UltraorthodoxieIsraelische Politiker verurteilen Holocaust-Vergleiche

Regierung und Opposition in Israel haben auf eine Demonstration Ultraorthodoxer empört reagiert. Mit dem Tragen von Judensternen beleidigten diese die Holocaust-Opfer. von afp

Die Demonstrationen der ultraorthodoxen Juden mit gelbem Judenstern haben in Israel Empörung und Abscheu ausgelöst. Politiker der Regierung sowie der Opposition kritisierten die Protestaktion der Haredim genannten ultraorthodoxen Juden.

Die Oppositionsführerin Tzipi Livni von der Kadima-Partei schrieb laut der Zeitung Haaretz auf ihrer Facebook-Seite, dass sie das Demonstrationsrecht der Haredim respektiere. "Aber Kindern gelbe Marken anzuheften ist eine große Beleidigung des Gedenkens an den Holocaust." Livni mahnte an, dass es auch in der jetzt geführten Debatte Grenzen gebe, die nicht überschritten werden dürften.

Anzeige

Mehrere Hundert orthodoxe Juden hatten am Samstag im Jerusalemer Stadtteil Mea Schearim gegen eine ihrer Meinung nach feindselige Berichterstattung über sie in den Medien protestiert. Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, trugen einige von ihnen den gelben Judenstern aus der Nazizeit und Häftlingskleidung von Insassen der Konzentrationslager während des Holocausts. In Israel liegen die Mehrheitsgesellschaft und die strenggläubigen Israelis in einem Kulturkampf . Die Haredim fordern eine Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak bezeichnete die Aktion dem israelischen Hörfunk zufolge als "erschütternd und erschreckend". Die Zeitung Haaretz berichtet, Barak sprach ebenfalls von einer Grenzüberschreitung. Die Leitung der orthodoxen Juden dürfe ein solches Verhalten nicht akzeptieren. Barak forderte sie auf, gegen dieses "unannehmbare Phänomen“ vorzugehen.

Es gebe keine Reue über die Aktion

Der Innenminister Eli Yishai, selbst ultraorthodox, rügte zwar die benutzten Holocaust-Symbole, warnte aber vor einer "wilden Hetze“ gegen alle ultraorthodoxen Juden. Bei dem Protest hätte es sich nur um eine Minderheit der Ultraorthodoxen gehandelt, jeder wisse das, sagte Yishai in einem Interview mit dem Armee-Radio.

Der Politiker und Holocaust-Überlebende Yossi Peled bezichtigte die Demonstranten laut der Jerusalem Post als "verrückt und unmoralisch". Er fühle sich als Jude mit Tausenden anderen beleidigt.

Die Jerusalem Post schrieb derweil, dass ein offizieller Vertreter der Organisatoren der Aktion das Verhalten der Demonstranten verteidigt hat. Es gebe "keine Reue" über die Verwendung der Symbole.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. werden irgendwann identisch. Und das mit den miesesten Seiten des Menschen.

    Vielleicht sollte man einmal "Extremisten aller Religionen vereinigt Euch!" ausrufen - und diese Erde wäre auf einen Schlag (fast) friedlich.

    2 Leserempfehlungen
  2. Geschmacklosigkeiten zu reagieren haben. Kein weiterer
    Kommentar erforderlich.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • A-RAP
    • 02. Januar 2012 11:11 Uhr

    Also das ist schon sehr interessant zu beobachten!
    Wir sehen hier Israelis die in Israel anderen Israelis Vergleiche mit den Holocaust um die Ohren hauen, damit sie ihre politischen Gegner mundtot machen. Uns hat man immer erzählt, die Instrumentalisierung dieses Verbrechens an der Menschheit, wäre so ziemlich das Schlimmste was man tun kann.

    Es sieht so aus als ob dies in Israelis anders gesehen wird.

    4 Leserempfehlungen
    • greuel
    • 02. Januar 2012 11:17 Uhr

    Man sollte vermuten, dass einige, die dort protestiert haben, auch Vorfahren und Verwandte hatten, die im Holocaust ermordet wurden.

    Diese Demonstranten entehren das Andenken an diese Menschen, wenn sie ihre lächerlichen politischen Forderungen gleichsetzen mit dem Leiden in der Shoah.

    Die Reaktionen in Israel sind vollkommen gerechtfertigt.

