US-Vorwahlen : Romney siegt haushoch in New Hampshire

Mitt Romney macht einen großen Schritt auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Auf Platz zwei landet der Libertäre Ron Paul, hinter ihm Ex-Botschafter Huntsman.
Der republikanische Bewerber Mitt Romney mit seiner Familie nach der Vorwahl, Southern New Hampshire University © Win McNamee/Getty Images

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney hat auch die Vorwahlen im US-Bundesstaat New Hampshire gewonnen. Der frühere Gouverneur von Massachusetts siegte mit 16 Prozentpunkten Vorsprung und bleibt damit der wahrscheinlichste Herausforderer von Präsident Barack Obama. Auf den zweiten Platz kam der Abgeordnete Ron Paul, gefolgt von Ex-Botschafter Jon Huntsman.

Romney, der auch schon die Vorwahlen in Iowa gewonnen hatte, holte dem Nachrichtensender CNN zufolge rund 39 Prozent der Stimmen. In seiner Siegesrede griff er Obama an. "Dem Präsidenten sind die Ideen ausgegangen. Jetzt gehen ihm die Ausreden aus", rief Romney seinen Anhängern zu. "Ich stehe bereit, uns auf einen anderen Weg zu führen." Meinungsforscher sahen den Ex-Gouverneur auch bei den nächsten Vorwahlen am 21. Januar in South Carolina und zehn Tage später in Florida klar in Führung. 

Paul erreichte laut CNN 23 Prozent der Stimmen. Er sei Romney "auf den Fersen", erklärte er. Der Abgeordnete hat mit seiner Vision eines Minimalstaates eine treue Anhängerschar hinter sich, seine Ansichten gelten aber auch in der eigenen Partei als nicht mehrheitsfähig. Huntsman kam auf 17 Prozent. Der als moderater Konservativer geltende ehemalige US-Botschafter in China hatte den Vorwahl-Auftakt in Iowa übersprungen und alle Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden in New Hampshire gesetzt. "Wir sind im Rennen", sagte er. "Mit dem dritten Platz ist das Ticket gelöst."

Gingrich abgeschlagen

Auf den früheren Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, entfielen zehn Prozent. Für den christlich-konservativen Ex-Senator Rick Santorum, der in Iowa nur acht Stimmen weniger als Romney hatte, votierten in New Hampshire neun Prozent. Beide Bewerber erklärten aber, im Rennen bleiben zu wollen. Abgeschlagen mit etwa einem Prozent war der texanische Gouverneur Rick Perry. Er hatte dem Neuengland-Staat keine Bedeutung zugemessen und am Dienstag bereits in South Carolina Wahlkampf gemacht.

Den ganzen Tag lang hatten in New Hampshire Republikaner und Parteilose ihre Stimme abgegeben, Mitglieder der Demokraten durften sich dagegen an der Vorwahl nicht beteiligen. Mit einer Bevölkerung von 1,3 Millionen Menschen lebt in dem Bundesstaat nur ein winziger Bruchteil der 310-Millionen-Bevölkerung der USA. Die zwölf Delegiertenstimmen, die der Staat für die offizielle Kandidatenkür auf dem Parteitag Ende August zu vergeben hat, fallen kaum ins Gewicht. Wie in Iowa entsteht die Bedeutung vor allem durch das große Medieninteresse am Abschneiden der Bewerber in den ersten Tests an der Wahlurne.

Mit Siegen in den ersten beiden Vorwahlen ist Romney weiter der große Favorit, um für die Republikaner bei den Präsidentschaftswahlen am 6. November Obama herauszufordern. Der Multimillionär hat die meisten Spendengelder gesammelt und ein starkes Wahlkampfteam im Rücken. Landesweite Umfragen zeigten jedoch, dass große Teile der Basis mit Romney fremdeln: Viele Republikaner halten ihn für keinen lupenreinen Konservativen, weil er bei Themen wie Abtreibung oder Waffengesetzen früher eher liberale Ansichten vertrat.

