Teheran : Iranischer Atomforscher stirbt bei Bombenanschlag

In Teheran ist ein Universitätsprofessor bei einem Attentat ums Leben gekommen. Er ist nicht der erste iranische Nuklearforscher, der durch einen Anschlag starb.

Bei einer Bombenexplosion in der iranischen Hauptstadt Teheran ist ein Wissenschaftler der Sharif-Universität getötet worden. Ein Motorradfahrer habe eine Haftbombe an dem Fahrzeug des Professors befestigt, berichtete die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars. Zwei weitere Insassen des Wagens seien bei der Detonation verletzt worden. Das Auto sei in der Nähe der Universität detoniert, der Hintergrund der Tat war zunächst unklar.

Ein Sprecher der Sharif-Universität sagte, Mostafa Ahmadi Roshan sei Chemiker gewesen und habe an wissenschaftlichen Projekten gearbeitet. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al Jazeera war Roshan Leiter einer Abteilung in der Urananreicherungsanlage von Natans. In den vergangenen Jahren hatte es in Teheran mehrere Anschläge auf Wissenschaftler gegeben, die in der Atomforschung tätig gewesen sein sollen. So wurden 2010 und 2011 drei Forscher bei Autobombenanschlägen getötet. Mindestens zwei von ihnen arbeiteten am iranischen Atomprogramm.

Teherans Vize-Gouverneur Safar Ali Bratloo beschuldigte Israel , hinter dem Anschlag zu stecken. "Israel ist für dieses Attentat verantwortlich, die Methode gleicht denen, die bei anderen Anschlägen auf iranische Wissenschaftler angewendet wurden", sagte er laut einem Bericht des iranischen Fernsehsenders Al-Alam. Das Land wolle den Iran vor der Präsidentschaftswahl im März destabilisieren, sagte der stellvertretende Gouverneur nach Informationen von Al Jazeera.

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Kommentare

278 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Oder aber...

...es ist eine Propagandaaktion seitens Iran, was durchaus auch denkbar wäre, um das sowie schon angespannte Klima weiter zu vergiften.

Man sollte immer vorsichtig mit Informationen sein, die von Parteien stammen, die zumindest in kriegerischer Absicht stehen. Und um fair zu sein, von allen Parteien.

Wer auf ein Wespennest klopft, muss sich nicht wundern gestochen zu werden. Das gilt für die USA und Israel, als auch für den Iran und alle anderen beteiligten Parteien.

Gesunder Menschenverstand

Mein gesunder Menschenverstand zeichnet sich aber eher dadurch aus, aus Glauben und Spekulation keine Fakten zu gewinnen, auch wenn diese augenscheinlich "auf der Hand liegen".

Der einzige wirkliche Fakt ist, dass derzeit sowohl Iran, als auch Israel, als auch die USA kein Interesse an einer friedlichen Lösung haben und ihre Grenzen mehr als ausreizen. Wohin das führen wird, dass zeigt die Zukunft.

Und mein gesunder Menschenverstand...

"...Mein gesunder Menschenverstand zeichnet sich aber eher dadurch aus, aus Glauben und Spekulation keine Fakten zu gewinnen, auch wenn diese augenscheinlich "auf der Hand liegen"...."

... zeigt sich recht erstaunt darüber, wie locker flockig die Verschwörungstheorie doch von der Hand geht, wenn es nur die "Richtigen" trifft. Ich will nicht wissen, wieviele derjenigen, die hier nun einen auf Bedenkenträger machen und vor "voreiligen Schlüssen" warnen, noch vor wenigen Monaten die felsenfeste Überzeugung vertreten haben, dass ein Komplott zwischen einer iranischen Eliteeinheit, einem texanischen Gebrauchtwagenhändler und der mexikanischen Drogenmafia zwecks Ermordung des saudischen Botschafters in Washington geschmiedet wurde. Das beziehe ich jetzt nicht unbedingt auf Sie, so Sie denn Ihre Vorsicht auch bei Fällen und Vorkommnissen mit umgekehrten Vorzeichen gleichermaßen walten lassen, was ich zwar nicht beurteilen kann, aber zu Ihren Gunsten mal annehme.

Nun, dass Problem ist...

...dass ich kein Vorzeichen erkennen kann, in diesem Fall, aber auch in vielen anderen Fällen, in den schnell darauf geschlossen wird, wer, wieso, weshalb und wie schuld hat, die Faktenlage alles offen lässt.

