EU-Grenzen Niederländische Grenzkontrollen alarmieren Datenschützer

Hightech-Kameras an der niederländischen Grenze sollen einreisende Autofahrer filmen. Die Regierung in Den Haag sieht darin kein Problem.

Deutschen Holland-Touristen kann es demnächst passieren, dass ihr erstes Urlaubsfoto von der niederländischen Grenzpolizei geschossen wird. Automatisch und mit einer Hightech-Kamera. An den fünfzehn meist frequentierten Grenzübergängen der Niederlande sollen diese zum Einsatz kommen. Fünf davon an der Grenze zu Belgien, zehn an der zu Deutschland, dazu kommen sechs mobile Kameras.

Noch befindet sich das Projekt in der Pilotphase. Nach Auskunft der niederländischen Grenzpolizei soll es im Februar oder März starten. Die Regierung in Den Haag begründet diesen Schritt mit der Kriminalitätsbekämpfung, es ginge um "illegale Einreise in Zusammenhang mit Menschenschmuggel, Menschenhandel, Identitätsbetrug und Geldwäsche".

Anzeige

Das System heißt "@migo-boras" und basiert auf einem System zur Nummernschilderkennung, das sich ANPR (automatic number plate recognition) nennt. Abgelichtet werden die Vorderseite und das Nummernschild der Fahrzeuge. Laut Immigrationsminister Gerd Leers ermögliche dies die Aufzeichnung von "Verkehrsmustern", die "auf Basis allgemeiner Daten und Zielgruppenprofilen melden, welches Fahrzeug für eine Kontrolle interessant sein kann". Die gewonnenen Informationen würden umgehend der Grenzpolizei übermittelt, die dann das entsprechende Auto anhalten kann.

EU-Kommission wartet auf Stellungnahme aus Den Haag

Niederländische Datenschützer sind über das Vorhaben besorgt. Die Stiftung Privacy First spricht von einem "enormem Eingriff in die Privatsphäre". Alle Fahrzeuge zu kontrollieren, um bei einem etwas Verdächtiges zu finden, sei eine "Umkehrung des Rechtssystems". Die Datenschutz-Website sargasso.nl befürchtet, die Grenzpolizei habe damit zumindest die Möglichkeit, einreisende Autos gleichzeitig mit "allerlei schwarzen Listen" abzugleichen. Eben dies verneint Immigrationsminister Leers entschieden. Ebenso wenig würden die gewonnenen Informationen gespeichert, immerhin gesteht er ein: "Wohl können die Kameras anhand des Kennzeichens sehen, aus welchem Land ein Auto oder LKW kommt."

So vage diese Argumentation, so spärlich ist die Informationspolitik der Regierung in Sachen Grenzkameras. Fakt ist immerhin, dass zu kurz denkt, wer hier nur die Handschrift der von den Rechtspopulisten abhängigen konservativen Minderheitskoalition zu erkennen glaubt. Seit Jahren schon wird an dem System getüftelt, und bereits 2005 gab es einen ersten Probelauf. Die aktuelle Regierung unter Ministerpräsident Rutte zeichnet sich indes für eine weitere Maßnahme verantwortlich: Sie will Kennzeichen, die von Autobahnkameras im Landesinneren routinemäßig ermittelt wurden, vier Wochen lang speichern. Privacy-Aktivisten befürchten, dass dieser Ansatz auch auf die Bilder der Grenzkameras ausgedehnt wird.

Leser-Kommentare
  1. 1. Hä?!.

    "Als erstes Bundesland führt Hessen die automatisierte Videoüberwachung von Autokennzeichen ein. Das neue Polizeigesetz erlaubt es künftig, per Scanner sämtliche Kennzeichen zu erfassen und mit dem Bestand im Fahndungscomputer abzugleichen."

    http://www.spiegel.de/net...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 04.01.2012 um 20:51 Uhr

    "Das Bundesverfassungsgericht hat die in Hessen und Schleswig-Holstein praktizierte massenhafte automatische Erfassung von Autokennzeichen als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt[...]"

    Quelle: http://www.heise.de/newst...

    und hier das Urteil: http://www.bundesverfassu...

    • GDH
    • 04.01.2012 um 20:51 Uhr

    "Das Bundesverfassungsgericht hat die in Hessen und Schleswig-Holstein praktizierte massenhafte automatische Erfassung von Autokennzeichen als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt[...]"

    Quelle: http://www.heise.de/newst...

    und hier das Urteil: http://www.bundesverfassu...

  2. zu den dänischen Zollkontrollen, bei denen halb Europa aufjaulte ?

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Blödsinn, vor dem Staat, jedem Staat, muss sich der Bürger selber schützen, sonst tut es ja keiner!

  4. Entfernt. Bitte tragen Sie sachlich zur Diskussion bei. Die Redaktion/mak

    Eine Leser-Empfehlung
    • GDH
    • 04.01.2012 um 20:51 Uhr

    "Das Bundesverfassungsgericht hat die in Hessen und Schleswig-Holstein praktizierte massenhafte automatische Erfassung von Autokennzeichen als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt[...]"

    Quelle: http://www.heise.de/newst...

    und hier das Urteil: http://www.bundesverfassu...

    Antwort auf "Hä?!."
  5. Wenn wollen die Datenschützer eigentlich schützen? Ich habe das starke Gefühl, dass sie die Kriminelle beschützen, die so gerne hier agieren, weil Deutschland so leicht zu besch... ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Warum öffnen wir nicht vorsorglich sämtliche Briefsendungen vor Ort im Sortierzentrum, um auf jeden Fall sichergehen zu können, dass sich darin kein Sprengstoff befindet?

    Ich sehe darin sehrwohl ein Problem.

    Datenschutz hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, und wenige Straftaten von Einzelnen, seien sie noch so schlimm, rechtfertigen es nicht, die Persönlichkeitsrechte eines jeden Bürgers einzuschränken.

    Bloss weil mein Mobiltelefon-Anbieter nahezu sämtliche meiner Bewegungen nachvollziehen kann, muss dies der Staat nicht auch noch tun, in Form von Kameras an neuralgischen Orten - die keine "Abschreckung" ausüben sollen wegen droheneder Strafverfolgung, sondern ganz explizit aktiv Daten sammeln.

    Warum öffnen wir nicht vorsorglich sämtliche Briefsendungen vor Ort im Sortierzentrum, um auf jeden Fall sichergehen zu können, dass sich darin kein Sprengstoff befindet?

    Ich sehe darin sehrwohl ein Problem.

    Datenschutz hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, und wenige Straftaten von Einzelnen, seien sie noch so schlimm, rechtfertigen es nicht, die Persönlichkeitsrechte eines jeden Bürgers einzuschränken.

    Bloss weil mein Mobiltelefon-Anbieter nahezu sämtliche meiner Bewegungen nachvollziehen kann, muss dies der Staat nicht auch noch tun, in Form von Kameras an neuralgischen Orten - die keine "Abschreckung" ausüben sollen wegen droheneder Strafverfolgung, sondern ganz explizit aktiv Daten sammeln.

  6. Mich können sie gerne filmen. Sie können auch mein KFZ-Kennzeichen erfassen. Was solls?

  7. Auf der einen Seite, man darf mich gern überwachen wenn dadurch Menschenhändler , Autodiebe und sonstige Verbrecher gefasst werden.
    Auf der anderen Seite : Orwell 1984.
    Dann lieber nicht, denn die Allmacht des Staates ist einfach zu gross.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service