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Kommentare

15 Kommentare Kommentieren

Nur ein paar Anmerkungen

Wenn jemand "liberale Ansichten" zum Thema Waffengesetze hat, bedeutet das für mich, dass er für Freizügigkeit in Bezug auf Waffenbesitz ist. Ich glaube nicht, dass die Republikaner damit Probleme hätten.

Ich freue mich über das gute Ergebnis für Paul, der als einziger in beiden Parteien den Status Quo des totalen endlosen Terrorkrieges verändern will.

Ob Romney oder Obama Präsident wird, nichts wird sich an der de facto großen Koalition in Punkto Erosion der Bürgerrechte, Terrorkrieg und Herrschaft der Banken ändern.

Große Koalition? Ja, die haben wir bei den wichtigsten Themen auch in Deutschland seit 14 Jahren. Herrschaft funktioniert heute am besten, wenn man den Menschen ein Demokratietheater vorführt. Wenn die Presse mitspielt, funktioniert das meistens wie geschmiert.

P.S...

Wir haben übrigens keine große Koalition, weder auf dem Papier noch in de Verschwörungstheorie. Wir hatten vor ein paar Jahren eine, vor der sich viel Menschen gefürchtet haben, die dann aber sogar relativ harmlos war. Heute haben wir eine Regierungskoalition, die so zerstritten ist, dass man glauben müsste, die Opposition würde davon profitieren. Das tut sie aber nicht, da sie sich mit Flügelkämpfen selbst ausbremst.

Bitte lesen

"Wollen Sie das wirklich?"

Sie verstehen es nicht, weil Sie nicht gründlich lesen.

Davon abgesehen läuft es auf einen Punkt hinaus, den aufrechte Demokraten nicht wahrhaben wollen: Wer gegen das Zerfetzen von Kindern durch Todesroboter ist, wer gegen die gezielte Tötung von Menschen ohne Gerichtsverfahren ist, wer gegen absurde Rüstungsprojekte wie den vorgeblich gegen den Iran gerichteten (wer's glaubt...!) Raketenabwehrschirm in Polen/Tschechien ist, wer gegen den erdrückenden Einfluss von Investmentbankern auf die Politik ist, wer gegen dem Gesetz entzogene Foltergefängnisse, z.B. in Baghram, ist, der wählt... wen?

Es gibt genau einen Kandidaten, der diese Gegenpositionen vertritt, und Sie verstehen nicht, wie man sich über seine Erfolge freuen kann?!

Hm? Interessant, und wie....

sieht es mit seiner Sozialpolitik aus? Das gesamte politische Konzept ist wichtig und nicht nur Teile, die einem genehm sind. Ron Pauls Sozialpolitik besteht darin, die sozialen Sicherungssysteme in den USA praktisch zu liquidieren. Für den Durchschinttsbürger der USA kann das ziemlich "spaßig" werden, wenn die Wirtschaft lahmt und dieser die Arbeit verliert. Natürlich ist diesem dann die außenpolitische Aurichtung des Präsidenten Ron Paul wichtiger als das eigene Überleben.

Entschuldigung

Wie meine Mutter immer so schön sagt: Wer das eine will, muss das Andere mögen.
Ich möchte zum Beispiel keinen Krieg im Nahen Osten. Deswegen bin ich gegen Ron Paul. Ich möchte nicht, dass meine amerikanischen Freunde (die, zum letzten Rest des Mittelstandes gehören) ihre Krankenversicherung verlieren. Deswegen bin ich gegen Ron Paul. Ich möchte keine verhungernden Kinder in Amerika sehen. Deswegen bin ich gegen Ron Paul. Ja, ich finde Verhütung besser als Abtreibung, aber ich finde auch, dass es Ron Paul nichts angeht, deswegen bin ich gegen ihn.
Ja, ich bin für mehr Nichteinmischung durch die USA, trotzdem bin ich gegen Ron Paul. Ich halte den Patriot Act und Homeland Security für absolut falsch, trotzdem bin ich gegen Ron Paul. Ich finde die hohen Ausgaben des Pentagon für nicht nachvollziehbar, trotzdem bin ich gegen Ron Paul. Und, und, und...
Ich weiß nicht, wer von uns beiden mehr Skrupel hat. Ich hatte immer die Hoffnung, dass irgendjemand kommt, der Amerika nicht aufgibt, aber die einen wie die anderen zerstören dieses Land und ich weiß, ich bin enttäuscht, egal, wer gewählt wird. Meine letzte Hoffnung ist, dass, falls Obama das Rennen macht, er endlich handelt, da er ja glücklicherweise kein drittes Mal gewählt werden kann. Nennen sie mich ruhig naiv...

