US-VorwahlenRomney, der ungeliebte Favorit

Mitt Romney könnte die Vorwahl in Iowa gewinnen, obwohl die Republikaner ihn dort nicht mögen. Doch sie wissen: Er kann Obama schlagen.

Mitt Romney begrüßt Wähler in Davenport, Iowa

Mitt Romney begrüßt Wähler in Davenport, Iowa

Sie mögen ihn nicht. Trotzdem wird er heute, an einem Dienstagabend, bei dem es vor allem um Sympathien geht, darum also, gemocht zu werden, gewinnen. Denn dass Mitt Romney überhaupt noch dabei ist, das ist schon ein Sieg. Selbst wenn er bei der ersten Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen 2012 in Iowa nur Zweiter würde. Es wäre Romneys Triumph in einer bislang eher verworrenen Suche der Republikaner, einen geeigneten Gegenkandidaten im Kampf gegen Präsident Obama zu finden – und Romney dabei hartnäckig zu übergehen.

Die Republikaner taten sich schwer, ihrem Werben etwas Präsidiales zu geben. Am besten hat sich da Mitt Romney geschlagen. Wenn es gut für ihn läuft, dann siegt er in Iowa sogar. Dann hätte er sich die Kandidatur der Republikaner schon halbwegs gesichert.

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Iowa ist kein gutes Terrain für den ideologisch biegsamen Mormonen Romney. In diesem Farmstaat im Mittleren Westen sind die Republikaner besonders christlich und wertkonservativ. Bis vor wenigen Wochen hätte es kaum ein Experte für möglich gehalten, dass Romney hier gewinnen könnte. Normalerweise siegt hier ein Favorit der religiösen Wähler: 2008 gewann Mike Huckabee haushoch, ein Gitarre spielender Pfarrer und Ex-Gouverneur aus den Südstaaten.

Pragmatismus statt Überzeugung

Wenn die Republikaner nun Romney ihre Stimme geben, dann werden sie das nicht aus Überzeugung tun, sondern eher als Notlösung. Tim McCleary ist einer dieser konservativen Bürger, die Romney mit zusammengebissenen Zähnen wählen wollen. "Er ist keiner, dem ich mich auf Anhieb nahe fühle", sagt der 52-jährige Inhaber eines Trailer-Parks. "Aber wir müssen jemanden nominieren, der Obama schlagen kann."

Romney

Nach letzten Umfragen hat der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney (64), die größten Chancen, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Im vergangenen Wahlkampf hatte Romney bereits kandidiert, aber gegen John McCain verloren. Der Geschäftsmann und Millionär ist ökonomisch kompetent und eher liberal eingestellt. Allerdings gilt er in auch unter Republikanern als Wendehals. Davon zeugen seine geänderten Meinungen zum Abtreibungsrecht und der Homo-Ehe oder auch die zuerst geforderte und jetzt kritisierte Verpflichtung zur Krankenversicherung. Konservativen Christen ist Romney suspekt, weil er Mormone ist.

Gingrich

Dem ehemaligen Kongressabgeordneten und Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich (68), werden gute Chancen gegen Romney eingeräumt. In den 1990er Jahren war Gingrich erfolgreicher Gegenspieler der Linken. Die US-Grenze zu Mexiko will der Historiker von Drohnen und Zehntausenden Soldaten überwachen lassen. In Afghanistan sollen die Soldaten länger bleiben und härter vorgehen. Es wird spekuliert, dass Gingrich die Republikaner anspricht, die Romney nicht als rechts genug empfinden. Seine mittlerweile dritte Ehe könnte ihn im Wahlkampf belasten.

Paul

Der libertäre Kongressabgeordnete Ron Paul (76) ist der Älteste der Bewerber. Besonders junge Republikaner sind Anhänger des Frauenarztes aus Texas. Seine Positionen sind der Mitte zu radikal: Er will den Staat auf das Allernötigste reduzieren. Der Wohlfahrtsstaat sowie die US-Notenbank sollen abgeschafft werden und die USA aus den Vereinten Nationen austreten. Alle US-Truppen sollen nach Hause kommen und die Entwicklungshilfe eingefroren werden, um den Staatshaushalt zu entlasten. Viele Sicherheitsmaßnahmen gegen den Terrorismus lehnt er ebenfalls ab. Der Staat soll die Freiheiten der Bürger nicht beschränken.

