Vor dem EU-Gipfel Union zweifelt an geplanten Fiskalpakt
Der europäische Fiskalpakt, wenn er kommt, sieht Klagen gegen Defizitsünder vor. In CDU und CSU regt sich Unbehagen darüber, dass Staaten sich gegenseitig anschwärzen müssten.
© John Macdougall/Getty Images

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Manche wollten einen kleinen Aufstand erkennen, für andere war es nur eine "lange und engagierte Diskussion". Als Angela Merkel am Dienstag der Unionsfraktion den geplanten Vertrag über den europäischen Fiskalpakt vorstellte, schlug ihr jedenfalls keine helle Begeisterung entgegen. Die Kritiker störten sich vor allem an einem Punkt des Entwurfs, den der Euro-Sondergipfel am Montag absegnen soll: Zwar soll gegen Schuldensünder im Euro-Land der Europäische Gerichtshof (EuGH) einschreiten und Strafen verhängen dürfen – aber tätig werden darf das Gericht nur, wenn ein anderer Vertragsstaat Klage erhebt.
Das klingt auf den ersten Blick logisch.
Doch je genauer sich die Skeptiker ausmalten, welche Karikaturen zum Beispiel in römischen Zeitungen auftauchen würden, wenn Deutschland den Nachbarn Italien auf die Anklagebank setzen würde, um so unbehaglicher wurde es ihnen. Andere warnten, die neue Regel gehe kaum über die Überwachung des Maastricht-Vertrags hinaus, die bekanntlich daran gescheitert ist, dass keine Krähe der anderen ein Auge aushacken wollte. Von quasi-automatischen Sanktionen, fanden die Kritiker, sei das jedenfalls zu weit entfernt: Die Klage müsse eine neutrale Institution einreichen – die EU-Kommission.
Tatsächlich war die Kommission als Klagebefugte in frühen Entwürfen des Vertrags genannt. Doch in der letzten Fassung flog sie wieder raus. Dahinter stecken die Brüsseler Hausjuristen. Sie hatten schon beim Euro-Gipfel im Dezember gewarnt, dass ein völkerrechtlicher Stabilitätsvertrag zwischen einer "Koalition der Willigen" zwar mit EU-Recht vereinbar sei, dass diese Gruppe aber nicht einfach die Institutionen der Gemeinschaft für sich einspannen dürfe. Zumindest, so das damalige Gutachten, müssten dem vorher alle 27 EU-Staaten zustimmen.
Nun ist das Verhältnis zwischen Euro-Staaten und Nicht-Euro-Staaten, namentlich Großbritannien, im Moment ziemlich belastet. Merkel hat, um ihre Fraktion zu beruhigen, den Abgeordneten zugesagt, die Rechtsauffassung der EU-Kommission noch einmal durch ein Gutachten überprüfen zu lassen. Dass die Juristen ihr Urteil revidieren, ist aber auch nicht sonderlich wahrscheinlich. Deutsche Diplomaten suchen deshalb vorsorglich die Sorgen der Unionskritiker zu zerstreuen: Nach dem Vertragsentwurf prüfe die Kommission die Einhaltung der Schuldenbremse ohne weitere Aufforderung, sagt ein Mitglied der deutschen Gipfel-Delegation. Auch die Feststellung, dass ein Mitglied des Fiskalpakts die Regeln verletzt hat, treffe die Brüsseler Behörde. Nur der allerletzte Schritt, die Klage vor dem EuGH, werde "sozusagen kommissarisch" von einem oder mehreren Staaten vollzogen. "Die Kommission ist auch in dieser Konstruktion die entscheidende Institution", versichert der Regierungsvertreter.
Dass Länder der Euro-Zone möglichst nicht in die Lage kommen wollen, demnächst als Fiskalpakt-Sünder an den Pranger zu geraten, wurde auch beim Antrittsbesuch des konservativen spanischen Regierungschefs Mariano Rajoy in Berlin deutlich. Rajoy bemüht sich, die Neuverschuldung in seinem Land in diesem Jahr auf die Marke von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken. So listete Rajoy am Donnerstag nach seinem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel mehrere Maßnahmen auf: Eine Schuldenbremse ist bereits in der Verfassung verankert, und an diesem Freitag soll ein Gesetz zur Haushaltsstabilisierung verabschiedet werden.
Ungewiss bleibt unterdessen, wie schnell beim Euro-Sorgenkind Griechenland eine tragfähige Lösung der Schuldenkrise zustande kommt. Einerseits rangeln die Regierung in Athen und der internationale Bankenverband IIF immer noch über die Details des geplanten Schuldenschnitts. Und gleichzeitig prüft die sogenannte Troika in Athen, wie Griechenland mit den nötigen Reformen vorankommt. Der Bericht der Troika ist Voraussetzung für das zweite Griechenland-Hilfspaket über 130 Milliarden Euro, dessen wesentlicher Bestandteil wiederum der geplante Schuldenschnitt ist. Merkel erklärte, dass der Bericht der Troika "nach menschlichem Ermessen" zum Gipfeltreffen am Montag noch nicht vorliegen werde. Von daher werde man sich bei dem Treffen auf die Frage konzentrieren können, wie in Europa neues Wachstum geschaffen werden könne. Für die Bankenverhandlungen ließ Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der auch dem IIF vorsteht, Optimismus erkennen: "Wir kommen dem näher, wir sind bereit zu verhandeln. Ich glaube, wir haben großes Interesse, in den nächsten Tagen eine Lösung zu finden."
