FlüchtlingeIraks ungeliebte Exil-Iraner

Schwer bewacht und verhasst: Iraks Regierung will 3.400 iranische Regimegegner ausweisen. In die Heimat können sie nicht mehr. Die UN versuchen zu helfen. von 

Irakische Sicherheitskräfte bewachen Camp Ashraf

Irakische Sicherheitskräfte bewachen Camp Ashraf  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Zukunft der iranischen Volksmudschaheddin im Irak ist eines der größten ungelösten Probleme, die die Amerikaner nach ihrem Abzug hinterlassen haben: Die Regierung von Premierminister Nuri al-Maliki will die Regimegegner aus dem Nachbarland mit aller Macht loswerden, nennt sie Terroristen und geht brutal gegen sie vor. Saddam Hussein hatte ihnen während des Krieges mit dem Iran Zuflucht gewährt und sie mit Waffen versorgt; bei der Mehrheit der Iraker sind sie seitdem ohnehin verhasst. Im heutigen Machtgefüge des Landes, das unter Maliki um gute Beziehungen zu Iran bemüht ist, begegnen ihnen Misstrauen und Feindseligkeit. Ihren Zufluchtsort Camp Ashraf nahe der Grenze, in dem viele der Volksmudschaheddin seit Jahren leben, wollte al-Maliki bis Ende 2011 schließen und die ungeliebten Gäste ausweisen – auch auf zunehmenden Druck der Machthaber in Teheran . Die UN bemühen sich nun intensiv um eine Lösung und wollen eine Aufnahme in Drittländern ermöglichen.

Auflösung des Lagers auf Ende April verschoben

Derzeit blicken im Camp Ashraf, das man sich als eine Art Stadt vorstellen muss, rund 3.400 Menschen in eine ungewisse Zukunft. Ein Teil von ihnen gehört nicht der durchaus militanten Oppositionsbewegung der Volksmudschaheddin an, sondern ist in jüngerer Zeit vor den Repressionen des iranischen Regimes in den Irak geflohen. Die meisten sind jedoch organisiert, manche haben sich der Gruppe von anderen Staaten aus angeschlossen. Nur auf Druck der internationalen Gemeinschaft ließ sich die irakische Regierung im Dezember darauf ein, die Auflösung des Lagers bis April zu verschieben .

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Die Amerikaner hatten es bis zu ihrem Abzug versäumt, eine dauerhafte Lösung für die Umsiedlung der Camp-Bewohner zu schaffen. Die Volksmudschaheddin, die gegen das iranische Regime kämpften und Hussein im Irak bei der Niederschlagung von Aufständen unterstützt haben sollen, hatten sich von ihnen entwaffnen lassen; im Gegenzug schützten amerikanische Soldaten das Lager. Als die USA 2009 die Verantwortung für Camp Ashraf an die irakische Regierung abgaben, war schnell klar: Die Regierung Maliki will die Bewohner loswerden – daraus hat sie nie ein Geheimnis gemacht.

Ohne internationalen Druck ist diese nicht zimperlich bei der Wahl ihrer Mittel. Ihr brutales Vorgehen gegen die ungeliebten Exilanten begründet sie damit, dass die Volksmudschaheddin Iran auf der Liste von Terrorgruppen der US-Regierung stehen. Schon als im Sommer 2009 erstmals irakische Sicherheitskräfte in das Lager einmarschierten , kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen Menschen starben. Zuletzt versuchten im April des vergangenen Jahres irakische Soldaten, Teile des Camps unter ihre Kontrolle zu bringen; wieder gab es Tote und Hunderte Verletzte .

Mehrfach flogen Granaten auf das Lager

Heute leben die Menschen in dem Lager nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen in einem permanenten Belagerungszustand und sind der Willkür der irakischen Sicherheitskräfte ausgesetzt. Es beginnt schon damit, dass sie bis vor Kurzem Tag und Nacht von unzähligen Lautsprechern beschallt wurden. Auch sollen die Bewacher versuchen, die Kommunikationswege der Bewohner mit der Außenwelt zu stören.

Nach Informationen von Amnesty International geht die Kontrolle so weit, dass Verletzte oder Bewohner, die an chronischen Krankheiten leiden, daran gehindert wurden, das Lager zu verlassen, um bessere medizinische Hilfe zu erhalten. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser ist zudem schwierig; Konvois werden immer wieder aufgehalten. Mehrfach sind Granaten auf das Lager geflogen, viele Iraker stehen den früheren Handlangern Saddam Husseins feindlich gegenüber.

Leserkommentare
  1. "...bei den mehrheitlich schiitischen Irakern sind sie als Sunniten ohnehin verhasst."

    Das ist falsch. Es ist der Irak, der mehrheitlich aus Sunnis besteht und der Iran, der von Schiiten dominiert wird. Der Satz müsste also heissen "...bei den mehrheitlich sunnitischen Irakern sind sie als Schiiten ohnehin verhasst."