Bitten noch mal lesen

"und wie sieht es mit seiner Sozialpolitik aus? Das gesamte politische Konzept ist wichtig und nicht nur Teile, die einem genehm sind"

Ich wusste, dass das jetzt kommt...

Ich schrieb, dass ich mich über seine Erfolge freue, weil er als einziger Kandidat im politischen Spektrum für eine Außenpolitik eintritt, die Ansätze von Vernunft enthält. Ich schrieb NICHT, dass ich ihn unterstütze. Daher noch mal meine Aufforderung, genauer zu lesen.

Und wenn, was ich nicht schrieb und worum es mir nicht geht, ich ein aktiver Unterstützer wäre, könnte ich Ihr Argument einfach umdrehen und schreiben: Was, Sie finden Obama gut? Dann ist es wohl okay für Sie, wenn er in unerklärten Kriegen von seinen Geheimdiensten jemenitische Kinder mit Todesrobotern hinrichten lässt? Hauptsache, die Krankenversicherung stimmt, was?!

Fakt ist jedoch, dass ich NICHT so argumentiere. Mein Argument steht klar und deutlich da, und dass Paul-Gegner offenbar nicht darauf eingehen wollen, spricht Bände.

Naivität

"Ich möchte zum Beispiel keinen Krieg im Nahen Osten. Deswegen bin ich gegen Ron Paul."

Das erschließt sich mir nicht. So, wie ich die Lage einschätze, kommen die aktuellen Kriegsvorbereitungen mitsamt begleitender Propaganda aus der Obamaadministration, bzw. den damit betrauten Geheimdienstkreisen. Darum: Ich möchte keinen Krieg im Nahen Osten, deshalb freue ich mich über Pauls Erfolge.

"Meine letzte Hoffnung ist, dass, falls Obama das Rennen macht, er endlich handelt, da er ja glücklicherweise kein drittes Mal gewählt werden kann. Nennen sie mich ruhig naiv..."

Bitte sehr: Ich halte Sie diesbezüglich für naiv. Es gibt absolut keinerlei Anhaltspunkte, die Anlass zu dieser Hoffnung geben könnten. Sie können nicht von jemandem, dessen Regierung offensichtlich von Prinzipienlosigkeit bestimmt ist, erwarten, dass er, nur weil er nicht wieder gewählt werden kann, auf ein Mal Prinzipien entwickelt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das nicht geschieht.

Verhütung.

Da fällt einem überhaupt erst einmal auf, was für falsche Informationen dem durchschnittlichen amerikapolitikinteressierten Deutschen zur Verfügung stehen.

Paul ist nicht GEGEN Abtreibung und er würde ihnen absolut zustimmen, wenn sie sagen, dass "es ihn nichts angeht".
Er sagt nämlich, dass dies auf Staatenebene geregelt werden soll und sich das Federal Government aus solchen elangen rauszuhalten hat.
Und Sie wissen ja sicherlich, dass wenn Ihnen die Gesetze von Staat A nicht passen, es wenig Aufwand erfordert über die Grenze zu Staat B zu fahren und dort Ihr angestrebtes Recht auszuüben(zB Recht auf Abtreibung, wenn man es so nennen kann).