Die Gefahr einer militärischen Konfrontation zwischen dem Iran und den USA  wächst. Diese Woche wurde bekannt, dass Teheran in einer neuen unterirdischen Anlage mit der Anreicherung von Uran begonnen hat. Befeuert wurde damit die Angst des Westens, das Land könnte den Bau einer Atombombe anstreben und diese Ambition auch in durchaus absehbarer Zeit verwirklichen.

Nach der jüngsten Verschärfung internationaler Sanktionen sieht sich der Iran zugleich immer weiter unter Druck gesetzt. Spätestens mit der seit Dezember bestehenden Drohung, die Straße von Hormus, eine wichtige Öl-Route, zu blockieren, hat sich das Regime allerdings in einen Konflikt manövriert, der nur noch schwer aufzulösen ist. Die USA sind geradezu eingeladen, darauf militärisch zu reagieren.

Das belegt auch die ungewöhnlich direkte Warnung von Präsident Barack Obama an den obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei. Obama ließ nicht öffentlich, aber dennoch vernehmbar mitteilen, eine Blockade der Straße von Hormus würde eine Antwort der USA provozieren. An einer weiteren Eskalation können weder die Iraner noch die Amerikaner ein Interesse haben. Doch die Optionen werden weniger.

Obamas Äußerung hat für den Konflikt eine neue Qualität

Die Drohkulisse der USA hat mit dem Schritt Obamas eine Stufe erreicht, nach der nicht mehr viel kommen kann. Die Rhetorik von der "roten Linie", die der Iran nicht überschreiten dürfe, ist zwar nicht neu – zumal das Land über die meisten der früher gezogenen Grenzen bereits ohne größere Konsequenzen hinaus ist. Aber auf dieser Ebene ausgesprochen kann man fast nur zu der Interpretation gelangen, die USA zielten auf einen gewaltsamen Regimewechsel im Iran hin.

Beide Länder sind nicht auf Krieg aus, auch wenn es in Washington Beobachter und Berater gibt, die schon lange mit der militärischen Option liebäugeln. Doch im Grunde haben die USA nun selbst eine rote Linie überschritten und vorerst jede Chance vertan, mit dem Iran wieder ins Gespräch zu kommen. Das Misstrauen des Regimes gegenüber dem Westen sitzt tief: Je mehr die USA den Iran in die Ecke drängen, desto wichtiger wird aus Sicht Teherans das Ziel, über Atomwaffen zu verfügen.

Sanktionen verfestigen antiwestliche Ressentiments

Auch die neue Härte bestehender und geplanter Sanktionen wird nicht geeignet sein, dieses Dilemma aufzulösen. Sie verschärfen nur noch die gefühlte Verwundbarkeit des Iran und verfestigen antiwestliche Ressentiments, auch weil sich die Auswirkungen so bequem dem westlichen Feind in die Schuhe schieben lassen. Sie sind eine willkommene Verschleierung eigener wirtschaftlicher Fehlleistungen. Wichtiger noch: Der Westen, vor allem Amerika , begleitet die Sanktionen nicht nachdrücklich genug mit dem Versuch, in irgendeiner Form mit dem Regime zu verhandeln. Welche Bedingungen der Iran konkret erfüllen müsste, um die Sanktionen abzuwenden oder rückgängig zu machen, bleibt außerdem nicht nur am Golf unklar; ganz offensichtlich weiß es der Westen selbst noch nicht so genau.

 Doch wo ist die finale rote Linie?

Die iranische Führung erklärte sich zuletzt durchaus wieder gesprächsbereit, was in Washington ganz optimistisch vor allem als Beweis dafür gesehen wird, dass der zunehmende Druck Wirkung zeigt. Doch lange bevor der Streit um das Atomprogramm wieder am Verhandlungstisch ausgetragen wird, ist klar: Die Luft wird vergiftet sein.

Es lässt sich nur schwer einschätzen, wie ernst es Iran damit meint, die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer zu blockieren, und genauso schwer, wo für die USA wirklich eine rote Linie liegt, deren Überschreiten ein wie auch immer abgestuftes militärisches Eingreifen unausweichlich machen würde. Der Tod eines iranischen Nuklearforschers durch eine Autobombe in Teheran und das iranische Todesurteil gegen einen angeblichen US-Spion haben allerdings ihren Teil dazu beigetragen, beide Seiten tiefer in eine gefährliche Sackgasse zu führen.

Unterdessen gehen die Muskelspiele weiter: Die Amerikaner entsenden zusätzliche Flugzeugträger ins Arabische Meer, angeblich eine Routinemaßnahme ohne Bezug zur aktuellen Entwicklung. Die Hardliner in Teheran reiben sich vermutlich die Hände. Vor dem Hintergrund bevorstehender Parlamentswahlen im März spielt ihnen die Provokation der USA in die Karten. Inflation, Arbeitslosigkeit und wachsender Unmut der Bevölkerung gegenüber dem Regime wie auch innerhalb der politischen Elite – der Iran ist tief gespalten. Der Kampf gegen eine gemeinsame Bedrohung soll einmal mehr die Risse in der Gesellschaft kitten.