AtomstreitIran reagiert mit großen Drohgebärden auf US-Sanktionen

Irans Präsident Ahmadineschad hat auf neue Sanktionen mit Drohungen und Mittelstreckenraketen-Tests reagiert. Außerdem verkündete er einen Durchbruch im Atomprogramm. von afp, dpa und reuters

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad bei einer Rede in der Urananreicherungsanlage in Natans

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad bei einer Rede in der Urananreicherungsanlage in Natans  |  © dpa

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad hat eine entschlossene Reaktion seines Landes auf neue US-Sanktionen angekündigt . Iran werde "dem Druck seiner Feinde" entgegentreten, hieß es in einer Mitteilung des Staatschefs an die Notenbank, die auf der Internetseite der Präsidentschaft veröffentlicht wurde.

"Wir müssen das Volk und die Nation gegen Verschwörungen der Feinde verteidigen", schreibt Ahmadineschad darin weiter. Derzeit habe die iranische Wirtschaft im Übrigen "keine Probleme". Die US-Sanktionen betreffen insbesondere die Zentralbank in Teheran .

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Die Drohungen Ahmadineschads wurden durch eine Militäraktion Irans unterstrichen.

Iran testet Mittelstrecken-Raketen

Die Armee feuerte im Rahmen eines Marinemanövers nahe der Seestraße von Hormus eine Mittelstreckenrakete ab , wie der für die Übung zuständige Admiral Mahmud Mussawi laut Nachrichtenagentur Irna sagte. Die Rakete verfüge über "neueste Technologie" und sei in Iran "entwickelt und hergestellt" worden. Mussawi kündigte zudem an, dass die Marine am Montag zum Abschluss ihres am 24. Dezember begonnenen Manövers eine Sperrung der Meerenge von Hormus üben werde. Die Durchfahrt sämtlicher Schiffe solle so unmöglich gemacht werden, wenn die Islamische Republik dies beschließe.

Der Admiral sagte in diesem Zusammenhang jedoch auch, sein Land habe nicht die Absicht, die für Öltransporte wichtige Meerenge von Hormus dauerhaft zu blockieren. Am Dienstag hatte Irans Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi das noch anders ausgedrückt und eine mögliche Sperrung der Meerenge für Öltransporte angedeutet.

Zudem hatte Iran angekündigt, Langstreckenraketen zu testen. Diese könnten Israel und die US-Militärstationen im Nahen Osten erreichen. Die USA hatten trotz dieser Drohung am Samstag neue Sanktionen wegen des umstrittenen Atomprogramms Irans in Kraft gesetzt. Die Strafmaßnahmen treffen die iranische Wirtschaft empfindlich und sollen die Führung weiter unter Druck setzen. Die Europäische Union kündigte ihre Entscheidung über eine Ausweitung der Sanktionen für spätestens den 30. Januar an.

Gleichzeitig wurde auch bekannt, dass die USA ihre Verbündeten in der Golfregion mit weiteren Kampfjets und Abfangraketen ausstatten wollen. Die USA hatten angekündigt, eine Blockade der Meerenge von Hormus nicht hinnehmen zu wollen.

Nach den Mittelstreckenraketen-Tests am Neujahrstag verkündete Iran zudem einen weiteren Durchbruch im umstrittenen Atomprogramm.

Erstmals sollen Ingenieure des Landes nach eigenen Angaben einen atomaren Brennstab selbst gefertigt und getestet haben. Der Brennstab sei in einem Forschungsreaktor in Teheran eingesetzt worden, teilte die iranische Atomenergiebehörde nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Irna mit. Der kleine Leichtwasserreaktor war noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut worden. Der Teheraner Reaktor dient offiziell medizinischen Zwecken.

Die bisher dort eingesetzten Brennstäbe hatte das Land im Jahr 1993 aus Argentinien gekauft, die Vorräte sind inzwischen aber fast aufgebraucht. Der Reaktor arbeitet mit Brennstäben, in denen das Uran auf 20 Prozent angereichert ist. Bei diesem Anreicherungsgrad kann Uran nur zu zivilen Zwecken genutzt werden, erst ab mehr als 90 Prozent kann es zum Bau einer Atombombe verwendet werden.

