Ägypten ElBaradei zieht Kandidatur fürs Präsidentenamt zurück
Friedensnobelpreisträger ElBaradei wird nicht als Ägyptens Präsident kandidieren. Mit dem Rückzug will er den Militärrat kritisieren, dem es nur um Machterhalt ginge.
© Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei in Kairo
Aus Protest gegen den Militärrat hat Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei seine Kandidatur für das Amt des ägyptischen Präsidenten zurückgezogen. Das alte Regime sei noch immer an der Macht, begründete der ehemalige Chef der Atomaufsicht der Vereinten Nationen seine Entscheidung. "Mein Gewissen erlaubt es mir nicht, mich um die Präsidentschaft oder ein anderes Amt zu bewerben, solange es kein echtes demokratisches System gibt." ElBaradei wird vor allem von den Liberalen und der Protestbewegung unterstützt, die den langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak zu Fall brachte, zuletzt aber von islamischen Kräften an den Rand des politischen Geschehens gedrängt wurde.
Bis Ende Juni soll Ägypten einen neuen Präsidenten wählen. Mit der Präsidentenwahl soll der Militärrat die Macht abgeben. ElBaradei galt insbesondere in westlichen Ländern als Hoffnungsträger für Ägypten. Ein Großteil der ägyptischen Bevölkerung blieb ihm gegenüber allerdings skeptisch. Der Nobelpreisträger sei zu lange im Ausland gewesen, verstehe die Menschen im Land nicht, hieß es. Auch die einflussreiche islamistische Muslimbruderschaft ging zuletzt auf Distanz.
Schon zu Zeiten von Präsident Mubarak war ElBaradei als Bewerber für das Präsidentenamt im Gespräch. Unbekannte stellten damals jedoch Fotos seiner Tochter im Badeanzug ins Internet und provozierten damit in dem konservativen Land eine heftige Debatte über die Moral in dessen Familie.
Der 69-Jährige kritisiert in seiner Erklärung scharf den Militärrat, der seit dem Sturz Mubaraks herrscht: Die Übergangsphase sei von Planlosigkeit und Missmanagement geprägt, schrieb er. "Dies treibt das Land von den Zielen der Revolution weg." Die Gegner des Regimes halten den Generälen vor, sie seien vor allem an ihrem Machterhalt interessiert. Zuletzt äußerte auch der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter Zweifel daran, dass der Rat wie versprochen bis Mitte des Jahres alle Gewalt an eine zivile Regierung abgibt. Der Militärrat wird von Kamal al-Gansuri geleitet, der Mubarak zwei Jahrzehnte lang als Verteidigungsminister gedient hatte. Carters Nichtregierungsorganisation beobachtet die derzeit laufende Parlamentswahl, bei der ersten Ergebnissen zufolge gemäßigte und radikale islamische Parteien am stärksten abgeschnitten haben. Die Präsidentenwahl soll noch dieses Jahr stattfinden.
ElBaradeis Rücktritt bringt ihn der Basis wieder näher
ElBaradei hat seine Kandidatur im März vergangenen Jahres angekündigt. Seither hat er nach Einschätzung von Experten aber auch im Lager der Protestbewegung an Rückhalt verloren. Im November zogen sich einige Mitarbeiter aus seiner Wahlkampagne zurück mit der Begründung, ElBaradei entferne sich zunehmend von der Basis. Mit seinem Rückzug trage der Nobelpreisträger der Tatsache Rechnung, dass er in der Opposition nicht genug Unterstützung genieße, um die Wahl zu gewinnen, sagte Hassan Nafaa, Politikexperte und Mitglied der Protestbewegung. "Mit dem Ausstieg aus der Präsidentschaftswahl kommt er der Jugendbewegung und den Liberalen wieder näher, die in der Übergangsphase von den Islamisten an den Rand gedrängt wurden", sagte Nafaa.
ElBaradei versprach, die Jugendbewegung weiter zu unterstützen. Er wolle seinem Land effektiver dienen, von der Macht entfernt und frei von Einschränkungen.
Eine der größten liberalen Parteien hat am Montag einen Boykott der Wahlen zum Oberhaus in wenigen Wochen angekündigt. Im Unterhaus haben die Muslimbrüder nach eigenen Berechnungen 46 Prozent der Sitze errungen. Die radikaler ausgerichtete Nur-Partei kommt demnach auf 23 Prozent.
- Datum 15.01.2012 - 11:55 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
- Kommentare 16
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kann man tatsächlich noch vor angesehenen Persönlichkeiten
benennen!
ElBaradei hätte sowieso keine Chance gehabt. Er ist zwar unser Wunschkandidat (da liberal und pro westlich, vorallem in der Wirtschaft versteht sich), hat aber als liberaler Politiker in Ägypten keine Zukunft.
