Streit über NuklearwaffenUSA sehen Iran noch mindestens ein Jahr von Atombombe entfernt

Der US-Verteidigungsminister hat seine Einschätzung erneuert, dass der Iran binnen eines Jahres eine Atomwaffe herstellen könnte – wenn die Führung sich dafür entschiede. von afp und dpa

Der Iran könnte nach Einschätzung der US-Regierung binnen zwölf Monaten Atomwaffen entwickeln. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte dem Fernsehsender CBS , mindestens ein Jahr sei nötig, um genügend waffenfähiges Uran anzureichern. Anschließend würden sie noch ein oder zwei Jahre brauchen, um sie auf einem Trägersystem wie einer Rakete zu installieren.

Die Aussage von Panetta zeigt, dass er weiterhin davon ausgeht, dass der Iran noch keine Entscheidung zum Bau einer Bombe getroffen hat. Bereits Anfang 2011 waren die 16 US-Nachrichtendienste zu dem Schluss gekommen, dass die iranische Führung geteilter Meinung ist, ob eine Atombombe gebaut werden soll. Auch wenn sie ihr umstrittenes Atomprogramm fortführe, habe sie noch keinen Entschluss für den Bau einer Bombe getroffen, hieß es damals in dem gemeinsamen Bericht der Nachrichtendienste.

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Panetta betonte erneut, die USA würden es nicht zulassen, dass die iranische Regierung in den Besitz von Atomwaffen gelange. "Wenn sie fortfahren und wir Informationen erhalten, dass sie mit der Entwicklung einer Kernwaffe fortfahren, werden wir alles tun, was nötig ist, um es zu verhindern."

Bereits Mitte 2010 hatte Panetta eine ähnliche Einschätzung zum Stand des iranischen Atomprogramms geliefert, als er noch CIA-Chef war. Um Atombomben zu bauen, müsse Iran das Uran zunächst hoch anreichern. "Und wir würden schätzen, dass es, wenn sie sich dafür entscheiden, wahrscheinlich ein Jahr dauern würde, diesen Punkt zu erreichen", sagte er schon damals.

USA planen bunkerbrechende Bomben

Vor zwei Tagen wurde bekannt, dass das US-Verteidigungsministerium insgeheim beim Kongress Geld für die Weiterentwicklung seiner bunkerbrechenden Bomben beantragt hat. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge sei der Vorstoß Teil der Planung eines möglichen Angriffs auf die iranischen Atomanlagen.

Die Schlagkraft bunkerbrechender US-Bomben reiche demzufolge nicht für deren Zerstörung. Panetta hatte Mängel eingeräumt und die Weiterentwicklung der Bombe angekündigt. Sie werde bald imstande sein, auch die tiefsten iranischen Bunker zu zerstören, sagte Panetta.

Der Massive Ordnance Penetrator genannte Bunkerbrecher sei speziell entwickelt worden, um die massiv befestigten Anlagen der iranischen und nordkoreanischen Atomprogramme zu zerstören, berichtete das Blatt. Versuche hätten aber gezeigt, dass die Bombe einige iranische Anlagen nicht zerstören könne – weil diese sich entweder zu tief in der Erde befänden oder weil Teheran ihre Befestigungen verstärkt habe. Die Bombe müsse vor ihrer Explosion tiefer in Stein, Beton oder Stahl eindringen, hieß es.

Am Sonntag war eine ranghohe Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde ( IAEA ) in Teheran eingetroffen . Sie soll während ihres dreitägigen Besuchs versuchen, die Gespräche über das Atomprogramm wieder in Gang zu bringen, die seit mehr als einem Jahr auf Eis liegen. Womöglich können die IAEA-Experten auch die neue unterirdische Urananreicherungsanlage Fordo bei der Stadt Ghom besuchen.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
    • Schlagworte Leon Panetta | Atombombe | Atomprogramm | Atomwaffe | Bunker | CBS
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