China Dissident sucht Hilfe bei der Kanzlerin

Am Donnerstag reist Angela Merkel nach China. Ein Bürgerrechtler hofft dort auf ihren Besuch. Li Jinping wurde in einer psychiatrischen Anstalt misshandelt.

Li Jinping hat nicht mehr viel zu verlieren. Der chinesische Bürgerrechtler ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Aber er will dennoch weiter für Menschenrechte kämpfen. Der 47-Jährige hofft auf Hilfe von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an diesem Donnerstag nach Peking kommt. "Ich möchte sie treffen", sagt er der Nachrichtenagentur dpa.

Nach neunmonatiger Tortur in der Haft und in einer psychiatrischen Anstalt kommt Li Jinping nur langsam wieder auf die Beine. Im Juli war er entlassen worden. Die Polizei warnt ihn davor, wieder politisch aktiv zu werden und ausländische Journalisten zu treffen, doch er lässt sich nicht beirren: "Ich mache weiter."

Es sei wichtig, dass sich ausländische Repräsentanten wie die Kanzlerin bei der chinesischen Führung persönlich für einzelne Bürgerrechtler einsetzten. "Für uns wäre es sehr hilfreich", sagt Li Jinping. "Es hängt aber alles davon ab, ob die Kanzlerin auch nach uns fragen will." Gerade seit den Aufrufen zu "Jasmin-Protesten" nach arabischem Vorbild auch in China im vergangenen Frühjahr geht die Staatssicherheit massiv gegen Aktivisten, Bürgerrechtsanwälte und kritische Intellektuelle vor. Hohe Haftstrafen wurden verhängt.

Aus dem Polizisten Li Jinping wurde der Aktivist

"Es muss darüber gesprochen werden", sagt Li Jinping. "Nur wenn die Führer auf der obersten Ebene merken, dass es ernst ist, können die Beamten auf den unteren Ebenen in ihre Schranken gewiesen werden." Li Jinping kennt das System von innen. Von 1994 bis 2001 war er selbst Polizist und kam mit dem damals inhaftierten Bürgerrechtler Li Hai ins Gespräch. Beide unterhielten sich über den 1989 gestürzten reformerischen Parteichef Zhao Ziyang und die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989.

2001 quittierte Li Jinping den Polizeidienst und wurde Fahrer für die Ehefrau des in Peking unter Hausarrest stehenden Ex-Parteichefs Zhao Ziyang, der 2005 starb. Seine Verehrung für den Reformer, der damals den Militäreinsatz ablehnte und vielen bis heute als Symbol für ein gerechteres China gilt, machte aus dem Polizisten einen Aktivisten. Li Jinping schrieb Appelle an den Volkskongress, demonstrierte auf dem Platz des Himmlischen Friedens, wurde mehrmals inhaftiert. Sein Haus, in dem Li Jinping einen Schrein für Zhao Ziyang errichtet hatte, wurde 2008 abgerissen. Seine Baumschule vor den Toren Pekings, von der Li Jinping lebte, wurde zerstört.

Weil er politisch so viel Ärger gemacht habe, sei die Entschädigung nur gering gewesen, berichtet Li Jinping. Am 8. Oktober 2010, als die Vergabe des Friedensnobelpreises an den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo verkündet wurde, holte die Polizei ihn abends ab und nahm ihn in Haft. Im November steckten sie ihn in die psychiatrische Abteilung im Shuangqiao Nr. 3 Hospital des Pekinger Stadtbezirks Chaoyang. Auch andere unliebsame Bittsteller, die ihre Klagen über Willkür oder Korruption bei Petitionsstellen in Peking vorbringen wollten, seien dort eingesperrt worden. "Jedes Stadtviertel hat so ein Krankenhaus."

