Die Europäische Union will den Iran mit aller Macht zu Verhandlungen über sein Atomprogramm zwingen. So ist das Öl-Embargo zu verstehen, das die EU am Montag gegen Teheran beschlossen hat. Danach dürften ab dem 1. Juli Rohöl und Ölprodukte aus dem Iran nicht mehr in die EU eingeführt, eingekauft, transportiert, finanziert oder versichert werden.

Die Sanktionen sind weit gefasst: Es sollen alle Konten der iranischen Zentralbank in Europa eingefroren werden, allein "legitime Geschäfte" sind in Ausnahmefällen "unter strikten Kontrollen" weiter erlaubt. Es gibt zudem Einreiseverbote für im Atomgeschäft tätige Iraner, bestimmte Technikprodukte dürfen nicht in den Iran geliefert werden, Schiffsfracht der iranischen Staatsreederei wird kontrolliert. Zudem wurden etliche weitere, zum Teil sehr einschneidende Sanktionen gegen das Land beschlossen.

Die vergangenen Sanktionsrunden gegen den Energie- und Finanzsektor Irans kamen dabei nur aus dem Westen, den USA und der EU. Vom UN-Sicherheitsrat , der seit 2006 in mehreren Runden Einschränkungen im Umgang mit Teheran beschlossen hatte, gab es jüngst keine mehr.

Umschwung im Drohszenario

Der Iran soll also wegen seines intransparenten Atomprogramms in die Enge getrieben werden – der nächste Schritt auf dem Weg zu einem Krieg in der nur 51 Kilometer breiten Wasserstraße von Hormus? Wohl nicht.

Zwar drohte der stellvertretende Vorsitzende des auswärtigen Parlamentsausschusses in Teheran, Mohammad Kossari, nach den EU-Beschlüssen, dass jegliche Störung des Transports iranischen Öls zur Sperrung der Straße von Hormus führen würde, was wiederum die USA aufgrund der Bedeutung der Wasserstraße nicht akzeptieren würden. Doch das von außen monolithisch wirkende Autokratenregime Iran ist vielschichtig und -stimmig.

Und es hat ein ausgeprägtes Überlebensgeschick entwickelt, was insbesondere an der regelmäßig wechselnden Rhetorik Teherans abzulesen ist. Angesichts der drohenden Sanktionen bot man vor ein paar Tagen an, die internationalen Atomverhandlungen wieder aufzunehmen. Ali Asghar Soltanieh, der den Iran bei der Organisation in Wien vertritt, sagte, der Iran sei offen für alle Themen, die die Delegation der Internationalen Atomenergieagentur ( IAEA ) bei ihrem kommenden dreitägigen Besuch Ende Januar diskutieren wolle.