Santorum

Der ehemalige Senator Rick Santorum (53) aus Pennsylvania bringt sich als christlicher Streiter gegen die Homo-Ehe und Abtreibungen ein. Santorum hat nach seiner gescheiterten Wiederwahl 2006 unter anderem als Kommentator für den konservativen Sender Fox News gearbeitet. Er hat anfangs nicht viele Chancen zugesprochen bekommen, zuletzt aber in den Umfragen an Zustimmung gewonnen. Nun wirbt er in Konkurrenz mit Bachmann um die Gunst der Tea-Party-Bewegung.

So klingt politischer Pragmatismus. Und so klingt die Enttäuschung darüber, keine Identifikationsfigur zu haben, die das alte, auf seinen Tugenden beharrende Amerika verkörpern könnte. Auch Mitt Romney tut das nicht. Mitte Dezember hatte er lediglich den dritten Platz bei den Umfragen in Iowa belegt. Damals führte Newt Gingrich mit großem Abstand. In den 90er Jahren war der als "Speaker" des Abgeordnetenhauses der Gegenspieler des damaligen Präsidenten Bill Clinton. Doch je mehr die Medien über Gingrich als neuen Spitzenreiter des republikanischen Kandidatenfeldes berichteten, desto genauer erinnerten sich Amerikas Bürger an seine Schwächen: seine Eitelkeit und Selbstüberschätzung, sein loses Mundwerk, seine drei Ehen, die in abstoßende Scheidungsdramen mündeten. Der 68-jährige Gingrich hat seither stark an Boden verloren. Es ist ein Auf und Ab.

 
Mitte vergangener Woche rückte dann Romney in einer CNN-Erhebung für Iowa an die Spitze. Andere Demoskopen sehen ihn gleichauf mit Ron Paul. Der schnelle Aufstieg des Kongressabgeordneten Paul kommt für alle überraschend. Für Romney hat er den strategisch nützlichen Effekt, dass er wie eine Brandmauer gegen all die anderen Rivalen wirkt, die ihm wirklich gefährlich werden könnten. Denn Paul bindet Stimmen, die andere nützlicher bräuchten als Romney. Es verschaffte diesem einen Vorsprung.

Nach einer kurzen Weihnachtsruhe zogen die sieben verbliebenen Kandidaten seit dem 26. Dezember wieder durch die 99 Kreise des Bundesstaats, um möglichst viele der angeblich 40 Prozent unentschlossener Wähler für sich zu gewinnen: Mitt Romney, Ron Paul und Newt Gingrich, die Tea-Party-Ikone Michele Bachmann, der Ex-Gouverneur von Utah Jon Huntsman, ebenfalls ein Mormone, Texas-Gouverneur Rick Perry und Ex-Senator Rick Santorum. Bei ihren Auftritten wetteiferten sie darum, wer als der konservativste Kandidat gelten durfte. In der Außenpolitik gelobten sie unverbrüchliche Solidarität mit Israel und drohten mit Militärschlägen gegen den Iran. Zu den Versprechen gehört auch ein kategorisches Verbot von Abtreibungen. Rick Perry, der auch einmal weit vorne gelegen hatte, wollte sie bisher zumindest nach einer Vergewaltigung oder bei Inzest zulassen. Nun verkündete der Texas-Gouverneur einen "Sinneswandel aus allertiefstem Herzen". Er sei für ein gesetzliches Abtreibungsverbot ohne jede Ausnahme.

Auch in diesem Wettstreit um konservative Herzthemen ist Romney ein bevorzugtes Ziel. Sie nennen ihn einen "Flip Flopper" – einen Politiker, der seine Ansichten opportunistisch danach ausrichtet, für welches Amt er kandidiert. 2002 wurde er Gouverneur des liberalen Ostküstenstaats Massachusetts und vertrat damals moderate Positionen bezüglich Abtreibung, Homosexualität und des Rechts, eine Waffe zu tragen. "Mitt Romney hat die Homo-Ehe verteidigt", empörte sich Michele Bachmann bei einem Auftritt in einem Café in Council Bluffs ganz im Westen Iowas, nahe der Grenze zu Nebraska, und erntete dafür Beifall von den etwa 30 anwesenden Bürgern.

Schon einmal hatte Romney 2008 um die Kandidatur gekämpft und wurde mit 25 Prozent in Iowa Zweiter. Nun liegt Romney aktuell bei 22 Prozent, aber er hat das Glück, dass sich die Stimmen der Religiösen auf mehrere Rivalen verteilen, was auch deren schrille Tonlage erklärt. Da könnten schon 22 Prozent für den Sieg reichen. Sollte Romney Erfolg im christlich-konservativen Iowa haben, wäre es eine späte Genugtuung für ihn nach all den Zurückweisungen und Verletzungen, die er in der eigenen Partei hat ertragen müssen.

