Durch die islamistischen Anschläge in Nigeria sind noch mehr Menschen als bisher bekannt getötet worden. Die Gesundheitsbehörden gehen mittlerweile von mindestens 191 Toten aus. Möglicherweise wird die Zahl der Opfer noch weiter steigen: Ein Arzt im größten Krankenhaus der Stadt Kano sagte, vermutlich seien durch die Unruhen seit Freitag etwa 250 Menschen ums Leben gekommen.

Am Sonntagmorgen explodierten im Norden Nigerias erneut Sprengsätze. Die Anschläge galten zwei christlichen Kirchen in der Stadt Bauchi und einer Bank in der Nähe einer Polizeiwache in der Stadt Tafawa Balewa. Zunächst hieß es, durch den Angriff auf die Kirchen sei niemand getötet worden, durch die Attacke auf die Bank seien aber zehn Menschen ums Leben gekommen. Später korrigierten die Behörden die Zahl der Toten auf elf. Hintergrund der Anschläge seien vermutlich auch Stammesrivalitäten, sagte der Polizeichef des Bundesstaats Bauchi, Ikechukwu Aduba.

Die radikal-islamische Sekte Boko Haram hatte am Freitagnachmittag vor allem Polizeistationen in der Stadt Kano im Norden des Landes angegriffen. Die Beamten schossen zurück; Passanten flohen in panischer Angst. Boko Haram bezeichnete die Anschläge vom Freitag als "Vergeltungsmaßnahmen" für die Verhaftung von Mitgliedern der Vereinigung.

Furcht vor Bürgerkrieg

Seither wurden weitere fünf Mitglieder der Sekte festgenommen. Die Behörden teilten mit, die Verhaftungen seien in der Hafenstadt Port Harcourt im Süden Nigerias erfolgt. Die Männer hätten Sprengstoff mit sich geführt und vermutlich versucht, Anschläge auf Sicherheitseinrichtungen und Öl-Anlagen zu verüben, sagte ein Geheimdienstoffizier.

EU-Außenministerin Catherine Ashton verurteilte die Gewalt in Nigeria. Sie appellierte an die "lange Tradition religiöser und sozialer Toleranz" in dem Land und versprach Unterstützung der Europäischen Union bei der Friedenssicherung. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle , UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie die französische und die britische Regierung zeigten sich besorgt über die Lage in Nigeria . Das Land ist seit Wochen Schauplatz blutiger Unruhen.

Zu zahlreichen Angriffen bekannte sich die islamistische Sekte Boko Haram. Die neuen Anschläge verstärkten die Befürchtungen vor einem Abgleiten des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes in einen Bürgerkrieg. Präsident Goodluck Jonathan ist zunehmend in der Kritik, weil der arme muslimische Norden Nigerias nicht am Ölreichtum im christlichen Südosten profitiert. Er versprach eine rasche Bestrafung der für die Attentate Verantwortlichen.