Arbeitsmarkt Prekäres Italien

Die Monti-Regierung will gegen die vielen befristeten Arbeitsverhältnisse vorgehen. Doch es fehlt an Geld und im Parlament formiert sich Widerstand.

Die italienische Arbeitsministerin Elsa Fornero

Die italienische Arbeitsministerin Elsa Fornero

Seit acht Jahren arbeitet Maria Carboni (Name von der Redaktion geändert), 35, für eine italienische Presseagentur. Sie hat einen sogenannten Projektvertrag. Alle elf Monate wird ihr gekündigt, um sie dann nach nur einem Monat wieder einzustellen. Dadurch umgeht ihr Arbeitgeber die gesetzliche Verpflichtung, Carboni nach spätestens drei Jahren unbefristet einzustellen.

Ihr Arbeitgeber kann einseitig die Arbeitsbedingungen und die Tarife bestimmen. Sollte Carboni länger als 30 Tage krank werden, kann ihr Chef ihren Arbeitsvertrag für nichtig erklären. Sie genießt keinen Kündigungsschutz, denn offiziell gilt sie als Freiberuflerin.

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Auf fünf Millionen schätzt die Gewerkschaft CGIL die Zahl der Italiener, die in einem ähnlichen Arbeitsverhältnis stecken wie Carboni. Sie arbeiten wie Festangestellte, allerdings ohne die  Sozialleistungen und Arbeitsplatzsicherheit ihrer Kollegen mit unbefristeten Verträgen. Nach Angaben der CGIL haben 80 Prozent von ihnen einen Hochschulabschluss, 45 Prozent verdienen weniger als 15.000 Euro im Jahr.

Auch Carboni hat einen Hochschulabschluss, spricht drei Sprachen fließend und arbeitet seit mehreren Jahren in derselben Firma. Trotzdem hat sie keine Hoffnung auf eine unbefristete Anstellung.

Italiens Arbeitsministerin Elsa Fornero will nun Ordnung in die wirre Welt der sogenannten Precariato, der prekären Arbeitsverhältnisse, bringen. In Italien gibt es über 40 verschiedene Vertragsformen. Ein Großteil davon ist in den vergangenen zehn Jahren mit nur einem Zweck eingeführt worden: den Arbeitgebern mehr Möglichkeiten zu geben, unbefristete Arbeitsverträge zu umgehen. Damit sollte erreicht werden, dass mehr junge Menschen Jobs finden. In Italien liegt die Jugendarbeitslosigkeit mit knapp 30 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Forneros Vorschlag ist simpel. Er will die Zahl der möglichen Verträge auf genau einen reduzieren. Berufsanfänger würden so nach einer Probezeit von drei bis sechs Monaten in jedem Fall einen unbefristeten Vertrag erhalten. Der Haken: In den ersten drei Jahren soll es keinen Kündigungsschutz geben. Will ein Arbeitgeber einem Beschäftigen ohne triftigen Grund kündigen, kann er das einfach tun. Er muss dem Mitarbeiter nur eine Abfindung zahlen. Die Höhe richtet sich nach der Dauer der Anstellung.

Das Ministerium will so beide Seiten zufriedenstellen: Die Arbeitgeber sollen Anreize erhalten, leichter neue Mitarbeiter einzustellen, junge Arbeitnehmer im Gegenzug mehr Sicherheit. Denn zeitlich befristete Arbeitsverträge sollen nur noch ab einem Jahresgehalt von 25.000 Euro erlaubt sein.

Leser-Kommentare
  1. Am gleichen Tag liesen wir in der gleichen Zeitung, dass das EU-Imperium überhaupt keine Probleme mit prekären Beschäftigungen hat:

    http://www.zeit.de/karrie...

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    • Kelhim
    • 26.01.2012 um 20:57 Uhr

    Die Arbeitsministerin hingegen ist Politikerin und möchte eine andere Gesetzeslage schaffen.

    Zudem steht im verlinkten Artikel doch klar und deutlich:

    "Die EU-Richter urteilten nun, ob ein befristeter Arbeitsvertrag im Einzelfall durch einen sachlichen Grund – beispielsweise den vorübergehenden Bedarf an Vertretungskräften – gerechtfertigt sei, müsse von den nationalen Behörden entschieden werden. Dabei müssten "alle Umstände einschließlich der Zahl und der Gesamtdauer der in der Vergangenheit mit demselben Arbeitgeber geschlossenen befristeten Verträge" berücksichtigt werden.

    (...)

    Der Europäische Gerichtshof entschied, die Tatsache, dass ein Arbeitgeber wiederholt Vertretungen einstelle und dass diese Vertretungen auch durch Arbeitnehmer mit unbefristeten Verträgen gedeckt werden könnten, bedeute nicht, dass kein "sachlicher Grund" im Sinne des deutschen und europäischen Rechts vorliege. Auch könne daraus nicht auf einen Missbrauch geschlossen werden."

    Lesen und differenzieren, diesen Rat kann man nicht oft genug erteilen. In diesem Fall fehlt darüber hinaus Kenntnis der Gewaltenteilung.

    • Kelhim
    • 26.01.2012 um 20:57 Uhr

    Die Arbeitsministerin hingegen ist Politikerin und möchte eine andere Gesetzeslage schaffen.