Unter Experten galt er von Anfang an als der Favorit für die Kandidatur. Hauptthema dieses Wahljahres werden die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosenrate sein. Romney war ein erfolgreicher Geschäftsmann, hat also Wirtschaftskompetenz bewiesen. Und er hat Regierungserfahrung als Gouverneur von Massachusetts gesammelt. Das Jahr 2011 nutzte er dazu, eine wirkungsvolle Organisation in den 50 Bundesstaaten der USA aufzubauen. An den Fernsehdebatten nahm er teil, zielte aber im Kontrast zu den Rivalen nicht darauf ab, mit besonders schrillen Attacken auf Obama, unrealistischen Steuersenkungsversprechen oder persönlicher Kritik an den konservativen Konkurrenten um Aufmerksamkeit zu buhlen. Während Ron Pauls millionenteure Werbespots Romney als Marionette wirtschaftlicher Lobbygruppen diffamieren, ist er besser vorbereitet als seine Wettbewerber und führt den Wahlkampf disziplinierter als sie. Nach den Umfragen gilt er derzeit als der Einzige, der Barack Obama am 6. November schlagen kann. Für die Politstrategen der beiden großen Lager ist es ausgemachte Sache, dass Romney der Kandidat wird.

Auf Iowa folgt New Hampshire

Damit es so kommt, müssen die Republikaner ihn freilich nominieren. In den USA entscheiden das nicht Parteigremien. In den Vorwahlen stimmen die Wähler zwischen Januar und Juni in allen 50 Bundesstaaten darüber ab. Die frühen Abstimmungen in Iowa und New Hampshire haben dabei eine besondere Bedeutung. Wer hier besser als erwartet abschneidet, zieht das Medieninteresse auf sich und erhält in der Folge höhere Spenden, um den Wahlkampf weiter zu finanzieren. Wer nicht punktet, für den ist die Kampagne so gut wie beendet. Ein Abschneiden unter den ersten Drei in Iowa gilt als Voraussetzung, um im Rennen zu bleiben. Die letzten Umfragen sahen Santorum hinter Paul und Romney mit etwas Abstand auf Platz drei. Ein schlechtes Resultat in Iowa lässt sich durch einen Triumph in New Hampshire ausgleichen. Wer beide Male scheitert, erklärt in der Regel seinen Rückzug.

Wer um die Gunst der Wähler in Iowa buhlt, muss Bescheidenheit lernen. 2,2 Millionen Menschen sind im wahlfähigen Alter. Etwa 120.000 beteiligen sich an der republikanischen Vorwahl. Sie sind ungleichmäßig verteilt auf 1774 Wahllokale in 99 Kreisen – mancherorts werden ein bis zwei Dutzend Bürger über das Votum eines Wahlkreises entscheiden. Und oft sind es ebenso viele Menschen, vor denen die Bewerber ihre Reden halten. In Fitnessstudios, Gemeindesälen, Schulen, Schnellrestaurants und Bars. Romney hatte da lange einen schweren Stand.

Es liegt ihm nicht, seinen professionellen Schutzpanzer von Innen her aufzubrechen und unbeschwert auf Menschen zuzugehen. Er hat sich Floskeln zurechtgelegt, um Leutseligkeit zu beweisen. Besonders gerne spielt er auf die Einwanderungsgeschichte oder das Verwandtschaftsverhältnis von Menschen an, die gemeinsam zu seinen Wahlkampfauftritten kommen. So etwas kann daneben gehen. "Lassen Sie mich raten: Sie stammen aus Skandinavien?", fragte er einen Mann mit ungewohntem Namen in Davenport. "Nein, aus Sizilien", war die Antwort. In Tilton, New Hampshire, folgte ein Augenblick betretener Stille, als Romney einen Mann und eine Frau unterschiedlichen Alters ansprach: "Vater und Tochter?"

"Nein, meine Ehefrau", korrigierte der Mann, während sie errötete.

Sichtlich wohler fühlt sich Romney, wenn er sein Geschick im Umgang mit Geschäftszahlen oder sein Interesse für technische Neuerungen vorzeigen darf. In Davenport ließ er in die übliche Wahlkampfrede, in der sich eine Breitseite gegen Obama an die andere reihte, spontan einfließen, dass das Hotel aus dem er gerade komme, "LEED certified" sei – also das Gütesiegel für niedrigen Energieverbrauch trage. Beim Besuch einer Farm lernte er, dass eine gute Milchkuh ungefähr "100 pounds" pro Tag produziere. Man konnte ihm ansehen, wie er im Kopf rechnete. Nach wenigen Sekunden gab er das Ergebnis im üblichen amerikanischen Volumenmaß preis: "Das wären dann also zwölf Gallonen."

