Syrien"Ich habe Horrorszenen gesehen, verbrannte Körper"

Der algerische Autor Anwar Malek berichtet aus Syrien: Die Zustände dort seien so fürchterlich, dass er als Beobachter der Arabischen Liga das Land aus Protest verlasse.

Ein Mitglied der arabischen Beobachtermission in Syrien hat der Staatsführung schwere Verbrechen gegen das eigene Volk vorgeworfen und seinen Rücktritt eingereicht. Der algerische Autor Anwar Malek beschuldigte die syrische Regierung in einem Interview mit dem katarischen Fernsehsender Al Jazeera, die Beobachter der Arabischen Liga getäuscht und die ihnen gezeigten Dinge "inszeniert" zu haben.

Durch seine Tätigkeit habe er es dem Regime von Präsident Baschar al-Assad erleichtert, mit dem Töten weiterzumachen. "Ich war mehr als 15 Tage im Homs ... ich habe Horrorszenen gesehen, verbrannte Körper ... ich kann mein Mitgefühl in dieser Lage nicht zurückstellen", sagte er.

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Die Regierung begehe "nicht nur ein Kriegsverbrechen, sondern eine ganze Reihe von Verbrechen gegen das Volk". Sie habe sich bisher an keinen Punkt des Plans der Arabischen Liga gehalten. Anders als zugesagt, würden die Panzer nicht von den Straßen abgezogen, sondern lediglich versteckt und nach dem Weggang der Beobachter wieder in Stellung gebracht.

"Die Gefangenen werden gefoltert, niemand wurde freigelassen", sagte Malek im Interview. Stattdessen seien Menschen auf der Straße festgenommen und den Beobachtern als freigelassene Gefangene vorgeführt worden. Die syrische Regierung habe überdies "Spione und Mitglieder der Geheimdienste" als Fahrer und Begleiter der Beobachter engagiert. "Sobald wir einen Bezirk verließen, wurden die Leute dort angegriffen."

Kritik an Sudans General Mohammed al-Dabi

Malek kritisierte auch den Chef des Beobachter-Teams, den sudanesischen General Mohammed al-Dabi. Dieser versuche einen Mittelkurs zu fahren, um weder die Regierung noch irgendeine andere Seite gegen sich aufzubringen. Die Eignung al-Dabis für die Aufgabe war bereits von Menschenrechtsgruppen wegen dessen Rolle beim Konflikt in der sudanesischen Unruheprovinz Darfur in Frage gestellt worden.

Die Arabische Liga hatte der syrischen Führung am Dienstag vorgeworfen, ihre Beobachter nicht genügend zu schützen. Der Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, erklärte, mehrere Mitglieder der Beobachtermission seien verletzt worden.

Derzeit sind 165 Beobachter der Arabischen Liga in Syrien im Einsatz. Die meisten von ihnen halten sich seit dem 26. Dezember in dem Land auf. Sie sollen die Umsetzung eines von dem Staatenbund vermittelten Friedensplans überwachen. Dabei geht es um die Freilassung von Gefangenen, den Rückzug der syrischen Armee aus den Städten und einen freien Zugang für Beobachter und Journalisten.

Seit Beginn der regierungsfeindlichen Proteste vor zehn Monate sind bei deren Niederschlagung nach UN-Schätzungen mehr als 5.000 Menschen getötet worden.

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die lediglich der Provokation dienen. Danke. Die Redaktion/sc

  2. Ich vermisse weiterhin Artikel, die sich mit der Gewalt von den "Freiheitskämpfern" beschäftigt.

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    Mich würden auch beispielsweise die Hintergründe der bewaffneten Terrorgruppe bzgl des Anschlags vom 25. November 2011 interessieren, bei dem zwischen Homs und Palmira ein Luftwaffenstützpunkt angegriffen wurde, bei dem zehn Angehörige der Streitkräfte, davon 6 Piloten, getötet wurden. Woher haben sie diese schweren Waffen und warum sind sie in der Lage so schlagkräftig zu agieren? Viele Fragen beschäftigen mich diesbezüglich, welche mit der story von den friedlich demonstrierenden "Oppositionellen" nicht wirklich vereinbar sind.

    Natürlich ist erfolgreicher friedlicher Protest besser.
    Es gibt aber einen Punkt, an dem das Volk in der Pflicht ist, sich gegen staatliche Repression notfalls mit Gewalt zu wehren.

    Gibt es nicht auch einen entsprechenden Artikel im deutschen Grundgesetz?

    Lassen Sie uns abstimmen: Wer ist für die Gewalt in Syrien verantwortlich?
    Zur entsprechenden Umfrage bei Pollphin:
    http://www.pollphin.de/po...

    Mich würden auch beispielsweise die Hintergründe der bewaffneten Terrorgruppe bzgl des Anschlags vom 25. November 2011 interessieren, bei dem zwischen Homs und Palmira ein Luftwaffenstützpunkt angegriffen wurde, bei dem zehn Angehörige der Streitkräfte, davon 6 Piloten, getötet wurden. Woher haben sie diese schweren Waffen und warum sind sie in der Lage so schlagkräftig zu agieren? Viele Fragen beschäftigen mich diesbezüglich, welche mit der story von den friedlich demonstrierenden "Oppositionellen" nicht wirklich vereinbar sind.

    Natürlich ist erfolgreicher friedlicher Protest besser.
    Es gibt aber einen Punkt, an dem das Volk in der Pflicht ist, sich gegen staatliche Repression notfalls mit Gewalt zu wehren.

    Gibt es nicht auch einen entsprechenden Artikel im deutschen Grundgesetz?

