AtomprogrammIran startet Urananreicherung in Bunkeranlage

In der unterirdischen Atomanlage Fordo wird hoch angereichertes Uran produziert – für den Westen eine Provokation. Außenminister Westerwelle droht mit Sanktionen.

Der Iran hat nach Angaben der Internationalen Atomenergieagentur IAEA damit begonnen, auf 20 Prozent angereichertes Uran herzustellen. Die Anreicherung finde in der 160 Kilometer südwestlich von Teheran gelegenen Bunkeranlage Fordo statt, teilte IAEA-Sprecherin Gill Tudor mit. "Das gesamte Atommaterial in der Anlage bleibt unter der Kontrolle und Überwachung der Agentur", sagte sie.

Irans Präsident Ahmadinedschad 2008 in der Atomanlage Natans

Irans Präsident Ahmadinedschad 2008 in der Atomanlage Natans

Die iranische Führung hatte die Inbetriebnahme der Urananreicherungsanlage in Fordo am Wochenende angekündigt. Die Existenz der lange geheim gehaltenen Anlage in einem unterirdischen Tunnelsystem hatte der Iran erst 2009 bestätigt. Fordo ist neben der Hauptanlage in Natans die zweite Anlage zur Anreicherung von Uran in dem Land. Die Atomanlage wurde in der Nähe der den Schiiten heiligen Stadt Ghom in einem Gebirgsmassiv errichtet. In ihr werden 3000 Zentrifugen betrieben.

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Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle bezeichnete die Anreicherung als einen "Schritt der weiteren Eskalation". Die Sorge der internationalen Staatengemeinschaft wachse, dass das iranische Nuklearprogramm militärischen Zwecken diene. Der Iran müsse seinen internationalen Verpflichtungen endlich nachkommen und die Urananreicherung sofort einstellen. Sonst seien "scharfe Sanktionen" nötig. Westerwelle zeigte sich zuversichtlich, dass auf dem nächsten Treffen der EU-Außenminister am 30. Januar neue und härtere Sanktionen gegen Ölexporte aus dem Iran beschlossen werden.

Zweifel an zivilen Zwecken

Auch der britische Außenminister William Hague verurteilte den Schritt Irans als "provokativen Akt". Das US-Außenministerium erklärte, falls der Iran tatsächlich Uran auf 20 Prozent anreichere, verstoße das Land erneut gegen seine internationalen Verpflichtungen. Der Westen verdächtigt das Land, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an Nuklearwaffen zu arbeiten. Die iranische Führung bestreitet das, kooperiert aber seit Jahren nicht ausreichend mit der Atomenergieagentur in Wien. Westliche Diplomaten wiesen darauf hin, dass eine Anreicherung auf 20 Prozent in einer tief verbunkerten Anlage zumindest für zivile Zwecke keinen Sinn ergibt.

Natürliches Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare Isotop 235. Zur Verwendung in Kernkraftwerken muss dessen Konzentration auf 2 bis 5 Prozent erhöht werden. Von hochangereichertem Uran spricht man bei 20 und mehr Prozent.

Staatschef Ajatollah Ali Chamenei betonte in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede, auch schärfere Sanktionen würden den Iran nicht von seinem Atomprogramm abbringen. "Die iranische Nation glaubt an ihre Führer. ... Die von unseren Feinden gegen den Iran verhängten Sanktionen werden keinerlei Einfluss auf die Nation haben", sagte der oberste politische und geistliche Führer des Iran.
 

 
Leserkommentare
    • Ricki2
    • 10.01.2012 um 9:17 Uhr

    Der Iran hat alle moralischen Rechte

    ... sich eine oder mehr Atomwaffen zuzulegen, weil wir ihn fast täglich bedrohen.

    Das einzige Verbrechen der Iraner ist, sich nicht den US Terroristen zu unterwerfen.

    Wäre ich Iraner, wäre ich dankbar, wenn meine Regierung alles tun würde um mein Land wehrhaft zu zeigen und meinem Land dadurch Mord, Totschlag, Folter und Zerstörung durch die US Terroristen zu ersparen.

    Wir sollten lieber Bush und seine Kriegsverbrecher einsperren, die nicht US gehorsamen Staaten mit ihrer Politik diese Politik geradezu aufgezwungen haben, von ihren Verbrechen gegen die Menschlichkeit einmal abgesehen.

    [...]

    Nutzen Sie die Kommentarbereiche bitte, um sachliche Argumente und Meinungen auszutauschen. Danke. Die Redaktion/ls

    11 Leserempfehlungen
  1. Es ist bisjetzt immer zu einer Massenpanik gekommen wenn sich ein Entwicklungsland dazu entschieden hat Atomwaffen zu basteln.

    Indien? Panik!
    Pakistan? Panik!
    China? Panik!

    Die wahre Panik ist die Tatsache, dass der Westen von nun an nicht mehr diese Laender so leicht mit Krieg drohen kann, wenn den einen oder anderen Ausbeutungsvertrag in der WTO nicht nicht zugestimmt wird.

    Ich wuenschte mir Europpa waere nicht so eine traurige Marionette, die andauernd versucht sich bei den USA, mit Gesten wie diese, einzuschleimen.

