und ihre korrupte Marionette wieder mit den verhassten Vollbartträgern. Zehntausende Menschen starben Hunderte Milliarden Dollar wurden verpulvert, bzw. der Kriegsindustrie gezahlt.Wofür das Ganze <a href="http://tinyurl.com/4ytx674">?</a> Die Verlierer waren und bleiben die Menschen im Land, die weder Extremisten,noch durch die Besatzer unterstützte Warlords und Drogenhändler im Umfeld des Karzai Regimes wünschen. Ach ja, die TAPI soll immer noch gebaut werden.

  3. Nehmen wir an, ein Mitglied des Friedensrates will sich diskret mit der Gegenseite treffen, ohne dass sich die Medien
    darüber auslassen. Dann wird er eben "verschleppt" und kommt nach ein paar Tagen wieder frei. Diplomatie benötigt manchmal Umwege.

  4. Ich glaube, dass "Taliban" und Saudi Arabien den gleichen Islam ausüben- außerdem wurden die Taliban zumindest in der Vergangenheit von Saudis unterstützt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Westen nach dem Abzug seiner Truppen, Taliban unterstützen wird, obwohl diese ein Feind des Iran und ein Freund der Saudis sind..Ironie... Der Westen denkt doch an erster Stelle an Menschenrechte der Afghanen, welche unter der evtl. Machtbeteiligung der Taliban mit Füßen getreten werden- abgesehen von Hunderttausende von Menschen die wieder flüchten müssen (Vielleicht nach Europa oder Amerika um dort ein überglückliches Leben zu führen)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte BBC | Hamid Karsai | Fahrzeug | Gespräch | Katar | Präsident
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