Genau wie in Deutschland sind die Liberalen dort eine Splitterpartei. Was auch gut ist.
Warum haben Sie als Kenner der liberalen weltpolitischen Szene El Baradei nicht von Ihrer hellseherischen Befähigung profitieren lassen und haben ihn informiert - er wäre dann sicherlich schon früher zurückgetreten.
Warum haben Sie als Kenner der liberalen weltpolitischen Szene El Baradei nicht von Ihrer hellseherischen Befähigung profitieren lassen und haben ihn informiert - er wäre dann sicherlich schon früher zurückgetreten.
der den iranischen Mullahs einen Freibrief nach dem anderen für die Entwicklung ihres Atomprogramms ausstellte, wäre ohnehin eine krasse Fehlbesetzung gewesen.
Warum haben Sie als Kenner der liberalen weltpolitischen Szene El Baradei nicht von Ihrer hellseherischen Befähigung profitieren lassen und haben ihn informiert - er wäre dann sicherlich schon früher zurückgetreten.
El Baradei hat keine Chance. Der letzt Abschnitt des Artikels zeigt es doch deutlich:
*Eine der größten liberalen Parteien hat am Montag einen Boykott der Wahlen zum Oberhaus in wenigen Wochen angekündigt. Im Unterhaus haben die Muslimbrüder nach eigenen Berechnungen 46 Prozent der Sitze errungen. Die radikaler ausgerichtete Nur-Partei kommt demnach auf 23 Prozent."
die haben wir ja auch gebraucht. Die Christlichen Parteien hatten bei uns auch lange die absolute Mehrheit und haben damit Bildung verhindert und Frauen im Haus eingesperrt. Und dies haben sie ganz sicher auch nicht aus eigenem Antrieb aufgegeben sondern erst nach den erfolgreichen Aufständen der 68er.
die haben wir ja auch gebraucht. Die Christlichen Parteien hatten bei uns auch lange die absolute Mehrheit und haben damit Bildung verhindert und Frauen im Haus eingesperrt. Und dies haben sie ganz sicher auch nicht aus eigenem Antrieb aufgegeben sondern erst nach den erfolgreichen Aufständen der 68er.
die haben wir ja auch gebraucht. Die Christlichen Parteien hatten bei uns auch lange die absolute Mehrheit und haben damit Bildung verhindert und Frauen im Haus eingesperrt. Und dies haben sie ganz sicher auch nicht aus eigenem Antrieb aufgegeben sondern erst nach den erfolgreichen Aufständen der 68er.
es war ganz schrecklich. Mädchen durften keine Schulen besuchen und weibliche Wesen nur verschleiert rumlaufen. Badeanzug war absolut tabu.
es war ganz schrecklich. Mädchen durften keine Schulen besuchen und weibliche Wesen nur verschleiert rumlaufen. Badeanzug war absolut tabu.
"Mein Gewissen erlaubt es mir nicht, mich um die Präsidentschaft oder ein anderes Amt zu bewerben, solange es kein echtes demokratisches System gibt."
Wenn ja, Respekt ! Es gibt kein "echtes" demokratisches System ! Ein echtes demokratisches System sollte immer mit Freiheit gepaart sein !!! Wo Freiheit draufsteht, steckt aber auch nicht immer Freiheit drin !!!
es war ganz schrecklich. Mädchen durften keine Schulen besuchen und weibliche Wesen nur verschleiert rumlaufen. Badeanzug war absolut tabu.
nehmen wir doch einfach die Zeit, als Frauen ihre Männer um Erlaubnis zu fragen hatten, wenn sie arbeiten gehen wollten, als sie allein keine Konten eröffnen durften und nicht an Wahlen teilnehmen, und wenn sie während der Abwesenheit des lieben Ehemannes ohne Erlaubnis das Haus verlassen hatten, dann gab es auch schon mal die für solche Vergehen vorgesehene Bestrafung in Form körperlicher Züchtigung. Das ist noch nicht so lange her.
Aber bei Nationalkonservativen hat sich ja die Speicherfähigkeit für derartige geschichtliche Fakten nie so richtig entwickelt.
nehmen wir doch einfach die Zeit, als Frauen ihre Männer um Erlaubnis zu fragen hatten, wenn sie arbeiten gehen wollten, als sie allein keine Konten eröffnen durften und nicht an Wahlen teilnehmen, und wenn sie während der Abwesenheit des lieben Ehemannes ohne Erlaubnis das Haus verlassen hatten, dann gab es auch schon mal die für solche Vergehen vorgesehene Bestrafung in Form körperlicher Züchtigung. Das ist noch nicht so lange her.
Aber bei Nationalkonservativen hat sich ja die Speicherfähigkeit für derartige geschichtliche Fakten nie so richtig entwickelt.
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