Die Kroaten sind für den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union: Rund 67 Prozent der beim Referendum am Sonntag abgegebenen Stimmen waren für eine EU-Mitgliedschaft des Landes. Das berichtete die staatliche Wahlkommission in Zagreb am Abend nach Auszählung von einem Viertel aller Stimmzettel. Damit kann das Land am 1. Juli 2013 das 28. EU-Mitglied werden. Die bis dahin notwendige Ratifizierung des Beitrittsvertrages durch alle bisherigen EU-Staaten gilt als Formsache.

Bleibt es auch nach Auszählung aller Stimmzettel bei dem Ergebnis, hätten die EU-Befürworter größeren Rückhalt in der Bevölkerung als bislang angenommen. Meinungsforscher hatten vor der Abstimmung nur etwa 60 Prozent Ja-Stimmen erwartet.

Zunächst war die Abstimmung nur auf geringes Interesse gestoßen. Die Beteiligung sei deutlich geringer als bei der Parlamentswahl im vergangenen Dezember, berichtete die staatliche Wahlkommission. Rund 4,5 Millionen Wähler waren zur Wahl gerufen, davon etwa eine halbe Million im benachbarten Bosnien-Herzegowina .

Das Referendum sei "ein historischer Tag für Kroatien ", sagten die Spitzenpolitiker des Landes nach der Stimmabgabe am frühen Vormittag. "Die EU ist eine Chance für den Fortschritt und die Entwicklung aller kroatischen Talente", sagte Regierungschef Zoran Milanovic.

Es ist erst die zweite Volksabstimmung in Kroatien. Bei der ersten hatten sich die Bürger im Mai 1991 für ihre Trennung vom damaligen Jugoslawien und die Selbstständigkeit ausgesprochen. Acht osteuropäische EU-Länder hatten vor ihren Beitritten im Jahr 2004 ebenfalls Referenden durchgeführt. Die Zustimmung hatte von 67 Prozent in Estland und Lettland bis zu 92 Prozent in der Slowakei gereicht.