Doch an die Herzen der Republikaner kommt er mit Gallonen und Gütesiegeln nicht heran. Seit dem Frühjahr 2011 musste er ein grausames öffentliches Schauspiel über sich ergehen lassen. Ungeachtet seines Favoritenstatus’ begeisterte sich die Basis alle paar Wochen für einen anderen Rivalen. Wenn sich herausstellte, dass diese Person Schwächen aufwies, ließ die öffentliche Meinung sie wieder fallen und wandte sich dem nächsten Hoffnungsträger zu. So eroberte im Frühjahr Immobilienhai Donald Trump die Umfragen, im Frühsommer die Tea-Party-Kandidatin Michele Bachmann, Mitte August Texas-Gouverneur Rick Perry, Ende September der Ex-Manager der Fast-Food-Kette "Godfathers Pizza", Herman Cain.

Sie alle wichen bald wieder, als sie Zweifel an ihrer Eignung weckten. Trump trat so auf, als wäre Politik ein Wettbewerb um Talkshow-Pointen. Er schürte Misstrauen, ob Barack Obama überhaupt in den USA geboren und damit ein legitimer Präsident sei. Michele Bachmann tritt gerne als überzeugte Patriotin auf, doch ihr unterliefen peinliche Fehler bei ihrer Darstellung der ruhmreichen Geschichte der USA. Rick Perry erwies sich in den Fernsehdebatten als miserabler Redner und wirkte unvorbereitet. Als ein Moderator ihn nach einer seiner Kernforderungen fragte, der Verkleinerung der Regierung, konnte er die drei Ministerien, die er schließen wollte, nicht aufzählen. Herman Cain gab haarsträubende Antworten, wenn er zur Weltpolitik Stellung nehmen sollte. Schließlich meldeten sich mehrere Frauen, die er als Vorgesetzter sexuell belästigt haben soll. Er gab den Wahlkampf auf.

Noch immer wollte die Basis Romney ihre Gunst nicht schenken. Diesmal erfuhr Newt Gingrich, wie überraschend die Republikaner ihre Zuneigung in diesem Vorwahlkampf verteilen. Auch das blieb Episode.

Es scheint, als hätten die Konservativen das vergangene Jahr genutzt, sämtliche Möglichkeiten durchzuspielen. Nun bleibt nur noch Romney. Ron Paul und Rick Santorum können ihm die Führung in Iowa streitig machen, aber im weiteren Verlauf muss er sie beide nicht fürchten. Paul ist ein Libertärer. Seine Forderung, alle US-Truppen aus dem Ausland abzuziehen, sowie seine erbitterte Ablehnung zentraler Macht wirken auf eine ebenso energische Minderheit faszinierend, sind aber nicht mehrheitsfähig. Rick Santorum punktet bei der christlichen Rechten mit seiner Beschwörung der Familie als Keimzelle der Gesellschaft und der Verteidigung des "home schooling": des Rechts aller Eltern, ihre Kinder zu Hause zu erziehen, statt sie in die Schule zu schicken.

Kaum Chancen für Paul in New Hampshire

Doch schon bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire in einer Woche gilt ein hoher Sieg Romneys als ziemlich sicher. New Hampshire ist ein säkularer Ostküstenstaat, wo Wirtschaftskompetenz wichtig ist. Die kann ein Mann wie Ron Paul, der zur Goldwährung zurückkehren möchte, schwerlich nachweisen. Dann hat Romney ein Polster und kann beruhigt die Vorwahlen Nummer drei und vier in South Carolina und Florida über sich ergehen lassen.

Der Süden ist kein Romney-Territorium. Nach heutigen Umfragen hat Newt Gingrich gute Chancen, dort zu siegen und ernsthaft ins Rennen einzugreifen. Er stammt aus Georgia. 2011 hat er jedoch die mühselige Organisationsarbeit in der Weite der 50 Bundesstaaten vernachlässigt. In Virginia, einem wichtigen Staat, wo er zudem wohnt, hat er nicht einmal die nötigen Unterschriften zusammenbekommen, damit sein Name auf dem Stimmzettel erscheint. Das lässt Wähler und Großspender an seinen Chancen zweifeln. Sollte er sowohl in Iowa als auch New Hampshire scheitern, wäre auch er kein ernsthafter Konkurrent mehr.

