ProtestBelgien empfängt Europa mit Generalstreik

In Belgien haben die Gewerkschaften zu einem historischen Streik gegen die Reformpläne der Regierung aufgerufen. Der Ausstand könnte auch den EU-Gipfel beeinflussen. von afp und dpa

Menschen blockieren den Eingang zum Flughafen Charleroi, südlich von Brüssel.

Menschen blockieren den Eingang zum Flughafen Charleroi, südlich von Brüssel.  |  © Virginie Lefour/AFP/Getty Images

In Belgien hat ein 24-stündiger Generalstreik das öffentliche Leben lahmgelegt. Bereits am Sonntagabend hatten erste Bahnangestellte die Arbeit unterbrochen, um gegen Sparpläne der belgischen Regierung zu protestieren. In Brüssel fuhren am Montagmorgen keine Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen mehr.

Die belgische Bahngesellschaft SNCB warnte, der Verkehr werde bis Montagabend vollständig eingestellt. Auch die Thalys- und Eurostar-Verbindungen zwischen Brüssel, Köln , Amsterdam , Paris und London waren seit Sonntagabend unterbrochen. Die Deutsche Bahn bietet zum Ersatz Busverbindungen zwischen Aachen und Brüssel an, warnt aber, die Plätze seien womöglich nicht ausreichend.

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Die Proteste könnten auch den EU-Gipfel in Brüssel stören. Die europäischen Staats- und Regierungschefs werden bei der Anreise wohl Umwege in Kauf nehmen müssen. Regierungsmaschinen könnten auch über den 30 Kilometer von Brüssel entfernten Militärflughafen Beauchevin einfliegen.

Die Gewerkschaften protestieren gegen die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters. Die Maßnahme ist Teil des Sparprogramms der Regierung von Ministerpräsident Elio Di Rupo. Generalstreiks sind in Belgien selten. Zu dem letzten derartigen Streik im Jahr 2005 rief nur die sozialistische Gewerkschaft FGTB auf. Diesmal sind alle drei großen Gewerkschaften beteiligt. Das geschah zuletzt im Jahr 1993.

Im Laufe des Tages wird mit Straßenblockaden gerechnet. Auch bei der Post, einigen Banken und in zahlreichen Supermärkten wollten die Beschäftigten streiken.

Der Flughafen Charleroi südlich von Brüssel bleibt geschlossen. Am Brüsseler Flughafen ist der Betrieb gestört, einige Flüge fallen aus. Hinzu kommen laut belgischer Nachrichtenagentur Belga Verspätungen wegen der Kälte. 

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Leserkommentare
  1. Redaktion

    Lieber DerIrrste,

    da haben Sie recht, wir haben den Grund für die Proteste jetzt kurz erklärt.

    Bestes vom News Desk,

    Christian Bangel

  2. Wer Reformen will, sollte ins Reformhaus gehen. Eine Euro-Zone lässt sich dagegen nicht reformieren. Die Belgier brachten über zwei Jahre lang keine Regierung zusammen. Nun streiken sie, obwohl Belgien über 80 Prozent Staatsverschuldung hat. Wo man hinschaut, Europa wird zum Tollhaus.

    Antwort auf ""Reformpläne""
  3. Einer der wirkliche Gewerkschaften sich wünscht, schickt euch dieses legendäre Video.

    http://www.youtube.com/wa...

    Mögen die Beine euch tragen und die Stimmen stark sein.

    Eine Leserempfehlung
  4. 12. Zu @1

    Es wird Zeit, dass es zu einem europaweiten Generalstreik kommt, denn sonst haben wir alle sie Zukunft verloren.

    Antwort auf "wir werden"
  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und unsachliche Spekulationen. Die Redaktion/vn

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    Zeigen SIE mir auf, WANN sich zum letzten Mal der sogenannte "DGB" FÜR die Menschen/Arbeiter/Arbeitslosen kompromisslos eingesetzt hat?
    Ich kann mich daran nicht erinnern...