    2 Leserempfehlungen
    • PigDog
    • 02. Januar 2012 11:28 Uhr

    ..is the Devil's Playground!

    Das kommt davon, wenn man Menschen für's Nichtstun bezahlt. 8gut bezahlt, sogar...)

    Wenn die Herren Thorastudenten sich ihr Brot wie alle anderen "im Schweiße ihres Angesichtes" erarbeiten müssten, hätten si gar keine Zeit mehr für derartigen Unfug.

    Ohnehin sind die Ansichten dieser Herren ja reichlich schizophren:

    Den Staat ablehnen, aber sich von ihm alimentieren lassen und Sonderbehandlungen einfordern...

    Verlangen, daß der Staat sich nicht in ihre Angelegenheiten einmischt, aber den anderen Staatsbürgern vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben...

    Fazit: wie alle religiösen Dogmatiker eigentlich ein Fall für Wohnräume mit gepolsterten Wänden und Klinken nur an der außenseite der Tür...

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und wieder so ein wunderbares jiddisches Wort.

    Gäste kann man ja schon mal vor die Tür setzen. Eigene Mitbürger leider meistens nicht. :-(

  3. benutzt wird, um aktuelle Politik durchzusetzen,
    ist nicht das erste Mal.
    Das versucht ja selbst die Regierung Netanyahu/Lieberman
    in ihrer Innen- und Aussenpolitik,
    aber natürlich nicht so platt und so primitiv.

    3 Leserempfehlungen
  4. Gar nicht auszudenken, wie die Reaktion ausgefallen wäre, hätten diese Leute hier in Deutschland so auf diese Weise demonstriert. Das wäre ein politischer Super-GAU allergrössten Ausmaßes geworden, denn die deutsche Polizei hätte diese orthodoxen Juden umgehend festnehmen müssen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, Benutzung verfassungsfeindlicher Symbole und wegen Leugnung bzw. Verharmlosung und Relativierung des Holokaust. Man stelle sich nur die Bilder in der Presse vor, wie deutsche Polizisten mit "Juden-Stern" gekennzeichnete Juden zusammentreiben.

    Die im Vergleich zu deutschen Zuständen noch moderate Reaktion in Israel zeigt also, dass man dort den Umgang mit der Erinnerungskultur an das Dritte Reich wesentlich lockerer und gelassener und unverkrampfter handhabt als man es in Deutschland tut.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wir müssen uns daran gewöhnen, das man im Ausland unbefangen mit der NS-Zeit umgeht.
    Da geht man eben zum Fasching in einer SS-Unlform, leugnet den Holocaust ( hat man Ahmadineschad eigentlich deshalb in Deutschland schon angeklagt ? ) oder wird als Deutscher schon mal als Nazi bezeichnet.
    Man ist eben unbefangen, es ist unsere Geschichte, nicht deren, und, seit wann lernt man aus der Geschichte ?

  5. Die ultraorthodoxen Juden lehnen den Staat Israel ab, leben aber von ihm. Sie zahlen keine Steuern, leben aber auf Kosten der israelischen Steuerzahler. Die ultraorthodoxen Juden leben nicht in der israelischen Realität sondern in ihrer radikal-religiösen Glaubenswelt. Als Radikale sind sie egoistisch und sehen sich nur ihrer eigenen Gefühlswelt verpflichtet. Das erklärt auch die kranken Vorstellungen über die Behandlung von weiblichen Israelis und die beleidigende Geschmacklosigkeit ihrer Demonstrationen sowie das Unverständnis für die Reaktionen der israelischen Mehrheit. Es ist hohe Zeit, dass israelische Politiker solches Verhalten nicht nur mit Worten kritisieren, sondern auch die Ultraorthodoxen den Bedingungen einer aufgeklärten Demokratie unterwerfen. Es ist allerdings zu entscheiden, ob man die Kranken behutsam gesundpflegt oder eher die Radikalen bändigt.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Zack34
    • 02. Januar 2012 12:12 Uhr


    Eigentlich sit das nur eine Heuchelei, die diese Leute leben.

    Gottseidank stellen sie in Israel nur eine Minderheit dar, allerdings eine sehr einflussreiche, wie Sie auch anmerkten. Ich hofe, dass der offene und tollerante Israel vom Type Tel-Avivs überwiegt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Ehud Barak | Tzipi Livni | Berichterstattung | Demonstration | Holocaust | Hörfunk
Service