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    • Bashu
    • 25. Januar 2012 11:05 Uhr

    Der Artikel ist korrekt. Iran und Irak bestehen mehrheitlich aus Schiiten. Saddam Hussein hat als Sunnit eine Minderheit "vertreten", ebenfalls wie al-Assad als Alewit.

  2. "bei den mehrheitlich schiitischen Irakern sind sie als Sunniten ohnehin verhasst". Laut Wikipedia sind über 60 % der irakischen Bevölkerung Schiiten und zwischen 32 und 37 % Sunniten. In Iran sind 89 % Schiiten und 9 % Sunniten. Die Iranischen Volksmudschaheddin sind auch Schiiten.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Modschahedin%E2%80%93e_Chalgh
    Bitte richtigstellen.

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    Redaktion

    Lieber Tobitober,

    Sie liegen natürlich völlig richtig: Sowohl die Mehrheit der Iraker sind Schiiten, als auch die Volksmudschaheddin, zumindest in weiten Teilen. Die Stelle im Text habe ich deshalb geändert. Vielen Dank für den Hinweis.

    Beste Grüße,

    Carsten Luther

    • colca
    • 25. Januar 2012 10:57 Uhr

    "Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser ist zudem schwierig; Konvois werden immer wieder aufgehalten. Mehrfach sind Granaten auf das Lager geflogen,"

    Mein Gott, das sind ja Verhältnisse wie in Gaza!

    Dies Volksmudschaheddin sind doch amtlich anerkannte Terroristen. Warum haben die Amerikaner sie dann nicht mit nach Guantanamo genommen, dort wollen sie doch unbedingt Terroristen internieren? Die derzeitigen Insassen sind jedenfalls mehrheitlich unschuldig.
    Aber das ist wieder typisch USA. Erst ohne Sinn und Verstand einen Krieg vom Zaun brechen, das Land ruinieren und am Ende ohne Konzept und Friedenslösung abhauen und die Kollaborateure in der Patsche sitzen lassen. Davon können die ehemaligen HiWis der Amerikaner in Vietnam ein böses Lied singen. Auch die Hilfstruppen in Afghanistan können sich schon mal warm anziehen - wenn die GI's abziehen, bleiben sie zurück und werden wahrscheinlich das übliche Kollaborateursschicksal erleiden.

    Jedenfalls ist den Irakern nicht zuzumuten, dass sie Tausende Terroristen im Land dulden. Sie vergiften die Beziehungen zum wichtigsten Nachbarn und haben das Blut etlicher irakischer Schiiten an den Händen.

    Vermutlich wird wieder irgendein pazifischer Zwergstaat einspringen, für einen schönen Batzen Kopfgeld aus Amerika.

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    Ein pazifischer Zwergstaat... oder unsere Bananenrepublik.

    • prete
    • 25. Januar 2012 10:57 Uhr

    ....man sollte die ideologische geschmeidigkeit sogenanter demokraten im imperialistengewand nicht unterschätzen.
    ob US "demokratieimporte" wie der CIA mann karzai in afghanistan wo er mit unterstützung der warlords und drogenbarone sein wenig demokratisches wirken entfaltet, ob demokratieimporte wie der rechtskräftig verurteilte grossbetrüger chalabi und der kinobomber allawi im irak....auch den iranern soll eine solche "demokratie zugemutet werden.
    bereits 2004 während der US besetzung des irak meldeten die medien nicht nur die "humanitäre" unterstützung der US terrorbekämpfer für eine eine terrorgruppe, sondern auch training und bewaffnung für dieselben auf einer irakischen militärbasis.
    während dessen gaben sich die politischen führer der terrororgasnosation (MEK) in washington die türklinge in die hand, um "beweise" für die iranischen bemühungen bez. einer a-bombe zu liefern.
    (als essenz wohl eine kopie von powells "hier sind die beweise für die furchtbaren MVW" show)
    WER will den iranern ein derartiges los zumuten?

    • Bashu
    • 25. Januar 2012 11:05 Uhr

    Der Artikel ist korrekt. Iran und Irak bestehen mehrheitlich aus Schiiten. Saddam Hussein hat als Sunnit eine Minderheit "vertreten", ebenfalls wie al-Assad als Alewit.

    Antwort auf "Fehlerteufel..."
  3. Hier ein 'Bussi-Bussi' Video mit Masoud Rajavi ( dem Chef des MKO-Kultes ) und dem Diktator Saddam Hussein.

    http://www.youtube.com/watch?v=Z7jRxd2vG0Y

    Nicht nur wurde die MKO von Saddam Hussein im Iran-Irak Krieg eingesetzt um Iraner im Iran zu vernichten und zu terrorisieren , auch wurde die MKO-Kult-Mitglieder zur Niederschlagung der innerirakischen Oppostion eingesetzt. (Kurden im Norden und Schiiten im Sueden des Irak)

    • jowanni
    • 25. Januar 2012 11:19 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/sc

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    Da wir mit Persischen Emigranten eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht haben ( siehe Sarazin ) können wir ihnen doch in Deutschland Asyl anbieten, wo ist das Problem ?

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