    Die Eurokratie hat mittlerweile eine eigen Truppe zur "Aufstandsbekämpfung" gegründet. Es lohnt sich durchaus einen Blick auf folgende links zu werfen:
    https://docs.google.com/v...
    http://leftvision.de/inde...
    http://de.wikipedia.org/w...
    http://mannheim.vvn-bda.d...
    http://www.cilip.de/ausga...

    P.S. Der Ruf nach dem Einsatz der BW im "inneren" kommt nicht von ungefähr!

  6. Ich bitte Sie, doch einmal nachzudenken was Sie hier wirklich fordern:

    Es ist doch wohl nicht im Sinne der Bürger der EU, wenn heute keiner zum Gipfel anreisen kann, die EU-Abgeordneten sich von den Demonstranten in die Schranken weisen lassen. Dann wären ja wieder Steuergelder für den verloreren Arbeitstag sinnlos verspielt. (Obwohl sich der eine oder andere hier sicherlich gerne in diesem Falle darüber echauffieren würde.)

    Grund der Streiks sind die Sparpläne (für Belgien!), die eine Erhöhung des Renteneintrittsalters beinhalten. Es kann doch nur in unserem Interesse sein, wenn in Belgien die Anhebung des Renteneintrittsalters vorgenommen wird und auf den gleichen Stand gebracht wird, wie in Deutschland.

    Bitte nachdenken. Danke

    Eine Leserempfehlung
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    • ikonaut
    • 30. Januar 2012 13:39 Uhr

    man könnte natürlich das rentenalter europaweit auch auf 55 jahre senken, um die über 23 mio arbeitslosen (offiziell) in beschäftigung zu bringen.

    man könnte aufhören die völker europas gegeneinander auszuspielen, in einen mörderischen wettkampf um profite zu hetzen und sich den bedürfnissen der mehrheit zuwenden.

    man könnte die aushöhlung der souveränität der europäischen völker stoppen und die FED-gesteuerten adlaten mitsamt ihrem ESM zum teufel jagen.

    das bedeutet allerdings die systemfrage.

    • ikonaut
    • 30. Januar 2012 13:39 Uhr

    man könnte natürlich das rentenalter europaweit auch auf 55 jahre senken, um die über 23 mio arbeitslosen (offiziell) in beschäftigung zu bringen.

    man könnte aufhören die völker europas gegeneinander auszuspielen, in einen mörderischen wettkampf um profite zu hetzen und sich den bedürfnissen der mehrheit zuwenden.

    man könnte die aushöhlung der souveränität der europäischen völker stoppen und die FED-gesteuerten adlaten mitsamt ihrem ESM zum teufel jagen.

    das bedeutet allerdings die systemfrage.

    4 Leserempfehlungen
  7. Wenn ich das hier lese, Sparen, sparen, keine Rente arbeiten bis man stirbt, Sozialstaat was denn, wer Geld hat kann sich bilden zum Arzt gehen der Rest vor die Hunde. Alles Boedsin... WER stellt heute einen 60 Jaehrigen eine 60 Jaehrige ein, WER, schaut mal wer am Bankschalter steht, jung und wenn es eine Ueberweisung nach USA sein will keine Ahnung........das ist die Realitaet

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    • k2
    • 30. Januar 2012 15:45 Uhr

    Ihr Beitrag zum Wissensmangel der Banklehrlinge im
    U.S.-Retailgeldhäusergeschäft kann im Kontext
    gewertet nicht umstandslos als jugendfeindlich aufgefasst werden. Er ist aber für Fehlinterpretationen in dieser Richtung einer Zurechtweisung der Jugend
    gleichwohl gefährlich. Nun, ich bin kein Freund der Gewerkschaften - und in Brüssel trifft die Paralysierung des Regionalverkehrs
    in erster Linie all jene, welche rein rechtlich noch nicht Privatauto fahren dürfen. Viel besser wäre ein Streik, welche
    gezielt nur die Verantwortlichen trifft. Die Regierenden bleiben vom Streik in Belgien mehr oder weniger unbehelligt und die eisige
    Kälte fordert einen Streiktribut bei den Bushaltestellen-Warteschlangen junger Erwachsener und Kinder.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Europa | Belgien | Protest | Deutsche Bahn | Bank | EU-Gipfel
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