Außerdem würde sich mein Weltbild weder verschlechtern, noch verbessern, unabhängig ob nun Iran, Amerika, Israel, ja sogar die Schweiz den schwarzen Peter zieht; zumindest nicht solange es überhaupt einen schwarzen Peter gibt.

Kollateralschaden

In welchem Land die Drahtzieher dieser Anschläge höchstwahrscheinlich zu finden sind und welche Zielsetzung dahinter steckt, setzt ja nun nicht viel Einfallsreichtum voraus. Man stelle sich vor, welche Reaktionen es hervorrufen würde, wenn die Vorzeichen umgekehrt wären - wenn der Iran, der sowieso schon unter pauschalen Terrorverdacht gestellt wird - in westlichen oder westlich orientierten Ländern Leute umbringen würde. Empörung! Provokation! Aufruf zum Krieg! Aber so - sind ja Freunde, die offenbar für eine gute Sache Zivilisten umbringen.

Atomwissenschaftler setzen keine Atombomben ein

Schon rein definitorisch ist er selbstverständlich ein Zivilist. Seit wann sind diejenigen, die Waffen herstellen, keine Zivilisten? Dann wären z.B. auch alle Heckler & Koch - Angestellten keine Zivilisten. Jeder, der irgendwie mit einer Technologie zu tun hat, die primär als Waffe verwendet werden kann, wäre dann kein Zivilist. Die Teilnahme an Kampfhandlungen ist doch das entscheidende, nicht die Herstellung und Ausstattung mit Gegenständen, die als Waffer verwendet werden können. Wenn wir diese Unschärfe einziehen lassen, können wir auch gleich das Konzept der Zivilgesellschaft abschaffen. Dass ein Atom(bomben-)wissenschaftler als Zivilist zu gelten hat, steht für mich daher außer Frage. Eine andere Sache ist dagegen die moralische Bewertung seiner Tätigkeit. Das muss man nicht gut finden. Man kann es sogar abscheulich finden. Aber daraus ergibt sich natürlich noch lange keine Rechtfertigung zum Töten - insbesondere dann, wenn es nicht mal eindeutig bewiesen ist, dass überhaupt ein AtomWAFFENprogramm stattfindet. Aber auch das würde selbstverständlich keinen Mord rechtfertigen. Schon gar nicht auf fremden Staatsgebiet und entgegen sämtlicher Rechtmäßigkeit. Der Anschlag ist durch überhaupt nichts zu rechtfertigen - außer durch die abartige Doppel- und Amoral westlicher Politiker.

Zivilisten und Kombattanten

"Ist er ein Zivilist?"
Das brauchen Sie nicht zu erfragen - es ist ein Fakt. Oder halten Sie alle Menschen, die direkt oder indirekt in der Rüstungsindustrie arbeiten für Kombatanten.
Einmal mehr wundere ich mich über Ihre Wertungsmaßstabe. Bewaffnete, zum Teil sogar uniformierte, in jedem Fall jedoch klar als solche erkennbare Widerständler und Aufständische im Irak und Afghanistan verweigern Sie im Einklag mit der US-Regierung den Kombattantenstatus und erfinden au heiterem Himmel einen Neuen, um die Verschleppungen und Folterungen zu rechtfertigen.
Bei einem - natürlich - iranischen Wissenschaftler zweiflen Sie jedoch an, dass er Zivilist ist und entsprechend einene besonderen Schutz genießt, nur weil er womöglich in der Rüstungsindustrie arbeitet?
Man stelle sich mal Ihr Geschrei vor, wenn jemand behaupten würde, amerikanische Wissenschaftler in der Rüstungsindustrie seien keine Zivilisten und damit legitime Ziele.

Ist denn schon Krieg?

Oder darf man jetzt einfach so Leute umbringen weil sie ja keine Zivilisten sind?

Wer ist denn kein Zivilist? Die Familie der Opfers? Immerhin unterstützt sie ja den Familien Vater und hilft ihn sich zu entspannen. Also legale Ziele?

Freunde? Nachbarn? Alle im Gebäude? Der ganze Bezirk? Die Stadt??

Ich dachte das wir derartiges hinter uns gelassen haben. Aber ich habe mich wohl geirrt.

PS: Waffenexperte und Atom Experte gleichzusetzen ist schon beeindruckend.
Mein Onkel arbeitet in einem Labor ist er deshalb Experte für Chemische Kriegsführung?

