Rede an die Nation Obama mobilisiert seine Anhänger

Mehr Staat und mehr Gerechtigkeit: Der US-Präsident hat mit kämpferischen Worten die Republikaner herausgefordert und eine Bilanz präsentiert.

US-Präsident Obama während seiner Rede im Kongress: Im Hintergrund applaudieren Vizepräsident Joe Biden (links) und der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner.

US-Präsident Obama während seiner Rede im Kongress: Im Hintergrund applaudieren Vizepräsident Joe Biden (links) und der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner.

Es war Barack Obamas dritte Rede zur Lage der Nation und es sprach ein entschlossener, ein kraftvoller und kämpferischer, um nicht zu sagen: ein wahlkämpferischer Präsident.

Obama rühmte die Verdienste seiner Amtszeit und bestritt, dass die amerikanische Supermacht an Kraft und Macht eingebüßt habe und der Welt nicht mehr denselben Respekt einflöße.

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Kein Wort über Amerikas gestutzte Rolle, von "leadership from behind" – der Führung aus dem Hintergrund. Im Irakkrieg hatte Obama diesen Begriff in die Welt gesetzt. Stattdessen kraftstrotzende Bemerkungen über Amerikas angebliche Wiederauferstehung als Führungsmacht.

Steuerpolitik

Millionäre sollen nach dem Willen Obamas mindestens 30 Prozent Steuern zahlen. Dazu zählen alle Bürger mit einem Einkommen von mehr als einer Million Dollar (etwa 768.000 Euro) im Jahr. Zudem will er für sie verschiedene Steuererleichterungen streichen. Haushalte mit einem Jahreseinkommen von unter 250.000 Dollar sollen von Steuererhöhungen verschont bleiben.

Energiepolitik

Die USA sollen nach dem Willen Obamas unabhängiger von Energieversorgung aus dem Ausland werden. Dazu setzt der Präsident auch auf weitere Vorkommen in der Heimat: So hat er seine Regierung angewiesen, mehr als 75 Prozent der potenziellen Öl- und Gasfelder vor den US-Küsten für die Erschließung zu öffnen.

China

Obama will faire Handelspraktiken gegenüber China durchsetzen. Dafür will er ein eigenes Überwachungsgremium schaffen: Die Handelspolizei soll etwa gegen unzulässige Exporthilfen und Raubkopierer vorgehen und dafür sorgen, dass weniger gefälschte oder gesundheitsschädliche Güter über die Grenze in die USA kommen.

Iran

Im Atomstreit betonte Obama die Entschlossenheit der USA, eine Bewaffnung des Iran mit Nuklearwaffen unbedingt zu verhindern. "Ich werde keine Optionen vom Tisch nehmen, um dieses Ziel zu erreichen", sagte er. Allerdings sei eine friedliche Lösung noch immer möglich, "wenn der Iran den Kurs ändert und seinen Verpflichtungen nachkommt".

So gut wie nichts sagte Obama zur Euro-Krise und wie sie den sanften Wirtschaftsaufschwung in Amerika gefährden könnte. Auch verlor er kaum ein Wort über den horrenden Schuldenberg der USA von 15 Billionen Dollar und wie man sich aus dem Klammergriff der chinesischen Gläubiger befreien könnte. Stattdessen markige Worte in Richtung Peking.

Obama lobt eigene Erfolge

Wahlkampfzeiten sind keine Gelegenheit für eine kritische Selbstschau. Es sind Augenblicke für rhetorischen Trommelwirbel und die Zurschaustellung der eigenen Erfolge. Sie sind beachtlich und Obama zählte sie alle auf, von der Erschießung Osama bin Ladens über die Beendigung des Irakkriegs bis zur Rettung der Autoindustrie und der Verabschiedung der umstrittenen Gesundheitsreform.

Immer wieder beschwor Obama die Pflicht zur Gemeinsamkeit und zu Kompromissen. Und er mahnte, sich ein Beispiel an den Soldaten zu nehmen, die ungeachtet ihrer politischen und persönlichen, ihrer religiösen und ethnischen Unterschiede solidarisch ihrem Land dienten.

Doch diese Rede sollte keine Brücken bauen. Im Wahljahr ist dies auch nahezu unmöglich. Diese Rede zur Lage der Nation hatte vor allem das Ziel, die eigenen demokratischen Reihen zu schließen und den Kampfgeist der ermüdeten und in harten Regierungsjahren enttäuschten Anhänger wiederzuerwecken. Das ist Obama brillant gelungen.

