US-Vorwahl : Favorit Mitt Romney kann nicht alle Republikaner begeistern

Bei den Vorwahlen der US-Republikaner in Iowa hat sich Mitt Romney knapp durchgesetzt. Will er Obamas Herausforderer werden, muss er weiter kämpfen.
Mitt Romney lässt sich in Des Moines feiern. © JEWEL SAMAD/AFP/Getty Images)

Soeben haben die Republikaner von Iowa entschieden , dass sie sich nicht entscheiden können, wen sie in den Kampf ums Weiße Haus schicken sollen. Einen Kandidaten, von dem es heißt, er habe die besten Aussichten Barack Obama zu schlagen? Also den wendehalsigen und eher unbeliebten Mitt Romney , der einst als Gouverneur den liberalen Bundesstaat Massachusetts ziemlich liberal regierte, jedenfalls nach republikanischen Maßstäben?

Oder doch besser einen Kandidaten fürs konservative Herz? Einen ideologisch gefestigten Politiker? Zum Beispiel Rick Santorum, den erzkonservativen Ex-Senator von Pennsylvania , der das Militär aufrüsten, den Staat abrüsten und Abtreibungen und schwule Ehen verbieten will? Seit ewig sind die Republikaner hin- und hergerissen zwischen einer Vernunft- und einer Herzensentscheidung. Iowa hat hier keine Klarheit gebracht. Romney und Santorum erhielten fast gleich viele Stimmen.

Mit gerade einmal acht Stimmen lag Mitt Romney, der Favorit des Partei-Establishments , am Ende des langen Wahlabends vorne. Vieles spricht dafür, dass er der Präsidentschaftskandidat werden wird. Wenn schon etliche der stramm rechten Republikaner von Iowa für den moderaten Mormonen votieren, werden es die Parteimitglieder andernorts erst recht tun. Laut Umfragen liegt Romney beim nächsten Test am 10. Januar in New Hampshire bereits weit vorn.

Doch nirgendwo ruft seine Favoritenrolle Begeisterung oder gar Aufbruchstimmung hervor. Im Gegenteil, der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur wird jetzt mit harten Bandagen ausgetragen werden. Aus der Wahl von Iowa kann man drei Lehren ziehen.

Erstens: Immer noch herrscht große Sehnsucht nach einem wahren, standhaften Konservativen, einem Anti-Romney, der seine Fahne nicht in den politischen Wind hält. Bislang sind alle Romney-Widersacher über ihre eigenen Unzulänglichkeiten gestolpert . Es ist darum eher unwahrscheinlich, aber gleichwohl nicht völlig ausgeschlossen, dass am Ende doch noch ein weiterer Bewerber in den Ring steigt, um Romney zu verhindern.

Jedenfalls gab in Iowa nur jeder vierte Republikaner dem wendehalsigen Romney den Vorzug, so wenige wie bereits vor vier Jahren, als er schon einmal republikanischer Präsidentschaftskandidat werden wollte.

Drei Viertel setzten ihr Kreuz hinter einen der sechs Konkurrenten. Und ebenso viele Stimmen wie Romney erhielt der bislang noch weitgehend unbekannte Rick Santorum. Noch vor einer guten Woche schrieb die New York Times , Santorum habe im Laufe seines gesamten Wahlkampfs niemals die Sonne gesehen.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Pragmatiker bringen unsere Welt nicht weiter,

Klimawechel, Energiewende, Wasser- und Nahrungsproblematik werden von Pragmatikern bestritten und verharmlost, oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen.

Wir sollten die wertvolle Zeit, die noch zur Korrektur bleibt, nicht weiter von religiösen Eiferern, Wirtschaftsjunkies und halbgebildeten Bin-ich-nicht-ein-toller-Hecht-Politikern vom Typ Romney verplempern lassen.

Alles was ich sagen kann ist

God help us.