Absolut richtig.

Stimme ihnen 100% zu.
Wenn man so anfängt dauert es nicht lange und man Bombardiert wieder Städte da die Bewohner in irgendeiner weise mit der Rüstungsindustrie zu tun haben könnten.
Angefangen weil der Bäcker, dem Hausmeister des Atomwissenschaftlers, ein Brot verkauft hat.
Also muß der Bäcker Sterben?

Schon beängstigend wie schnell jemand bereit ist alte Schrecken wieder heraufzubeschwören. Weil Regeln nur für die Bösen gelten.
Aber man selbst sich für Moralisch überlegen hält.

Zivilist?

" Sie stellen da eine gute Frage.....
.....nach dem Status eines Waffenexperten, der an Atomwaffen arbeitet. Ist er ein Zivilist? "

Was ist mit den fragwürdigen Informatiker-Gestalten in Deutschland die beruflich jene Überwachungs- und Unterdrückungssoftware designen die im Iran, Saudi Arabien, etc.. eingesetzt wird?
Legitime Ziele?
Allein eine Brandstiftung an deren Privat-PKW würde die Innenpolitik schon in wilde Panik versetzen und von "völlig neuen Dimensionen des Terrorismus" faseln lassen...

Oder denken sie an das Medienecho der sogenannten "Briefbombe" für Ackermann...

Ted Kaczinsky hat auch allerlei mögliche "Waffenexperten" ins Visier genommen und sitzt dafür für den Rest seines Lebens in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Eine Rechtfertigung zum Töten gibt es nie und in keinem Falle

Da stimme ich Ihnen zu.
Gleichwohl halte ich die Arbeit an Atombomben, wie die an Waffen generell, für verwerflich.

Hinsichtlich der Frage, ob in einem Krieg die Rüstungsproduktion und die mit ihr assozierten Personen als Zivilisten zu bewerten sind oder nicht, wäre ich mir jedoch nicht so schlüssig.
Im zweiten Weltkrieg wurde, zuerst von den Nazis, dann von den Allierten, das Konzept verfolgt, durch Bombardierung der Zivilbevölkerung, eine Änderung der Kriegs-Politik zu erzielen. Dies wäre nach der heutigen völkerrechtlichen Definition, so Kofi Annan, ein Terrorakt.
Das Töten von Zivilpersonen um politische Ziele zu erpressen definiert den Terrorbegriff.
Was aber wäre, wenn man sich auf das alleinige gezielte Bombardement der Rüstungsbetriebe beschränkt hätte?
Was wäre mit den Menschen die dort arbeiten?

@Jeremia

Kollateralschaden

"... Man stelle sich vor, welche Reaktionen es hervorrufen würde, wenn die Vorzeichen umgekehrt wären - wenn der Iran, der sowieso schon unter pauschalen Terrorverdacht gestellt wird - in westlichen oder westlich orientierten Ländern Leute umbringen würde. Empörung! Provokation! Aufruf zum Krieg! Aber so - sind ja Freunde, die offenbar für eine gute Sache Zivilisten umbringen."

Nun würde ich sagen, der iranische Staat unterstützt Hizballah und Hamas, die Anschlage auf ein westlich orientiertes Land durchführen. Aber das ist politscher alltag. Und ich verdächtige den Einfluß des iranischen Staates auf die letzten Anschläge in Nigeria, ganz einfach weil iranische Offizielle genau solche Aktionen dieser Art (diplomatisch verklausuliert) offen angekündigt haben.

"Aufruf zum Krieg!" - Ja, wenn man die Anreicherungsanlagen (ohne Bodentruppen und Atombomben) vernichten könnte, sollte man es tun. Wenn der iranische Staat Inspektoren ins Land lassen würde und diesen gezeigt würde, dass keine atomwaffentaugliche Anreicherung stattfindet, wäre ich gegen die militärische Lösung.

Bezüglich des Krieges. Es geht vermutlich nur mit Bodentruppen, die Anreicherungsanlagen zu zerstören. Das halte ich wiederum nicht für tragbar. Die Nachteile überwiegen. Der Mossad bremst nun wohl das iranische Atomprogramm aus, indem er zivile Fachleute ermordet. Nachvollziehbar, der iranische Staat macht auch keinen Hehl gegenüber Israel mit seiner Feindschaft.