FoltervorwurfHilfsorganisationen stellen Arbeit in libyschen Gefängnissen ein

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen haben den neuen Machthabern in Libyen Folter vorgeworfen. Vielen Gefangenen werde zudem medizinische Versorgung verwehrt.

Bewaffnete Männer nach einer Schießerei in Libyen

Bewaffnete Männer nach einer Schießerei in Libyen

Anhänger des getöteten libyschen ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi werden nach Angaben von Ärzten und Menschenrechtlern in Gefangenenlagern in Libyen in vielen Fällen zu Tode gefoltert. Mehrere Gefangene seien gestorben, nachdem sie in den vergangenen Wochen in von Milizen kontrollierten Lagern gefoltert worden seien, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit.

Sie stelle deswegen ihre Arbeit in Gefängnissen in der Stadt Misrata ein, teilte die Organisation mit. Verletzte Gefangene seien während Verhören zu den Ärzten gebracht worden, um die Befragung nach einer Behandlung fortsetzen zu können. "Das ist nicht akzeptabel", erklärte die Gruppe. Die Behörden in Misrata und die Streitkräfte hätten auf entsprechende Beschwerden nicht reagiert. Menschenrechtler haben schon mehrfach Folter in Libyen kritisiert. Betroffen seien vor allem Menschen aus Staaten des südlichen Afrikas, die im vergangenen Jahr auf der Seite des Machthabers Gaddafi gegen Aufständische gekämpft haben sollen.

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Ärzte ohne Grenzen stellt ebenfalls Arbeit ein

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen beendete aufgrund der zahlreichen Fälle von Folter ihre Arbeit in der Küstenstadt Misrata. "Mitarbeiter haben festgestellt, dass Gefangene gefoltert werden und ihnen medizinische Hilfe vorenthalten wird", erklärte ein Sprecher. Die Ärzte seien zunehmend mit Patienten konfrontiert, die durch Folter bei Verhören zugefügte Verletzungen erlitten. Diese Verhöre hätten außerhalb der Gefangenenlager stattgefunden. Einige Behördenvertreter hätten zudem versucht, die Arbeit der Organisation "zu instrumentalisieren oder zu behindern".

Ärzte ohne Grenzen ist in Misrata, um Kriegsverletzte und kranke Gefangene medizinisch zu versorgen, "aber sicher nicht, um wiederholt dieselben Patienten zwischen Verhörsitzungen zu behandeln", sagte der Sprecher weiter. Die Organisation schrieb sowohl dem Militärrat als auch dem Sicherheitskomitee in Misrata und forderten die Misshandlungen sofort zu beenden. "Es folgten keinerlei konkrete Maßnahmen. Stattdessen hat unser Team vier neue Fälle von Folter beobachtet."

UN besorgt über Situation Gefangener

Zuvor hatten sich ranghohe UN-Beamte besorgt über sogenannte libysche Revolutionsgarden gezeigt. Diese seien für eine erneute Zunahme der Gewalt verantwortlich und hielten Menschen in geheimen Gefangenenlagern fest. Menschenrechtskommissarin Navi Pillay sprach von 5.000 Menschen in 60 Gefängnissen und Lagern. "Wir sind extrem besorgt über die Situation der Gefangenen in den Händen der Revolutionäre", sagte Pillay.

In einem monatelangen Volksaufstand hatten Gaddafi-Gegner im vergangenen Jahr den Sturz des langjährigen Machthabers herbeigeführt. Militärische Unterstützung erhielten die Rebellen von der Nato, die auf Basis einer UN-Resolution in Libyen eingriff. Gaddafi wurde am 20. Oktober in seiner Heimatstadt Sirte getötet.

 
Leserkommentare
  1. Und jetzt nach Syrien!

    15 Leserempfehlungen
  2. ...werd ich nun nicht mehr los.

    10 Leserempfehlungen
  3. "...und „alle notwendigen Maßnahmen“ zum Schutze der Bevölkerung zu ergreifen"

    http://de.wikipedia.org/w...