Ob die brenzlige Lage im Süden der Euro-Zone am Montag nicht trotzdem die Gespräche auf den Brüsseler Korridoren beherrschen wird, steht auf einem anderen Blatt – zumal auch die Situation in Portugal den Euro-Rettern zunehmend Sorge bereitet. Für portugiesische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit verlangten Anleger am Donnerstag Renditen bis zu 15 Prozent. Einen so hohen Zins forderten Investoren seit der Euro-Einführung bisher noch nie.
- Datum 27.01.2012 - 15:40 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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drückt man den anderen Staaten das deutsche Spardogma auf, an das man sich im Übrigen selbst nicht wirklich hält, will dann aber nicht der böse Ankläger vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) sein. Die Rolle des "bösen Buben", die die nachlässigen Staaten vor das Gericht zitiert, soll die EU-Kommission übernehmen. Das ist im höchsten Maße feige. Selber will man zwar die Regeln bestimmen, die Kohlen aus dem Feuer sollen dann andere holen.
Rein menschlich kann ich das - mit Blick auf das inzwischen recht kritische Deutschlandbild in vielen EU-Staaten - diese Vorgehensweise zwar gut verstehen. Mit mutiger Politik und dem Einstehen für die eigenen (angeblichen) Überzeugungen hat dies nichts zu tun. Es ist - vielmehr einmal mehr - wieder der Versuch von "Vollkasko-Politik" ohne Risiko. Hoffentlich bleibt der Entwurf in diesem Punkt so wie im Beitrag geschildert. Die Rechtsposition der EU-Kommission ist jedenfalls plausibel.
CHILLY
so wie es jetzt schon nicht funktioniert. Deutschland wird aus lauter Furcht vor einem Stirnrunzeln seiner Nachbarn nicht wagen, auch nur "kommissarisch" Anklage zu erheben. Also wird nicht geklagt, und die Schuldenbremsen bleiben wirkungslos.
Und selbst wenn Schuldensünder sanktioniert werden würden - womit denn? Sollen hochverschuldete Staaten auch noch Geldstrafen zahlen? Oder zahlt die Strafe dann am Ende wieder Deutschland?
Also werden weiter lustig Schulden gemacht und Deutschland wird die Last alleine tragen müsssen. Bis wir absaufen.
Von dem groß angekündigten Wurf eines "strengen Fiskalpakts" ist in dem vorliegenden EntWurf nicht mehr viel übrig geblieben. Die Idee wurde beim Vertexten "weichgekocht wie eine fiskalpolitische Lasagne": http://www.deutsche-mitte.... Was dabei übrig blieb und in Papier einfloss, ist schon jetzt, noch vor der Verabschiedung, nicht einmal mehr das Material wert, auf dem es steht. Die Vereinten Medien jedoch hüllen sich mehr oder weniger in Schweigen. Dabei wäre eine nüchterne Gegenüberstellung von Idee und Wirklichkeit (wenigstens das) schlichte Chronistenpflicht.
… an dieser Stelle gibt man sich weltoffen und will der Justizbarkeit noch ein paar Happen überlassen und durch die Hintertür stellt man uns den ESM-Trojaner ganz beiläufig in den Vorgarten. Denn nach der jetzigen Ausgestaltung des ESm, mit seinem Gouverneursrat, der völlig immun ist, der nicht verklagt werden kann, der für nichts haftet aber binnen 7 Tagen von allen Mitgliedsstaaten dann Beträge in jeder gedachten Höhe anfordern kann, völlig intransparent, darüber redet niemand.
Seltsam, oder so gewollt. Vorne ein wenig Show machen und hinter der Bühne machen wir die Finanzdiktatur schon mal klar. Hier eine kindgerechte Erklärung dazu: http://qpress.de/2011/09/... … und achten sie darauf, dass ihre minderjährigen Kinder nicht auf die Idee kommen nach diesem Vorbild ihr Taschengeld ihnen gegenüber abzusichern, denn dann wären sie heute schon pleite. Aber was im Kleinen nicht geht funktioniert bestimmt im Großen … (°!°)
aufmerksam verfolgt, der kann nur große Einigkeit zwischen den
europäischen Staaten hinsichtlich der angestrebten Fiskalunion und den damit verbundenen Regeln feststellen.
Gestern diskutierten die Staatschefs Irlands,Dänemarks,Polens und Finnlands, heute wurde Mario Draghi (EZB) interviewt und es fand eine hoch interessante Diskussion zwischen François Baroin (Minister of Economy, Finance and Industry of France)Luis de Guindos Jurado (Minister of Economic Affairs and Competitiveness of Spain)Olli Rehn (Vice-President, Economic and Monetary Affairs, European Commission, Brussels) und Wolfgang Schäuble statt.