Ich lebe zurzeit in Kalifornien. Meine Guete. Dieses Land... Wir habe die Wahl zwischen den verrueckten GOP Kandidaten oder Praesident Obama, der praktisch Bush lite ist. Hier hat man ueberhaupt keine Wahl.

Und achja, einige laute Amerikaner reden ja immernoch von Ron Paul. Vergessen Sie denn sofort. Er will das Sozialsystem komplett abschaffen mit der Hoffnung, dass sich alles irgendwie schon selbst bezahlen wird.

"Er will das Sozialsystem komplett abschaffen mit der Hoffnung,

dass sich alles irgendwie schon selbst bezahlen wird."

Hmn, nein. Das letzte was ich gelesen habe war, dass er jungen Menschen die vorerst die Möglichkeit geben will aus der gesetzlichen Vorsorge auszusteigen.
Auch wenn es natürlich richtig ist, dass gemäß dem libertären Ansatz die GESETZLICHE Sozialversicherung abgeschafft werden müsste, wenn man konsequent ist.

@#4:
"Um noch kurz auf Romney zu kommen: Ich finde ihn zumiondest Interessant.
In Massachusetts scheint er keinen schlechten Job gemacht zu haben und dies ist wahrlich kein Staat für Republikaner."

Wenn sie einen guten Job mit die Verschuldung des Staates um knapp 10% nach oben zu treiben gleichsetzen, dann hat er sicherlich einen guten Job gemacht...

Haben Sie für Ihre Aussage einen Beleg?

"Wenn sie einen guten Job mit die Verschuldung des Staates um knapp 10% nach oben zu treiben gleichsetzen, dann hat er sicherlich einen guten Job gemacht..."

Romney hat in seiner Amtszeit dafür gesorgt, dass es zu dem Abbau der Staatsschulden sowie einem Haushaltsplus kam.

"Through a combination of spending cuts, increased fees, and removal of corporate tax loopholes, by 2006 the state had a $600–700 million surplus."

http://en.wikipedia.org/w...

Mea culpa, es war doch "nur" Government spending.

http://klsouth.wordpress....

>>On his watch, state spending grew from $22.3 billion to $28.1 billion, an annual budget increase of 6.5% during his tenure. Romney’s spending record started off good, but like most politicians, it degraded over time.

During his first two years in office, the general fund budget grew at 0.1% and 4.1%, respectively. The next two years, however, spending skyrocketed. In FY 2006, spending jumped 7.6%, and in FY 2007, it grew a whopping 10.2%, hardly indicative of “fiscal conservatism. ”Overall spending increased 20.7%<<

Unwichtig

Obama wird die Wahl gewinnen. Vielleicht kann er sich diesmal mit seinen eigen Positionen durchsetzen ohne hinterlassene Finanzkrise und mal mit einer Mehrheit im Senat.
Rommney ist überfordert und gleichzeitig muss er den Spagat zwischen verrrücktem Evangelikalem und moderatem All American schaffen.
Das ist aus meiner Sicht kaum möglich ohne für die eine oder andere Seite als Lügner da zu stehen. Vor allem wenn die Obama Kampagne erstmal in Rollen kommt und Romneys 200 Positionswechsel zu wichtigen Themen aufarbeiten wird.

Der Mann ist wirklich der Inbegriff einer Marionette für die Industrie. Finanz oder Rohstoffe.

Der Mann hat ein Privatvermögen von ca. 200 Millionen. hauptsächlich durch Spekulation bzw. Anlageinvestment verdient.
Lieber Obama als so einen Bittsteller der 1%.

Es wäre schön wenn die ZEIT sich in den kommenden Wochen mal mit Romneys Laufbahn beschäftigen würde. Es ist dokumentiert wie wenig Rückrad dieser Mann hat. Ganz davon abgesehen das er die LEute mit seinem WEchsel bzgl. Kernpositionen für dumm verkauft.