Präsident Obama und sein Wahlkampfteam stellen sich auf Romney ein. Sie hätten freilich nichts dagegen, wenn sich die Entscheidungen noch ein bisschen hinauszögert und die Republikaner sich einen langen, schmutzigen, parteiinternen Vorwahlkampf lieferten. Jeder Angriff eines konservativen Parteifreunds auf Romney wirkt schädlicher, als wenn er von Obama käme. Und jede Million, die Romney jetzt für Werbung ausgeben muss, um sich seiner republikanischen Rivalen zu erwehren, wird ihm im Hauptwahlkampf im Herbst gegen Obama fehlen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Gerade in New Hampshire (Staatsmotto "Live free or die") kann Paul programmatisch Punkten. Der Staat gilt als außerordentlich freiheitlich und intellektuell (siehe Free State Project). Ich sehe auch nicht, weshalb eine Rückbesinnung auf die Österreichische Schule einen Mangel an Wirtschaftskompetenz darstellen soll. Verglichen mit den anderen Bewerbern hat er vermutlich das größte ökonomische Grundverständnis.

    Sollte er in Iowa gewinnen, was nicht unwahrscheinlich ist, kann er möglicherweise auf einer Erfolgswelle reiten.

    5 Leserempfehlungen
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    bzgl. der Auszählung an "geheimem Ort". ;-)

    http://www.cbsnews.com/83...

    Wäre nicht das erste Mal, dass bei der Auszählung in den USA gepfuscht wird. Und Paul als erklärter Feind des Establishments, wäre wohl nur ein allzu willkommenes Opfer...

    Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Hoffen wir auf die Nummer 1-Platzierung oder einen guten 2. Platz knapp hinter den republikanischen Kerry. ;-)

    • u.t.
    • 03.01.2012 um 15:02 Uhr

    Eigentlich wäre ich einer Idee eines strikten Libertarianismus ja nicht abgeneigt.

    Allerdings eher einem gesellschaftlich wirklich progressivem...

    Paul hingehen verrät doch diese Idee selber, indem er dem religiös-konservativ-puritanischen Mainstream in der Fläche des Landes kritiklos huldigt. Mit dem darf er es sich nicht verscherzen. Dadurch wird aus dieser dollen "Freiheit" gleich wieder die kastrierte, geheuchelte Freiheit, ähnlich wie sie in den Medien der Tea Party aggressiv vertreten wird.
    Eine Freiheit, die sich v.a. auf einen gesellschaftlichen und kulturellen Mainstream bezieht und die individuellen Schutzrechte von Minderheiten missachtet.

    Und zu den Goldstandard-Phantastereien und diesem ewigen Glauben an die ganz, ganz einfachen Lösungen, @Muffin-Dude + Apollyon:
    Die Goldstandard-Anhänger scheinen mir immer nur eine sehr begrenzte Auswahl an wirtschaftshistorischer Kürzestliteratur oder nur radikal eine Interpretationsweise zu lesen.
    Lesen Sie doch einmal die reichhaltig vorhandene, vielseitige Literatur zum Goldstandard, besonders die Darstellungen zu den negativen Auswirkungen der Einführung des reinen Goldstandards in den 1860/70ern in Verbindung mit ersten sog. "Great Depression" 1873-Anfang 1890er.

    Die Verlängerung dieser Wachstumsdelle wird auch dem strikten Goldstandard zugeschrieben.

    Aber diese konservativen "Libertarians" wollen halt nicht die intellektuelle Anstrengung unternehmen, die in einer komplexen Welt einfach notwendig ist.

    bzgl. der Auszählung an "geheimem Ort". ;-)

    http://www.cbsnews.com/83...

    Wäre nicht das erste Mal, dass bei der Auszählung in den USA gepfuscht wird. Und Paul als erklärter Feind des Establishments, wäre wohl nur ein allzu willkommenes Opfer...

    Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Hoffen wir auf die Nummer 1-Platzierung oder einen guten 2. Platz knapp hinter den republikanischen Kerry. ;-)

    • u.t.
    • 03.01.2012 um 15:02 Uhr

    Eigentlich wäre ich einer Idee eines strikten Libertarianismus ja nicht abgeneigt.

    Allerdings eher einem gesellschaftlich wirklich progressivem...