    9 Leserempfehlungen
  2. Der wahre Schrecken einer möglichen iranischen Atombombe besteht darin, dass westlichen Regierungen die militärische Handlungsoption zur Ausübung von (Ressourcen-)Kontrolle genommen wird. Das Land soll doch also bitte seine "Verpflichtung" zur Harmlosigkeit einhalten.

    6 Leserempfehlungen
  3. Er sei nicht in der Lage diese Massenvernichtungswaffe tatsächlich anzuwenden - meinen sie das mit 'Umgegehen können'? Iran wird den Befehl des praktischen Einsatzes, so wie die USA, nicht vollziehen? Oder wie Frankreich, Atollinseln und Mensch und Natur durch Testreihen nachhaltig verstrahlen? Ist das der 'richtige' Umgang mit einer Atombombe? Oder Fragen der Endlagerung. Wie Deutschland zeigt, dass diese hoch ungelöst sind? Oder Russland, die dann Kleinstmengen statt abzuwerfen zu Attentatszwecken benutzen?
    Oder eine nutzbringende Nachnutzung von Atommüll in bunkerbrechender Munition - auch dies zu entwicklen würde viel zu viel Zeit kosten und der Iran gefährde somit die Menschheit, weil sie einfach zu langsam sind?
    Es gab kürzlich eine Diskussion darüber, ob ForscherInnen ihre Erkenntnisse uneingeschränkt veröffentlichen sollten - es handelte sich um die Kreuzung von (ich glaube) Schweingrippe und BSE - bei Atomforschung ist es offenbar kein Problem, Geheimnisse zu haben.

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    • GDH
    • 11.01.2012 um 12:35 Uhr

    Sie schreiben "es handelte sich um die Kreuzung von (ich glaube) Schweingrippe und BSE".

    Nein, eine Kreuzung zwischen Virus (Schweingegrippe) und Prionen (BSE) hat wohl noch niemand versucht. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wie der fortpflanzungsfähige Organismus aussehen soll, der da rauskommt.

    Sie meinen wahrscheinlich die Experimente mit den Grippe-Virusstämmen H1N1 ("Schweinegrippe") sowie H5N1 (Vogelgrippe) - siehe z.B. hier http://www.zeit.de/wissen...

    Zur Sache: Tatsächlich wäre mir ohne Atomwaffen auf der Welt auch wohler. Allein schon um der Glaubwürdigkeit willen und um andere Staaten bzw. deren Führung und Bürger nicht zu demütigen sollten die westlichen Staaten mit gutem Beispiel vorangehen.
    Bislang ist keine Atommacht durch Krieg von außen untergegangen, weshalb wir die Bereitschaft, notfalls Atomwaffen einzusetzen nicht als getestet betrachten dürfen. In nicht-existenzbedrohenden Kriegen haben einige "alte" Atommächte aber schon gezeigt, dass sie bereit sind, Kriege verloren zu geben anstatt Atomwaffen einzusetzen (siehe z.B. Korea und Vietnam als US-geführte Kriege).

    • GDH
    • 11.01.2012 um 12:35 Uhr

    Sie schreiben "es handelte sich um die Kreuzung von (ich glaube) Schweingrippe und BSE".

    Nein, eine Kreuzung zwischen Virus (Schweingegrippe) und Prionen (BSE) hat wohl noch niemand versucht. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wie der fortpflanzungsfähige Organismus aussehen soll, der da rauskommt.

    Sie meinen wahrscheinlich die Experimente mit den Grippe-Virusstämmen H1N1 ("Schweinegrippe") sowie H5N1 (Vogelgrippe) - siehe z.B. hier http://www.zeit.de/wissen...

    Zur Sache: Tatsächlich wäre mir ohne Atomwaffen auf der Welt auch wohler. Allein schon um der Glaubwürdigkeit willen und um andere Staaten bzw. deren Führung und Bürger nicht zu demütigen sollten die westlichen Staaten mit gutem Beispiel vorangehen.
    Bislang ist keine Atommacht durch Krieg von außen untergegangen, weshalb wir die Bereitschaft, notfalls Atomwaffen einzusetzen nicht als getestet betrachten dürfen. In nicht-existenzbedrohenden Kriegen haben einige "alte" Atommächte aber schon gezeigt, dass sie bereit sind, Kriege verloren zu geben anstatt Atomwaffen einzusetzen (siehe z.B. Korea und Vietnam als US-geführte Kriege).

    • fanta4
    • 10.01.2012 um 9:29 Uhr

    "Das gesamte Atommaterial in der Anlage bleibt unter der Kontrolle und Überwachung der Agentur"

    So. Und wo ist jetzt das Problem?

    Außer das Amerika und England das Öl (wieder) haben wollen, dass unter dem Iran liegt.

    Welche Atom-Anlagen der USA sind eigentlich unter internationaler Kontrolle?

    Schließlich sind die USA die einzige Nation, die Atomwaffen gegen ein anderes Land eingesetzt haben.