Ich weiß, das Obama auch nicht alles eingehalten hat was er versprochen. Das zeigt mir nur wie kaputt das System ist. WEnn er wieder gewinnt schaffen es vielleicht auch mal die Reps davon abzurücken sämtliche Politik nur zum Schutz und Vorteil der Reichen zu machen.
Die Themen wie Abtreibung und Schwulenehe sind nur dafür da um Alte,Idelogen und Rednecks auf die eigene Seite zu ziehen. Milliardären ist das egal.

Obama hat eine Mehrheit im Senat

Im Senbat verfügt die Demokratische Partei über 51 Sitze; die Republikaner nur über 47. 2 Senatoren sind unabhängig was die Parteizugehörigkeit angeht. Diese Stimmen jedoch meistens mit den Demokraten.

Die Demokraten haben keine Mehrheit im Repräsentantenhaus mehr.

Um in den USA ein Gesetz zu verabschieden ist eine Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat, sowie die Unterschrift des Präsidenten erforderlich.

Um noch kurz auf Romney zu kommen: Ich finde ihn zumiondest Interessant.
In Massachusetts scheint er keinen schlechten Job gemacht zu haben und dies ist wahrlich kein Staat für Republikaner.

Keine Haarspalterei, bitte...

> "Obama hat eine Mehrheit im Senat
> Im Senbat verfügt die Demokratische Partei über 51 Sitze; die Republikaner nur über 47. 2 Senatoren sind unabhängig was die Parteizugehörigkeit angeht. Diese Stimmen jedoch meistens mit den Demokraten."

Wie Sie im Absatz danach ja selbst schreiben, bedürfen Gesetze der Zustimmung der *kompletten* Legislative aus Senat und Repräsentantenhaus. Dass es dem Kommentator, den Sie korrigieren, eben darum ging, geht aus dem Kontext zweifellos hervor.

Weiterhin sollten wir nicht den Fehler begehen, europäische Verhältnisse auf die USA zu übertragen. Die Parteien oder gar der Präsident haben keinerlei wirksame Disziplinierungsinstrumente gegenüber "ihren" Abgeordneten; Obama kann sich auch auf die Unterstützung einer knappen demokratischen Mehrheit nun mal nicht verlassen.

Ok keine Haarspalterei

Sie haben natürlich schon Recht. Jedoch sollte man in politischen Systemen aus Feinheiten achten.

Es stimmt natürlich, dass die amerikanischen Politiker sich bei Abstimmungen eindeutig freier Verhalten als europäische Abgeordnete.
Jedoch haben auch die amerikanischen Parteien Möglichkeiten auf die Fraktionsdisziplin zu achten. Dazu haben die Fraktionen ja ihre Whips.

Und wenn man auf die letzte Zeit, vorallem in Bezug auf den Haushalt, achtet, so sieht man eine sehr starke Fraktionsdisziplin.

Aber ich verstehe durchaus ihren Punkt und gebe ihnen auch in großen Teilen Recht.

Whips...

> "Jedoch haben auch die amerikanischen Parteien Möglichkeiten auf die Fraktionsdisziplin zu achten. Dazu haben die Fraktionen ja ihre Whips."

Nur haben die amerikanischen Whips - im Gegensatz zu ihren britischen Pendants oder auch deutschen Fraktionschefs - außer in Einzelfällen eben keine effektive Möglichkeit, um diese Disziplin zu erzwingen, da die Kandidaten sich quasi selbst nominieren und ihre (auch parteiinternen) Wahlkämpfe selbst organisieren und finanzieren können/müssen. Da die beiden großen Parteien sowohl organisatorisch als auch ideologisch viel lockerere Bündnisse darstellen, wäre selbst eine Drohung mit einem Ausschluss kein wirksames Mittel. (Aber wenn wir uns grundsätzlich einig sind, brauchen wir diese Feinheiten ja nicht zu vertiefen. :)) Die geringere Abhängigkeit von einer Parteihierarchie bedingt aber zugleich eine größere Abhängigkeit von den Stimmungen der eigenen lokalen Wählerbasen, in denen die bloße Wahl Obamas nahezu sofort zu einer starken Mobilisierung der Rechten geführt hat - und das ist eben das größte Problem, das Obama am "Durchregieren" und an der Erfüllung wesentlicher Wahlversprechen gehindert hat. Darauf wollte der erste Kommentator hinweisen, wenn ich ihn/sie richtig verstanden habe.