Leser-Kommentare
  1. Obama wird auch in diesem Herbst die Republikaner politisch platt machen. Dier amerikanischen Waehler haben nicht vergessen was es bedeutet zwar keine Krankenversicherung aber dafuer Steuersysteme zu haben, die Reichtum belohnen und harte Arbeit bestrafen.

    Die Demokraten stehen geschlossen hinter Obama. Romney dagegen wird schon von seinen eigenen Parteifreunden derzeit so fertig gemacht dass ihn bald jeder nur noch als reichen Investmentbanker kennen wird, und nicht mehr als ernstzunehmender Praesidentschaftskandidat.

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    ...den Republikanern geht es in den Vorwahlen schon häufig richtig zur Sache. Wobei der Zweikampf zwischen Gingrich und Romney in der Tat schon außergewöhnlich heftig abläuft.
    Realistische Siegchancen rechne ich allerdings nur Romney zu.
    Er hat auch Möglichkeiten Wähler der Mitte, die Obama zur Zeit klar besetzt, zu mobilisieren. Da steht es um Gingrich eher mau.
    Nur wenn den Republikaner jetzt eine so integere Persönlichkeit wie John McCain zur Verfügung stände, hätten sie aber wohl eine wirkliche Chance.
    Dafür scheinen beide Kandidaten doch zu schwach.
    Man kann nur hoffen, dass Obama dazu bald eine Mehrheit im Repräsentantenhaus bekommt. Dann kann er auch zeigen, dass er es wirklich noch ernst meint mit einem "Change", den die USA so dringend benötigen.

    • Jenss
    • 25.01.2012 um 12:38 Uhr

    Noch nie stand ein Präsident in den Umfragen so schlecht da, noch nie wurde ein Präsident wiedergewählt, der so schlecht in den Umfragen ist.

    Wenn nicht die Wirtschaft bis zur Wahl deutlich beser läuft, ist er (leider) wieder weg vom Fenster.

    ...den Republikanern geht es in den Vorwahlen schon häufig richtig zur Sache. Wobei der Zweikampf zwischen Gingrich und Romney in der Tat schon außergewöhnlich heftig abläuft.
    Realistische Siegchancen rechne ich allerdings nur Romney zu.
    Er hat auch Möglichkeiten Wähler der Mitte, die Obama zur Zeit klar besetzt, zu mobilisieren. Da steht es um Gingrich eher mau.
    Nur wenn den Republikaner jetzt eine so integere Persönlichkeit wie John McCain zur Verfügung stände, hätten sie aber wohl eine wirkliche Chance.
    Dafür scheinen beide Kandidaten doch zu schwach.
    Man kann nur hoffen, dass Obama dazu bald eine Mehrheit im Repräsentantenhaus bekommt. Dann kann er auch zeigen, dass er es wirklich noch ernst meint mit einem "Change", den die USA so dringend benötigen.

    • Jenss
    • 25.01.2012 um 12:38 Uhr

    Noch nie stand ein Präsident in den Umfragen so schlecht da, noch nie wurde ein Präsident wiedergewählt, der so schlecht in den Umfragen ist.

    Wenn nicht die Wirtschaft bis zur Wahl deutlich beser läuft, ist er (leider) wieder weg vom Fenster.

  2. but then he does nothing to get a better situation.

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    Ich denke, das liegt weniger an ihm als am politischen System Amerikas.

    Die Leute wollen einfache Lösungen, weil sie gar keine Lust haben sich auf komplizierte einzulassen, und das System geht an seinen Haken und Ösen zugrunde.

    Ich denke, das liegt weniger an ihm als am politischen System Amerikas.

    Die Leute wollen einfache Lösungen, weil sie gar keine Lust haben sich auf komplizierte einzulassen, und das System geht an seinen Haken und Ösen zugrunde.

  3. haben in den usa weder der präsident, noch demokratisch legitimierte vertreter oder gar das volk irgend etwas zu entscheiden.

    was war am 23.12.1913?

    der federal reserve act wurde vom kongress verabschidet, und seitdem geht alle staatsgewalt von den bankern aus.

    von daher ist es EGAL, wer in amerika präsident ist.

    ich wünsche einen entspannten tag!

  4. wieso haben Sie denn hier die State of the Union aus 2011 in Ihrem Artikel verlinkt, statt der 2012er Rede?