    Paul hingehen verrät doch diese Idee selber, indem er dem religiös-konservativ-puritanischen Mainstream in der Fläche des Landes kritiklos huldigt. Mit dem darf er es sich nicht verscherzen. Dadurch wird aus dieser dollen "Freiheit" gleich wieder die kastrierte, geheuchelte Freiheit, ähnlich wie sie in den Medien der Tea Party aggressiv vertreten wird.
    Eine Freiheit, die sich v.a. auf einen gesellschaftlichen und kulturellen Mainstream bezieht und die individuellen Schutzrechte von Minderheiten missachtet.

    Und zu den Goldstandard-Phantastereien und diesem ewigen Glauben an die ganz, ganz einfachen Lösungen, @Muffin-Dude + Apollyon:
    Die Goldstandard-Anhänger scheinen mir immer nur eine sehr begrenzte Auswahl an wirtschaftshistorischer Kürzestliteratur oder nur radikal eine Interpretationsweise zu lesen.
    Lesen Sie doch einmal die reichhaltig vorhandene, vielseitige Literatur zum Goldstandard, besonders die Darstellungen zu den negativen Auswirkungen der Einführung des reinen Goldstandards in den 1860/70ern in Verbindung mit ersten sog. "Great Depression" 1873-Anfang 1890er.

    Die Verlängerung dieser Wachstumsdelle wird auch dem strikten Goldstandard zugeschrieben.

    Aber diese konservativen "Libertarians" wollen halt nicht die intellektuelle Anstrengung unternehmen, die in einer komplexen Welt einfach notwendig ist.

  2. bzgl. der Auszählung an "geheimem Ort". ;-)

    http://www.cbsnews.com/83...

    Wäre nicht das erste Mal, dass bei der Auszählung in den USA gepfuscht wird. Und Paul als erklärter Feind des Establishments, wäre wohl nur ein allzu willkommenes Opfer...

    Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Hoffen wir auf die Nummer 1-Platzierung oder einen guten 2. Platz knapp hinter den republikanischen Kerry. ;-)

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  3. Eine Leserempfehlung
  4. in der ZEIT ist zwar von "totaler Katastrophe" zu "akzeptabel" verbessert worden, aber bei solchen Aussagen wie dieser, >>wo Wirtschaftskompetenz wichtig ist. Die kann ein Mann wie Ron Paul, der zur Goldwährung zurückkehren möchte, schwerlich nachweisen<<, kann man doch eher nur mit dem Kopf schütteln.

    Gerade im Bereich Ökonomie hat Dr. Paul ganz erheblich mehr Kompetenz vorzuweisen, als der Rest des Bewerberfeldes. Ich empfehle Herrn von Marschall dringend einmal die Lektüre von "The Revolution: A Manifesto", das Einarbeiten in neoklassische Wirtschaftstheorie (Rothbard und von Mises wären ein guter Start), das Auseinandersetzen mit den Gründungsvorgängen um das Federal Reserve System 1913 durch Woodrow Wilson und das Aufkommen von schuldbelastetem Geld, sowie das Entstehen und die Aufrechterhaltung der Great Depression und Finanzkrise von 2007.
    Anschließend könnte er solche Aussagen kaum mehr rechtfertigen (wobei, dass kann er auch jetzt schon nicht).

    Bei Romney hat man diesbzgl. eher den Eindruck, er beziehe sein "Wissen" in ökonomischen Fragen von seinen Beratern und habe das jeweils kurz vorher auswendig gelernt.

    Bzgl. New Hampshire sieht es für Paul zumindest nach einem sicheren 2. Platz aus.
    http://elections.nytimes....

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    ich kann mich in dem Fall Kommentator Nr. 4 nur hochgradig anschließen.

    Diese ihre Aussage über Ron Paul's angebliche ökonomische Inkompetenz zeugt lediglich entweder von einem reaktionär-vorurteilsbehafteten oder mangelnd eingelesenem Schubladendenken,

    Verzeihen Sie bitte, wenn ich es so ehrlich sage.

    Niemand kennt sich mit den Machenschaften der FED und mit dem ganzen Finanzblasen-Gekoche in den USA auf Politiker-Szene wohl besser aus, als Paul.

    Soviel dürfte wohl klar sein!

    ich kann mich in dem Fall Kommentator Nr. 4 nur hochgradig anschließen.

    Diese ihre Aussage über Ron Paul's angebliche ökonomische Inkompetenz zeugt lediglich entweder von einem reaktionär-vorurteilsbehafteten oder mangelnd eingelesenem Schubladendenken,

    Verzeihen Sie bitte, wenn ich es so ehrlich sage.