Der Westen verdächtigt die iranische Regierung, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Israel und die USA haben deshalb auch Militärschläge gegen iranische Atomanlagen nicht ausgeschlossen.

Iran sendet zweideutige Signale

Noch am Samstag hatte Teheran sich bereiterklärt, die seit fast einem Jahr auf Eis liegenden Gespräche über das Atomprogramm wieder aufzunehmen . Brüssel reagierte vorsichtig. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton habe schon im Oktober an Chefunterhändler Said Dschalili geschrieben und bisher keine Antwort erhalten, hieß es.

Auch das  Auswärtige Amt zeigte sich zurückhaltend. "Diese Meldungen wurden aufmerksam registriert", sagte ein Sprecher. Es zählten nicht vage Ankündigungen, sondern nur konkrete nachprüfbare Taten. "Es liegt im eigenen Interesse Irans, endlich seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen und Transparenz beim Atomprogramm zu schaffen. Nur so können weitere Sanktionen vermieden werden", sagte der Sprecher.

Mit Blick auf die Lage am Persischen Golf insgesamt zeigte sich Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) besorgt, dass die verbale Eskalation in eine tatsächliche Eskalation mit unabsehbaren Folgen münden könnte.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, Uran könne erst ab mehr als 90 Grad Celsius für den Bau von Atomwaffen benutzt werden. Richtig muss es heißen: erst ab einem Anreicherungsgrad von 90 Prozent.

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Leserkommentare
    • xpeten
    • 01. Januar 2012 19:28 Uhr

    Der Druck der "Feinde" richtet sich nicht gegen den Iran selbst, sondern gegen das religiös-fundamentalistische und unterdrückerische Unrechts-Regime, welches von ihm Besitz ergriffen hat.

    13 Leserempfehlungen
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    leiden idR meist jedoch hpts. die betroffenen Völker und nur sehr indirekt die Regime.

    • joG
    • 01. Januar 2012 20:16 Uhr

    ....auf Klärung durch Inspektoren gerichtet. An Regime Change ist zwar gedacht. Dazu hat aber keiner Appetit. Die Risiken und Kosten wären zu hoch.

    Sie glauben doch ihre eigenen Worte nicht!
    Damals schon zur Zeit vor der islamischen Revolution hatte der Westen nichts Besseres zu tun als sich einzumischen - mit dem Resultat, dass genau das heutige Regime sich so etabliert hat wie es existiert.

    Heute wiederholt sich die Dummheit. Die Propaganda des iranischen Regimes unterstreicht nämlich nahezu exakt das Fehlverhalten des Westens, und das ist einem Wandel in der Politik nicht zuträglich. Anzumerken wäre beispielsweise, warum z.B. die USA und Israel ein Anrecht auf Atomenergie haben welches der Iran nicht haben soll. Zweitens: Soll es im Falle eines gewaltsamen Umbruchs genauso werden wie in Afghanistan, Irak? Als faktische Kolonien des Westens?
    Drittens: Die Sanktionen richten sich nicht gegen das Regime. Sie richten sich gegen Menschen, die lediglich im Iran leben und mit dem Regime nichts zu tun haben.

    Mehr Druck? Damit unterstützen sie nur die Radikalen in der Politik.
    Drohungen? Damit unterstützen sie nur die Meinung radikaler iranischer Generäle die die USA und Israel am liebsten ausgelöscht sehen...
    Noch mehr Kriegspropaganda? Damit mobilisieren sie lediglich das iranische Volk, sich gegen eine Kolonialisierung zur Wehr zu setzen.

    Das Problem heutiger Politik ist einfach, dass sie genau DIESES Verhalten so unterstützt. Der Ansatz zu einer Lösung dieses Problems hingegen sieht vollkommen anders aus.