Li Jinping wurden zwangsweise Psychopharmaka verabreicht – mit schweren Nebenwirkungen. "Mein Körper fühlte sich schrecklich an." Weigerte er sich, die Medikamente zu nehmen, wurden sie ihm injiziert. "Ich musste mich übergeben, bekam heftige Kopfschmerzen." Seine Krankenakte wurde mit dem Namen "Li Jin" verschleiert. Er war wie verschwunden. Seine Familie konnte ihn erst nicht ausfindig machen. Später räumte die Polizei ein, dass Li Jinping im Hospital sei, fühlte sich aber nicht zuständig und verwies auf die Staatssicherheit.

Leser-Kommentare
    • bugme
    • 29.01.2012 um 11:07 Uhr

    Es wäre schön, wenn Frau Merkel das Treffen einrichten könnte.

    • Kriton
    • 29.01.2012 um 11:30 Uhr

    Die Buh-Schreie aus der Wirtschaft, als Merkel vor ein paar Jahren in Peking die Menschenrechte ansprach, klingen mir noch in den Ohren. Wir können nur hoffen, dass die Medien und die anständigen Menschen in der Politik die Menschenrechtssituation immer wieder zum Thema machen und es den mitreisenden Wirtschaftsdelegationen nicht durchgehen lassen, wenn sie ihre Wirtschaftsinteressen über Menschenrechte stellen wollen.

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    • Kriton
    • 29.01.2012 um 11:35 Uhr

    Aus eben diesem Grund wünsche ich mir, wieder einen Bundespräsidenten zu haben, der "unbefangen" ist. Unter einem wirtschaftsabhängigen müssen einige Leute nämlich wirklich "physisch leiden".

    • Kriton
    • 29.01.2012 um 11:35 Uhr

    Aus eben diesem Grund wünsche ich mir, wieder einen Bundespräsidenten zu haben, der "unbefangen" ist. Unter einem wirtschaftsabhängigen müssen einige Leute nämlich wirklich "physisch leiden".

  1. ein Treffen wird natuerlich nicht stattfinden. Voellig unmoeglich. Da koennte sie gleich alle Beziehungen zu China abbrechen und das steht wohl nicht auf dem Programm. Aber vielleicht traut sie sich Ihren Unmut ueber die Behandlung von politischen Gefangenen in China zu aussern. Hoffen wir zumindest darauf.

    • Kriton
    • 29.01.2012 um 11:35 Uhr

    Aus eben diesem Grund wünsche ich mir, wieder einen Bundespräsidenten zu haben, der "unbefangen" ist. Unter einem wirtschaftsabhängigen müssen einige Leute nämlich wirklich "physisch leiden".

    Antwort auf "Ein wichtiges Zeichen"
    • smolli
    • 29.01.2012 um 11:37 Uhr

    Na x sehen wie hilfsbereit Frau Merkelsich sich hier zeigt, sicherlich wird sie wieder was richten, ob sie einen Besuch einrichten wird, nun denn. China ist ja ein wichtiger Partner von Deutschland. In diesem Zusammenhang fällt auf das in allen Foren über die USA hergezogen wird (z. B. Guantanamo) Dieser Ort ist sicherlich nicht das was man sich unter einer Demokratie vorstellt, nämlich ein Ort der Schande. Die Verantwortlichen müssen daher rigoros zur Verantwortung gezogen werden. Aber immerhin saßen da teilweise üble Mörder ein. Dies legitimiert die USA jedoch nicht in üblem Despotismus die Menschenrechte zu verletzen. Herr Li Jinping wollte nicht etwa den chinesischen Staat mit kriminellen Mitteln bekämpfen und hat auch nicht gemordet, sondern nur auf die eklatanten Verfehlungen gegen die Menschenrechte aufmerksam machen. Dafür wird er misshandelt. [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

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    • LaoLu
    • 29.01.2012 um 12:10 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/vn

    • LaoLu
    • 29.01.2012 um 12:10 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/vn

    • LaoLu
    • 29.01.2012 um 12:10 Uhr
    6. [...]

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    Antwort auf "Hilfsersuchen"
  2. "Hoffen wir zumindest darauf."

    Bei dieser Frau ist alle Hoffnung verloren!