    Lassen Sie uns abstimmen: Wer ist für die Gewalt in Syrien verantwortlich?
    Zur entsprechenden Umfrage bei Pollphin:
    http://www.pollphin.de/po...

  3. Entfernt. Bitte diskutieren Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

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  4. Mich würden auch beispielsweise die Hintergründe der bewaffneten Terrorgruppe bzgl des Anschlags vom 25. November 2011 interessieren, bei dem zwischen Homs und Palmira ein Luftwaffenstützpunkt angegriffen wurde, bei dem zehn Angehörige der Streitkräfte, davon 6 Piloten, getötet wurden. Woher haben sie diese schweren Waffen und warum sind sie in der Lage so schlagkräftig zu agieren? Viele Fragen beschäftigen mich diesbezüglich, welche mit der story von den friedlich demonstrierenden "Oppositionellen" nicht wirklich vereinbar sind.

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    Antwort auf "AK47 Revolution"
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    • EaZy84
    • 11.01.2012 um 15:53 Uhr

    Die haben ihre Waffen und ihre Ausbildung aus der Türkei.
    Dort wird die syrische "Opposition" in der Handhabung von Waffen ausgebildet.
    Die Frage ist wozu eine ach so friedlich demonstrierende Opposition diese Waffen braucht?

    Ich dachte eigentlich, das ist augenscheinlich, aber nochmal: es gibt (mindestens) drei Parteien:
    1. Assads Armee
    2. Deserteure aus Assads Armee und bewaffnete Opposition
    3. Friedliche Demonstranten (friedliche Opposition)

    Der Schluss "Hey da wird zurückgeschossen, dann gibt's ja gar keine Demonstranten" ist genauso kurzsichtig wie das Ignorieren der bewaffneten Gegenwehr ... über letztere wurde übrigens auch in der Zeit schon berichtet.

    • EaZy84
    • 11.01.2012 um 15:53 Uhr

    Die haben ihre Waffen und ihre Ausbildung aus der Türkei.
    Dort wird die syrische "Opposition" in der Handhabung von Waffen ausgebildet.
    Die Frage ist wozu eine ach so friedlich demonstrierende Opposition diese Waffen braucht?

    Ich dachte eigentlich, das ist augenscheinlich, aber nochmal: es gibt (mindestens) drei Parteien:
    1. Assads Armee
    2. Deserteure aus Assads Armee und bewaffnete Opposition
    3. Friedliche Demonstranten (friedliche Opposition)

    Der Schluss "Hey da wird zurückgeschossen, dann gibt's ja gar keine Demonstranten" ist genauso kurzsichtig wie das Ignorieren der bewaffneten Gegenwehr ... über letztere wurde übrigens auch in der Zeit schon berichtet.

    • EaZy84
    • 11.01.2012 um 15:53 Uhr

    Die haben ihre Waffen und ihre Ausbildung aus der Türkei.
    Dort wird die syrische "Opposition" in der Handhabung von Waffen ausgebildet.
    Die Frage ist wozu eine ach so friedlich demonstrierende Opposition diese Waffen braucht?

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  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Wie wäre es mal, wenn von der anderen Seite berichtet werden würde? Aber in Libyen wurden die Greueltaten der "Freiheitskämpfer" ja auch gern ignoriert.
    Wenn diese täglichen Berichte aus Syrien wirklich stimmen, hat dieses Land bald keine Einwohner mehr.

    11 Leser-Empfehlungen
  7. dass Assad möglicherweise wirklich nichts weiß über das Morden seiner Leute im Land. Er behauptete dies ja. Heute wiederum denke ich, dass er doch gelogen hat. Und wie soll es jetzt weitergehen? Ich nehme an, dass die Beobachter der Arabischen Liga nun auch vorzeitig abreisen werden. Das ist eine ziemlich fürchterliche Situation dort, und die Opfer tun mir auch leid.

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    Natürlich sind all die Opfer beklagenswert. Nur zerhackstücken unsere Medien ganz bewusst und tagtäglich die Mission der arabischen Liga. Gleich am ersten Tag gab es ein Feuerwerk von unseren Politikern dagegen. Daran erkennt man leicht, dass gar kein Wille zur Konfliktlösung vorhanden ist.
    Ausserdem die Waffen. Wer bewaffnet die "Freiheitskämpfer"? Dass zu 99% im Westen des Landes gekämpft wird lässt vermuten, dass der Westen fleissig über das Mittelmeer beschickt, ähnlich wie in Libyen.
    Wenn man so will sehen wir hier die Antwort auf die asymmetrische Kriegsführung: Man bedient sich ebenfalls einer extremistischen Minderheit. Bei der Besorgnis um die Opfer im Westen handelt es sich um Krokodilstränen.

    Natürlich sind all die Opfer beklagenswert. Nur zerhackstücken unsere Medien ganz bewusst und tagtäglich die Mission der arabischen Liga. Gleich am ersten Tag gab es ein Feuerwerk von unseren Politikern dagegen. Daran erkennt man leicht, dass gar kein Wille zur Konfliktlösung vorhanden ist.
    Ausserdem die Waffen. Wer bewaffnet die "Freiheitskämpfer"? Dass zu 99% im Westen des Landes gekämpft wird lässt vermuten, dass der Westen fleissig über das Mittelmeer beschickt, ähnlich wie in Libyen.
    Wenn man so will sehen wir hier die Antwort auf die asymmetrische Kriegsführung: Man bedient sich ebenfalls einer extremistischen Minderheit. Bei der Besorgnis um die Opfer im Westen handelt es sich um Krokodilstränen.

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