    Niemand kennt sich mit den Machenschaften der FED und mit dem ganzen Finanzblasen-Gekoche in den USA auf Politiker-Szene wohl besser aus, als Paul.

    Soviel dürfte wohl klar sein!

  5. Manchmal denke ich, dass dieses ewig Ron-Paul-Anpreisen hier im Forum ein Running Gag ist.
    Wieder einmal dürfte sich der Unterschied zwischen Opposition und selber machen zeigen...

    Eine Leserempfehlung
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    trollen die Ron Paul-Unterstützer hier im Forum nur, weil das einfach ein beliebter (völlig unlustiger) Internet-Gag ist, der schon seit 5 Jahren unter allen YT-Videos, in allen Foren, Social Networks und so weiter existiert.
    Ron Paul hat keinerlei Chance, Mid Romney wird der Nominee und Obama wird ihn dankenswerterweise im Fall vernichten. 2016 werden dann auch wieder ein paar geistig gesunde Republikaner (*hust*) antreten.

    Jennifer Granholm 2016!

    trollen die Ron Paul-Unterstützer hier im Forum nur, weil das einfach ein beliebter (völlig unlustiger) Internet-Gag ist, der schon seit 5 Jahren unter allen YT-Videos, in allen Foren, Social Networks und so weiter existiert.
    Ron Paul hat keinerlei Chance, Mid Romney wird der Nominee und Obama wird ihn dankenswerterweise im Fall vernichten. 2016 werden dann auch wieder ein paar geistig gesunde Republikaner (*hust*) antreten.

    Jennifer Granholm 2016!

  6. ...ist der einzige Republikaner mit realistischen Siegchancen. Die anderen sind entweder zu konservativ und/oder peinlich. Gegen die meisten Kandidaten würde Obama die sogenannte Mitte beherrschen, was den Sieg bedeutet.
    Romney besetzt zwar auch strikt konservative Positionen, allerdings nur um Stimmen zu erhaschen. Nun ist die eigentliche Frage aber, ob es nicht völlig gleichgültig (Ron Paul ausgenommen) ist, welcher Republikaner Präsident wäre.
    Ich persönlich glaube auch nach ernüchternden Regierungsjahren Obamas weiterhin daran, dass er die USA verändern wollte. Getan hat er häufig das Gegenteil.
    Deshalb scheint mir das Fazit eindeutig, die USA (bzw die "unsichtbaren" Lobbyisten dahinter) sind nicht bereit für Veränderungen. Damit wird der Niedergang der Vereinigten Staaten in allen Bereichen weitergehen.
    Ich bin nun wahrlich keiner der "Umverteiler", aber ich finde es unfassbar, dass Reiche weiterhin Steurvergünstigungen erhalten.
    Ob jetzt Obama, der zwar will, aber nicht kann oder irgendeiner der Reps Präsident wird ist prinzipiell gleichgültig. Ich kann da sogar noch weniger Unterschiede erkennen als bei unserer Soße hierzulande.

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  7. Guter Artikel, der die politischen Gegebenheiten treffend analysiert. Romney ist der einzige Kandidat mit realistischen Chancen - und auch der einzige republikanische Gegenkandidat, bei dem der Rest der Welt gelassen auf die Wahl im Herbst blicken kann. Denn ob ab 2013 weiterhin Obama oder Romney im Weißen Haus sitzt, macht vermutlich wenig Unterschied.

    Interessant wäre mal ein Artikel über die Menschen in Iowa selbst. Warum ist beispielsweise Ron Paul so beliebt in einem Staat, der abhängig ist von staatlichen Subventionen und in dem evangelikale Prediger jeden Sonntag die Apokalypse von der Kanzel predigen. Ron Pauls Wirtschafts- und Aussenpolitik ist nichts anderes als politische, ökonomische und militärische Anarchie unter dem Deckmantel der "Freiheit". Für die Menschen in Iowa (und nicht nur für die) wäre Präsident Paul eine reale Katastrophe.

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    • WDK
    • 03.01.2012 um 14:36 Uhr

    "Damit es so kommt, müssen die Republikaner ihn [Romney] freilich nominieren. In den USA entscheiden das nicht Parteigremien. In den Vorwahlen stimmen die Wähler zwischen Januar und Juni in allen 50 Bundesstaaten darüber ab."

