FrankreichSarkozy spricht von Niederlage

Frankreichs Präsident hat sich ungewöhnlich offen über seine Aussichten bei der kommenden Wahl geäußert. Er habe "das Ende seiner Karriere" vor Augen. von afp und reuters

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy schließt nach eigenen Worten eine Niederlage bei der Präsidentenwahl nicht aus. Der Vorsprung seines sozialistischen Herausforderers François Hollande in den Meinungsumfragen deute darauf hin, dass seine Tage an der Macht gezählt seien, sagte Sarkozy vor Vertrauten bei einem Besuch in Französisch-Guayana .

"Erstmals in meinem Leben habe ich das Ende meiner Karriere vor Augen", zitieren die Zeitungen Le Monde und Le Figaro aus dem Gespräch vor Mitarbeitern und ausgewählten Journalisten. Im Falle einer Wahlniederlage wolle er aus der Politik aussteigen: "Ich bin 56 Jahre alt, ich bin seit 35 Jahren in der Politik, ich habe einen Beruf (als Anwalt) und ich würde mein Leben komplett ändern", sagte Sarkozy weiter. "Sie würden nichts mehr von mir hören, wenn ich verlieren sollte."

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Sarkozy liegt seit Monaten hinter dem Sozialisten Hollande in den Umfragen zurück . Dicht hinter Sarkozy liegen Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National , und der Vorsitzende der christdemokratisch-liberalen UDF, François Bayrou . Sollte es zu einer Stichwahl kommen, sagen Umfragen Hollande einen Vorsprung von zehn Prozentpunkten vor Sarkozy voraus.

"Ehrlich"

Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet, die Sarkozy nach Französisch-Guayana begleitet hatte, bemühte sich, seine Äußerungen herunterzuspielen. Die Medien gäben Sarkozys Worten eine falsche Richtung. Ein langjähriger Sarkozy-Berater bezeichnete dessen Äußerungen hingegen als ehrlich. Sarkozy hoffe auf den Wahlsieg, wisse aber, dass er verlieren könne. "Stellen Sie sich vor, er hätte sich als unschlagbar hingestellt. Die Schlagzeile hätte gelautet 'Der Kerl ist verrückt'."

Die Herabstufung der französischen Spitzenbonitätsnote durch die Rating-Agentur Standard & Poor's gilt als schwerer Rückschlag für Sarkozys Bemühungen um eine Wiederwahl. Zuletzt hatte sich der Präsident noch zuversichtlich gezeigt, die Abstimmung am 22. April und am 6. Mai doch noch gewinnen zu können. Er werde Fehler eingestehen und sich zugleich als der Politiker empfehlen, der Frankreich am besten aus der Krise führen könne.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP
  • Schlagworte Nicolas Sarkozy | Medien | Figaro | Front National | Karriere | Marine Le Pen
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