Danke für den Hinweis

aber letztendlich kann ein Präsident nur frei regieren wenn er eine Mehrheit in beiden Kammern hat. Daher ist mein Punkt der selbe. Die Republikaner haben mit Hilfe einiger konservativer Demokraten vieles von Obamas Programm verhindert.

Zu Romney: Sie müssen auch sehen wer der Mann ist. Wem gegenüber ist er verpflichtet. Romney ist der Kandidat des Establishments. Man konnte während seinem Wahlkampf bisher sehr gut sehen wie er von seinen Positionen aus den Zeiten als Governeur abrücken muss weil er sonst den Right Wing nicht gewinnen kann. Abgesehen davon ist er letztendlich ein WallStreet man. Hinzu kommt das er vom städtischen urbanen Leben und dem Leben armer Leute absolut keine Ahnung hat. In Diskussionen antwortet er mit auswendig gelernten Phrasen seiner Berater. Er ist ein profilloser Wendehals ohne Prinzipien und ist mit den großen der Börse per du.
Angesichts der aktuellen Probleme der USA ist er sicherlich keine gute Wahl. Ganz davon abgesehen, das mit einem republikanischen Präsidenten der Iran Krieg wahrscheinlich sicher ist. Israel würde wieder deutlich mehr hofiert werden und würde wahrscheinlich die Bodenhaftung verlieren.
Weltweite Finanzreformen würden niemals stattfinden.

Es gibt noch so viele weitere wichtige Themen die mit "Präsident" Romney einfach vergessen werden würden.

Ich möchte sehen was Obama schafft wenn er frei regieren kann. Den Senat wird er im nächsten Jahr zurückholen.

Völlig falsch

"Es stimmt natürlich, dass die amerikanischen Politiker sich bei Abstimmungen eindeutig freier Verhalten als europäische Abgeordnete."

In den USA ist das System noch ausgehöhlter als in Europa. Dort liegt die Loyalität der Abgeordnten nicht bei ihrer Partei sondern ihrem Geldbeutel. Das ist der Kernfehler des ganzen Systems bzgl. aller öffentlichen Ämter in den USA.
Wenn man über amerikanische Politik diskutiert sollte man das schon berücksichtigen.
Auf dieser Problematik basiert das Occupymovement.
Eine Kampagne muss selbst finanziert werden. Daher braucht man Geldgeber. Ob CountySheriff, Richter, Senator, Governeur oder Präsident. Deshalb versuchen auch die Abgeordneten in den USA immer in die Komitees für Energie und Finanzen rein zu kommen. Dort gibt es das meiste Schmiergeld. Entweder werden die Staffer eines Politikers mit Jobangeboten gelockt damit sie ihren Boss beeinflussen oder dieser wird direkt über Kampagnenfinazierung oder zukünfitge Jobs bestochen.
Warum wurden denn sonst wieder die Bush Tax Cuts verlängert und beim großen Sparpaket die Subventionen für Banken und Rohstoffhändler nicht angefasst.

Ich frage mich immer, was...

...denn das "us-amerikanische System" mit Politik, Vernunft und Demokratie zu tun hat!?

Wohl nicht viel?!

Diese ganzen Figuren, die die sogenannten Republikaner "aus dem Hut zaubern", haben weniger Intellekt und Entscheidungsfreiheit als ein "CSU-Bauernpolitiker" aus der tiefsten Provinz...ein groteskes Schauspiel!