    Wo bleibt der Schutz? Auch Gaddafi-Anhänger gehören zur Zivilbevölkerung!

    9 Leserempfehlungen
    • bkkopp
    • 26.01.2012 um 16:45 Uhr

    Bernard-Henri Levy,mit aufgestelltem Hemdkragen und offenen Manschetten, Nicolas Sarkosy, mit Patek Philipp am Handgelenk, und David Cameron, with stiff upper lip, werden sich persönlich um die 40-50.000 Toten in Libyen kümmern. Selbstverständlich werden sie auch ihren grossen Einfluss geltend machen, um Ausrutscher, wie Folter und andere Menschenrechtsverletzungen zu unterdrücken - zumindest die Berichterstattung darüber.

    19 Leserempfehlungen
  4. Und das sind nur die Fälle, welche durch internationale Organisationen aus den grösseren Städten bekannt werden. Wie es der Bevölkerung auf dem platten Land geht, ist dann kein grosses Geheimnis mehr.
    Nach der derzeitigen kurzen Phase der Anarchie werden zwangsläufig Bodentruppen kommen. Der zeitliche Abstand von wenigen Monaten wird dafür sorgen, dass der Zeitungsleser dann erneut an das Märchen der humanitären Intervention glauben wird.
    Ich kann gar ich soviel fressen...

    5 Leserempfehlungen
  5. Die "Revolution" in Libyen wurde - mangels Rückhalt in der Bevölkerung - jahrelang geplant, und zwar mittels Ausbildung von Kämpfern im Ausland. Kurz bevor Muammar Gaddafi in den Ruhestand gehen würde, hat man das Land in ein Chaos gestürzt. Und zwar deswegen, um eine politische Willensbildung komplett unmöglich zu machen. In Kürze wird man mitleidig von einem "failed state" sprechen. Es war eher unrealistisch davon auszugehen, dass Saif so weiter gemacht hätte wie sein Vater. Eben darum kommt es auch nicht zu dem - wohl zum Scheine - geforderten Prozess in Den Haag. Also mal wieder: Weltgemeinschaft belogen, Uranbomben geschmissen, 10.000e Tote, failed state,...

    5 Leserempfehlungen
  6. Die neue islamische Demokratie wird das schon richten, Hauptsache das Öl ist sicher!

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    • colca
    • 26.01.2012 um 16:55 Uhr
    8. Scham

    Wäre ich Mitglied der ZEIT-Redaktion, also des Presseorgans welches beim Bejubeln der libyschen Putschisten und ihrer NATO-Bomber-Paten ganz vorn mit dabei war, dann würde ich mich jetzt ziemlich schämen.
    Entweder weil viele meiner Leser in ihren Kommentaren seit einem Jahr wesentlich mehr politisches Urteilsvermögen als ich gezeigt haben, oder aber weil ich bei einem perfiden Propagandamanöver zu Lasten des libyschen Volkes mitgemacht habe.
    Zum Glück bin habe ich einen anderen Beruf.

    19 Leserempfehlungen
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    • serins
    • 26.01.2012 um 18:10 Uhr

    Herr Thumann und Herr Gehlen werden, gleich wieder einen Artikel aus 1001 Nacht nachschieben und erzählen wie demokratisch es in Nordafrika zu geht und wie gut es den Menschen dort jetzt geht.
    Und warum sollte sich die ZEIT schämen, sie ist doch eines der größten pro-islamischen deutschen Sprachrohre.

    • serins
    • 26.01.2012 um 18:10 Uhr

    Herr Thumann und Herr Gehlen werden, gleich wieder einen Artikel aus 1001 Nacht nachschieben und erzählen wie demokratisch es in Nordafrika zu geht und wie gut es den Menschen dort jetzt geht.
    Und warum sollte sich die ZEIT schämen, sie ist doch eines der größten pro-islamischen deutschen Sprachrohre.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
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  • Schlagworte Arbeit | Nato | Arzt | Folter | Gefangenenlager | Gefängnis
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