    Zudem steht im verlinkten Artikel doch klar und deutlich:

    "Die EU-Richter urteilten nun, ob ein befristeter Arbeitsvertrag im Einzelfall durch einen sachlichen Grund – beispielsweise den vorübergehenden Bedarf an Vertretungskräften – gerechtfertigt sei, müsse von den nationalen Behörden entschieden werden. Dabei müssten "alle Umstände einschließlich der Zahl und der Gesamtdauer der in der Vergangenheit mit demselben Arbeitgeber geschlossenen befristeten Verträge" berücksichtigt werden.

    (...)

    Der Europäische Gerichtshof entschied, die Tatsache, dass ein Arbeitgeber wiederholt Vertretungen einstelle und dass diese Vertretungen auch durch Arbeitnehmer mit unbefristeten Verträgen gedeckt werden könnten, bedeute nicht, dass kein "sachlicher Grund" im Sinne des deutschen und europäischen Rechts vorliege. Auch könne daraus nicht auf einen Missbrauch geschlossen werden."

    Lesen und differenzieren, diesen Rat kann man nicht oft genug erteilen. In diesem Fall fehlt darüber hinaus Kenntnis der Gewaltenteilung.

    • Kelhim
    • 26.01.2012 um 20:57 Uhr

    Die Arbeitsministerin hingegen ist Politikerin und möchte eine andere Gesetzeslage schaffen.

    Zudem steht im verlinkten Artikel doch klar und deutlich:

    "Die EU-Richter urteilten nun, ob ein befristeter Arbeitsvertrag im Einzelfall durch einen sachlichen Grund – beispielsweise den vorübergehenden Bedarf an Vertretungskräften – gerechtfertigt sei, müsse von den nationalen Behörden entschieden werden. Dabei müssten "alle Umstände einschließlich der Zahl und der Gesamtdauer der in der Vergangenheit mit demselben Arbeitgeber geschlossenen befristeten Verträge" berücksichtigt werden.

    (...)

    Der Europäische Gerichtshof entschied, die Tatsache, dass ein Arbeitgeber wiederholt Vertretungen einstelle und dass diese Vertretungen auch durch Arbeitnehmer mit unbefristeten Verträgen gedeckt werden könnten, bedeute nicht, dass kein "sachlicher Grund" im Sinne des deutschen und europäischen Rechts vorliege. Auch könne daraus nicht auf einen Missbrauch geschlossen werden."

    Lesen und differenzieren, diesen Rat kann man nicht oft genug erteilen. In diesem Fall fehlt darüber hinaus Kenntnis der Gewaltenteilung.

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    Antwort auf "Welch' Ironie..."
  2. Mit deutschem Geld wird das Problem gelöst,so wie Herr Monti es sich wünscht.

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    und diese hat ein Sprung ! Was für ein D Geld..? Meinen Sie die Garantien oder der Rettungsfond? Bis jetzt hat D noch kein Cent gezahlt, das Gegenteil ist der Fall! D bereichert sich aktuell an der Krise denn weiterhin werden Schulden gemacht mit Negativzinsen!!!
    Was Italien anbelangt vergessen Sie, dass Italien Jahrzehnte nach D der größte Nettozahler in der EU gewesen ist, nun an dritter Stelle nach Frankreich. "Niente Problemo" wie Sie schreiben würde außerdem korrekterweise "Nessun Problema" lauten. Für Eventualitäten die eintreten könnten, na ja dann könnte man aus D Sicht schreiben: wenn man das Licht am Ende des Tunnels sieht baut man weiter um im Dunkel fahren zu können..

    und diese hat ein Sprung ! Was für ein D Geld..? Meinen Sie die Garantien oder der Rettungsfond? Bis jetzt hat D noch kein Cent gezahlt, das Gegenteil ist der Fall! D bereichert sich aktuell an der Krise denn weiterhin werden Schulden gemacht mit Negativzinsen!!!
    Was Italien anbelangt vergessen Sie, dass Italien Jahrzehnte nach D der größte Nettozahler in der EU gewesen ist, nun an dritter Stelle nach Frankreich. "Niente Problemo" wie Sie schreiben würde außerdem korrekterweise "Nessun Problema" lauten. Für Eventualitäten die eintreten könnten, na ja dann könnte man aus D Sicht schreiben: wenn man das Licht am Ende des Tunnels sieht baut man weiter um im Dunkel fahren zu können..

  3. und diese hat ein Sprung ! Was für ein D Geld..? Meinen Sie die Garantien oder der Rettungsfond? Bis jetzt hat D noch kein Cent gezahlt, das Gegenteil ist der Fall! D bereichert sich aktuell an der Krise denn weiterhin werden Schulden gemacht mit Negativzinsen!!!
    Was Italien anbelangt vergessen Sie, dass Italien Jahrzehnte nach D der größte Nettozahler in der EU gewesen ist, nun an dritter Stelle nach Frankreich. "Niente Problemo" wie Sie schreiben würde außerdem korrekterweise "Nessun Problema" lauten. Für Eventualitäten die eintreten könnten, na ja dann könnte man aus D Sicht schreiben: wenn man das Licht am Ende des Tunnels sieht baut man weiter um im Dunkel fahren zu können..

    Antwort auf "Niente Problemo!"

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