    In der Berichterstattung fällt mir immer wieder eine Ungenauigkeit auf, die aber im Kontext der Vorwahlen wichtig ist. Nicht "die Wähler" stimmen über den Kandidaten der Republikaner ab, sondern nur die (Stamm)Wähler der Republikaner. Um hier in den USA wählen zu dürfen, ist ein Eintrag in das Wählerregister notwendig. Dieser Eintrag kann auch beinhalten, welcher Partei man am nächsten steht. Wer das nicht preisgeben will, trägt sich als Independent ein. Diese 'Independents' dürfen nur in einigen Bundesstaaten an den Vorwahlen teilnehmen. In der Regel sind es aber die Stammwähler einer Partei, die IHREN Kandidaten küren.

    Auf Deutschland übertragen würde das bedeuten, dass alle eingetragenen SPD Stammwähler bei Vorwahlen in allen Bundesländern darüber abstimmen, wer von den Gabriels, Nahles und all den anderen "sich selbst Berufenden" als SPD Kanzlerkandidat gegen Merkel antreten wird.

    Das ist ein feiner aber nicht kleiner Unterschied der gelebten Demokratie, mit allen Pro's und Con's.

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    Freier Autor

    Vom Autor:
    Sehr geehrte(r) WDK,
    Sie haben völlig Recht: Die meisten Beschreibungen des Vorwahlsystems wirken etwas oberflächlich. Aber das ist nicht Absicht und liegt auch nicht an Unkenntnis - sondern daran, dass dieses System so vielfältig ist und viele Staaten es ganz unterschiedlich praktizieren. Ihre Hinweise sind umfangreicher und damit etwas genauer, aber auch nicht so ganz richtig. Ich bräuchte vermutlich eine komplette Zeitungsseite, um die Feinheiten für alle 50 US-Staaten zu schildern. Das will ich Ihnen ersparen. Ganz kurz zu Iowa und New Hampshire:
    In Iowa muss man nicht republikanischer Stammwähler sein, um am Caucus teilzunehmen. Sondern jeder Bürger darf hingehen und teilnehmen - sie oder er muss sich dafür nur an diesem Abend als "Republican leaning" registrieren lassen. Dann darf sie oder er mit abstimmen - und gleich am nächsten Tag kann man seine Registrierung ebenso formlos wieder ändern. (In der Praxis nehmen aber ganz überwiegend nur Republikaner teil.)
    In New Hampshire nächste Woche ist es von vorneherein breiter angelegt. Dieser Staat praktiziert die "Open Primary". Dort dürfen alle teilnehmen, die als "Republikaner" oder als "nicht parteigebunden" registriert sind. Und auch dort kann man seine Registrierung ganz einfach heute so und morgen anders vornehmen. Nur eines geht nicht: am selben Abend in beiden Parteien zugleich über die Wunschkandidaten abstimmen.
    Herzliche Grüße aus Iowa
    Ihr Christoph von Marschall

    Freier Autor

    Vom Autor:
    Sehr geehrte(r) WDK,
    Sie haben völlig Recht: Die meisten Beschreibungen des Vorwahlsystems wirken etwas oberflächlich. Aber das ist nicht Absicht und liegt auch nicht an Unkenntnis - sondern daran, dass dieses System so vielfältig ist und viele Staaten es ganz unterschiedlich praktizieren. Ihre Hinweise sind umfangreicher und damit etwas genauer, aber auch nicht so ganz richtig. Ich bräuchte vermutlich eine komplette Zeitungsseite, um die Feinheiten für alle 50 US-Staaten zu schildern. Das will ich Ihnen ersparen. Ganz kurz zu Iowa und New Hampshire:
    In Iowa muss man nicht republikanischer Stammwähler sein, um am Caucus teilzunehmen. Sondern jeder Bürger darf hingehen und teilnehmen - sie oder er muss sich dafür nur an diesem Abend als "Republican leaning" registrieren lassen. Dann darf sie oder er mit abstimmen - und gleich am nächsten Tag kann man seine Registrierung ebenso formlos wieder ändern. (In der Praxis nehmen aber ganz überwiegend nur Republikaner teil.)
    In New Hampshire nächste Woche ist es von vorneherein breiter angelegt. Dieser Staat praktiziert die "Open Primary". Dort dürfen alle teilnehmen, die als "Republikaner" oder als "nicht parteigebunden" registriert sind. Und auch dort kann man seine Registrierung ganz einfach heute so und morgen anders vornehmen. Nur eines geht nicht: am selben Abend in beiden Parteien zugleich über die Wunschkandidaten abstimmen.
    Herzliche Grüße aus Iowa
    Ihr Christoph von Marschall

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