    4 Leserempfehlungen
    • Panic
    • 10.01.2012 um 9:30 Uhr

    wenn man eine Atombombe auf ein Land wirft und drei Tage später, nach der verheerenden Sichtung noch einmal eine A-Bombe auf dieses Land wirft, dann frage ich mich, wer auf dieser Welt eine A-Bombe besitzen darf, und wer nicht.

    7 Leserempfehlungen
  4. "Die iranische Nation glaubt an ihre Führer. ... Die von unseren Feinden gegen den Iran verhängten Sanktionen werden keinerlei Einfluss auf die Nation haben"

    Weder Energiesorgen noch Sicherheitsinteressen sind der Grund für dieses Atomprogramm. Es geht der in Not geratenen "iranischen" Führung darum, das Volk hinter sich zu versammeln. Ob das gelingen wird, darf angezweifelt werden. Die Bevölkerung macht zunehmend das Regime für die schlechte wirtschaftliche Lage und die zunehmende Kriegsgefahr verantwortlich. Trotz Zensur sind die Iraner scheinbar aufgeklärter als manche unserer hiesiger Kommentatoren.

    Im Übrigen hat der Iran, mit einer 20%igen Anreicherung von Uran in Größenordnungen, die sich nicht mehr mit "medizinischen Zwecke" erklären lassen, die Atombombe bereits im Regal. Der größte Aufwand zur Anreicherung erfolgt bis 20%, eine weitere Anreicherung auf 90% ist nur noch ein kleiner Schritt. Der Rest ist Know How.

    Alle, die sich über Israel und die USA aufregen, könnten heute mal einen Sliwowitz auf Mahmud trinken.

    2 Leserempfehlungen
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    die weitere Produktion von A-Bomben zu verurteilen. Ich denke mir, dass jeder, der hier Iran in 'Schutz nimmt', nicht am Bau eine A-Bombe des Irans Interesse zeigt, dies befürwortet oder wirklich akzeptiert.
    Die Ungeheuerlichkeit alledings ist, dass zwar keine A-Bomben durch die Nato abgeworfen werden, dafür ab Munition mit abgereicherten Uran benutzt wird - in den verschiedenen Kriegen in verschiedenen Regionen. Diese Landstriche sind verseucht - Mensch und Tier reagieren mit genetischen Veränderungen (Missbildungen, Überlebensunfähigkeiten).
    Das einzige Problem, was hier vehement angesprochen wird ist, dass die einen Angst machen vor dem, dass Andere das Gleiche tun wie sie. Es ist eine Crux - denn natürlich soll der Iran die Bombe NICHT bauen und auch nicht dürfen. Der Vertrauensverlust in westliche Demokratien jedoch übersteigt dieses Angsszenarium. Wieso sollte man westlichen Demokratien in Hinblick auf die Nutzung von Atomtechniken vertrauen?

    die weitere Produktion von A-Bomben zu verurteilen. Ich denke mir, dass jeder, der hier Iran in 'Schutz nimmt', nicht am Bau eine A-Bombe des Irans Interesse zeigt, dies befürwortet oder wirklich akzeptiert.
    Die Ungeheuerlichkeit alledings ist, dass zwar keine A-Bomben durch die Nato abgeworfen werden, dafür ab Munition mit abgereicherten Uran benutzt wird - in den verschiedenen Kriegen in verschiedenen Regionen. Diese Landstriche sind verseucht - Mensch und Tier reagieren mit genetischen Veränderungen (Missbildungen, Überlebensunfähigkeiten).
    Das einzige Problem, was hier vehement angesprochen wird ist, dass die einen Angst machen vor dem, dass Andere das Gleiche tun wie sie. Es ist eine Crux - denn natürlich soll der Iran die Bombe NICHT bauen und auch nicht dürfen. Der Vertrauensverlust in westliche Demokratien jedoch übersteigt dieses Angsszenarium. Wieso sollte man westlichen Demokratien in Hinblick auf die Nutzung von Atomtechniken vertrauen?

  5. die weitere Produktion von A-Bomben zu verurteilen. Ich denke mir, dass jeder, der hier Iran in 'Schutz nimmt', nicht am Bau eine A-Bombe des Irans Interesse zeigt, dies befürwortet oder wirklich akzeptiert.
    Die Ungeheuerlichkeit alledings ist, dass zwar keine A-Bomben durch die Nato abgeworfen werden, dafür ab Munition mit abgereicherten Uran benutzt wird - in den verschiedenen Kriegen in verschiedenen Regionen. Diese Landstriche sind verseucht - Mensch und Tier reagieren mit genetischen Veränderungen (Missbildungen, Überlebensunfähigkeiten).
    Das einzige Problem, was hier vehement angesprochen wird ist, dass die einen Angst machen vor dem, dass Andere das Gleiche tun wie sie. Es ist eine Crux - denn natürlich soll der Iran die Bombe NICHT bauen und auch nicht dürfen. Der Vertrauensverlust in westliche Demokratien jedoch übersteigt dieses Angsszenarium. Wieso sollte man westlichen Demokratien in Hinblick auf die Nutzung von Atomtechniken vertrauen?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die Atombombe ist da."

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