Diese Diskussionen wurden live übertragen und sind auch als Video abrufbar.
Das europäische Konzept , das eine Konsolidierung der Staatshaushalte vorsieht,die Schaffung einer Fiskalunion und daran anschließend Stimuli für die einzelnen Volkswirtschaften, wurde
von allen mit großem Enthusismus verteidigt und schlüssig
erklärt.
Dagegen fielen die Ausführungen Timothy Geithners zum USWeg
aus der Krise eher schwammig und wenig überzeugend aus.
Selbst der Gastgeber, Herr Klaus Schwab, konnte sich das
Statement nicht verkneifen, dass Europa offensichtlich
nicht "helpless" agiere, wie aus angelsächsischen Kreisen
immer wieder kassandramäßig geäußert, sondern entschieden und glaubwürdig.
"Words, words, words."
Die Wirklichkeit sieht anders aus. In der Wirklichkeit werden die hübschen Theorien von Konsolidierung, Stimuli und Schuldenbremsen "an der Realität zerschellen" (Steinbrück) wie schon zuvor die "no-bail-out"-Klausel, mit der man uns auf den Leim gelockt hat. Übrig bleibt eine Transferunion zu unseren Lasten, mit null Einflußmöglichkeit auf den Schlendrian des Club Med. Oder glaubt jemand im Ernst, die Politiker Italiens werden sich die Bezüge kappen lassen? Oder die Milliardäre Griechenlands werden ihre kleinen Staatsanwälte gewähren lassen?
"Words, words, words."
Die Wirklichkeit sieht anders aus. In der Wirklichkeit werden die hübschen Theorien von Konsolidierung, Stimuli und Schuldenbremsen "an der Realität zerschellen" (Steinbrück) wie schon zuvor die "no-bail-out"-Klausel, mit der man uns auf den Leim gelockt hat. Übrig bleibt eine Transferunion zu unseren Lasten, mit null Einflußmöglichkeit auf den Schlendrian des Club Med. Oder glaubt jemand im Ernst, die Politiker Italiens werden sich die Bezüge kappen lassen? Oder die Milliardäre Griechenlands werden ihre kleinen Staatsanwälte gewähren lassen?
"Words, words, words."
Die Wirklichkeit sieht anders aus. In der Wirklichkeit werden die hübschen Theorien von Konsolidierung, Stimuli und Schuldenbremsen "an der Realität zerschellen" (Steinbrück) wie schon zuvor die "no-bail-out"-Klausel, mit der man uns auf den Leim gelockt hat. Übrig bleibt eine Transferunion zu unseren Lasten, mit null Einflußmöglichkeit auf den Schlendrian des Club Med. Oder glaubt jemand im Ernst, die Politiker Italiens werden sich die Bezüge kappen lassen? Oder die Milliardäre Griechenlands werden ihre kleinen Staatsanwälte gewähren lassen?
ich würde mit Ihnen jede Wette eingehen, dass Sie sich irren.
Es sind nicht nur leere Worte, die ersten Maßnahmen sind
bereits in Kraft, der Euro steht trotz DauerTrommelfeuer
aus den USA und England stabil da.
Die strukturellen Probleme sind vielfältig und von Land
zu Land verschieden.
So hilfreich eine Rückführung von ca. 200 Milliarden Euro
auch wäre, die griechische Staatsbürger ausser Landes gebracht
haben,die Pläne zur Konsolidierung bauen darauf nicht.
Was diese Krise gezeigt hat, ist dass die ausschließliche
Verfolgung nationaler oder gar individueller Interessen das
Potential in sich trägt,Europa zerstören zu können.
Das hat die Bereitschaft zu gemeinsamen Handeln geschaffen
und ein entsprechendes Regelwerk wird jetzt jederzeit daran
erinnern :)
als wären Sie Sprecher für das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Arbeiten Sie für die Regierung?
mit seinem jeder Exekutive entzogenen Gouverneursrat, der binnen 7 Tagen von allen Mitgliedsstaaten (das wird vor allem wen betreffen?) Beträge in jeder Höhe anfordern kann? Mit diesem "Regelwerk", das just so enthusiastisch diskutiert wird, gibt Deutschland seine Budgethoheit aus der Hand und damit das Recht seines Souveräns auf demikratische Mitbestimmung.
Das ist der Weg in die Brüsseler Diktatur.
We're on the highway to hell.
als wären Sie Sprecher für das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Arbeiten Sie für die Regierung?
mit seinem jeder Exekutive entzogenen Gouverneursrat, der binnen 7 Tagen von allen Mitgliedsstaaten (das wird vor allem wen betreffen?) Beträge in jeder Höhe anfordern kann? Mit diesem "Regelwerk", das just so enthusiastisch diskutiert wird, gibt Deutschland seine Budgethoheit aus der Hand und damit das Recht seines Souveräns auf demikratische Mitbestimmung.
Das ist der Weg in die Brüsseler Diktatur.
We're on the highway to hell.
als wären Sie Sprecher für das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Arbeiten Sie für die Regierung?
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