    Was soll denn das sein?

    Nachdem die CDU/CSU/SPD die Linken seit zwei Jahren dazu nötigt, die DDR als ominösen "Unrechtsstaat" zu bezeichnen (das Wort gibt es nicht und es entbehrt auch jeden Sinnes) fängt nun die selbe Sch... auch an anderer Stelle an?

    Sollten Sie tatsächlich irgendwelche Beweise fuer die fehlende Legitimation der Regierung haben, geben Sie diese einfach an eine Nicht-Regierungs-Organisation weiter, die international Wahlen beobachtet. Ich glaube mich erinnern zu können, dass die Regierung Achmadinedschad, so schmerzhaft und verwunderlich das auch ist, legitim gewählt wurde.

    Aber bitte nicht diese bescheuerten selbstgebauten Worthülsen. Damit kann man auf nem Parteitag punkten - aber für mehr reicht es nicht!

  1. Man fragt sich, was mit diesem Säbelrasseln (auch früher Kanonenbootpolitik genannt )erreicht werden soll.
    Warum lassen die Mullahs nicht die Urananreicherungsanlagen inspizieren und gut ist.
    Im Koran steht jedenfalls nichts darüber, dass man Atombomben bauen muss um politische Ziele zu erreichen.
    Bruachen die Mullahs einen Krieg um das Volk hinter sich wieder zu einen ? Die letzten Demos weisen ja darauf hin, dass es ihnen weggelaufen ist.

    8 Leserempfehlungen
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    "Warum lassen die Mullahs nicht die Urananreicherungsanlagen inspizieren und gut ist."
    Weil "die Mullahs" genau wissen, dass dann überhaupt nichts "gut" ist, sondern sie der kontinuierlichen Lüge und der Gefährdung des Weltfriedens überführt wären.

    "Warum lassen die Mullahs nicht die Urananreicherungsanlagen inspizieren und gut ist."
    Das haben sie längst getan. Darum gehts ja auch gar nicht, denn die Herstellung von Brennstäben und die Urananreicherung sind nunmal Teil eines jeden zivilen Atomprogrammes. Es geht um Vorwürfe, ein militärisches Atomprogramm zu unterhalten. Die IAEA hat bei ihren zahlreichen Inspektionen allerdings niemals Indizien dafür gefunden. Und jetzt die Preisfrage: Wie soll der Iran etwas ausräumen, für das es keine Anhaltspunkte gibt?

    Die "Eskalation" in ihrer Überschrift ist eindeutig auf Konto des Westen zu buchen.

    Iran HAT die Inspektoren ins Land reingelassen, mehrmals...

    http://www.haaretz.com/ne...

    http://news.antiwar.com/2...

    ...bloss einige Länder kamen mit immer neue Bedingungen und - wie Sie - absurde Vorwürfe.
    Iran hat auch über die Turkei und Russland Angebote gemacht, über diesen Weg angereichertes Uran zu importieren, statt selber herzustellen. Auch das wollte der Westen nicht.

    Wer diesen Krieg will und braucht, kann man aus der westlichen Geschichte lesen: immer wenn finanzielle Krisen im Westen wüteten, war die Zeit reif für neue Kriegen.

  2. Die Zeit der Diktaturen und der Diktatoren läuft - in der gesamten arabischen und islamischen Welt - ab. Das sollte die internationale Gemeinschaft der Demokratien und des Friedens auch Herrn Ahmadineschad klar machen.
    So oder so, aber auf jeden Fall sehr schnell.

    2 Leserempfehlungen
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    Zitat Anfang:
    Das sollte die internationale Gemeinschaft der Demokratien und des Friedens auch Herrn Ahmadineschad klar mache.
    Zitat Ende.

    Wen meinen Sie den mit dieser internationalen Gemeinschaft des Edelmuts?

    Alle (fast) Diktatoren dieser Welt haben als "Verbündete" der westlichen Demokratien begonnen, oder wurden sogar inthronisiert.

