AfghanistanVerteidigungsminister bestätigt Leichenschändung durch US-Soldaten

Leon Panetta hält das Video für echt, in dem US-Soldaten in Afghanistan auf Leichen urinieren. Er nennt das Verhalten abstoßend und aufs tiefste verwerflich. von afp und dpa

US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat mit scharfer Kritik auf ein Skandalvideo aus Afghanistan reagiert. Auf den Aufnahmen sind US-Soldaten zu sehen, die auf tote Aufständische in Afghanistan urinieren. Das Video sei "äußerst bedauernswert", sagte Panetta.

Die Soldaten hätten sich "vollkommen unangemessen" verhalten und würden zur Verantwortung gezogen. Panetta bestätigte damit die Echtheit des Films. Die US-Marineinfanterie und die internationalen Truppen in Afghanistan seien angewiesen worden, den Vorfall zu untersuchen. Die Herkunft und Echtheit des im Internet verbreiteten Amateurvideos war zunächst ungeklärt.

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In dem 39 Sekunden langen Video sind vier Männer in US-Uniform zu sehen, die scherzend über drei Leichen urinieren . Einer der Soldaten sagt "Schönen Tag noch, Kumpel", während er sich offenbar bewusst ist, gefilmt zu werden. Ein anderer spricht von einer "Dusche". Ein Untertitel beschreibt die Urinierenden als Mitglieder eines Sniper -Teams aus Camp Lejeune (US-Staat North Carolina ), die Toten als Taliban.

Pentagon-Sprecher John Kirby sagte, die Aufnahmen hätten ihm "den Magen umgedreht". Egal unter welchen Umständen das Video entstanden und wer die Personen darin seien, handele es sich um ein "abstoßendes, monströses und inakzeptables Verhalten für jede Person in Uniform". Ein Militärvertreter, der anonym bleiben wollte, sagte, Helm und Waffen eines der Beteiligten in dem Video deuteten darauf hin, dass es sich um Mitglieder einer Elite-Scharfschützeneinheit handeln könnte.

Vergehen von US-Soldaten

Die muslimische US-Bürgerrechtsvereinigung Council on American-Islamic Relations (CAIR) verurteilte die Leichenschändung. Sollte sich das Video als echt herausstellen, könne es "andere Soldaten und Zivilisten" gefährden. CAIR vertraue darauf, dass der Fall umgehend und auf transparente Weise aufgeklärt werde und "angemessene Schritte" ergriffen würden. Mögliche Schuldige müssten nach der US-Militärgesetzgebung und US-Gesetz bestraft werden.

Das Video wäre nicht der erste Beleg für Vergehen US-amerikanischer Soldaten in Afghanistan. Im vergangenen Jahr war etwa bekannt geworden, dass Soldaten ein sogenanntes Kill Team ("Tötungsteam") gebildet und Jagd auf afghanische Zivilisten gemacht hatten . Dafür hatte ein Militärgericht die Armeeangehörigen verurteilt .

In Afghanistan sind derzeit etwa 20.000 Marines stationiert, die meisten in den Regionen Kandahar im Süden und Helmand im Südwesten. Insgesamt sind rund 130.000 US- und NATO-Soldaten in Afghanistan im Kampf gegen Taliban-Kämpfer im Einsatz.
 

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Leon Panetta | Afghanistan | Jagd | Soldat | Taliban | Video
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