  5. Es mag sich hier vielleicht um eine unglückliche Formulierung von Seiten der "Zeit" handeln und ich hab die Rede auch nicht gesehen und kann daher nicht darüber urteilen, sollte Obama aber tatsächlich von "Respekt einflößen" gesprochen haben, ist dies meiner Meinung nach absolut symptomatisch für die verzerrte Weltsicht der Amerikaner: Respekt flößt man nicht ein. Respekt verdient man sich.

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    • eras
    • 25.01.2012 um 9:02 Uhr

    ...Ihres Kommentars nicht ganz klar. Die Redewendung "Respekt einflößen" ist auf beiden Seiten des Atlantiks gebräuchlich.
    Deutsch:
    http://www.duden.de/recht...
    US-Englisch:
    "to instill respect" (was wörtlich Respekt einträufeln bedeutet)

    Ist aber eigentlich egal, denn er hat das Wort "respect" nur einmal gebraucht. Hier:
    "We gather tonight knowing that this generation of heroes has made the United States safer and more respected around the world."

    Der Satz hier war wohl eher als Zusammenfassung gemeint...

    • eras
    • 25.01.2012 um 9:02 Uhr

    ...Ihres Kommentars nicht ganz klar. Die Redewendung "Respekt einflößen" ist auf beiden Seiten des Atlantiks gebräuchlich.
    Deutsch:
    http://www.duden.de/recht...
    US-Englisch:
    "to instill respect" (was wörtlich Respekt einträufeln bedeutet)

    Ist aber eigentlich egal, denn er hat das Wort "respect" nur einmal gebraucht. Hier:
    "We gather tonight knowing that this generation of heroes has made the United States safer and more respected around the world."

    Der Satz hier war wohl eher als Zusammenfassung gemeint...

    • SuR_LK
    • 25.01.2012 um 8:49 Uhr

    ist immer Relativ, auch in den USA steigt die Zahl der Armen oder auch der "working poor"(ca Aufstocker bei uns). Da die Rede eh von einem Ghostwriter war(auf ARD wurde es extra betont) bleibt eine passable Leistung als Showmaster mit den alten Stich und Klatschwörtern übrig, gratis Versprechen obendrauf.
    btw http://www.zerohedge.com/...
    in dem Artikel bei Zerohedge die word cloud ist hübsch, die Rede gibts dort auch nochmal im Original.

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    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen und haltlose Unterstellungen. Die Redaktion/mak

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen und haltlose Unterstellungen. Die Redaktion/mak

  6. ...und für amerikanische Verhältnisse (!) aufgeklärten Präsidenten ist längst wieder absoluter Parteilichkeit für ihn gewichen.

    Dafür brauchte es nur den Kanditaten-Wettkamp der Republikaner.

    Entscheidet man nicht letztendlich, indem man zwischen ALternativen wählt ?

    Danach dürfte es aus europäischer Sicht keine schwierige Frage sein, wen man sich als amerikanischen Präsidenten wünscht. Im Angesicht der Alternativen.
    (Das demonstriert übrigens, wie unsinnig es von einer Politerin ist, von "alternativlos" zu sprechen, es geht doch gerade um die zu bevorzugende Alternative. "Alternativlos" heißt undemokratisch.)

    Aber als Europäer bin ich auch immer wieder von den Entscheidungen des amerikanischen Wahlvolkes überrascht worden. Nicht positiv, aber das ist auch nur eine demokratische Meinung.

    • eras
    • 25.01.2012 um 9:02 Uhr

    ...Ihres Kommentars nicht ganz klar. Die Redewendung "Respekt einflößen" ist auf beiden Seiten des Atlantiks gebräuchlich.
    Deutsch:
    http://www.duden.de/recht...
    US-Englisch:
    "to instill respect" (was wörtlich Respekt einträufeln bedeutet)

    Ist aber eigentlich egal, denn er hat das Wort "respect" nur einmal gebraucht. Hier:
    "We gather tonight knowing that this generation of heroes has made the United States safer and more respected around the world."

    Der Satz hier war wohl eher als Zusammenfassung gemeint...

    Antwort auf "Respekt"
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    "We gather tonight knowing that this generation of heroes has made the United States safer and more respected around the world." Hahaha, der war gut!

    "We gather tonight knowing that this generation of heroes has made the United States safer and more respected around the world." Hahaha, der war gut!

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