  3. Gut, im Absatz darunter wird klar, dass die Zwischenüberschrift "es fehlt an Menschen wie Li Jinping" an ein Zitat von Li Jinping selbst angelehnt ist, und wenn man selbst so mutig ist, dann darf man das auch von anderen einfordern. Aber so aus dem Zusammenhang gelöst, wie sie nun erst einmal dasteht scheint mir diese Überschrift doch beinahe überheblich. Ich kann jeden Chinesen verstehen, der zwar ähnlich denkt wie Li Jinping, aber trotzdem nicht alles dafür opfert.

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    Genau das ist das Problem. Die in deutschen Zeitungen gern so genannten Jasmin-Proteste waren eine laecherliche Farce. Ob man das nun gut findet oder nicht, es gibt derzeit in China keine nennenswerte politische Opposition zur KP.

    Nun koennte man annehmen, der Autor hat Recht, mit seiner Behauptung, die Berichterstattung der westlichen Medien wuerde den kaum einflussreichen, chinesischen Oppositionellen helfen.

    Vielleicht.

    Ich vermute aber, dass gerade die Verbruederung mit dem Westen, der den Aufschwung des sozialistischen Chinas ja nun nicht gerade mit Wohlwollen begleitet, es eher verhindert, dass diese Dissidenten eine nennenswerte Unterstuetzung der Bevoelkerung fuer ihre Sache bekommen.

    Ist es nicht eher eine fatale Selbsttaeuschung der Journalisten, ihre meist sehr oberflaechlich recherchierten Texte wuerden etwas Gutes bewirken?

    Diese unpersoenlichen, einseitigen Texte, die einen Dissidenten nach dem anderen fuer ein paar Tage durch das grelle Licht der deutschen Oeffentlichkeit schleppen und in denen das Boese stets auf Seiten der KP festgenagelt bleibt, wirken auf mich und viele Chinesen ebenso ueberzeugend wie die Propaganda der Partei.

    Wichige Details fehlen:
    Was sind die genauen Forderungen von Herrn Li?
    Was ist sein politischer Ansatz?
    Sind die Ideen realistisch?

    Chinas Protest gehoert m.E. zunaechst nicht auf die Strasse. Denn dann gibt es wohl wieder Tote. Und die westlichen Journalisten werden das kaum verhindern koennen.

    Genau das ist das Problem. Die in deutschen Zeitungen gern so genannten Jasmin-Proteste waren eine laecherliche Farce. Ob man das nun gut findet oder nicht, es gibt derzeit in China keine nennenswerte politische Opposition zur KP.

    Nun koennte man annehmen, der Autor hat Recht, mit seiner Behauptung, die Berichterstattung der westlichen Medien wuerde den kaum einflussreichen, chinesischen Oppositionellen helfen.

    Vielleicht.

    Ich vermute aber, dass gerade die Verbruederung mit dem Westen, der den Aufschwung des sozialistischen Chinas ja nun nicht gerade mit Wohlwollen begleitet, es eher verhindert, dass diese Dissidenten eine nennenswerte Unterstuetzung der Bevoelkerung fuer ihre Sache bekommen.

    Ist es nicht eher eine fatale Selbsttaeuschung der Journalisten, ihre meist sehr oberflaechlich recherchierten Texte wuerden etwas Gutes bewirken?

    Diese unpersoenlichen, einseitigen Texte, die einen Dissidenten nach dem anderen fuer ein paar Tage durch das grelle Licht der deutschen Oeffentlichkeit schleppen und in denen das Boese stets auf Seiten der KP festgenagelt bleibt, wirken auf mich und viele Chinesen ebenso ueberzeugend wie die Propaganda der Partei.

    Wichige Details fehlen:
    Was sind die genauen Forderungen von Herrn Li?
    Was ist sein politischer Ansatz?
    Sind die Ideen realistisch?

    Chinas Protest gehoert m.E. zunaechst nicht auf die Strasse. Denn dann gibt es wohl wieder Tote. Und die westlichen Journalisten werden das kaum verhindern koennen.

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