    Zu Feinden wurden die erst, als sie nicht mehr spurten!

    ...und wie gelangen Sie zu der Erkenntnis, dass aus der arabischen Revolution heraus Demokratien und nicht wieder, nur anders gefärbte "Mullah-Staaten" kreißen?

    Halten Sie letztendlich unser schönes, plebiszitär demokratisches Deutschland für ein solch "leuchtendes" Vorbild?

    Ein frohes neues Jahr.

    ...ist der Westen wirklich demokratisch, noch kann mit äußerem Druck ein demokratischer Wechsel sinnvoll stattfinden. Äußerer Druck stärkt idR ein Regime nach innen, liefert ihm billig Vorwände gegen Kritiker mit aller Härte vorzugehen. Will man dann noch einen Wechsel, muss man einen Krieg ala Irak und Afg. machen...

  3. Zitat: "....Bei diesem Anreicherungsgrad kann Uran nur zu zivilen Zwecken genutzt werden, erst ab mehr als 90 Grad Celsius kann es zum Bau einer Atombombe verwendet werden...."
    Hoffen wir mal, das die Iraner nicht auf die Idee kommen, das Uran aufzuheizen ;-))

    16 Leserempfehlungen
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    • -CKV-
    • 01. Januar 2012 22:25 Uhr

    ... wie genial :D

    Das zeigt das fehlende Grundwissen des Autors. Uran ein bisschen warm machen ... et voila ... die Atombombe. Klingt ja sehr logisch.
    Aber Prozent oder Grad Celsius das ist doch nur Haarspalterei, wenn man das in der Schule schon nicht verstanden hat.

    Redaktion

    Lieber Leser.

    Das ist in der Tat ein blöder Fehler. Das habe ich im Neujahrsdienst versehentlich in die Meldung hinein redigiert, da ich dachte, dass hier der Zusatz "Celsius" vergessen wurde - was in Wissenschaftsmeldungen häufiger vorkommt...

    An dieser Stelle ist es natürlich totaler Quatsch. Ich bitte um Entschuldigung.

    Herzliche Grüße.

    • docaffi
    • 01. Januar 2012 19:32 Uhr
    5. Iran!!

    "Iran werde "dem Druck seiner Feinde" entgegentreten, hieß es in einer Mitteilung des Staatschefs an die Notenbank, die auf der Internetseite der Präsidentschaft veröffentlicht wurde."

    Dann muss er konsequenterweise samt seiner Regierung und allen Mullahs zurücktreten, weil sie die größten Feinde Irans sind. Misswirtschaft und Korruption überschwämmt ja regelrecht das Land.

    5 Leserempfehlungen
  4. "Warum lassen die Mullahs nicht die Urananreicherungsanlagen inspizieren und gut ist."
    Weil "die Mullahs" genau wissen, dass dann überhaupt nichts "gut" ist, sondern sie der kontinuierlichen Lüge und der Gefährdung des Weltfriedens überführt wären.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Eskalation"
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    doch längst bekannt.
    Die Urananreicherung in Natans findet unter Beobachtung der IAEO statt.
    Die Kooperation mit der IAEO nützt leider dem Iran überhaupt nichts. Der Iran kann machen was er will -
    der Krieg ist beschlossene Sache. Und zwar nicht wegen
    des "Atomprogramms".
    Es geht auschließlich darum, unliebsame Regierungen zu
    beseitigen.

  5. 3 Leserempfehlungen
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    Ich weiss wirklich nicht worüber man sich so aufregt ! Die einzig wirklich überzeugenden Exportprodukte des Iran sind : Öl und Pistazienkerne !
    Militärgüter und angereichertes Kernmaterial gehören nicht zu seinen Produktportfolio ! Der Iran hat sukzessive seine Intelligenzia ausser Landes getrieben. Die dort verbliebenen Wissenschaftler sind unwillig oder 2. Wahl.Die anderen können nur beten !

  6. leiden idR meist jedoch hpts. die betroffenen Völker und nur sehr indirekt die Regime.

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